Von Alexander Gorkow, Tel Aviv

Lieber etwas weniger richtig und dafür nichts falsch machen: Depeche Mode starten nach dem Testkonzert im luxemburgischen Esch ihre Welttournee offiziell in Israel. Eine Konzertkritik.

depeche modeGrossbild

Singen unter Militärhubschraubern: Dave Gahan heizt in Tel Aviv den Massen ein. Der Konzertbesuch ist nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen möglich. (Foto: ap)

Depeche Mode waren ihren Zuhörern stets dann am nächsten, wenn sie besonders unerreichbar schienen und sich lustig transzendierten. Auf den Videoleinwänden über den Zuschauern im Ramat-Gan-Stadion von Tel Aviv stehen die drei Musiker als Astronauten verkleidet, die Anzüge sind deutlich zu weit, die Helme wie Kühlschränke, die Gesichter hinterm Sichtglas wiederum schauen knabenhaft, hornbebrillt und britisch. Als ironischer Kommentar zu dem Song "Enjoy The Silence" ist das reizend, sieht es doch aus wie eine nachgeborene Phantasie der Marx Brothers, ohne allerdings dass die federnde Sehnsucht und der heilige Ernst des Lieds endgültig gebrochen würden.

Es ist ein auffallend schöner Moment während des Konzertes in Tel Aviv am späten Sonntagabend, das bis zur sprichwörtlich letzten Minute unter der Last der bei Depeche Mode schon üblichen Vorzeichen fast zusammengebrochen wäre. Nach zweieinhalb Stunden aber singen der einst drogengeschüttelte Dave Gahan und sein zum Verrücktwerden schlauer Mastermind Martin Gore zum Abschied "Waiting For The Night", der Vollmond scheint, und die Militärhubschrauber über Tel Aviv drehen ihre Runden jetzt, wo doch gleich 50.000 Menschen in die Nacht von Tel Aviv aufbrechen werden, sicherheitshalber noch etwas enger.

Ohne religiöse Übertreibungen

Tel Aviv ist der Auftakt zur Welttournee der Band, die damit ihr neues Album "Sounds of the Universe" unterstützt. Seit vergangenen Donnerstag war die Band in Tel Aviv unterwegs: Gleichsam ein politischer Besuch, denn im Sommer 2006 wollte man hier das Ende der letzten Welttournee begehen. Die Absage des damaligen Konzertes wegen des Libanonkrieges war wie eine emotionalen Katastrophe für die vielen Fans in Israel.

Die Band sah sich seither einer Flut von todtraurigen Emails und Briefen ausgesetzt. Die drei Musiker und der Tross der Begleiter ließen sich dieses Mal also Zeit für die Stadt, deren sandige Lässigkeit einem Wahlkalifornier wie Gore wie eine weltpolitisch bedeutendere Version von Los Angeles vorkommen muss. Man speiste im "Manta Ray" direkt am Mittelmeer, erlief sich die alten wie neuen Straßen des hundertjährigen Tel Aviv, brach einen Besuch an der Klagemauer in Jerusalem wegen der Paparazzi wieder ab. Martin Gore orderte "German Minimal Techno" im "Whisky Go Go" in der Club-Zone am Hafen. Kameras, Blogger und Journalisten begleiteten die Musiker Sit-In-artig auf jedem Meter, eine Art fürsorgliche Belagerung. Am Tag vor dem Konzert feierte Dave Gahan seinen 47. Geburtstag - und dass das Konzert dann am Sonntag Abend überhaupt stattfindet und nicht wieder abgesagt wird, ist alleine dem stillen Keyboarder Andrew Fletcher zu verdanken, der wenige Stunden vor dem Auftritt erfährt, dass sein nicht einmal 70-jähriger Vater eben während seines Urlaubs in Spanien einem Herzinfarkt erlegen ist, und trotzdem spielen will.

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Hässlichstes Platten-Cover der Welt The Spirit of Gammelfleisch Rahmen
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Möglich, dass die Last der Erwartungen zum Tourneeauftakt und die traurigen Familiennachrichten an der Nervenschraube drehen, jedenfalls geben die Musiker dann ein Konzert, dem anzumerken ist, dass man lieber etwas weniger richtig und dafür nichts falsch machen will. Die Band schöpft aus einem stimmigen visuellen Konzept mit schnurgeraden Lichtkegeln, wenigen Effekten, ferner aus 30 Jahren Erfahrung: Dave Gahan weiß mit einer Handbewegung ein ganzes Stadion zum Tanzen zu bringen, Martin Gore ist in seinem silbernen Anzug aus einem Buch der Gebrüder Grimm oder mindestens von einer Sternschnuppe gefallen und kann mit nur zwei Schlägen auf die Wah-Wah-Gitarre eine Spannung erzeugen, für die schlechtere Songwriter viele Noten brauchen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie Depeche Mode heterosexuelle Stadionmusik machen.

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Leserkommentare (6)



12.05.2009 16:07:28

steve54e:

Sind sowieso ein der Besten ich kanns kaum noch erwarten


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