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Bezirksausschuss-Wahlen in München:Was Sie über Ihren Stadtteil wissen sollten

Wahlkabine und Stimmzettel für die Bezirksausschuss-Wahl in München

Zusätzlich zur Oberbürgermeister- und Stadtrats-Wahl entscheiden die Münchner Wähler im März 2020 auch über die Mitglieder der Bezirksausschüsse.

(Foto: SZ-Grafik)

Im März 2020 werden auch die Mitglieder der 25 Bezirksausschüsse in München neu gewählt. Ein Überblick über die Stadtteile und die politische Ausgangssituation.

Für die Bürger in München hält die Kommunalwahl am 15. März 2020 eine Besonderheit bereit. Zusätzlich zu der ohnehin schon recht komplizierten Wahl des Stadtrats müssen sie ein zusätzliches Gremium mit Personal ausstatten - ihren jeweiligen Bezirksausschuss. Außer in München gibt es diese Form der kommunalen Bürgervertretung in Bayern nur in Ingolstadt, dort werden die Vertreter allerdings vom Stadtrat bestimmt.

Jeder der 25 Stadtbezirke Münchens hat einen eigenen Bezirksausschuss; er muss von der Stadtverwaltung und dem Stadtrat bei Fragen gehört werden, die den jeweiligen Stadtteil betreffen. In gewissem Maße hat er auch eigene Entscheidungsbefugnisse, zum Beispiel bei der Gestaltung von Spiel- oder Sportplätzen. Je nach Größe des Stadtteils werden 15 bis 45 Mitglieder gewählt, die Parteien oder Wählergruppen stellen jeweils eigene Listen auf.

Anlässlich der anstehenden Bezirksausschuss-Wahlen hat die SZ-Stadtviertelredaktion im Folgenden einen Überblick über die Eigenheiten der einzelnen Stadtteile und die politische Ausgangssituation zusammengestellt - aufsteigend sortiert entsprechend der Nummerierung der Bezirke.

Fakten zum Stadtbezirk 1 Altstadt-Lehel

Der Stadtbezirk 1 fasst das Gebiet innerhalb des zweiten Mauerrings aus dem 14. Jahrhundert mit dem Lehel ("auf den Lehen") zusammen, Münchens ältester Vorstadt, die 1724 in den Burgfrieden einbezogen wurde. Dazu gehört außerdem der südliche Englische Garten, einschließlich des Chinesischen Turms. Hier leben 21 100 Münchner (Stand: Ende 2018) auf einer Fläche von 314,57 Hektar. Nach Fläche bildet das Zentrum damit den (nach der Schwanthalerhöhe) zweitkleinsten Bezirk, nach Bevölkerung den kleinsten. Zugleich herrscht natürlich enormer Zulauf. Schätzungen gehen an Spitzentagen von bis zu 400 000 Touristen und Tagesbesuchern aus Stadt und Umland aus. Dazu kommen werktags rund 100 000 Einpendler.

Das Lehel bildet mit über 12 000 Bewohnern und einem höheren Familienanteil den Wohn-Schwerpunkt. Dennoch weist die Statistik vor allem für die südliche Altstadt eine "noch stark ausgeprägte Wohnfunktion" aus, allerdings bei "sehr unausgeglichenen" demografischen Verhältnissen. Den alteingesessenen Bewohnern steht demnach "eine typische City-Bevölkerung" gegenüber, sprich gut verdienende jüngere Singles oder Paare.

Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 erhielt die CSU 33,8 Prozent der Stimmen und fünf von 15 Sitzen. Die Grünen kamen auf 28,2, die SPD auf 28,1 Prozent, beide somit auf je vier Sitze. Die FDP erreichte 9,8 Prozent und zwei Sitze. Julian Raff

Fakten zum Stadtbezirk 2 Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt

Die Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt ist ausgesprochen heterogen mit dem Bahnhofs- und dem Klinikviertel, mit Schlachthof, Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel. Rund 50 000 Menschen leben dort, im vergangenen Jahr kamen mehr als zwei Millionen Gäste an, mehr als vier Millionen Übernachtungen von Touristen wurden gezählt. Vier Theater und 27 Kinosäle gibt es und die höchste Konzentration von Hotels, Tabledance-Bars und Wettannahmestellen. Nirgendwo in der Stadt ist die Kneipendichte so hoch, die "Feierbanane" an der Müller- und der Sonnenstraße liegt im Viertel, sogar am Oktoberfest hat der Stadtteil den größten Anteil - auch was die Zahl der durchquerenden Gäste betrifft. Die LGBTQ-Szene um den Gärtnerplatz und am Glockenbach ist ausgesprochen lebendig. Es gibt die meisten Beschwerden wegen Gestanks (der Münchner Schlachthof liegt mitten im Viertel), nicht nur die Bahn hat hier ihren Hauptumschlagplatz, sondern auch die Fernbusse mit dem Zentralen Busbahnhof unter der Hackerbrücke.

Hier findet man Münchens ältesten Zentralfriedhof, den Alten Südfriedhof mit vielen Prominenten, 1563 als Pestfriedhof angelegt. Und natürlich liegt die Isarvorstadt an der Isar - die Museumsinsel, früher eine riesige Kiesbank, mit dem Deutschen Museum ist ebenfalls Teil der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Etwa 300 Ärzte haben sich niedergelassen, etwa 2000 Einheimische teilen sich im Schnitt eine Apotheke. Hier wird nicht viel gewandert: Zuzüge und Wegzüge - etwa 9000 jährlich - halten sich seit ein paar Jahren die Waage, es gibt kaum Möglichkeiten, das Viertel noch stärker zu verdichten.

Der Stadtteil wird jünger: Die meisten Bewohner sind um die 30, nur wenige zwischen acht und 19 oder älter als 65 Jahre. Der Ausländeranteil liegt bei 28,4 Prozent, das ist leicht über dem städtischen Schnitt. Die Grünen haben im BA mit 25 Sitzen politisch die Oberhand, zumal sie mit der Rosa Liste eine Fraktion bilden. 35,2 Prozent (neun Sitze) errangen sie 2014, die Rosa Liste 14,1 Prozent (drei Sitze). Die CSU holte 23,4 Prozent (sechs Sitze), die SPD kam auf 22,4 Prozent (sechs Sitze), die FDP auf 4,9 Prozent (ein Sitz). Birgit Lotze

Fakten zum Stadtbezirk 3 Maxvorstadt

Die Maxvorstadt ist nach dem ersten bayerischen König Maximilian I. Joseph benannt und entstand nach 1825 als erste planmäßige Stadterweiterung unter Ludwig I. Er war es, der diesem Stadtbezirk mit heute 51 402 Einwohnern (Stand: Dezember 2018) seine Prägung als klassizistisches Zentrum Münchens verpasste. Stadtbildprägend sind die Prachtplätze und Prachtstraßen, Königsplatz, Odeonsplatz, Ludwigstraße und Brienner Straße, ein Ensemble das heute allseits als "Kunstareal" bezeichnet wird. Denn hier ballen sich außerordentlich viele kulturelle, wissenschaftliche und künstlerischen Einrichtungen: Neben den Museen auch sechs Hochschulen, die größten sind LMU und TU, woraus sich der zweite prägende Aspekt der Maxvorstadt ergibt: Mit insgesamt gut 100 000 Studenten halten sich in dem knapp 430 Hektar großen Gebiet zwischen Justizpalast im Süden, Georgenstraße im Norden, Lothstraße im Westen und Englischem Garten im Osten tagsüber etwa vier Mal so viele Menschen auf wie dort wohnen.

