Reisetipps Kos

Auftakt Kos Was für eine Insel!

Die Küste von Kos ist 112 km lang. Etwa die Hälfte davon wird von feinen Sand- und guten Kiesstränden gesäumt: Platz genug für Partytreiben, aber auch für einsame Stunden am Meer. Hotellerie und Gastronomie erfüllen alle Urlaubswünsche, das Wassersportangebot ist ebenso riesig wie das an Clubs und Diskotheken. Das Radfahren wird ebenso leicht gemacht wie die Linienbusnutzung, von Trike und Quad bis Jeep und Cabrio sind Fahrzeuge aller Art zu mieten. Stille Binnendörfer laden zum Rasten ein, eine quirlige Altstadt zum Shoppen bis Mitternacht. Ausflüge führen in die Türkei und auf reizvolle Nachbarinseln.

Kos ist eine Urlaubsinsel. Sie zählt nur 31000 ständige Bewohner, aber über 65000 Fremdenbetten. Allein mit Charterflugzeugen kamen 2007 über 600000 Gäste. Deutschland und Großbritannien stellen mit je 30 Prozent die größten Urlauberkontingente.

Die meisten ausländischen Gäste beziehen ihr Urlaubsquartier in der Umgebung der Hauptstadt, die, wie so oft in der Ägäis, den gleichen Namen trägt wie die Insel. Bei den Urlaubern aus deutschsprachigen Ländern sind auch die drei erst im Zuge der touristischen Entwicklung neu entstandenen Siedlungen Tigáki, Marmári und Mastichári an der Nordküste beliebte Standorte, zumal die Strände dort sandiger, heller und breiter sind als im Bereich der Stadt Kos. Noch viel lauter und betriebsamer präsentiert sich Kardámena an der Südküste, wo bevorzugt Engländer Urlaub machen. Sehr viel beschaulicher als in all diesen Orten geht es auf der Kéfalos-Halbinsel zu, wo die Zahl der Einheimischen und der Fremden sich noch in etwa die Waage hält.

Mit einer Gesamtfläche von nur 290 km² zählt Kos nicht gerade zu den großen griechischen Inseln. Den ersten Platz in dieser Tabelle nimmt Kreta ein, das fast 28-mal größer als Kos ist. In Rhodos würde Kos noch über fünfmal hineinpassen. Da die Insel aber schmal und lang ist, fährt man vom Kap Fókas ganz im Nordosten bis nach Kéfalos im Inselwesten doch stolze 51 km.

Die geringe Breite von Kos sorgt für einen weiteren Unterschied zu vielen anderen griechischen Inseln. Fast alles Leben spielt sich in Küstennähe ab und konzentriert sich im Sommer auf die Strände. Ursprünglich gebliebene, von der Landwirtschaft geprägte Dörfer gibt es auf Kos nicht; nur Kéfalos und Antimáchia vermitteln vielleicht noch einen Hauch vom alten, traditionellen Leben. Zudem ist die Insel überwiegend eben. Die Erhebungen auf der Kéfalos-Halbinsel, die mit dem Berg Látra bis auf 426 m Höhe ansteigen, werden von den Griechen als Hügel bezeichnet - und der 846 m hohe Díkeos im Norden ist bei weitem nicht so wild und unzugänglich wie viele andere ägäische Berge.

Kos lebt vor allem vom Tourismus. Die koische Küste ist 112 km lang, etwa ein Drittel davon säumen überwiegend sandige, manchmal auch Kiesstrände. Die Landwirtschaft hat sehr an Bedeutung verloren, nur die Viehzucht und der Anbau von Wein, Oliven, Wassermelonen, Gerste und Weizen sorgen für nennenswerte Erträge. Zitronen, Orangen und Mandarinen werden kaum noch angebaut.

