Reisetipps Erzgebirge

Ausflüge & Touren Erzgebirge

Wo das Silber gefunden wurde

Die Silberstraße, Sachsens erste Ferienstraße, zieht sich durch das gesamte Erzgebirge. Sie verbindet die einstigen Zentren des Silbererzbergbaus miteinander, in denen es zahlreiche bergbautechnische Anlagen zu sehen gibt, aber auch viele Bauwerke, die vom einstigen Reichtum der Bauherren und vom Kunstsinn der Baumeister künden. Die gut ausgeschilderte Ferienstraße beginnt in Zwickau, der interessanteste, ca. 220 km lange Teil führt nach Freiberg. Zwei Tage sollten Sie für diese Autotour einplanen.

Sie verlassen Zwickau, das durch das Schneeberger Silber reich geworden war, auf der B 93. Entlang der Zwickauer Mulde geht es durch Wilkau-Haßlau nach Schneeberg. Dort waren bereits im 15. Jh. rund 1200 Bergleute tätig. Manche bergbauliche Anlage blieb in dieser Stadt erhalten, darunter das Siebenschlehner Pochwerk in der Lindenauer Str. 2 und der heute als Badesee sehr beliebte Filzteich, der vor rund 500 Jahren für grubentechnische Zwecke angelegt wurde.

Von hier aus fahren Sie weiter nach Bad Schlema. Die Gegend ist geprägt vom Uranbergbau, den die Sowjets nach 1945 hier betrieben. Mittlerweile sind viele der alten Halden wieder bewaldet. Wie Maulwürfe mussten sich Zehntausende von Menschen damals in die Berge buddeln, ohne Rücksicht auf die Umwelt und ohne Rücksicht auf das eigene Leben. So fanden im Wismut-Schacht insgesamt 250, in Niederschlema im Juli 195533 Bergleute den Tod. Es existierte keine Feuerwehr für unter Tage, die Feuerlöscher funktionierten wegen Überlagerung nicht, Havariepläne für die Schächte gab es nicht.

Kurz hinter Schlema erreichen Sie das in einem Talkessel liegende Aue. In dieser Stadt begann in der zweiten Hälfte des 15. Jhs. die Suche nach Silber und Eisen. Nach 1700 erfolgte im Bergwerk Weißerdenzeche St. Andreas, dessen Huthaus bis heute erhalten geblieben ist, der Abbau des Kaolins für die Meißner Porzellanmanufaktur. Auf der B 101 fahren Sie weiter durch das Städtchen Lauter nach Schwarzenberg, dessen Sehenswürdigkeiten Sie nur dann entdecken, wenn Sie ganz nach oben auf den Felssporn steigen: Von hier aus haben Sie einen wunderbaren Blick auf das Schloss, die Stadtkirche und die prächtigen Bürgerhäuser in den Straßen und Gassen.

Über Scheibenberg fahren sie jetzt nach Annaberg-Buchholz, auf einer Straße, über die im späten Mittelalter schwer beladene Fuhrwerke holperten, die Silber und andere Erze in die Hütten und Münzstätten brachten. Um Annaberg-Buchholz förderten im 16. Jh. rund 600 Gruben Erze. Wie es damals zuging, zeigen Szenen auf der Rückseite des Altars der St.-Annen-Kirche. Mitten in der Stadt, im Hof des Erzgebirgsmuseums in der Großen Kirchgasse 16, wurde 1993 ein altes Silberbergwerk entdeckt. Eine der bedeutendsten Schauanlagen an der Silberstraße stellt in Frohnau das zum Museum gewordene Hammerwerk dar.

Nächstes Ziel ist Marienberg, eine Stadt, die vor rund 500 Jahren eigens für Bergleute angelegt wurde. Als steinerner Zeuge kündet die Marienkirche, die letzte der so beeindruckenden obersächsischen Hallenkirchen, von der großen Zeit des Silberbergbaus. Wie alle Gotteshäuser entlang der Silberstraße birgt sie zahlreiche Schätze sakraler Kunst. Vom breiten Tal der Flöha führt Sie die Silberstraße nun weiter über eine waldarme Hochfläche über Forchheim und Brand-Erbisdorf nach Freiberg. Durch Zufall fand man hier im Jahr 1168 das erste Silber. Prachtvolle Bauwerke stehen in der Altstadt, allen voran der Dom und das Rathaus. Mit einem Bummel durch Freiberg endet diese Tour; die Silberstraße führt weiter bis Dresden.

Mit der Fichtelbergbahn nach Oberwiesenthal

Eisenbahnfreaks kommen von weit her angereist, um im Erzgebirge in Schmalspurzüge zu steigen, die von fauchenden Dampfrössern gezogen werden. Die Kleinbahnzüge sind für viele kein Mittel zum Reisen mehr, sondern das Ziel von Tagesausflügen ins Grüne. Sie versetzen die Touristen unserer Tage zurück in die Zeit ihrer Großeltern.

In Cranzahl dampfen die Züge los. Für die 17,4 km lange Strecke nach Oberwiesenthal mit einer Spurbreite von 750 mm beträgt die Fahrtdauer ca. eine Stunde, in beide Richtungen gibt es täglich bis zu fünf Abfahrten.

Das kleine Cranzahl hat als Sehenswürdigkeit die Himmelfahrtskirche vorzuweisen, die 1910 auf den Grundmauern des Vorgängerbaus von 1556 entstand. Südöstlich des Dorfes ragt der Bärenstein (896 m) aus der Landschaft, in der 1948-51 eine nur 30 ha große Trinkwassertalsperre entstand. Für den 420 m langen und 37 m hohen Staudamm wurde heimischer Gneis verwendet. Der Berg gab dem Dorf den Namen, Bärenstein zieht sich etwa 3 km an der Grenze zu Tschechien hin. Einzige Sehenswürdigkeit ist die 1655 geweihte Erlöserkirche mit ihrem schiefergedeckten Walmdach.

Der Kleinbahnzug zuckelt durch das Tal der Sehma parallel zur Landstraße nach Unterneudorf (2,7 km). Wenn linker Hand der Habichtsberg (797 m) und rechter Hand der Pollmerfelsen (819 m) vorüber sind, kommt langsam der Bahnhof von Neudorf (4,5 km) in Sicht, ein lang gestreckter Ort mit einer Kirche vom Ende des 16. Jhs. Nach dem Haltepunkt Neudorf-Vierenstraße (6,0 km) verlässt der Zug das Tal der Sehma, nun führen die Gleise in einem großen Bogen ostwärts durch dichten Nadelwald weiter nach Kretscham-Rothensehma (8,0 km). Wenig später (9,4 km) beginnt der steilste Streckenabschnitt. In Niederschlag (10,5 km) biegt die Kleinbahn ins Pöhlbachtal ein und dampft gen Süden entlang der Grenze zu Tschechien. Nach dem nächsten Haltepunkt Hammerunterwiesenthal (13,6 km) drängen sich die Berge an die durch das Tal führende B 95 und die Bahngleise. Nach der Station Unterwiesenthal (15,7 km) dampft der Zug über den 110 m langen und 23 m hohen Viadukt, die letzte und größte der fünf Brücken der Strecke, um kurz darauf in den Bahnhof von Kurort Oberwiesenthal zu fahren, der sich genau 893,96 m über dem Meeresspiegel befindet.