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Reiseführer La Palma:Nationalpark

Caldera de Taburiente

MARCO POLO Autor Horst H. Schulz

Viele kommen einzig und allein ihretwegen: Geologen, Biologen, Ornithologen, Höhlenforscher, Alpinisten und Wanderer. Ihre Ausmaße sind nahezu gewaltig - mit rund 10 km im Durchmesser, mit Höhenunterschieden von bis zu 2000 m und mit Gipfeln, die 2400 m in den Himmel steigen und im Winter von Schnee bedeckt sein können.

Die Caldera de Taburiente, der „Kessel von Taburiente“, ist in vielerlei Hinsicht das Herz der Insel La Palma. Hier liegen nicht nur die reichsten unterirdischen Wasserreservoires der Insel. Hier leben auch alle wild vorkommenden Tierarten, gedeihen alle Arten der reichen palmerischen Flora.

Die Landschaft hat etwas Mystisches. Unter den steilen Wänden, in einer raumfüllenden Stille, die hin und wieder vom Rauschen des Wassers, dem Wind in den Kiefern und dem durchdringenden Ruf einer graja, der palmerischen Dohle, unterbrochen wird, kommt sich der Mensch klein und unbedeutend vor.

Die Urlandschaft, zum Teil durch Wanderpfade zugänglich, mit ihren steilen Wänden, ihren Monolithen, Wasserfällen und Bächen, mit alten Kiefern und verkrüppelten Zedern und mit Weitblicken über bizarre Felsen hinweg, ist heute und besonders seit der Einrichtung als Nationalpark zum Wanderparadies geworden.

Eine Wasserhöhlung

Die Caldera ist kein Krater, der durch einen Vulkanausbruch entstanden ist. Jahrelang waren die Wissenschaftler dieser nahe liegenden Ansicht, wofür auch der Name „Kessel“, die gängige wissenschaftliche Bezeichnung für einen Vulkankrater, steht. Langwierige Forschungen haben aber bewiesen, dass allein die Wasserkraft und Einstürze im Lauf der Zeit das Gebiet ausgehöhlt haben, mit zahlreichen stehen gebliebenen Felsen, die überwiegend aus Basaltgestein bestehen.

Die Flora in der Caldera

In der Caldera kommen, wegen des großen Höhenunterschieds und der damit verbundenen unterschiedlichen Klimazonen, fast alle der auf La Palma heimischen Pflanzenarten vor. Betritt man den Naturpark, ist die Pflanzenwelt noch auf die wärmeren Niederungen eingestellt. Hier wachsen mächtige Maulbeerbäume und verknorpelte Feigenbüsche. Auf den vom Menschen kultivierten Terrassen stehen Orangenbäume, gedeihen Getreide, Tabak und selbst Wein. Sobald Sie die Ebene hinter sich gelassen haben, treffen Sie auf die Kanarische Kiefer. Sie prägt hauptsächlich die Hänge der Caldera und klammert sich selbst noch an Steilwände. Zusammen mit den Kiefern findet man häufig die amagante (Zistrose), eine auffallend hellrosa blühende Pflanze, sowie faro (Genosperum), der leuchtend gelb blüht. Beides sind endemische Pflanzen der Kanaren. Am reichhaltigsten sind jedoch Felspflanzen, dickblättrige gelbgrüne, rötliche und sattgrüne Arten von Aeonium und taginaste (Elchium) mit ihren langen Blütenkerzen.

Die Fauna in der Caldera

Beim Wandern in der Caldera müssen Sie schon genau hinsehen, um überhaupt ein tierisches Lebewesen zu entdecken. Meist sind es Eidechsen und kleine Spinnen, die man erspäht, und in den Bachläufen und stehenden Pfützen auch eine kleine Froschart. Tausendfüßler und kleine schwarze Spinnen, die schmerzhaft beißen können, verbergen sich unter Steinen. Die Tausendfüßler haben mitunter eine Länge von bis zu 15 cm. Doch wirklich gefährliche Tiere gibt es in der Caldera nicht. Die größten Tiere sind Kaninchen. Es wurden zwar auch Mufflons ausgesetzt, aber sie werden kaum mehr gesehen, und es ist fraglich, ob es sie überhaupt noch gibt. Am häufigsten werden Sie in der Caldera Vögel beobachten können. Das Krächzen der Krähen hallt von den Felswänden wider, und die graja, die palmerisch-endemische Dohle mit ihren roten Füßen und dem roten Schnabel, ist ein ständiger Begleiter auf einer Calderawanderung.