Das liegt auch an der massiven Konzentration von Arbeitsplätzen, etwa in einer Reihe von Konzern- und Bankengebäuden, Finanzämtern, Landesministerien. Der Anteil von Ein-Personen-Haushalten ist stadtweit am höchsten, und demnach auch die Fluktuation der Bevölkerung. Stark vertreten sind 20- bis 30-Jährige, wogegen Kinder unter 15 Jahren zahlenmäßig unterdurchschnittlich präsent sind. Infolge all dessen ist die Maxvorstadt auch bei Investoren äußerst begehrt; Hausgemeinschaften sehen sich teils massiven Mietsteigerung ausgesetzt, eines der bestimmenden Themen im Bezirksausschuss.

Die Grünen erreichten bei der Wahl 2014 mit 33,7 Prozent im Stadtbezirk das beste Ergebnis, gefolgt von SPD (31,7 Prozent), CSU (27,6 Prozent) und FDP (7 Prozent). Stefan Mühleisen

Fakten zum Stadtbezirk 4 Schwabing-West

Das westliche Schwabing ist mit 68 527 Bewohnern und 157 Einwohnern je Hektar (Stand: 31. Dezember 2018) der am dichtesten besiedelte Stadtbezirk Münchens. Im Stadtbezirk 4 herrscht eine geschlossene, meist mehrgeschossige Bebauung vor, der meist gut erhaltene Altbaubestand wird seit Jahren immer wieder durch Abriss und Neubau modernisiert - meist mit entsprechenden Folgen für das Mietpreisniveau. Mit seinem dichten Netz an gastronomischen und kulturellen Einrichtungen sowie zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, der idealen innerstädtischen Lage bei exzellenter Erreichbarkeit sowohl des Olympiaparks wie des Englischen Gartens zählt Schwabing-West zu den überaus gesuchten Adressen für Wohnungssuchende wie Immobilienentwickler gleichermaßen.

Nach der Fertigstellung der Siedlung am Ackermannbogen am Fuße des Olympiabergs steht nur mehr die Bebauung des zum größeren Teil zu Neuhausen-Nymphenburg gehörenden Kreativquartiers an der Dachauer Straße als zusammenhängender Bereich an. Auseinandersetzungen drehen sich im Viertel meist um Wohnungsbau und Spekulantentum - wobei sich der Bezirksausschuss fraktionsübergreifend als Vertreter der kleinen Mieter versteht.

Bei der Wahl 2014 entfielen 37,5 Prozent auf die SPD (elf von 29 Mitgliedern), 26,8 Prozent auf die CSU (acht), 25,3 Prozent auf die Grünen (sieben), 6,2 Prozent auf die FDP (zwei) und 4,2 Prozent auf eine Listenverbindung von Freien Wählern und ÖDP (ein Freier Wähler). Ellen Draxel

Fakten zum Stadtbezirk 5 Au-Haidhausen

Am östlichen Ufer der Isar liegt der Stadtbezirk Au-Haidhausen. Früher noch Vorstadt, inzwischen Randlage der Innenstadt. An diese vorstädtische Geschichte erinnern noch die Namen: Au, das Land am Wasser, und die Häuser auf der Heide "Heidhusir". Auch nach der Eingemeindung unterlag der Stadtbezirk Wellen des Strukturwandels, der bisher letzte hält auch heute noch an. In den 1970er Jahren wurde Au-Haidhausen zu einem Sanierungsgebiet der Stadt. Mit der einhergehenden "Aufwertung" kam und kommt es zu einer Veränderung des Bevölkerungsmileus.

