Neunationalspieler René Adler über die Zuneigung des Publikums, lästige Hausaufgaben und sein Vorbild Peter Schmeichel.
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Einer der Gewinner von Dortmund: Rene Adler, Nationaltorwart, der ein gelungenes Debüt feiern konnte. Foto: Reuters
SZ: Herr Adler, wie oft haben Sie sich das russische Gegentor in der Zwischenzeit angeschaut?
Adler: Noch gar nicht.
SZ: Sind Torhüter nicht Tüftler, die an Gegentoren lange herumanalysieren?
Adler: Doch, schon, und sicher werde ich mir dieses Tor mit dem Trainerteam auch noch mal anschauen. Aber ich hatte das Gefühl, das wäre jetzt nicht der richtige Zeitpunkt: Ich wollte die Erlebnisse und Emotionen vom Samstagabend erst mal mitnehmen und sacken lassen, und ich wollte auch ganz bewusst nicht zurückdenken. Ich denke nach vorne, ans Spiel gegen Wales.
SZ: Das Tor war eh' unhaltbar, oder?
Adler: Genaueres kann ich erst sagen, wenn ich das Tor noch mal gesehen habe. Ich bin gut draufgegangen, aber ich weiß nicht genau, wo der Ball durchgegangen ist, ob zwischen den Beinen oder über die Beine.
SZ: Was haben Sie empfunden, als die Dortmunder Zuschauer beim Einlaufen Ihren Namen gerufen haben?
Adler: Das war ein unglaubliches Gefühl, du hörst die Nationalhymne und du stehst da und siehst die vollen Zuschauerränge, alle mit Deutschland-Montur...
SZ: ...Wobei das Eindrücke sind, die jeden Debütanten ereilen. Bei Ihnen war es schon noch mal was anderes: Die Leute haben Sie gefeiert, obwohl viele Sie nie spielen gesehen haben. Warum kommen Sie so gut bei den Leuten an?
Adler: Das weiß ich nicht. Ich habe mir noch keine Gedanken drüber gemacht, ich habe mit solchen Reaktionen ja nicht rechnen können. Es freut mich sehr, wenn die Leute das Gefühl haben, dass hier einer gerne für Deutschland spielt.
SZ: Offenbar haben die Leute auch das Gefühl: Der Adler hat das im Griff, da kann uns nichts passieren.
Adler: Vielleicht ist das so, aber ich selbst kann ja nicht beurteilen, was ich ausstrahle. Vielleicht liegt es an meinem individuellen Spielstil. Wichtig ist vor allem, dass ein Torhüter seiner Mannschaft ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Deshalb war es für mich in meinem ersten Länderspiel extrem wichtig, dass die Mannschaft Vertrauen zu mir fasst, und dass die Fans da mitgeholfen haben, ist umso schöner.
SZ: Kann man Sie jetzt überhaupt noch aus dem Tor nehmen?
Adler: Zunächst mal muss ich sagen, dass mir Robert Enke sehr leid tut. Wir haben ein hervorragendes Verhältnis, und so eine Verletzung wünscht man wirklich niemandem. Der Robert ist ein Klassetorwart, ich hoffe, dass er bald wieder fit wird. Ich kann nur versuchen, die Spiele, die ich spielen darf, gut zu sein.
SZ: Sie spielen jetzt gegen Wales und England, und dann...
Adler: Erstmal Wales, von England weiß ich noch nichts. Aber natürlich will man als Profi in so einem Prestigespiel wie gegen England dabei sein.
SZ: Als was sehen Sie sich: als vorläufige Nummer eins?
Adler: Ich denke, im Moment kann man von keiner deutschen Nummer eins sprechen. Die Trainer haben bewusst einen Konkurrenzkampf ausgerufen, und ich werde nach einem Länderspiel nicht sagen, dass ich die Nummer eins bin. Solche Worte liegen mir auch gar nicht. Und ich weiß außerdem, wie schnell sich alles ändern kann: In Leverkusen bin ich damals nur ins Tor gekommen, weil Jörg Butt eine Rote Karte bekommen hatte.
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