Klimatische Verhältnisse

Die Caldera ist nach Norden hin, zur Haupteinfallsrichtung der Winde, abgeschirmt. Nur selten gelangt der Wind aus dieser Richtung bis hinunter auf die Kesselsohle. Dagegen gibt es Zeiten, in denen der von Afrika herüberkommende, heiße und trockene levante in die Caldera drückt. Nachts ziehen durch den Barranco de Angustias kalte - und feuchte - Luftströme, die vom Ozean heraufkommen. Für alle Fälle sollten Sie als Wanderer, der sich länger in der Caldera aufhalten will, wärmere Kleidung für die Nacht dabeihaben und für den Tag nicht ohne eine gegen die Sonne schützende Kopfbedeckung unterwegs sein.

Wasser im Park

Kein Naturpark auf den Kanarischen Inseln ist mit Wasser so reich gesegnet wie die Caldera de Taburiente. Mehrere Bachläufe entspringen am nördlichen Rand des Kessels. Aus zahlreichen Quellen sprudelt das kühle, klare Nass und fließt über kleine Wasserfälle und rund gewaschene Basaltfelsen abwärts. An manchen Stellen ist es rötlichbraun gefärbt, besonders im Barranco Almendro Armago, hervorgerufen durch gelöstes Eisenhydrat.

Das Wasser, der Geburtshelfer der Caldera, hat in Jahrmillionen das Oberflächengestein abgehobelt. So kommt es, dass an vielen Stellen unvermittelt Monolithen stehen, die bis heute der seiner widerstanden haben. Diese einzeln stehenden Felsen tragen auch zum Reiz der Landschaft bei. Einer davon, der Idafe, gehörte einst zum größten Heiligtum der Guanchen.

Der Aufenthalt im Park

Bevor Sie die Caldera de Taburiente und das Grenzgebiet des Nationalparks bewandern, sollten Sie sich im Icona-Besucherzentrum in El Paso eingehend über alle Gegebenheiten des Parks informieren. Dazu gehören besonders Auskünfte über die lokale Wettersituation, den Zustand der Routen und Wanderwege und gegebenenfalls das Einholen einer Camperlaubnis für den einzig dafür vorgesehenen Platz innerhalb der Caldera. Bei der Icona erhalten Sie auch Karten- oder Skizzenmaterial. Außerdem stellt die Icona Interessierten im Sommer kostenlos kundige Wanderführer (Juni-August). Das Icona-Besucherzentrum liegt an der Hauptstraße Santa Cruz-El Paso, am Abzweig zur Cumbrecita.

Die von der Icona herausgegebenen Empfehlungen und Ratschläge für Wanderer sollten Sie strikt beachten - besonders, was die Zweckmäßigkeit der Kleidung und Ausrüstung angeht. Auch die Wettersituation dürfen Sie keinesfalls unterschätzen. Was frühmorgens noch wie der Beginn eines strahlend schönen Tags aussieht, kann schon innerhalb weniger Stunden zu einem massiven Wettereinbruch führen.

Neben dem Icona-Personal gibt es auch private sowie von den Reiseunternehmen bestellte Wanderführer, die kleine Gruppen durch die Caldera führen und Ausflüge zu den interessanten auf der Cumbre liegenden Punkten organisieren.

Natürlich können Sie Wanderungen in der Caldera oder auf der sie umschließenden Cumbre auch selbst organisieren.

Wandern in der Caldera

Ein günstiger Ausgangspunkt für eine Wanderung in der Caldera ist Los Llanos. Sie fahren mit dem Auto am Busbahnhof vorbei Richtung Berge. Zunächst ist die Straße noch asphaltiert, sie führt durch Bananenhaine und an Vororthäusern vorbei. Bald geht es in die Höhe, unten links sehen Sie den Barranco de Angustias. Auf der gegenüberliegenden Seite kleben einige Fincas an einem Hang mit bewirtschafteten Terrassen.

