Von Martin Kotynek

Aus der musikalische Traum und die Hoffnung vieler Eltern: Eine Meta-Studie kommt zum Schluss, dass das Hören klassischer Musik den Intelligenzquotienten gar nicht, aktives Musizieren nur geringfügig erhöht.

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Positive Wirkung für das Sozialverhalten, aber nicht die Intelligenz: Musikalische Erziehung. (Foto: AP)

Der sogenannte "Mozart-Effekt", wonach das Hören klassischer Musik die intellektuelle Leistungsfähigkeit dauerhaft steigert, existiert offenbar doch nicht. Zu diesem Schluss kommen neun Neurobiologen und Psychologen in einer Untersuchung, die am Dienstag vom Bundesbildungsministerium veröffentlicht wurde. Die Forscher hatten zahlreiche Studien ausgewertet und konnten nicht bestätigen, dass Musik hören den Intelligenzquotienten dauerhaft erhöht.

Kurzfristig kommt es nach dem Hören von Musik zu einer Leistungssteigerung. Diese halte aber nur 30 Minuten lang an und sei den Spezialisten zufolge nicht auf eine Erhöhung einzelner kognitiver Fähigkeiten oder der allgemeinen Intelligenz zurückzuführen. Vielmehr würde jede Art von Musik, die Freude macht, genauso wie auch alle anderen angenehmen Reize die Stimmung heben und damit die Leistungsbereitschaft kurzfristig fördern. Aus Sicht der Neurowissenschaft gäbe es auch keine Belege dafür, dass das Hören von Musik das Wachstum von Nervenzellen im Gehirn anrege.

Aktives Musizieren führt hingegen zu Veränderungen des zentralen Nervensystems. So sind etwa die Handregionen in der Hirnrinde von Berufsmusikern durch langjähriges Üben der Feinmotorik vergrößert. "Welche Auswirkungen diese neuronalen Veränderungen haben, ist aber ungeklärt", sagt Eckart Altenmüller, einer der Studienautoren und Musikphysiologe an der Hochschule für Musik in Hannover.

Die Intelligenz beeinflusst Musizieren jedoch nur minimal, so Altenmüller: "Die Befunde hinsichtlich einer positiven Auswirkung des Musizierens auf andere kognitive Fähigkeiten sind enttäuschend." Es wurden zwar Zuwächse beim Intelligenzquotienten entdeckt, die jedoch sehr gering sind: "Drei bis vier IQ-Punkte lassen sich durch regelmäßiges Üben hinzugewinnen, was aber in keiner Relation zum Aufwand steht."

Auch wenn das Musizieren offenbar kein einfacher Weg zur Verbesserung kognitiver Fähigkeiten ist, sei das kein Argument gegen die Bedeutung der Musikerziehung, heißt es aus dem Bildungsministerium. Der Nutzen des Musikunterrichts läge auch in der Förderung emotionaler Kompetenzen. "Musizieren wirkt sich positiv auf das Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen aus", so Altenmüller.

(SZ vom 11.04.2007)

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Leserkommentare (10)



12.04.2007 16:54:25

Trotzalledem:

Pflanzen wachsen besser bei Mozartmusik?

Kühe geben mehr Milch?

Na ja, auch wenn wir nun doch keinen IQ Zuwachs beim musizieren zu erwarten haben, so hat das Erlernen des Instrument zumindest den Vorteil, dass wir das Üben und Durchhalten bis zu einer akzepablen Leistung erfahren. Das ist doch schon was, oder?

Und: Muss Musik unbedingt (zweckbebunden) zu höherer Intelligenz führen, oder darf man an Musik vor allem und zuerst einmal NUR Freude haben?


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