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Reiseführer Rügen - Hiddensee - Stralsund:Stichworte

Allerlei interessante Informationen über Bakenberge, Findlinge und einen während der Hansezeit berühmten Seeräuber

Ernst Moritz Arndt

Er ist einer der berühmtesten Söhne Rügens: Ihm ist ein Museum in Garz gewidmet, und der Turm auf dem Rugard trägt seinen Namen. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, setzte sich Arndt (1769–1860) für die Bauernbefreiung ein. Er wurde in Groß Schoritz geboren, besuchte in Stralsund das Gymnasium und studierte in Greifswald und Jena. In Greifswald verlor er 1806 seine Professur, weil er offen gegen die napoleonische Fremdherrschaft auftrat. 1848/49 war er Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung.

Bakenberge

Die Landkarte Rügens verzeichnet mehrere Bakenberge: am Nordstrand von Wittow (28 m), bei Nardevitz auf Jasmund (111 m), nördlich von Vilmnitz (46 m) und bei Groß Zicker auf Mönchgut (65 m). Die Erhöhungen erhielten ihren Namen von Baken, die einst der Seefahrt als Orientierung dienten. Nachts brannten auf den Bakenbergen Pechfeuer.

Blaue Flagge

An Rügens Stränden wehen blaue Flaggen. Sie sind sichtbares Zeichen für hohe Umweltstandards wie gute Wasserqualität und saubere Strände. Das Umweltsymbol muss jedes Jahr neu erkämpft werden, Kriterien sind ausreichende saubere sanitäre Einrichtungen, eine gute Abfallentsorgung und die 14tägige mikrobiologische und physikalisch-chemische Überprüfung des Badewassers. Binz, Sellin, Baabe und Göhren sowie Vitte auf Hiddensee scheinen ein Abonnement auf die begehrte Auszeichnung zu haben, die ungetrübtes Urlaubsvergnügen verspricht. Deutschlandweit darf jährlich an etwa drei Dutzend Badestellen das blaue Fähnchen hochgezogen werden, davon befinden sich weit über die Hälfte in Mecklenburg-Vorpommern. Weltweit verleiht die nichtstaatliche Foundation for Environmental Education jedes Jahr über 3000 Blaue Flaggen in etwa 40 Ländern.

Fauna & Flora

In der Stubnitz und Granitz gibt es noch natürliche Buchenwälder. Teilweise üppig wächst der Sanddorn, dessen orangerote, vitaminreiche Früchte von den Einheimischen zu Saft und Marmelade verarbeitet werden. Unter Naturschutz stehen der Meerkohl, eine bis zu 70 cm buschartig verzweigte Pflanze, und die bis zu 40 cm hoch werdende Stranddistel mit kugelartigen Blüten. Möwen kommen fast überall vor, meist die an ihrem roten Schnabel erkennbare Lachmöwe. In der Ostsee fangen die Fischer Dorsch, Flunder und Hering, in den Boddengewässern Hecht, Barsch, Aal und Zander. Zur Fauna Rügens gehören auch Waschbär, Marderhund, Reh, Rotwild, Damwild und Wildschwein.

Findlinge

Die Gletscher der Eiszeiten haben mächtige Felsbrocken hinterlassen, die Findlinge genannt werden. Der größte Geschiebeblock Nordeuropas liegt etwa 200 m nordöstlich vom Göhrener Strand in der Ostsee. Der Buskam genannte Stein hat eine Größe von 600 m3 , sein Gewicht beträgt 1926 t. Die aus dem Meer herausragende Oberfläche besitzt einen Umfang von 40 m. Rügens zweitgrößter Findling ist mit 180 m3 und 600 t Gewicht der Große Stein 300 m östlich von Nardevitz. An dritter Stelle rangiert der 65 m3 große und 175 t schwere Stein von Blandow, der westlich von Lohme liegt. An vierter Stelle folgt der 61 m3 große sogenannte Siebenschneiderstein, dessen Gewicht 165 t beträgt. Er befindet sich etwa 700 m nordwestlich von Kap Arkona.