Nach etwa 3 km müssen Sie den Barranco und dessen Bach überqueren. Hier warten täglich ab 8.30 Uhr Taxis, die für rund 12 Euro bei sechs Personen Wanderer die serpentinenreiche Straße hinauffahren. Nach etwa 8 km erreichen Sie den Endpunkt der Piste in Los Brecitos mit seinem Aussichtspunkt. Von dort führt ein gut erkennbarer Wanderweg in den Barranco hinunter. Vom Campingplatz trennen Sie jetzt noch etwa zwei Stunden. Von dort, wo auch ein Informationszentrum liegt, können Sie verschiedene Wanderungen unternehmen, über die die einschlägigen Informationsblätter der Icona Auskunft geben.

Aussichtspunkte und Wanderungen

Die Caldera können Sie auf der Cumbre entlang vollständig umwandern. Zwischendurch gibt es Aussichtspunkte und Gipfel, die Ihnen einen phantastischen Blick über den großen Erosionskessel erlauben. Die Aussichtspunkte Roque de los Muchachos und Mirador de las Chozas sind in den entsprechenden Kapiteln und in den Routen beschrieben. Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Gipfel, die zum Teil per Auto erreichbar sind.

Die Pared de Roberto ist über die zum Roque de los Muchachos führende Landstraße erreichbar.

Der Pico de la Cruz, ebenfalls über die Landstraße zum Roque de los Muchachos erreichbar, liegt ungefähr 5 km vor dem Gipfel, durch einen Antennenmast leicht zu finden. Von dort folgen Sie entweder südwärts oder nordwärts dem Cumbrewanderweg und gelangen südwärts zur Piedra Llana und zum Pico de la Nieve, zwei um die 2300 m hohen Gipfeln, von denen Sie einen weiten Blick über die Caldera haben. Diese Aussichtspunkte sind auch von Süden, vom Refugio el Pilar aus, zu Fuß zu erreichen.

Wandern Sie vom Roque de los Muchachos auf der Westseite der Caldera nach Süden, so gelangen Sie schließlich nach El Time, dem oberhalb vom Barranco de Angustias liegenden Aussichtspunkt mit Restaurant. Der Beginn dieses Höhenwanderwegs liegt bei der Icona-Holztafel kurz vor dem Aussichtspunkt Roque de los Muchachos. Bis El Time sind es, je nach Ihrer Kondition, sechs bis sieben Stunden. Der Wanderpfad ist zum Teil schlecht erkennbar, und Sie sind gut beraten, zuvor ausführliche Informationen bei der Icona einzuholen. Die Icona hat folgende Verhaltensregeln für den Aufenthalt im Nationalpark Caldera de Taburiente herausgegeben: Sie dürfen Abfälle nicht wegwerfen. Um die Eigenheiten der Region zu wahren, darf nichts entfernt und beschädigt werden. Tiere und Pflanzen, die im Nationalparkgebiet nicht vorkommen, dürfen nicht eingeschleust werden. Die Jagd ist ohne Genehmigung nicht erlaubt. Wildes Zelten, das Entfachen von Feuer und das Begehen der als Reservat gekennzeichneten Zonen sind verboten.

Für Wanderungen im Nationalpark gelten folgende Empfehlungen: Wandern Sie niemals allein, tragen Sie Wanderschuhe oder Bergstiefel, verlassen Sie nicht den Weg, schützen Sie sich vor Sonne und Kälte, und führen Sie genug Trinkwasser mit sich.

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José nannten ihn seine Nachbarn auf La Palma, weil sie das H nicht aussprechen konnten. Zwölf Jahre lebte er auf der Insel, zwischen Fischern und Weinbauern, die ihm mit vielen Geschichten das Ur-La-Palma näher brachten. Der Journalist verfasste Reisereportagen für viele Zeitungen und Magazine, u. a. für Die Zeit, FAZ, GEO Saison, Handelsblatt, Welt, Merian, abenteuer & reisen etc.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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