Reisetipps Elba

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Caprili

Wer durch das Gebirgsmassiv des Monte Capanne im Westteil der Insel wandert, stößt immer mal wieder auf sogenannte caprili, Hirtenhütten aus groben Steinen, die in ihrer Form an die Iglus der Eskimos erinnern. Der Name leitet sich von capra, dem italienischen Wort für Ziege, ab. Denn Ziegenhirten waren es, die die Caprili im ausgehenden 19. Jh. errichteten. Sie setzten Granitsteine so geschickt aufeinander, dass sie weder Mörtel noch Zement brauchten. Die Bauweise sorgt dafür, dass Regenwasser nach außen ablaufen und der Rauch eines Feuers zwischen den Steinen entweichen kann. Eigentlich dienten die Caprili den Hirten nur als Schutz vor plötzlich heraufziehenden Unwettern, doch dann nutzten sie sie auch zur Zubereitung von Käse aus der frisch gewonnenen Ziegenmilch.

Heute haben die Steinhütten ihre Bedeutung verloren. Trotzdem finden Sie immer noch völlig intakte Caprili und können sie zu einer kurzen Rast nutzen. Sie stehen in der Nähe der kleineren Ortschaften Le Macinelle, Pietra Murata, Masso alla Quata, Colle della Grottaccia, I Campitini, Le Mura oder Monte Cenno, wobei einige meist nur mit einer nur örtlich erhältlichen, sehr genauen Wanderkarte aufzufinden sind.

Etrusker

Sie waren quasi die ersten Besetzer Elbas: die Etrusker. Während die auf der Insel beheimateten prähistorischen Völker noch von Ackerbau und Viehzucht lebten, hatten es die Etrusker auf etwas ganz anderes abgesehen. Als sie zwischen 1000 und 800 v. Chr. immer größere Teile des heutigen Mittelitaliens beherrschten und dem Land zu einer ersten städtischen Hochkultur verhalfen, setzten sie auch nach Elba über, um dort an der Ostküste zwischen Rio Marina und der Halbinsel Calamita Eisenerz im Tagebau zu gewinnen.

Die Etrusker machten Elba fortan zu ihrer Waffenschmiede. Elbas Eisenerz verfügte immerhin über einen Anteil von gut 60 Prozent Eisen. Überall sah man forni etruschi, die etruskischen Öfen. Heute erinnert daran noch eine Schmelzofenanlage bei dem Weingut La Chiusa in der Nähe von Magazzini. Man sieht dort naturgetreue Nachbildungen etruskischer Schmelzöfen mit den charakteristischen Blasebälgen, die von einem hydraulisch angetriebenen Rad bewegt wurden. Für interessierte Gruppen werden auf Anfrage Führungen gemacht.

Mineralien

Über 150 verschiedene Arten von Mineralien wurden auf der Insel registriert. Der im Westen gelegene magmatische Körper bildet den Ursprung des Granitmassivs Monte Capanne, dessen prächtige Kristallisierungen der Turmaline, Aquamarine und Quarze heute nicht nur in den elbanischen, sondern auch in den großen mineralischen Museen der Welt ausgestellt sind. Das im Osten vorhandene Magma ist beinahe vollkommen überschwemmt und hat zur Bildung von Eisenmineralien wie Hämatit, Pyrit, Magnetit und Ilvatit beigetragen.

Napoleon

Nachdem Napoleon am 6. April 1814 den Vertrag von Fontainebleau und damit seine Abdankung als Kaiser von Frankreich und Italien unterzeichnet hatte, wurde ihm die Insel Elba als „Ort des Aufenthalts für sein weiteres Leben“ und „eigenes Fürstentum“ zugewiesen. Napoleon traf am 3. Mai 1814 in Portoferraio ein. Schon die Botschaft, die er am Morgen vor seiner Ankunft durch General Dalesme, den Kommandanten der Stadt, hatte überbringen lassen, war von der Bevölkerung bejubelt worden: „Habt die Güte, den Einwohnern mitzuteilen, dass die Wahl für meinen Aufenthalt aufgrund der Sanftheit ihrer Sitten und der Milde ihres Klimas auf ihre Insel gefallen ist. Sagt ihnen, dass sie der Gegenstand meines größten Interesses sein werden.“ Bis zu einem gewissen Grad hat Napoleon wohl sein Wort gehalten, wenn auch seine Bedeutung für Elba heute aus touristischen Gründen verklärt wird. Er ließ Straßen und Alleen anlegen, förderte den Weinbau, den Thunfischfang, das Gesundheitswesen und führte die Müllabfuhr ein. Nicht ganz uneigennützig kümmerte er sich um Steuern und Zölle, denn der Lebenswandel, der Unterhalt der Palazzina Napoleonica in Portoferraio und der Sommerresidenz Villa Napoleonica in San Martino kosteten eine Menge Geld.

