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Reiseführer Bangkok:Stichworte

Überall stehen Geisterhäuschen. Und wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Taxi von einem Elefanten überholt wird

Bettler

In Bangkok gibt es wohl auch nicht mehr Bettler als in jeder anderen Millionenstadt. Allerdings bitten diese mit Vorliebe dort um ein Almosen, wo viele Touristen unterwegs sind. Mal werden Mütter mit Säuglingen abgesetzt, mal kleine Kinder mit Hundewelpen, mal Krüppel mit schmutzigen Verbänden. Diese Bettelei ist ein knallhartes Geschäft, bei dem Sie die Hintermänner nicht zu Gesicht bekommen.

Elefanten

Nein, Sie haben keine Halluzination, wenn Ihnen mitten in Bangkok ein Elefant entgegenkommt. Die grauen Riesen werden von ihren Treibern, den mahout, auf Lastwagen in die Hauptstadt gekarrt. Und dort ziehen sie auf Betteltour, vorzugsweise in Touristengegenden. Von den mahout können Sie Bananen kaufen und die Elefanten damit füttern. Aber wirklich Gutes tun Sie den Tieren damit nicht. Solange das Geschäft läuft, werden Elefanten auch gegen den Willen der Stadtverwaltung durch Bangkok getrieben. Aber eine Großstadt mit ihrem Lärm, den Abgasen und dem heißen Asphalt ist ein Ort, an dem Elefanten krank werden.

Geisterhäuschen

In Bangkok werden Sie zwar wohl kaum Geister sehen, aber ihre Häuschen finden Sie überall. Geisterhäuschen (ban) stehen vor Geschäften und Shoppingcentern, vor Wohnhäusern und Banken. Die Schreine erinnern an Miniaturtempel, haben aber mit dem Buddhismus nichts zu tun. Der Glaube an Geister (phii) ist bei den Thais tief verwurzelt. Mit täglichen Opfergaben sollen die unsichtbaren Nachbarn geehrt und besänftigt werden, damit sie kein Unheil stiften. Räucherstäbchen, ein Schälchen Reis, eine Orange oder auch schon mal eine Cola werden den Geistern dargebracht. Und an besonders wichtigen Tagen bekommen die Geister auch schon mal ein gebratenes Hühnchen in den Schrein gestellt. Viele Passanten entbieten ihnen mit gefalteten Händen Reverenz, wenn sie an einem Schrein vorbeilaufen. Das größte und berühmteste Geisterhaus der Stadt ist der Erawan Shrine, zum dem täglich Tausende pilgern, um Beistand zu erflehen.

Königshaus

Auch wenn Thailand seit 1932 keine absolute Monarchie mehr ist, genießt das Königshaus immer noch höchstes Ansehen. Bei respektlosen Bemerkungen über den Monarchen verstehen die Thais keinen Spaß. Majestätsbeleidigung ist ein strafbares Delikt. Das gilt auch für Touristen. Wenn zum Beispiel im Kino vor Beginn des Films die Nationalhymne ertönt, wird auch von Ausländern erwartet, dass sie sich von ihren Sitzen erheben.

Maskentanz

Eine bedeutende Sage des asiatischen Kulturraums ist das indische Heldenepos Ramayana. Es erzählt von der Odyssee des Prinzen Rama, der seine von einem Dämonen entführte Frau Sita befreien will. Die thailändische Version heißt Ramakien. Szenen daraus liefern den Stoff für das prächtige Kostümspektakel Khon. Der thailändische Maskentanz ist eine theatralische Bewegungskunst mit zeitlupenhaften Passagen, bei der jede Geste eine bestimmte Emotion vermitteln soll. Die Darsteller des Dramas bleiben stumm. Rezitatoren erzählen die Geschichte, ein Orchester liefert die musikalische Umrahmung. Ramakien-Aufführungen können Sie im National Theatre und im Sala Chalermkrung Royal Theatre in Bangkok sehen. Eine Instantversion des Khon präsentieren gelegentlich Hotels bei Dinnershows. Termine finden Sie in den Hauptstadtzeitungen „Bangkok Post“ und „The Nation“.

Medizintourismus

Urlaub und Arztbesuch? In Bangkok ist Medizintourismus eine Boombranche. Und das nicht nur deswegen, weil sich zahlreiche Mediziner auf Schönheitsoperationen spezialisiert haben. Die meisten Ärzte wurden in Europa oder den USA ausgebildet, und die Preise für Behandlungen und Operationen sind durchweg günstiger als im Westen. Krankenhäuser von internationalem Standard verarzten Patienten aus aller Welt. Südostasiens größte Privatklinik, das Bumrungrad, behandelt pro Jahr allein über 400 000 Patienten. Auch viele Zahnärzte warten auf ausländische Besucher. Es muss ja nicht gleich ein akuter Schmerz sein, der Sie in Bangkok zum Dentisten führt. Eine Zahnreinigung kostet hier etwa 20 Euro. Die staatliche Tourismusbehörde hat für den Medizintourismus eine eigene Webseite geschaffen (www.thailandmedtourism.com).

