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Reiseführer Niederländische Küste:Erlebnistouren

Jeder Zipfel dieser Erde hat seine eigene Schönheit. Wenn Sie Lust haben, die einzigartigen Besonderheiten dieser Region zu entdecken, wenn Sie tolle Tipps für lohnende Stopps, atemberaubende Orte, ausgewählte Restaurants oder typische Aktivitäten bekommen wollen, dann sind diese maßgeschneiderten Erlebnistouren genau das Richtige für Sie. Machen Sie sich auf den Weg und folgen Sie den Spuren der MARCO POLO Autoren.

MARCO POLO Koautorin Anneke Bokern

Die Niederländische Küste perfekt im Überblick

Tag 1

Wer eine Reise entlang der Niederländischen Küste im zeeländischen Veere beginnt, wandelt auf historischen Pfaden: Schon Albrecht Dürer war 1520 hingerissen von dem "sehr feinen Städtchen". Angesichts der verträumten Altstadt am Seeufer ist das gut nachvollziehbar. Ein Stopp im Restaurant Campveerse Toren stimmt auf die niederländische Fischküche ein - vielleicht mit einem Oosterschelde-Hummer? Auf sein Lebensrevier können Sie einen Blick werfen, wenn Sie auf dem Weg nach Norden entlang der N 57 das Oosterschelde-Sturmflutwehr überqueren. Wie das Wehr funktioniert, erfahren Sie hautnah im Deltapark Neeltje Jans . Bleiben Sie auf der N57, dann erreichen Sie die Insel Schouwen-Duiveland mit wunderschönen Nordseestränden zwischen Haamstede und Renesse. Tanken Sie salzige Meeresluft, denn nach einer Übernachtung, z. B. im altehrwürdigen Landgoed Hotel Renesse in Renesse, verlassen Sie für eine Weile die Küste.

Tag 2

Die N57 führt über Brouwersdamm und Haringvlietdam bis zur A 15 nach Rotterdam , der modernen Metropole an der Maas. Checken Sie zunächst auf der SS Rotterdam ein, einem ehemaligen Ozeanriesen, der nun dauerhaft vor Anker liegt. Danach geht's mit dem Splash-Bus auf abenteuerliche Roundtour: erst durch die Innenstadt - und dann im Wasser der Maas weiter.

Tag 3

Wenn Sie danach wieder etwas Ruhe suchen, brauchen Sie am nächsten Tag nicht weit zu fahren. In einer Dreiviertelstunde erreichen Sie über A 13, A 4 und dann N 206 das kleine Seebad Katwijk aan Zee . Hier erwartet Sie ein endloser Sandstrand und ein riesiges Dünengebiet, das auch von schottischen Hochlandrindern bevölkert wird. Jetzt heißt es: Schuhe aus und den Sand zwischen den Zehen fühlen - am Strand von Katwijk können Sie ein oder zwei Stündchen herrlich wandern. Wenn das Wetter es zulässt, bietet sich natürlich auch ein Sprung in die Wellen an. Von hier geht es wieder in geschichtsträchtige Gefilde, und zwar entlang der N 206 ins nördlich gelegene Haarlem . Noch heute bildet die gotische Grote Kerk das Herz der pittoresken Stadt. Besuchen Sie ein paar versteckte hofjes und steuern Sie dann zum Shoppen die Zijlstraat an! Dort verkauft zum Beispiel Bij Saar Thuis eine originelle Mischung aus Damen- und Kindermode, Turnschuhen sowie Wohnaccessoires. Als stilvolles Domizil wählen Sie das Stadthotel Stempels.

Tag 4

Am nächsten Tag führt die Route über A 9, N 9 und N 510 weiter nach Norden. Dort wartet mit Bergen der mondänste Teil der Küste. Im ehemaligen Künstlerort befinden sich heute die Sommerresidenzen betuchter Niederländer. Das merkt man auch an den Strandclubs im nahen Bergen aan Zee , die alle etwas schicker sind als anderswo. Es lohnt sich, einen Tag zu bleiben, einen Sprung ins Wasser zu wagen und bei einem Glas Rosé mit bitterballen den Sonnenuntergang am Strand zu genießen. Im Hotel Boschlust schlafen Sie entspannt.

