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Reiseführer Griechische Inseln - Ägäis:Stichworte

Religion und Natur haben das Leben der Menschen auf den Inseln jahrhundertelang geprägt – heute gibt der Tourismus den Ton an

Alternative Energien

Die Ägäischen Inseln werden nicht nur von der Sonne verwöhnt, sondern auch vom Wind. Während die Solarenergie bisher aber von Privatleuten und Hoteliers fast ausschließlich zur Warmwasserbereitung genutzt wird, drehen sich zunehmend mehr große Windräder auf vielen Inseln. Seit 1994 ist die bisher noch staatliche Elektrizitätsgesellschaft DEI verpflichtet, die von Privatunternehmen eingespeiste Windenergie abzunehmen. Damit ergänzt sie die Kapazitäten ihrer Inselkraftwerke, die zumeist mit Masut, einem besonders billigen und schadstoffreichen Erdölderivat betrieben werden, das vor allem aus der Ukraine angeliefert wird.

Antike Götter

Die meisten antiken Bauten wurden zu Ehren der Götter geschaffen. Die Götter wurden als allgegenwärtig erlebt, auf dem Götterberg Olymp auf dem griechischen Festland ebenso wie unter den Menschen auf den Inseln. Göttervater Zeus galt als der mächtigste unter ihnen. Sein Bruder Poseidon, dem ein Heiligtum auf Tínos geweiht war, war für das Meer und die Erdbeben verantwortlich, sein zweiter Bruder Hades herrschte über die Unterwelt. Seine Gemahlin Hera, deren Hauptheiligtum auf Sámos lag, beschützte die Ehe. Ihr einziger gemeinsamer Sohn war Hephaistos, der Gott der Schmiede, dessen Werkstatt man auf der Insel Límnos wähnte. Dessen Gemahlin Aphrodite, von den Römern später Venus genannt, war die Göttin der Liebe und wurde insbesondere auf Lesbos verehrt. Aus einem der häufigen außerehelichen Verhältnisse des Zeus soll Apoll hervorgegangen sein, der Gott der Schönheit und des Lichts. Delos galt als Geburtsinsel des Apoll und seiner Zwillingsschwester Artemis, die als Göttin der Jagd angebetet wurde. Dionysos schließlich, Gott des Theaters und des Weins, war weithin bei den Menschen beliebt; Überreste ihm geweihter Heiligtümer finden Sie auf Delos und Thássos.

Byzanz

Byzantinischem begegnen Sie auf den griechischen Inseln immer wieder. Sie besichtigen byzantinische Klöster und Kirchen, hören von byzantinischen Traditionen, die in der Musik, der Volkskunst und im Denken der Menschen fortleben. In nahezu allen Gotteshäusern treffen Sie auf den byzantinischen Doppeladler, der das Symbol der weiterbestehenden Kirche und des untergegangenen Reichs ist.

Das Byzantinische Reich, das zeitweise große Teile des gesamten Mittelmeers und Kleinasiens umfasste und dessen Hauptstadt Konstantinopel war, verstand sich immer als legitimer Nachfolger des um 400 n. Chr. untergegangenen Römischen Reichs, seine Bewohner nannten sich selbst Rhomäer. Die Reichssprache war zunächst Latein, etwa seit dem 6. Jh. dann Griechisch.

1204 wurde das Byzantinische Reich von den Venezianern und den Teilnehmern des vierten Kreuzzugs heimgesucht und geplündert. Viele Inseln gerieten damals unter die Herrschaft italienischer Adelsgeschlechter oder Stadtstaaten. Byzanz ging jedoch erst 1453 unter, als die Türken die Stadt eroberten und in Istanbul umbenannten. Die Griechen nennen die Metropole am Bosporus jedoch weiterhin bei ihrem spätantiken Namen: Konstantinúpolis, Konstantinopel.

Fauna

Die Tierwelt der griechischen Inseln ist artenarm. Große wild lebende Säugetiere fehlen völlig; einzig Kaninchen haben die Jagdleidenschaft vieler Griechen bislang überlebt. Auf Skíros lebt noch eine halb wilde Pferderasse. Und an der Nordküste der Insel Alónissos ist ein Schutzgebiet für die vom Aussterben bedrohten Mönchsrobben eingerichtet worden.

Auch Vögel sieht man nur selten. Auf Sámos allerdings ist der Ruf der Nachtigall noch häufig zu vernehmen; hier sowie auf Lesbos und Kos überwintern auch rosa Flamingos.

Eidechsen und Geckos hingegen sind zahlreich. Skorpione kommen zwar vor, begegnen einem aber fast nie. Schlangen gibt es viele, sie fliehen aber vor den Menschen. Auf Mílos kommt eine sehr giftige Vipernart vor, die Vipera lebetina.

Flora

Zwischen Februar und Mai sind vor allem die nördlicheren Inseln von Blumenteppichen bedeckt. Klatschmohn und wilde Lilien, Asphodelen und Narzissen, Zyklamen, wilde Tulpen und Anemonen blühen tausendfach. Im späten Frühjahr färbt der Ginster die Landschaft gelb, während an Bachbetten und Straßenrändern der Oleander blüht. Im Sommer überziehen duftende Kräuter wie Thymian und Oregano die steinigen Hänge, im Herbst wirkt die Erde dann verbrannt.