Mit einer leichten Industrialisierung der Insel wurde unter italienischer Herrschaft begonnen. 1922 wurde das erste Elektrizitätswerk gebaut, vier Jahre später eine Zigarettenfabrik. Andere Unternehmen kamen hinzu. Heute wird Kos jedoch wieder entindustrialisiert. Seit Mitte der 1990er-Jahre eine Tomatenmarkfabrik in der Stadt Kos geschlossen hat, gibt es auf der Insel nur noch zwei kleine Industriebetriebe: eine Weinkellerei und eine Limonadenfabrik. Da man also ganz auf den Tourismus angewiesen ist, unternimmt man einiges zum Wohl der Gäste: Kos ist eine der ersten Inseln in der Ägäis, deren Abwässer in einer biologischen Kläranlage gereinigt werden, sodass das Meer sauber bleibt. Kos ist auch eine der wenigen griechischen Inseln mit Radwegen: Auf ausgewiesene 30 km kann man in der Umgebung der Inselhauptstadt stolz sein. Die meisten Strände werden regelmäßig gereinigt (wenn auch oft erst nach Beginn der Saison), und das Touristeninformationsbüro in Kos-Stadt gehört zu den kundenfreundlichsten in ganz Griechenland. Eine große Marina wurde 2006 fertiggestellt. Das Linienbusnetz der Insel ist vor allem auf touristische Bedürfnisse abgestellt. Die Diskotheken und Clubs auf Kos haben hohes Niveau.

Besonders stolz sind die Koer darauf, als „Insel des Hippokrates“ zu gelten. Der berühmte Arzt der griechischen Antike soll 460 v. Chr. in der damaligen Stadt Astypalaia auf der Kéfalos-Halbinsel geboren worden sein. Zahlreich sind die Schriften, die Hippokrates hinterließ und die ihn als Stammvater einer für die damalige Zeit sehr modernen Medizin auszeichnen, deren Grundsätze, ebenso wie der Hippokrates zugeschriebene ärztliche Eid, noch heute gelten. Die größte historische Sehenswürdigkeit der Insel, das Asklípion, kannte Hippokrates in dieser Form noch nicht. Es entstand erst in den Jahrhunderten nach seinem Tod. Auch die übrigen antiken Stätten der Insel stammen zumeist erst aus hellenistischer und römischer Zeit.

Neben den Ausgrabungen antiker Bauten hat die Insel Kos dem historisch oder kunsthistorisch Interessierten nicht viel Außergewöhnliches zu bieten. Aus dem Mittelalter sind vor allem Burgen erhalten. Idyllisch am Hafen gelegen ist das mächtige Kastell der Inselhauptstadt; hoch über der Ebene von Kardámena thront am Rand einer zerklüfteten Hochfläche die Burg von Antimáchia. Die ehemalige Wohnstadt der Johanniter, die von 1310 bis 1523 über Kos herrschten, ist hier jedoch, anders als auf Rhodos, nicht erhalten geblieben: Ein schweres Erdbeben, das über 150 Todesopfer forderte, hat sie 1933 vernichtet. Die Ritter wurden 1523 durch die Türken von der Inselgruppe des Dodekanes, zu der Kos gehört, vertrieben. Die neuen Herren, die erst 1912 abzogen, errichteten auf der Insel türkische Bäder und mehrere Moscheen. Auch die Italiener, die Kos in den Jahren danach, von 1912 bis 1943, beherrschten, hinterließen auf Kos architektonische Spuren. Ihre Bauten in der Hauptstadt sind für viele die schönsten Gebäude der Inselmetropole überhaupt.

Der Mangel an bedeutenden Sehenswürdigkeiten wird durch die zentrale Lage der Insel mehr als ausgeglichen. Tagesausflüge mit kleinen Personenschiffen führen hinüber auf die Nachbarinsel Níssiros mit ihrem Vulkan und ihren schönen Dörfern - oder auf das kahle Eiland Kálimnos, die Insel der Schwammfischer. Mit Tragflügelbooten kann man auch Tagestouren zu weiter entfernten Punkten des Dodekanes unternehmen, etwa nach Pátmos mit dem über 900 Jahre alten Johanneskloster oder nach Rhodos mit einer der schönsten Altstädte Europas. Und auch Kleinasien ist ganz nah: Täglich fahren Autofähren und Ausflugsboote hinüber ins Hafenstädtchen Bodrum mit seinen bunten Basaren, einem Johanniterkastell und einem eindrucksvollen archäologischen Museum.