Tag 5-6

Lust auf ein Kontrastprogramm? Dann geht es am nächsten Tag zurück in Richtung Alkmaar und über N 245, N 242 und A 7 durchs Polderland nach Den Oever , wo die IJsselmeerfischer jeden Samstag auf dem Fischmarkt in einer Hafenhalle konkurrenzlos frische Ware aus dem Meer verkaufen. Danach überqueren Sie den 32 km langen Abschlussdeich, der das IJsselmeer von der Nordsee abriegelt, und finden sich in Friesland wieder, der am dünnsten besiedelten Provinz der Niederlande. Die A 31 bringt Sie ins Städtchen Franeker , wo Sie das so kuriose wie wunderschöne Eisinga-Planetarium bestaunen können. Als krönenden Abschluss Ihrer Reise besteigen Sie im Dörfchen Holwerd , das Sie über A 31, N 398 und N 357 erreichen, die Fähre nach Ameland , wo Sie im Hotel Nobel noch eine Nacht verbringen. Das Auto lassen Sie am Fähranleger stehen, denn auch das gehört zur perfekten Route entlang der Niederländischen Küste: eine Fahrradtour. Und wo ginge das besser als auf einer Wattinsel, deren Nordküste ein einziger langer Strand ist? Der Fahrradverleih Kiewiet erwartet Sie gleich am Ende des Fährdamms und transportiert auch Ihr Gepäck zum Hotel. Wer mag, fährt direkt weiter bis zum Strandübergang am Nordrand von Nes und hüpft in die kühle Nordsee.

Durch das Waterland radeln

10:00

Schon Durgerdam , Ausgangspunkt der Fahrradtour, ist ein Stück Bilderbuch-Holland. Das Dörfchen besteht lediglich aus einer Reihe hübscher Häuschen, die sich an den Deich kuscheln. Und auf diesem Deich radeln Sie erst einmal nach Süden, in Richtung Amsterdam. Beim beschilderten ANWB-knooppunt 46 biegen Sie rechts ab, fahren um eine Schrebergartenkolonie herum und folgen dann den rotweißen Schildern in Richtung Zunderdorp. Der Weg führt entlang sumpfiger Wiesen voller Wasservögel, vorbei an einzelstehenden Bauernhöfen und über kleine Kanäle. Nördlich des Gemeindefleckens Zunderdorp wartet der Biobauernhof Ons Verlangen mit ökologisch erzeugtem Obst und Gemüse, Lammfleisch, Milchprodukten und selbstgemachtem Eis im Sommer.

12:00

Wenn Sie nun den Wegweisern nach Broek in Waterland folgen, radeln Sie auf dem Ringdeich von 1627 entlang, der den niedriger gelegenen Broekermeerpolder umgibt. Das lauschige Dorf Broek in Waterland - mit bunten Holzhäusern, die sich um einen kleinen Teich mit Schwänen scharen - lädt zu einer Pause ein, zum Beispiel bei einem Pfannkuchen mit Speck, Äpfeln und Sirup im uralten Café De Witte Swaen.

Nach der Stärkung folgen Sie den Wegweisern nach Zuiderwoude. Rund um die kleinen Seen entlang des Wegs leben viele Wasservögel: Mit etwas Glück können Sie einen Kiebitz, einen Säbelschnäbler oder eine seltene Schnepfenart sehen. Wieder auf dem IJsselmeerdeich angekommen, eröffnet sich ein wunderschöner Panoramablick über das Wasser mit den grünen Holzhäuschen der Insel Marken in der Ferne. Sie erreichen das Dorf über den 1,7 km langen Verbindungsdamm. Im winzigen Marker Museum erleben Sie, wie die Zuiderzeefischer früher wohnten.