Mit dem Gasteig, der Münchner Volkshochschule und vielen kleinen Ateliers und Bars versteht sich vor allem Haidhausen als ein kulturelles Zentrum der Stadt. Mit der Auer Dult und dem Starkbieranstich am Nockherberg sind zwei der großen Münchner Traditionen in der Au beheimatet. Nicht nur die Bewohnerstruktur befindet sich seit Jahren im Umbruch, auch die traditionell ausgewogene Mischung von Wohnen und Gewerbe, die den Bezirk lange prägte, verschiebt sich zunehmend. So zog die Paulaner Brauerei 2015 nach Langwied und hinterließ ein Areal in der Au, auf dem von 2023 an etwa 3500 Münchner wohnen werden. Schon heute ist nur Schwabing-West dichter besiedelt als der fünfte Stadtbezirk. In der Au und in Haidhausen wohnten Ende 2018 etwas mehr als 61 000 Münchner, fast so viele Menschen wie in Rosenheim.

Bei den Bezirksausschuss-Wahlen 2014 entfielen auf die Grünen mit 36,4 Prozent die meisten Stimmen. Die SPD kam auf 34,7 Prozent und die CSU auf 23,8 Prozent. Die FDP erreichte 5,1 Prozent. Johannes Korsche

Fakten zum Stadtbezirk 6 Sendling

Sendling - so hieß auch das Dorf, das 782 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Sendling ist älter als München, es ließ sich 1877 eingemeinden, damit es das Kranken- und Armenhaus und die auch sonst gute Infrastruktur Münchens nutzen konnte. Damals lebten in Sendling vor allem Viehbauern, die die Stadt mit Milch und Fleisch versorgten. Schon vor der Eingemeindung siedelten sich Industriebetriebe an. Auslöser war der Bau des Südbahnhofs an der Tumblingerstraße und der Eisenbahntrasse zum Ostbahnhof. Die Lokomotivenfabrik Krauss ließ sich daneben an der Lindwurmstraße nieder, ebenso die Eisengießerei Sugg, die Kochelbrauerei. Die Stadt legte südlich der Bahn - damals freies Feld - große Hallen für Lebensmittelvorräte an. Später entwickelte sich daraus der Münchner Großmarkt, immerhin der drittgrößte Europas.

Für die Arbeiter wurden Wohnungen gebaut, Genossenschaften entstanden. Sendling wurde damit zu einer Arbeiter-Hochburg mit großer Nähe zur Sozialdemokratie. Die SPD ist traditionell stark, auch wenn Oberbürgermeister Dieter Reiter, selbst Sendlinger, mit 68,5 Prozent bei der Stichwahl zwar ein überdurchschnittliches, doch nicht sein bestes Ergebnis errang. Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 stimmten 40,8 Prozent der Sendlinger für die SPD. Doch auch hier wächst die Konkurrenz heran: Zweitstärkste Kraft wurden erstmals die Grünen mit 28,9 Prozent. Für die CSU stimmten 26,7 Prozent. Für die FDP reichte es mit 3,7 Prozent für ein Mandat.

Sendling hat aufgrund seiner Geschichte verschiedene Zentren: den historischen Ortskern an der Plinganserstraße am oberen Ende der Lindwurmstraße um die Kirche St. Margaret, dann den Harras als modernes Geschäfts- und Verkehrszentrum und den Gotzinger Platz, früher ein Sammelpunkt vor dem Großmarkttor und Schulzentrum. Birgit Lotze

Fakten zum Stadtbezirk 7 Sendling-Westpark

Weite Felder, viel Wald und damit auf 1159 Hektar Grund genügend Raum für das Wachstum: Das konnte die Landgemeinde Sendling mit ihren selbständigen Dörfern Unter- und Mittersendling bieten, als sie zum 1. Januar 1877 nach München eingemeindet wurde. Zehn Jahre später wurde der Stadtbezirk mit der damaligen Nummer 19 noch größer, als man von den Nachbarn in Hadern einen Teil des Weilers Holzapfelkreuth kaufte und so um 95 Hektar wuchs. Die Entwicklung des Viertels nahm Fahrt auf, als die Trambahn vom Harras zum Waldfriedhof 1904 in Betrieb ging, der Friedhof selbst wurde 1907 eröffnet, geplant vom Stadtbaumeister Hans Grässel (der zwei Jahrzehnte später auch das Städtische Altenheim St. Josef am Luise-Kiesselbach-Platz erbaute).