Wälder gibt es nur auf wenigen Inseln, allen voran auf Sámos, Skiáthos, Skópelos und Thássos. Lesbos ist von Olivenhainen bedeckt, auf Chíos mischt sich der Mastixstrauch unter Ölbäume. Die Kykladen hingegen sind baumarm. Wein gedeiht auf fast allen Inseln und wird ab August geerntet.

Ikonen

Darstellungen von Heiligen und biblischen Ereignissen auf Tafelbildern nennt man in der orthodoxen Kirche Ikonen. Man findet sie in allen Kirchen, aber auch im Alltag begegnen Sie ihnen auf Schritt und Tritt: in Privatwohnungen, am Armaturenbrett von Linienbussen oder auf der Brücke großer Fähren.

Ikonen sind „Tore zum Himmel“. Sie bringen den Heiligen ins Haus, machen ihn präsent. Deswegen genießen sie auch große Verehrung, werden geküsst, mit kostbaren Vorhängen, Edelsteinen, Ringen und Uhren geschmückt. Ikonen sind Stellvertreter des Himmels auf Erden. Sie werden behandelt, als wären sie der oder die Heilige selbst, obwohl sie das nach theologischem Dogma nicht sind. Götzendienst ist das beileibe nicht, denn die Verehrung gilt ja nicht dem Bild, sondern dem Dargestellten. Die Ikone wird nicht nur als gemaltes Abbild gesehen, der Heilige ist vielmehr geistig-mystisch in ihr präsent.

Der Ikonenmaler muss sich wie der Schöpfer von kirchlichen Wandmalereien nach strengen, uralten Regeln richten. Dies führt dazu, dass sich viele Ikonen gleichen, unabhängig davon, aus welcher Zeit sie stammen.

Komboloí

Vor allem ältere griechische Männer tragen stets ein komboloí bei sich, ein Kettchen, dem Rosenkranz ähnlich. Es hat jedoch keinerlei religiöse Bedeutung, sondern dient einzig und allein dem Zeitvertreib. Wahrscheinlich haben es die Griechen in Abwandlung der islamischen Gebetskette übernommen.

Palmensterben

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts erlebten viele griechische Inseln ihre spezielle Art des Baumsterbens. Hoteliers, die ihre Pools und Hotelgärten verschönern wollten, führten ausgewachsene Palmen aus Nordafrika ein – und damit auch den Palmrüssler, einen roten Käfer, ein wenig unserem Marienkäfer ähnlich. Er kann Palmen auf 20 km Entfernung riechen, gräbt Gänge in den Stamm und legt Eier darin ab. Die Palmwedel werden gelb und müssen abgeschnitten werden. Ob die Bekämpfungsmaßnahmen, meist das radikale Zurückstutzen bis auf den Stamm, Erfolg zeigen werden, steht noch in den Sternen.

Politik

Nach dem Sturz der Militärjunta, die das Land von 1967 bis 1974 knechtete, ist Griechenland eine stabile Demokratie geworden. Die beiden großen Parteien sind die links orientierte Pasok und die konservative Néa Dimokratía. Im 300-sitzigen Parlament vertreten sind außerdem die Kommunistische Partei KKE, das Linksbündnis SYN und seit 2007 erstmals auch die nationalistische LAOS. Hauptthema der Politik ist die Vermeidung des Staatsbankrotts. Außenpolitisch bemüht sich Griechenland vor allem um eine Aussöhnung mit der Türkei.

Religion

Fast alle Griechen gehören der griechisch-orthodoxen Kirche an. Auf den Kykladen gibt es allerdings auch eine römisch-katholische Minderheit, deren Bischof seinen Sitz auf Síros hat.

Die Frömmigkeit der orthodoxen Christen ist noch groß, Zeichen hierfür sind die vielen Kirchen und Kapellen. Auf vielen Inseln gibt es auch noch ein oder mehrere von Mönchen und Nonnen jeden Alters bewohnte Klöster. Bedeutendste Klosterinseln in der Ägäis sind Kálimnos, Lesbos, Pátmos und Sámos. Fast alle heißen Besucher beiderlei Geschlechts willkommen.

Viele Kirchen und Kapellen sind überkuppelt; innen sind sie meist prunkvoll. Statuen, Weihwasserbecken und Beichtstühle fehlen im Gegensatz zu römisch-katholischen Kirchen; dafür gehört in jede orthodoxe Kirche eine Ikonostase. Diese Bilderwand aus Marmor oder reich mit Schnitzereien verziertem und meist bemaltem Holz trägt die bedeutendsten Ikonen und trennt den Altar- vom Gemeinderaum. Ein wichtiges Ritual ist das Küssen der Ikonen.