Mit viel Geschick und der Unterstützung seiner Mutter und der Lieblingsschwester Paolina Borghese führte der damals 45-jährige Napoleon ein Gesellschaftsleben, das ihm den Ruf eines „Operettenkaisers“ einbrachte, ihm aber auch immer wieder ermöglichte, heimliche Gesandte und Agenten aus dem alten Kaiserreich unter dem Deckmantel rauschender Feste zu empfangen. Auf diese Art bestens informiert, konnte Napoleon nach nur 300 Tagen seine Rückkehr nach Frankreich einleiten - mit dem bekannten Ergebnis: 100-tägige Herrschaft, Waterloo und die endgültige Verbannung auf die viel einsamere Insel St. Helena.

Von den Elbanern hatte er sich mit einer Botschaft verabschiedet, die genauso freundlich klingt wie sein Dekret bei der Ankunft: „Elbaner, ich hinterlasse Euch Frieden. Ich hinterlasse Euch Wohlstand. Ich hinterlasse Euch eine saubere, schöne Stadt. Ich hinterlasse Euch meine Straßen und Bäume, für die Eure Kinder mir danken werden.“

Ein vorläufig letzter Tribut an Napoleon ist der Film „N“, der 2006 nach dem gleichnamigen Roman des Strega-Preisträgers Ernesto Ferrero unter der Regie von Paolo Virzi auf Elba gedreht wurde.

Pflanzenvielfalt

Neben lichten Kastanienwäldern ist das charakteristische Kennzeichen der Insel die Macchia, ein immergrüner Buschwald, der weite Teile der Insel überzieht. Die Macchia entwickelt jenen charakteristischen Duft, der besonders nach einem heißen Tag an ätherische Gesundheitsöle erinnert. Und die Pflanzen, die sich um die Zistrose scharen, entfalten ihre Blüten. Der Frühling kommt bereits Ende Januar mit der Mandelblüte, setzt sich im Februar und März mit der Mimosenblüte und der Pfirsichblüte fort und gipfelt im April im Aufbrechen aller Blüten in den schönsten Farben. Am Rand der Macchia wachsen dann die für Elbas Küche typischen Gewürze: Beifuß, Fenchel, Melisse, Minze, Oregano, Rosmarin, Salbei und Thymian.

Salz

Im 17./18. Jh. hatte Elba bei San Giovanni eine der produktivsten Salinenanlagen von ganz Italien. In drei riesigen Becken wurde aus hineingepumptem Meerwasser Salz gewonnen. Das gewonnene Salz musste 40 bis 50 Tage in der Sonne trocknen, bevor es durch die Bucht von Portoferraio in das Salzmagazin der Stadt gebracht wurde. Anfang des 19. Jhs. wurden die Salinen unrentabel. Die Elbaner in dieser Gegend setzten lieber auf die prosperierende Eisenhüttenindustrie. Die Eisenerzrückstände lagerten sie in den alten Salinen ab. Salzrückstände und Mineralien gingen eine chemische Verbindung ein, die den Algenwuchs förderte. Im Lauf der Jahrzehnte entstand so ein besonderer Meeresschlamm mit Heilwirkung. Er wird seit den 1950er-Jahren gezielt in den Thermen von San Giovanni eingesetzt.

Tiere zu Land und zu Wasser

In Elbas Kastanienwäldern sind wieder Wildschweine angesiedelt worden. Auch in der Macchia machen sie sich breit. Dort leben hauptsächlich Marder, Igel und Wildschafe. Letztere sind geschützt, obwohl sie sich beträchtlich vermehren. Zudem finden sich Schlangen, die aber zu über 90 Prozent ungiftige Nattern sind. Unter den Insekten, die ihre Streifzüge auch von der Macchia aus unternehmen, gibt es Heuschrecken, Grillen, Zikaden und selbstverständlich Bienen. Die in anderen Mittelmeerregionen von Reisenden gefürchteten Stechmücken tauchen nur vereinzelt auf.

Im Meer rund um Elba finden Sie die typische, überaus reichhaltige Mittelmeerfauna. Austern, Krabben, Langusten und Muscheln lagern auf den Felsen und winzigen Korallenbänken; Gold- und Zahnbrassen, Thunfische und Seebarben schwimmen durch sie hindurch. Nicht zuletzt sind sie auch Beute für die Silbermöwen und Reiher, die besonders entlang der Steilküste im Westen der Insel nisten.

Wind

Über Elba wehen eine ganze Menge Winde. Oft wechseln sie innerhalb kürzester Zeit. Manchmal scheinen sie sich an der höchsten Erhebung, dem Monte Capanne, richtiggehend festzuhaken. Im Sommer sorgen sie auch bei hohen Temperaturen für angenehme Kühlung. Diese subjektiv empfundene Erfrischung ändert aber nichts an der starken Sonneneinstrahlung - deshalb Vorsicht vor Sonnenbrand! Im Winter können sich die Winde im Gebiet des toskanischen Archipels zu gewaltigen Stürmen auswachsen, die manchmal sogar die Fährschifffahrt lahm legen.

Rund um die Insel unterscheidet man den grecale (kommt trocken von Nordost), den levante (ebenso trocken von Ost), den maestrale (kalt und mächtig von Nordwest), den mezzogiorno (warm von Süd), den ponente (bringt gutes Wetter von West), den scirocco (kommt feucht und heiß von Südost aus den Wüsten Nordafrikas) und den tramontana (weht trocken und kalt von Nord, verheißt aber für die nächsten Tage gutes Wetter).