Damals figurierte der Stadtbezirk noch als Waldfriedhofviertel. 1992, bei der Bezirksreform, ging das Waldfriedhofviertel im neuem Stadtbezirk Sendling-Westpark auf. Dieser setzt sich aus Teilen von Sendling und Laim sowie aus dem Westpark zusammen, der zur Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) 1983 angelegt wurde und heute als 69 Hektar große grüne Lunge eine wichtige Funktion innehat.

Derzeit leben knapp 60 000 Menschen in Sendling-Westpark. Das produzierende Gewerbe ist - wie fast überall in der Stadt - auf dem Rückzug, heute dominieren - auch optisch - Gebäude wie die ADAC-Zentrale mit ihrem 93 Meter hohen Turm oder das Fraunhofer-Haus das Bild. Lange ächzte das Viertel unter der Autolawine des Mittleren Rings. Als dann im Sommer 2015 der Südwest-Tunnel eröffnet wurde, atmeten zumindest die Anwohner erleichtert auf. Der Verkehr beschäftigt die lokale Politik aber nach wie vor.

Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 lag die CSU mit 38 Prozent vor der SPD (35,4 Prozent), beide Parteien eroberten neun Sitze. Die Grünen kamen auf 22,7 Prozent (sechs Sitze), die FDP erreichte 3,9 Prozent (ein Sitz). Der BA-Vorsitz blieb in SPD-Hand, Günter Keller folgte auf Ingrid Notbohm, die das Gremium zwei Amtsperioden lang geleitet hatte. Berthold Neff

Fakten zum Stadtbezirk 8 Schwanthalerhöhe

Die Schwanthalerhöhe, dieses mit 207 Hektar flächenmäßig kleinste Viertel der Stadt hat schon viele Häutungen hinter sich: Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich hier mit der einsetzenden Industrialisierung stinkende Gewerbebetriebe nieder, die aus der Innenstadt vertrieben wurden. Auch die Gummi-Fabrik Metzeler. Und jede Menge Arbeiter, auch weil im Norden des Quartiers, die Bahnlinie nach Lochhausen gebaut und dann betrieben wurde. Um 1900 entstanden umfangreiche Genossenschaftssiedlungen, die noch heute das Westend, also den westlich der Ganghoferstraße liegenden Teil des Quartiers, prägen und stabilere Mieten als in anderen Teilen der Stadt garantieren. Hier leben stadtweit überdurchschnittlich viele Menschen mit wenig Geld.

Weil die alte Bausubstanz aber mitunter so schlecht war, wurden Teile des Bezirks umfangreich saniert. Die Gegend machte sich schicker, Gewerbe wurde je nach Lesart versetzt oder vertrieben. 1998 zog das Messezentrum nach Riem, an seinem alten Standort folgte eine kräftige Nachverdichtung: 4000 Arbeitsplätze und 1400 Wohnungen entstanden, viele Besserverdienende zogen ein. An der Flanke der "Theresienhöhe" findet sich eine Spieltrasse, die artifiziellste unter den rund 25 Hektar öffentlichen Flächen im Viertel. Die smarteste Metamorphose liegt hinter dem Beton-Komplex über der Theresienwiese. Das Einkaufs- und Wohnzentrum hört jetzt auf den Namen "Schwanthaler Forum". Trotz dieses Hochglanzes hat sich der dörfliche Charakter in weiten Teilen der Schwanthalerhöhe erhalten; zu deren Arbeiter-DNA gehört auch ein hoher Ausländeranteil. Er liegt bei einem Drittel.