16:00

Wenn Sie sich in Marken umgeschaut haben, geht es wieder zurück aufs Festland und auf dem IJsselmeerdeich nach Süden. Beim malerischen, verschlafenen Deichdorf Uitdam sehen Sie zu beiden Seiten Ihres Radwegs nur noch Wasser, denn dort erstreckt sich hinter dem Deich die Wasserfläche des Uitdammer Die, gekrönt von einem winzigen, baumbestandenen Inselchen. Hinter Uitdam führt Sie der Radweg noch weitere acht Kilometer auf dem Deich entlang und bietet eine herrliche Aussicht auf Wasser und in der Ferne vorbeiziehende Segelboote, bevor Sie Ihren Ausgangspunkt Durgerdam wieder erreichen. Bei einem Kaffee mit Apfelkuchen auf der Terrasse des Hotel-Restaurants De Oude Taveerne können Sie die Radtour ganz gemütlich ausklingen lassen.

Zu den Städten des Goldenen Zeitalters

Tag 1

Start der Tour ist am Oude Haven von Zierikzee . Den heute verschlafenen Hafen säumen schmucke Häuser aus dem 17. Jh., als das zeeländische Städtchen eine bedeutende Handelsstadt war. Spazieren Sie am Hafenpark entlang zum alten Rathaus, wo Sie immer donnerstags um 13.30 Uhr einem einstündigen Glockenspielkonzert lauschen können. Hinterm Rathaus erblickt man den Sint Lievens Monstertoren, auch als "dicker Dom" bekannt. Besteigen Sie ihn und belohnen Sie sich mit einer großartigen Aussicht über die Oosterschelde. Danach geht es über die N 59 und A 29 in die nicht minder alte Stadt Dordrecht . Während der St.-Elisabeth-Flut im Jahr 1421 wurde die Stadt (110000 Ew.) vom Festland abgeschnitten. Seitdem liegt sie auf einer Insel. Am Groothoofdspoort, dem barocken Hafentor, hat man eine herrliche Aussicht: Hier kommen alle Binnenschiffe von und nach Rotterdam vorbei. In einem Patrizierhaus am Nieuwe Haven 29, ist das Museum Simon Van Gijn untergebracht. Lassen Sie sich von den üppig ausgestatteten Räumen des Bürgerhauses aus dem 19. Jh. beeindrucken! Ein Spaziergang quer durch die Altstadt, über Grote Markt und Wijnbrug, führt zum Museum Hof van Nederland, wo die niederländische Geschichte lebendig wird. Danach lockt gleich um die Ecke das Fischrestaurant De Stroper. Im Sommer sitzen Sie lauschig auf der kleinen Brücke über dem Wijnhaven. Nach einer Übernachtung, z. B. im ehemaligen Wasserturm der Villa Augustus

Tag 2

fahren Sie auf der N 3 und A 15 weiter in Richtung Papendrecht, Alblasserdam nach Kinderdijk . Einzigartig ist die wohl meistfotografierte Mühlenlandschaft der Niederlande. Die 19 Windmaschinen aus dem 18. Jh. sind die größte Ansammlung von Poldermühlen im Land. In der Mühle Nederwaard erwartet Sie ein echter Müller und berichtet davon, wie die Angehörigen seiner Zunft bis in die 1950er-Jahre lebten.

Nehmen Sie die Autofähre über die Lek nach Krimpen a. d. Lek, fahren Sie weiter nach Capelle aan de IJssel und schlagen Sie via E 19 die Richtung Den Haag ein. Um nach Delft zu kommen, verlassen Sie die Autobahn bei der Abfahrt Delft (nicht Delft-Zuid). Schon von Weitem ist der schiefe Turm der Oude Kerk sichtbar. Durch die romantische Innenstadt entlang der Grachten zu spazieren (Vorsicht Radfahrer!) ist ein Vergnügen. Im Goldenen Zeitalter wurde Delft eine der wichtigsten Handelsstädte der Niederlande. In der pittoresken Altstadt findet in den Sommermonaten jeden Samstag ein riesiger Floh- und Antikmarkt statt. Als Abschluss steuern Sie eins der Terrassencafés am Markt an, flankiert von der Nieuwe Kerk und dem klassizistischen Rathaus. Besonders lauschig ist das Café-Restaurant 't Vermeertje. Wer jetzt noch die Puste hat, um den Kirchturm der Nieuwe Kerk zu erklimmen, wird mit einem Panoramablick über die Stadt belohnt.