Mode

Mode ist in Bangkok weit mehr als skurril bedruckte T-Shirts, die an jeder Ecke verkauft werden. In den großen Shoppingmalls bieten Edelboutiquen die neuesten Outfits aus aus allen Modemetropolen der Welt von Paris bis Tokio an. Aber auch thailändische Modemacher müssen sich nicht verstecken. Etablierte Labels wie Flynow und Greyhound machen auch international Furore. Und eine ganze Riege von jungen Designern mischt die Szene mit ausgefallenen Kreationen auf. Wenn Sie sehen wollen, was vielleicht der neue Hit wird bei modischen Trendsettern, lohnt ein Bummel über den Chatuchak Weekend Market. Auf dem gigantischen Flohmarkt ist auch Bangkoks Designer-Avantgarde mit ihren aktuellen Schöpfungen vertreten. In den Shoppingcentern präsentieren Models bei Modeschauen Design à la thai.

Nachtleben

Klischees halten sich zäh. Bangkok, das klingt für viele noch nach Sextourismus. Aber der Wandel der Stadt hin zur Metropole von Welt wird nicht nur in modernen Hochhausbauten und gigantischen Shoppingcentern augenfällig. Auch das Nachtleben befindet sich in einem rasanten Umbruch. Ja, es gibt sie noch, die Bars, in denen Bikinimädchen an Chromstangen tanzen, und die billigen Bierbars, die nicht viel mehr sind als ein offener Tresen mit Dach drüber. Aber es werden immer weniger. Selbst im Rotlichtviertel der berühmt-berüchtigten Patpong schließen Go-go-Bars, um als schicke Lounge wieder zu eröffnen – oder als Souvenirshops. Immer mehr im Kommen sind gestylte Clubs, wie sie auch in Berlin oder New York die Szene anziehen. Absolut im Trend sind auch Rooftopbars auf Hochhausdächern. Aber egal ob schlicht oder schick: In Bangkok gehen in allen Nightspots um zwei Uhr die Lichter und die Lautsprecher aus. Die Sperrstunde wird strikt eingehalten. Ganz trockengelegt ist die Stadt damit aber nicht: Fliegende Bars schlagen der Sperrstunde ein Schnippchen und schenken Bier und Spirituosen auf dem Gehsteig aus.

Politik

Die parlamentarische Demokratie in Thailand steht auf wackeligen Beinen, denn die wahre Macht liegt beim Militär. Es sieht sich als Hüter des Landes und der Monarchie und putschte schon mehrfach gegen unliebsame Regierungen, zuletzt 2006 gegen Premier Thaksin, dem Korruption vorgeworfen wurde. Seitdem kommt es in Bangkok immer wieder zu Demonstrationen von Anhängern und Gegnern des im Exil lebenden Thaksin, der vor allem in der armen Bevölkerung viele Anhänger hat. 2008 besetzten Thaksin-Gegner tagelang den Flughafen, Tausende Urlauber konnten das Land nicht verlassen. 2010 lösten Militär und Polizei gewaltsam einen Protest von oppositionellen Thaksin-Anhängern auf, die wochenlang eine zentrale Kreuzung in Bangkoks wichtigstem Shoppingbezirk besetzt hatten. Es gab Dutzende von Toten. Vor allem die ausländischen Medien berichteten von einem drohenden Bürgerkrieg. Aber Bangkok ging sehr schnell wieder zur Tagesordnung über. Die Gründe, die in den letzten Jahren zu Unruhen und gewaltsamen Konflikten geführt haben, sind aber nicht beseitigt. Eine immer breiter werdende Mittelschicht fordert politische Mitsprache ein, und auch die arme Landbevölkerung möchte ihre Interessen stärker gewahrt sehen.

Preise

Unterschiedliche Preise für Einheimische und Touristen sind für viele Urlauber ein Ärgernis und Dauerthema in den Leserbriefspalten von „Bangkok Post“ und „The Nation“. Viele private Attraktionen wie Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett verlangen von Ausländern höhere Eintrittspreise (850 Baht) als von Thais (350 Baht). Aber auch bei königlichen Sehenswürdigkeiten wie dem Vimanmek Royal Palace Zoo müssen Touristen (100 Baht) mehr bezahlen als die Einheimischen (75 Baht). Selbst vor Buddha sind nicht alle gleich. Während Fremde in den viel besuchten Tempeln Eintritt bezahlen müssen, dürfen Thais umsonst rein. Auch beim Feilschen auf Märkten oder mit Tuk-Tuk-Fahrern müssen Sie davon ausgehen, dass Sie mehr bezahlen als ein Einheimischer. Die meisten Thais sehen das Zweipreisesystem übrigens als eine Art ausgleichender Gerechtigkeit. Sie gehen davon aus, dass die Touristen mehr Geld haben als sie selbst.