Caspar David Friedrich

Friedrichs um 1818 entstandenes Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“ besitzt Weltruhm. Entgegen anderslautenden Behauptungen zeigt das Bild aber nicht die Wissower Klinken, sondern die Viktoria-Sicht. Das belegen von Friedrich (1774–1840) gefertigte Skizzen eindeutig. Ein Vergleich ist aber heute nicht mehr möglich, denn die Natur hat in den vergangenen zwei Jahrhunderten unablässig an der Kreideküste modelliert. Der in Greifswald geborene bedeutende Maler der Romantik hat mit seinen Landschaftsbildern Rügen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Zwischen 1801 und 1826 hielt er sich sechsmal auf der Insel auf.

Gold der Ostsee

„Es kullert“, sagen viele Einheimische nach Nordoststürmen und eilen am Morgen zum Meer. Gemeinsam mit Urlaubern laufen sie die Strände entlang, den Kopf stur nach unten gerichtet. Sie suchen im Sand und stochern in dem glitschigen Seegras. Bernstein wird gesucht, das versteinerte Harz von Nadelbäumen, das bis zu 200 Millionen Jahre alt ist. Mancher erliegt einen Irrtum, hält gelbbraune Kieselsteine oder abgeschliffene braune Glasscherben für Bernstein. Durch die Reibeprobe lässt sich schnell feststellen, ob es wirklich gekullert hat: Wird ein größeres Bernsteinstück an Stoff gerieben, lädt es sich im Gegensatz zum Kieselstein oder Glas elektrostatisch auf und zieht Papierschnitzel an. Oder man greift zur Wasserprobe: In Salzwasser schwimmt Bernstein wegen seiner geringen Dichte, Kieselsteine und Glas dagegen sinken zu Boden.

Grüne Tunnel

In Sellin beginnt die Deutsche Alleenstraße, die über Putbus weiter aufs Festland führt. Aber auch in anderen Ecken der Insel fahren Sie oft durch grüne Tunnel. Rügen hat 250 km Alleen und 50 km einseitige Baumreihen. Ein Alleebaum produziert täglich so viel Sauerstoff, wie ihn zehn Menschen benötigen, und er filtert bis zu 1 t Staub aus der Luft. Rügens Straßen werden meist von Linden, Kastanien, Buchen und Obstbäumen gesäumt. Ein Alleebaum wird maximal 100 Jahre alt, viele von denen auf Rügen sind altersschwach und müssen gefällt werden. Die Landesregierung besitzt jedoch ein „Alleenentwicklungsprogramm“, das vorsieht, die baumbestandenen Straßen als eines der Identitätszeichen des Bundeslands nicht nur zu erhalten, sondern sogar zu erweitern. Als man die Bäume vor reichlich 200 Jahren pflanzte und so Straßen zu Alleen machte, ging es nicht um Öko, Umwelt und Klimawandel. Damals sollten die Bäume die unbefestigten Wege bei Dunkelheit und im Winter bei Schnee markieren. Damals wie heute freuen sich die Menschen über die grünen Tunnel, aber auch vielen Lebewesen bieten sie im waldarmen Rügen Lebensraum.

Hanse

Stralsund besann sich nach der Einheit seiner Traditionen und nennt sich seitdem offiziell Hansestadt. Mit dem ersten allgemeinen Hansetag 1356 in Lübeck begann die Entwicklung der Städtehansa. 1370 versammelten sich im Stralsunder Rathaus Vertreter der Hansestädte und zwangen den dänischen König im Frieden von Stralsund, seine Vormachtstellung aufzugeben. Im 14./15. Jh., als die große Fernhandelsvereinigung auf dem Höhepunkt ihrer Macht war, zählte sie etwa 130 Städte zu ihren Mitgliedern.

