Von Nicola Holzapfel

Ein Soziologe hat typische Klischees über Studenten untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Markus Schölling ist Soziologe. Während des Studiums hat er gern mit anderen zusammen gelernt, selbst wenn er wusste, dass das ineffizent ist. Und wenn er abends mal weggegangen ist, hat er sich vorher umgezogen. Das würde zumindest dem Klischee über Sozialwissenschaftler entsprechen, dass Schölling selbst wissenschaftlich erhärtet hat. Aber Schölling war anders, sagt der Soziologe über sich selbst. Und wer ihn das sagen hört, ist erleichtert. Denn Schölling hat mit seiner Doktorarbeit alle Klischees über Studenten erhärtet, die es nur geben kann.

Seine Erklärung ist ganz einfach: Man würde sich eben das Studienfach aussuchen, das zu einem passt. Ein Studienfach sei daher ein Sammelbecken für einen bestimmten Menschenschlag. 1000 Studenten hat er befragt, um seine These zu überprüfen. Am Ende hat er fünf verschiedene Lebensstile erkannt und einige recht skurril anmutende Details erhoben.

So würden zum Beispiel die Ingenieure klar zwischen der universitären Welt und ihrem persönlichen Leben trennen. Zuhause sei es bei ihnen ordentlich und in ihrer Freizeit würden sie gern Jeans ohne Gürtel tragen. Ihre kulinarischen Vorlieben: Fleisch und einfache Gerichte wie Eintöpfe, dazu Bier.

Die Geisteswissenschaftler dagegen würden sich selbst stilisieren, mit großem Hang zur Literatur und langen Diskussionen. Sie tragen: Cordhosen und Pullunder. Die Sozialwissenschaftler stehen dafür auf gemeinsame Lernrunden mit Tee und Keksen.

Die Wirtschaftswissenschaftler findet Schölling „besonders interessant“. Sie würden nach dem Motto leben und studieren „immer nur vom Feinsten“. Das sieht man ihnen angeblich auch an: Sie geben überdurchschnittlich viel Geld für Schuhe aus und tragen gern Stoffhosen mit dazu passendem Sakko (Im Gegensatz zu den Lehramt-Studenten, meint Schölling: Die bevorzugten Sakko zur Jeans).

Fehlen nur noch die Mediziner: Sie würden mehr Geld für sich beanspruchen als Studierende anderer Fachrichtungen, was Schölling mit ihrem Elternhaus erklärt: Mediziner kommen häufig aus Ärztefamilien und nehmen höhere Ansprüche quasi von zuhause mit. Außerdem sei typisch, dass sie besonders ungesund leben. Beim Essen „ziehen sie alles in sich hinein“, außerdem wird geraucht und die Neigung zum Medikamenten-Missbrauch sei überdurchschnittlich.

Drei Jahre ist es nun her, das Schölling seine Doktorarbeit veröffentlicht hat. Doch geändert hat sich seither nichts und wird es auch nicht, glaubt der Soziologe. „In den klassischen Studienfächern bleibt das so.“

 
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Inzwischen forscht Schölling an der Bergischen Universität Wuppertal über Studienerfolg. Seine These ist, dass der Studienabbruch nichts mit äußeren Umständen zu tun hat, sondern mit den Persönlichkeitsstrukturen zusammenhängt. Langzeitstudenten hätten beispielsweise eine „erotische Beziehung“ zur Universität, könnten sich nicht lösen. Wer schnell durchs Studium prescht, gehört dagegen eher zu den Typen, die im „Hier und Jetzt leben.“

Wer das hört, spult schnell Zahlen im Kopf durch: In Germanistik sind die Abbruchzahlen überdurchschnittlich hoch, bei den Informatikern auch. Welche Klischees passen da noch mal dazu? Aber Schölling unterbricht das Gedankengeratter mit einem beruhigenden Schlusswort. "Wir Soziologen untersuchen Massenphänomene. Ausnahmen gibt es immer". Na, Gott sei Dank!

(Die Autorin übrigens findet Sakkos zu Jeans nicht schlimm, wenn sie auch nicht auf Lehramt studiert hat, sondern Politik. Tatsächlich hat sie damals beim Lernen sicher auch mal Kekse gegessen, aber Tee - nee, den hat sie bestimmt nicht getrunken.)

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