Im Wandel ist zudem das Wahlverhalten: 2014 legten die Grünen im Bezirksausschuss auf 35,9 Prozent zu (sechs von 17 Sitzen) und schlossen im traditionell roten Bezirk zur SPD (39,8 Prozent, sieben Sitze) auf. Es folgten CSU (19,9 Prozent, drei Sitze) und FDP mit 4,4 Prozent (ein Sitz). Andrea Schlaier

Fakten zum Stadtbezirk 9 Neuhausen-Nymphenburg

Genau 99 999 Einwohner hatte der nach Ramersdorf-Perlach zweitgrößte Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg laut Statistischem Amt im Oktober 2019, im Durchschnitt sind das 77 Einwohner pro Hektar. Die 100 000er-Marke dürfte inzwischen also geknackt sein. Dass die Einwohnerzahl nun doch so schnell stieg, liegt an den großen Neubauquartieren entlang der Bahn, die mit ihrer gelegentlich als "Käseschachteln" geschmähten Architektur einen ziemlich starken Kontrapunkt setzen zu den Altbauten des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Neuhausen (etwa die Hälfte des Immobilienbestands steht unter Ensemble- oder Denkmalschutz), den Eisenbahner- und Gewofag-Blöcken und den großbürgerlichen gründerzeitlichen Villen in Gern und Nymphenburg.

Dort liegt mit dem prunkvollen Sommerschloss der Wittelsbacher auch einer der größten Touristenmagneten der Stadt. Bis auf das Schloss einschließlich seiner Museen sowie das Backstage und das Freiheiz für Fans unterschiedlichster Musik leuchten allerdings keine Kulturstätten über die Viertelgrenzen hinaus, was die Neuhauser ein bisschen wurmt. Zu gerne hätten sie den neuen Konzertsaal in der Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke gehabt. Einen Kultursaal immerhin bekommen sie, auch wenn sich dessen Eröffnung zieht und zieht. Und am nördlichen Rand, am Leonrodplatz, entsteht ein Strafjustizzentrum mit 54 Gerichtssälen, darunter dem künftig größten Prozess-Saal der Republik. Mit dem Nymphenburger Schlosspark, dem Botanischen Garten und dem Hirschgarten besitzt der Stadtbezirk dafür ausgedehnte Grün- und Erholungsflächen, rechnet man auch noch Sportanlagen dazu, sind es 352 Hektar, fast ein Drittel der Gesamtfläche.

Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 bekam die SPD 33,8 Prozent (14 der 41 Sitze), die CSU 30,5 Prozent (zwölf Sitze) und die Grünen 24 Prozent (zehn Sitze). Auf die FDP entfielen 4,3 Prozent und damit zwei Sitze, ebenso auf die ÖDP. 3,1 Prozent (einen Sitz) erreichten die Freien Wähler. Sonja Niesmann

Fakten zum Stadtbezirk 10 Moosach

Moosach hat einige Superlative zu bieten. Da wäre nicht nur der O₂-Tower, das mit 146 Metern höchste Bürogebäude der Stadt. 2010 hat Moosach den 100. und damit vorerst letzten U-Bahnhof in München bekommen. Zum Stadtbezirk gehören die denkmalgeschützte Borstei, eine weitgehend autofreie Siedlung mit 77 Häusern und 800 Wohnungen auf neun Hektar, die Olympia-Pressestadt, das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) sowie Münchens größtes und modernstes Berufsschulzentrum. Voraussichtlich 2021 eröffnet der neue Busbetriebshof. 1913 nach München eingemeindet, hat sich der Stadtbezirk trotz aller Urbanität seinen einstigen dörflichen Kern rund ums Pelkovenschlössl erhalten.

In Moosach haben die Stadtwerke München ihren Sitz, die Verkehrsleitzentrale samt Technischem Betriebszentrum, das IT-Rathaus, der Bayerische Landessport-Verband. 54 223 Einwohner leben laut offizieller Statistik (Stand: 31. Dezember 2018) in Moosach, 49 je Hektar. Zu den grünen Lungen gehören das Kapuzinerhölzl, der Hartmannshofer Wald, das Gelände des Rangierbahnhofs und der Westfriedhof. Kaum gesegnet ist Moosach dagegen mit Gewässern: Gerade mal einen halben Hektar gibt es davon.