Hiddenseer Goldschmuck

1872 und 1874 wurde bei Neuendorf der berühmt gewordene Hiddenseer Goldschmuck gefunden. Bis heute blieb ungeklärt, ob die furchtbare Sturmflut von 1872 den Schmuck aus dem Sand freigespült hat oder ob er von einem gestrandeten Schiff stammt. Aus alten Akten geht hervor, dass die Teile zu unterschiedlichen Zeiten nach Stralsund gelangten. Dort verwahrt das Kulturhistorische Museum die Kostbarkeit im Tresor, gezeigt wird eine originalgetreue Nachbildung. Im Heimatmuseum in Kloster auf Hiddensee ist eine verkleinerte Nachbildung zu sehen. Goldschmiede auf Rügen und in Stralsund bieten Nachbildungen an.

Kraniche

Bis zu 40 000 Kraniche rasten jeden Herbst mehrere Wochen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und auf Rügen, bevor sie zu ihrer weiten Reise nach Nordafrika aufbrechen. Tagsüber suchen die Kraniche auf abgeernteten Feldern nach Nahrung, abends fliegen sie in langen Ketten zurück zu ihren Schlafplätzen, die sich in den flachen Boddengewässern befinden. Der Graue Kranich, die einzige in Deutschland vorkommende Kranichart, kann bis zu 1,25 m Größe erreichen, seine Flügelspanne beträgt bis zu 2,45 m.

Kreide

„Weißes Gold“ sagen die Rüganer zur Kreide, die seit Mitte des 19. Jhs. auf ihrer Insel abgebaut wird. Die erste Schlämmerei nahm 1845 den Betrieb auf. Vor allem bei Sassnitz entstanden zahlreiche Tagebaue, mit dem 20. Jh. begann die industrielle Verarbeitung. Bis zu 500 000 t wurden jährlich auf Schiffe verladen und weithin verschifft.

Mehrere Hotels bieten Anwendungen mit „Original Rügener Naturheilkreide“ an, die als schlammige Masse auf die Haut aufgetragen wird. Rheumatische Beschwerden, Gelenkentzündungen sowie nervöse und organisch bedingte Verspannungen sollen damit gelindert werden. Kreidepackungsbäder wirken entschlackend, pflegen die Haut und fördern die Durchblutung.

Plattdeutsch

Ältere Rüganer sprechen untereinander oft noch Plattdeutsch. Binnenländlern fällt es meist schwer, den Inhalt eines solchen Gesprächs zu verstehen. Nach dem Rückgang des Lateinischen war Plattdeutsch, auch Niederdeutsch genannt, vom 14. Jh. an in Norddeutschland die Verkehrssprache. Ab dem 16. Jh. nahmen der Adel und das Bürgertum das Hochdeutsche an, für dessen Verbreitung Martin Luther mit der Bibelübersetzung einen grundlegenden Beitrag leistete. Das in zahlreiche landschaftlich gebundene Dialekte zerfallende Plattdeutsch blieb noch für Jahrhunderte Umgangssprache der einfachen Menschen.

Rohrdach

Die Häuser der einfachen Menschen waren in der Vergangenheit fast nur mit Rohr gedeckt (niederdeutsch Reet genannt). Wer wohlhabend war und das auch zeigen wollte, ließ sich Ziegel auf das Dach legen. Das Rohr konnten die Fischer und Kleinbauern an den Boddengewässern selbst ernten, für das Eindecken brauchten sie keine Handwerker. Heute ist es genau umgekehrt: Wer sein Haus mit Rohr decken lässt, muss schon etliches auf dem Konto haben, allein die Versicherungssumme beträgt wegen der erhöhten Brandgefahr ein Vielfaches der eines ziegelgedeckten Hauses. Wenn Qualitätsarbeit geleistet wird, hält so ein Dach länger als 60 Jahre. Der Begriff Reet ist auf Rügen traditionell nicht gebräuchlich.