Überall auf den Inseln begegnen Ihnen orthodoxe Priester, die lange, dunkle Gewänder, einen üppigen Bart und eine Kopfbedeckung tragen, unter der nur ein Zopf herausschaut. Sie dürfen heiraten und haben oft große Familien, werden vom Staat bezahlt und nehmen zusätzlich Gebühren für Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse. Orthodoxe Gottesdienste dauern oft zwei bis drei Stunden. Hauptinhalt des Gottesdienstes ist der Wechselgesang der Liturgie, der vom Priester und einigen Laien vorgetragen wird.

Die orthodoxen Christen erkennen den Papst nicht als Oberhaupt der Christenheit an. Sie beklagen das Werk der protestantischen Reformatoren und deuten die vom Papst in den letzten 1200 Jahren verkündeten Dogmen als Menschenwerk und Abweichungen vom wahren Glauben.

Sexualmoral und Toleranz

Sexuelle Beziehungen vor der Eheschließung finden drei Viertel aller jungen Griechen und Griechinnen in Ordnung. Den richtigen Einsatz von Verhütungsmitteln aber kennen sie anscheinend nicht: Auf jede Geburt kommen in Griechenland geschätzt zwei Abtreibungen. In einer Beziehung sind Griechenlands junge Leute ausgesprochen konservativ: Ehen zwischen Gleichgeschlechtlichen stehen sie mehrheitlich ablehnend gegenüber.

Tierschutz

Streunende Hunde und herrenlose Katzen sind auf vielen Inseln ein häufiger Anblick. Die Tiere sind harmlos und völlig ungefährlich, haben aber viel zu ertragen und leiden vor allem im Winter oft Hunger. Neue Haustierwürfe werden häufig gleich getötet oder einfach am Straßenrand ausgesetzt. Die Finanzkrise führt dazu, dass auch immer mehr edle Rassehunde sich plötzlich in der Wildnis oder auf Müllhalden wiederfinden. Private Organisationen, meist von Ausländern betrieben, kümmern sich auf den Inseln um den Tierschutz, organisieren auch Tiertransporte und Flugpatenschaften, u. a. www.pfoetchenhilfe-rhodos.de, www.noahsarkrhodes.com, www.animalcaresamos.com, www.mykonosanimals.com und www.sawasantorini.org.

Umweltschutz

Dank fehlender Industrie ist die Luft auf den griechischen Inseln noch relativ sauber. Nur in den Städten wird sie durch die vielen Mopeds, Autos, LKW und Busse verseucht.

Müllverbrennungsanlagen gibt es auf keiner der Ägäischen Inseln. Der Müll wird entweder auf den Inseln selbst in Erddeponien gelagert oder nach Piräus verschifft. Ansätze von Müllrecycling sind auf vielen Inseln vorhanden, doch zum Recyceln muss dieser Müll immer aufs Festland gebracht werden.

Die Ägäis ist ein weitgehend sauberes Meer. Mit finanzieller Unterstützung der EU wurden im letzten Jahrzehnt auf vielen Inseln Kläranlagen errichtet. Die Besatzungen der Fährschiffe sind durch ein freiwilliges Programm der Reeder zu umweltbewusstem Handeln erzogen worden. Die Wasserqualität ist an allen Inselstränden ausgezeichnet; mit Teerklumpen am Strand müssen Sie aber rechnen.

Das Trinkwasser der Inseln stammt überwiegend aus Grundwasserbohrungen. Hinzu kommen Meerwasserentsalzungsanlagen auf den Insel Chíos, Íos, Mykonos, Santorin und Síros. Auf 15 weiteren, kleinen Inseln sind solche Einheiten geplant, die an private Konzessionäre als Bauträger und Betreiber für die ersten zwölf Jahre vergeben werden sollen.

Gegen Lärm sind Griechen unempfindlich. Das zeigt sich an den knatternden Mopeds und der lauten Musik, die aus vielen Lautsprechern bis weit nach Mitternacht dröhnt, und auch daran, dass Nachtlandeverbote auf Inseln mit Flughäfen nicht einmal erwogen werden.

Universität

An der 1984 gegründeten „Universität der Ägäis“, deren Fakultäten sich auf den Inseln Lesbos, Chíos, Sámos, Rhodos und Síros befinden, sind etwa 10 000 Studenten aus dem ganzen Land eingeschrieben. Sie hatten übrigens keinen Einfluss auf die Wahl ihres Studienorts, da die Zuweisung eines Studienplatzes in Griechenland allein vom Notendurchschnitt bestimmt wird. Nur die besten Abiturienten kommen an die Universitäten in Athen oder Thessaloníki, die übrigen werden in die Provinz verteilt.

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Der Bremer Reisejournalist Klaus Bötig bereist die ägäische Inselwelt seit 1973. Seitdem besucht er sie jährlich, kennt fast alle Dörfer, Klöster und Strände, viele Tavernen und Kaffeehäuser und schätzt die Vielseitigkeit der Inseln und ihre landschaftliche Schönheit. Bisher schrieb er rund 70 Bücher über Griechenland und berichtete in Rundfunksendungen, Zeitungen und Magazinen von seinen Reisen.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de