Schreibweise

Sind Sie, der weiße Fremde, nun ein falang oder ein farang? Wollen Sie weiter nach Ko Samui oder nach Koh Samui? Ko(h) bedeutet Insel, aber warum gibt es zwei Schreibweisen? Warum wird Strand mal hat, mal had und mal haad geschrieben? Solche Fragen werden von Neuankömmlingen immer wieder gestellt, aber eine klare Antwort darauf gibt es nicht. Die Thaischrift ist für Fremde ein Buch mit sieben Siegeln, verfasst in zwar anmutigen, aber nicht entzifferbaren Schnörkeln. Und es gibt keine verbindliche Regel, wie man diese in lateinische Buchstaben überträgt.

Sitten

Thais sind tolerant und mischen sich nicht in die Angelegenheiten anderer ein. Schon gar nicht in die von Ausländern. Touristen genießen eine Art Narrenfreiheit. Diese hört aber nicht nur bei abfälligen Bemerkungen über das Königshaus auf. Auch der Buddhismus, seine Vertreter und Symbole sollten mit Respekt behandelt werden. In Tempeln (gilt nicht für chinesische Tempel), Moscheen und Privathäusern müssen die Schuhe ausgezogen werden. Frauen dürfen Mönche keinesfalls berühren, sich auch nicht im Bus neben sie setzen. Achten Sie bei Tempelbesuchen oder bei Behördengängen unbedingt auf ordentliche Kleidung (keine Badelatschen, keine kurzen Hosen oder Röcke, keine schulterfreien Blusen). Sie werden sonst nicht eingelassen bzw. nur schleppend oder gar nicht bedient. Besonders penibel wird die Kleidung im Grand Palace kontrolliert. Allerdings können Sie dort auch geschlossene Schuhe oder einen Umhang ausleihen. Wer seinem Ärger lautstark Luft macht, wird ebenfalls verachtet. Die Selbstkontrolle zu verlieren ist für Thais eine der schlechtesten Charaktereigenschaften.

Der Kopf ist zwar für Thais nicht heilig, wie manche Westler meinen, aber er ist, auch im übertragenen Sinn, der höchste Körperteil. Als Fremder sollten Sie den Kopf eines Einheimischen nicht berühren, selbst wenn es freundschaftlich gemeint ist. Die Fußsohle als niederster Körperteil wiederum darf nicht auf andere gerichtet werden.

Wat

Bezeichnung für Tempel- und Klosteranlage. Es kann eingedeutscht sowohl der Wat heißen (wenn der Tempel selbst gemeint ist) wie auch das Wat (wenn von der ganzen Klosteranlage die Rede ist). Normalerweise gehören Tempel und Kloster zusammen. Ausnahme ist der Wat Phra Kaeo im Grand Palace. Zu diesem Königlichen Tempel gehört kein Kloster. Die Gebetshalle eines Wat wird bot genannt. Chedi sind spitz zulaufende Türme mit einem glockenartigen Fuß, Türme im klassischen Khmer-Stil heißen prang.

Wellness

Bangkok ist die Massagehauptstadt der Welt. Nein, daran ist nichts Anrüchiges. Denn die Rede ist nicht von Bordellen, die sich als Massagesalons tarnen, sondern von Wellnessoasen, in denen Geist und Körper entspannen können. Luxuriöse Spas sind über die ganze Stadt verteilt und nicht nur in den Tophotels zu finden (www.thaiwebsites.com/spas.asp, www.thailandspaindex.com). Einfache Massagesalons, wo Sie sich schon für ca. 10 Euro eine Stunde lang durchkneten lassen können, warten fast an jeder Ecke auf Kundschaft.

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Als der Journalist Wilfried Hahn 1978 zum ersten Mal in Thailands Hauptstadt kam, standen dort noch keine Hochhäuser. Heute lebt er jedes Winterhalbjahr in Thailand und besucht Bangkok regelmäßig. „Diese Stadt“, sagt er, „ist unglaublich spannend. Bangkok kann man nicht erobern, Bangkok erobert Sie!“ Für MARCO POLO schreibt Wilfried Hahn auch die Bände Thailand, Ko Samui, Krabi und Phuket.

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Quelle: www.marcopolo.de