Seegras

Vor der Küste Rügens existieren auf dem Meeresboden große Seegrasfelder. Starker Seegang reißt die bis zu 2 m langen Pflanzen los und treibt sie an Land. Dort türmen sie sich oft bis zu halbmeterhohen Wällen auf. An warmen Tagen beginnen die braunen Pflanzen zu verwesen, dabei verbreiten sie einen üblen Geruch. In den Ortslagen der Seebäder wird bei der Strandreinigung, die durch die Kurtaxe finanziert wird, auch das Seegras weggeräumt.

Klaus Störtebeker

Klaus Störtebeker hat den Reichen genommen und den Armen gegeben. So erzählt die Legende. Der Seeräuber wurde zum Robin Hood der Ostsee verklärt, insgesamt zwölf Städte und Dörfer beanspruchen ihn für sich. Einer der Sagen zufolge ist er in Ruschvitz auf Rügen geboren, eine andere erzählt, im Hafen von Ralswiek sei einer seiner 18 Schlupfwinkel auf Rügen gewesen. In der Ostsee und später in der Nordsee kaperten die Seeräuber Hansekoggen und englische Handelsschiffe. Bald begann die Hanse sie deshalb zu jagen, 1401 köpfte der Scharfrichter Störtebeker und seine Gesellen in Hamburg. Jährlich erzählen die Störtebeker-Festspiele auf Rügen eine Geschichte aus dem Leben des Seeräubers, den wenigen bekannten Fakten wird eine Menge Theatergarn hinzugesponnen. Die Gäste mögen es, mehr als 300 000 Zuschauer verfolgen jährlich das aufwendig inszenierte Spektakel am Jasmunder Bodden.

Strandkorb

Hunderte von Strandkörben bevölkern die Sandstrände von Rügen. Zu Weltruhm kam der geflochtene Korb im Jahr 2007. Eigens für den G8-Gipfel in Heiligendamm wurde ein Exemplar in Übergröße gefertigt. In dem nahmen die Regierungschefs der führenden Industriestaaten Platz, das Bild ging um den Erdball.

Nur wenige Kilometer von dieser Stelle entfernt, am Strand von Warnemünde, stand 1882 der allererste Strandkorb. Der Rostocker Hofkorbmachermeister Wilhelm Bartelmann hatte für eine ältere, rheumakranke Dame einen mit Markisenstoff überdachten Rohrstuhl als Windschutz gebaut, der einem aufrecht stehenden Wäschekorb glich. Im Jahr darauf annoncierte Bartelsmann im Allgemeinen Rostocker Anzeiger: „Badegästen empfiehlt Bartelmann Strandkörbe als Schutz gegen Sonne und Wind.“ Wenig später eröffnete seine Ehefrau den ersten Strandkorbverleih an der Ostseeküste. Heute sitzen die Vermieter auf Rügen an fast jedem Strandzugang.

Wellness-Navi

Aromadämpfe wabern durch den Raum, man badet im Blütenöl oder lässt sich mit Rügener Heilkreide umhüllen. Die Gäste wünschen hochwertige Vital- und Verwöhnerlebnisse, und das in Topqualität. Auf Rügen sind solche Wohlfühlhotels leicht zu finden, denn die besten von ihnen tragen das Gütesiegel des Deutschen Wellnessverbands. Das leitet die Gäste quasi wie ein Navigationsgerät. Bevor es das Zertifikat gibt, stehen 200 bis 750 Einzelkriterien auf dem Prüfstand. Erst, wenn die strengen Tester zufrieden sind, wird das Zertifikat verliehen. Die Auszeichnung gilt für zwei Jahre, dann kommen die Tester erneut angereist, und die Prozedur beginnt von vorn.

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Kerstin Sucher und Bernd Wurlitzer (www.tourismus-journalisten.de) leben und arbeiten als freie Reisejournalisten in Berlin. Ihre große Liebe gehört Mecklenburg-Vorpommern, durch zahlreiche Veröffentlichungen gelten sie als profunde Kenner dieses Bundeslands. Oft sind sie auf Rügen unterwegs, fast immer gehts auch nach Hiddensee, mit einem Bummel durch Stralsund beginnt oder endet jede Reise.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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