Jörg Haider ist tot: Der österreichische Rechtspopulist ist am Morgen an den Folgen eines Autounfalls gestorben. Nach Angaben der Polizei war der Politiker mit seinem Wagen von der Straße abgekommen und hatte sich überschlagen.

Haider, APGrossbild

Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider ist bei einem Autounfall gestorben. (Foto: AP)

Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider ist am Morgen an den Folgen eines Autounfalls gestorben. Nach Angaben der Polizei war der 58-Jährige Landeshauptmann Kärntens alleine mit seinem Dienstwagen auf dem Weg nach Hause gewesen, als er gegen ein Uhr auf einer Bundesstraße ein Auto überholte und dabei mit seinem VW Phaeton ins Schleudern geriet. Ersten Erkenntnissen zufolge fuhr der umstrittene Rechtspolitiker deutlich schneller als die am Ort des Unfalls erlaubten 70 Stundenkilometer.

Der Wagen des 58-Jährigen sei außer gegen den Betonpfeiler auch gegen Verkehrsschilder, eine Hecke und einen Hydranten geprellt und habe sich mehrfach überschlagen, teilte die Polizei mit. Die Spuren des Unfalls ziehen sich demnach über rund 150 Meter. Der Wagen wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die Untersuchungen sollten am Nachmittag beendet werden.

"Ich habe einen Lebensfreund verloren"

Bei Eintreffen einer Notärztin am Unfallort habe es noch eine kleine Chance auf ein Übeleben Haiders gegeben, sagte der medizinische Direktor des Landeskrankenhauses Klagenfurt, Thomas Koperna, einem Bericht der Nachrichtenagentur APA zufolge. Der Politiker sei jedoch auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Nach Angaben der Notärztin war Haider angeschnallt und hatte schwere Verletzungen an Kopf und Brust. "Weiters dürfte die Wirbelsäule gebrochen gewesen sein, zudem war der linke Arm fast völlig abgetrennt", sagte Koperna laut APA.

Noch vor knapp zwei Wochen hatte der Rechtspopulist bei der österreichischen Parlamentswahl mit dem BZÖ einen großen Erfolg gefeiert: Als Spitzenkandidat holte Haider für seine von der Freiheitlichen Partei (FPÖ) abgespaltene Partei starke Zuwächse und kam auf rund elf Prozent. Als Politiker hatte er mit rechten Äußerungen immer wieder provoziert.

 
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Die Amtsgeschäfte in Kärnten übernimmt Haiders bisheriger Stellvertreter Gerhard Dörfler. Er zeigte sich in einer ersten Reaktion tief bestürzt und betroffen: "Ich habe einen Lebensfreund verloren."

Angespanntes Verhältnis

"Für uns ist das wie ein Weltuntergang, sagte Haiders Sprecher und Stellvertreter im Parteivorsitz, Stefan Petzner, der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Haider sei noch bei einer Veranstaltung gewesen und habe nach Hause in die Gemeinde Freistritz fahren wollen, als sich der Unfall ereignete. Dort habe er am Wochenende den 90. Geburtstag seiner Mutter feiern wollen. Der Politiker hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter.

Bundespräsident Heinz Fischer zeigte sich in einer ersten Stellungnahme "tief betroffen", wie APA berichtete. Das Staatsoberhaupt nannte den Unfalltod Haiders "unfassbar" und sprach von einer "menschlichen Tragödie". Fischer würdigte den Kärntner Landeshauptmann als "Politiker mit großen Begabungen", der mit seinem politischen Wirken Begeisterung, aber auch entschiedene Kritik ausgelöst habe.

Der scheidende Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zeigte sich ebenfalls "sehr betroffen" und drückte der Familie Haiders sein Mitgefühl aus. Sein wahrscheinlicher Nachfolger, SPÖ-Chef Werner Faymann, nannte Haider einen "Ausnahmepolitiker", der die Politik in Kärnten und darüber hinaus in ganz Österreich über Jahre hinweg geprägt habe.

Starker Mann seiner Partei

"Mit seinem Ableben verliert die Republik einen großartigen Politiker", sagte der Chef der rechten Partei FPÖ, Heinz-Christian Strache. Strache gilt als politischer Ziehsohn Haiders, seit der Spaltung der Partei war das Verhältnis zwischen beiden jedoch äußerst angespannt.

Als Sohn eines Schuhmachers und einer Lehrerin wurde Haider in Oberösterreich geboren, nach dem Abitur studierte er in Wien Jura. 1977 machte er dann als FPÖ-Landesparteisekretär die Politik zu seinem Beruf und begann eine steile Karriere. Lange Jahre war der Rhetorik-und Medienprofi der "starke Mann" der Partei und zimmerte im Hintergrund unter anderem an der umstrittenen Regierungskoalition im Jahr 2000 mit der konservativen ÖVP unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Nach Konflikten mit seiner Heimatpartei hatte sich Haider 2005 mit dem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) selbstständig gemacht.

Für Empörung sorgte Haider in seiner politischen Laufbahn mehrfach mit Kommentaren über die NS-Zeit. Auf die Frage nach den engen Verbindungen seiner oberösterreichischen Eltern zu den Nazis im Zweiten Weltkrieg sagte er: "Im Nachhinein ist man immer klüger." Nachdem er die "ordentliche Beschäftigungspolitik" im Dritten Reich gelobt hatte, musste er als Landeshauptmann von Kärnten 1991 zurücktreten, da die ÖVP ihm die Zusammenarbeit aufkündigte.

(sueddeutsche.de/dpa/AFP/AP/tob)

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