Von Eiland zu Eiland hüpfen

Tag 1-2

Ausgangspunkt Ihrer Tour ist Lauwersoog , von wo aus Sie mit der Fähre die kleinste und östlichste bewohnte Watteninsel erreichen. Parken Sie im Scheepspark-Parkhaus auf dem Festland, denn Autos können Sie auf das nur 40 km2 große Schiermonnikoog nicht mitnehmen; dafür warten drüben am Inselanleger Busse auf Neuankömmlinge. Übernachten können Sie im einzigen, gleichnamigen Ort der Insel, von dem aus sich auch schöne Spaziergänge anbieten: z. B. zum Leuchtturm Noordertoren oder entlang dem endlosen Nordseestrand im Norden. Abends ist es Zeit für ein Kuriosum: Im Van der Werff befindet sich der älteste Hotelspeisesaal der Niederlande, mit Obern im Frack und angenehm altmodischem Charme. Am zweiten Tag ist es Zeit für einen Ausflug in die wilde Landschaft der Kobbeduinen am Ende des Johannes de Jongpad. Auf den Dünen wachsen Flieder, Sanddorn und Hagebutten, in den Kuhlen dazwischen stehen Sumpfpflanzen. Mittendrin steht am Kwelderpad eine hölzerne Bake, die 1766 errichtet wurde und Schiffen tagsüber zur Orientierung diente. Auf dem Trampelpfad geht es weiter bis zum Willemsduin.

Tag 3

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Ameland . Drei Stunden dauert die Überfahrt mit der M.S. Ameland (Tel. 06-51858450 | www.robbenboot.nl ) auf die hübsche Insel der Walfänger. Der Hafen liegt direkt beim Ort Nes mit seinen alten Kapitänshäusern. Jetzt heißt es: ab in den Matsch! Bei einer Wattwandern erfahren Sie alles über das besondere Ökosystem der Gezeitenlandschaft. Bei Beach Ameland am Strand von Nes können Sie sich danach im Strandsegeln versuchen, ehe Sie im Hotel Nobel in einer ehemaligen Kirche übernachten.

Tag 4

Am kommenden Tag geht es nach Terschelling. Dieses Mal fahren Sie nicht mit einer gewöhnlichen Fähre, sondern mit dem historischen Segelschiff Willem Jacob . Wer will, darf auf dem 1889 gebauten Klipper beim Hissen der 300 m2 großen Segel helfen oder auch mal am Ruder stehen. Oder Sie genießen einfach nur die Aussicht: Auf halbem Weg zwischen Ameland und Terschelling liegt Robbeneiland, eine Sandbank, auf der sich im Sommer hunderte Seehunde tummeln. Der Inselhafen von Terschelling liegt im Ort West-Terschelling, und Sie erkennen ihn schon von Weitem am kantigen Brandaris, dem ältesten Leuchtturm der Niederlande von 1594. Diese Insel ist deutlich betriebsamer als ihre östlichen Nachbarn. Am Nordseestrand und im Naturschutzgebiet De Boschplaat verläuft der Trubel sich jedoch schnell in den Dünen. Mieten Sie ein Fahrrad, z. B. bei Zeelen Fietsenverhuur, und strampeln Sie nach Osten, dann erreichen Sie die Boschplaat innerhalb von einer Stunde. Die frühere Sandbank nimmt beinahe ein Drittel der Gesamtfläche von Terschelling ein und ist Brutplatz vieler Vogelarten. Noch eine Übernachtung, z. B. im B&B de Postoari,

Tag 5

dann geht es wieder auf das Festland. Die letzte Bootsfahrt des Ausflugs führt von Terschelling quer über das Wattenmeer ins Festlandstädtchen Harlingen und dauert mit der normalen Fähre zwei Stunden, mit dem Schnellboot nur 40 Min. Harlingens hübsche Altstadt mit ihren Treppengiebelhäusern und Grachten ist einen abschließenden Spaziergang wert.

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Der Job bei einer Kunstnachrichtenagentur führte Anneke Bokern nach Amsterdam. Schnell lernte sie die Meernähe lieben, Buttermilch zum Mittagessen tolerieren und niederländisches Design schätzen. Seit 2001 ist sie als freie Journalistin in Amsterdam tätig. Sie schreibt für internationale Medien über niederländische Architektur, Design und Kunst und organisiert Architekturführungen in den Niederlanden.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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