Reisetipps London

Insider Tipps London MARCO POLO Autorin Kathleen Becker im Interview

Kathleen Becker lebt seit 1994 in London und erkundet die Sights am liebsten per Fahrrad. Ohne einen Becher Tee morgens geht nichts!

Wieso leben Sie in London?

Ich bin damals als Sprachassistentin für Deutsch nach Nord-London gegangen. Ich erinnere mich noch an meine Ankunft: Es nieselte, an der Bahnstation hing ein Fahndungsplakat „Wegen Mordes gesucht“, doch der Schalterbeamte gratulierte mir so nett zu meiner interessanten Brille, und der Campus dann war voller Rosensträucher - so richtig englisch, dachte ich.

Was reizt Sie an London?

Die unglaubliche Vielfalt des Lebens, der Menschen, des kulturellen und gastronomischen Angebots. Dass ich immer lebendige Geschichte um mich herum habe und gleichzeitig am Puls der neuesten Musik- und Modetrends sein kann - ohne sie mitmachen zu müssen. London hat Platz für alle Szenen und auch für die, die keiner angehören wollen. Auch das fiel mir gleich auf damals: Es ist nicht so wahnsinnig wichtig, wie man gekleidet ist. London wird immer cool sein, selbst wenn einige Londoner gerade nach Berlin und Paris umziehen. Trotz seiner Millionen Einwohner hat sich London Menschlichkeit, Gelassenheit und Toleranz bewahrt.

Und was mögen Sie an London nicht so?

Die Preise! Die ständigen U-Bahn-Probleme. Die Stadt ist so international, da ist es gar nicht so leicht, „richtige“ Londoner kennen zu lernen. Und als jemand, der gern quasselt - meine Lieblingsstadt in Deutschland ist Köln - ist es mir immer unverständlich, dass in den Bahnen jeder in sein Buch vertieft ist oder geradeaus starrt und Blickkontakt mit dem Nachbarn vermeidet.

Sprechen Sie Englisch?

Ich habe Anglistik studiert, bin aber als Halb-Irin schon mit viel Englisch im Hintergrund aufgewachsen. Im Englischunterricht habe ich dann sicher die Lehrer mit meiner Besserwisserei genervt. Zur Strafe wäre ich dann bei meinem ersten London-Besuch als Teenager fast überfahren worden, weil ich nicht nach rechts geschaut habe …

Mögen Sie die englische Küche?

Als Vegetarierin habe ich es in London super getroffen, gerade mit der asiatischen Küche. Es ist nicht so wie in Deutschland, wo einem in einer Gemüsesuppe plötzlich Speckwürfel entgegenschwimmen. Gute Italiener - meine Lieblingsküche - sind allerdings teuer in London. Biertrinken musste ich erst hier lernen. Ich hatte eine lange Scones-Phase, jetzt kochen meine Mitbewohner tolle vegetarische Shepherd's Pies und Roasts-Braten; ich selbst brauche für alles außer Risotto ein Rezept.