Traurige Berühmtheit erhielt der Stadtbezirk, als am 22. Juli 2016 der 18-jährige David S. am und im OEZ neun meist junge Menschen erschoss, andere zum Teil schwer verletzte und sich dann selbst tötete. Erst seit Oktober 2019 stufen die Behörden das Attentat offiziell als rechtsextremistisch motiviert ein.

Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 erhielt die SPD 42,6 Prozent der Stimmen, die CSU 38,0, ÖDP/Grüne 15,9, die FDP 3,5 und die sonstigen 15,9. Anita Naujokat

Fakten zum Stadtbezirk 11 Milbertshofen-Am Hart

Der Stadtbezirk Milbertshofen-Am Hart erstreckt in einem relativ schmalen Streifen zwischen Schleißheimer und Ingolstädter Straße von der nördlichen Stadtgrenze bis zum Mittleren Ring. Südlich der Gleise mit dem Güterbahnhof Milbertshofen ist der Stadtbezirk nach Westen hin breiter und umfasst das Olympischen Dorf und den Olympiapark. Durch die Stadtautobahn von Schwabing-Freimann getrennt, ist Milbertshofen ein typisches Arbeiterviertel mit dichter und relativ hoher Bebauung.

Viele Anwohner arbeiten im BMW-Stammwerk, wo seit 1922 Motoren und Autos hergestellt werden. Im Norden grenzen die Gütergleise und das riesige BMW-Forschungszentrum (FIZ) Milbertshofen von den Wohnsiedlungen Am Hart und Harthof ab. Sie sind von großen Sozialbausiedlungen geprägt, die seit Kriegsende bis in die Neunzigerjahre entstanden sind und nun abschnittsweise modernisiert werden.

Der 11. Stadtbezirk hat mit fast 41 Prozent den höchsten Anteil an ausländischer Bevölkerung in München und den zweithöchsten Anteil an Arbeitslosen. Insgesamt leben hier 75 000 Menschen, davon eine große Gruppe im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Bei der Bezirksausschusswahl 2014 war die SPD mit 40,3 Prozent stärkste Kraft, darauf folgten die CSU mit 33,3, Grüne mit 14,6 Prozent, eine gemeinsamen Liste aus ÖPD und Freien Wählern mit 8,6 Prozent und der FDP mit 3,2 Prozent der Stimmen. Jerzy Sobotta

Fakten zum Stadtbezirk 12 Schwabing-Freimann

Schwabing-Freimann, der flächenmäßig drittgrößte Stadtbezirk Münchens mit 77 936 Einwohnern (Stand: Dezember 2018), erstreckt sich keilförmig vom Siegestor im Süden bis zur Stadtgrenze an der Fröttmaninger Heide, im Osten begrenzt durch den Englischen Garten. Die Bezirksteile haben dabei eine völlig unterschiedliche Struktur. Schwabing wird als innerstädtisches Stück Stadt wahrgenommen, mit viel Stuck, Stahl und Stil. Weltberühmt durch viele Literaten und Bohemiens, die sich dort während des Fin de Siècle aufhielten, sowie etliche Künstler und solche, die sich dafür hielten, die in den Sechziger- bis Achtzigerjahren in den Kneipen anzutreffen waren. Stadtbildprägend sind zahlreich erhaltene gründerzeitliche Bürgerhäuser und Stadtvillen, aber auch moderne Bürokomplexe an der Leopoldstraße.

Freimann steht dazu in starkem Kontrast, manche Freimanner wünschen sich deshalb schon lange einen eigenen Bezirk. Der Stadtteil hat in den vergangenen 100 Jahren einen drastischen Wandel vom ländlichen Dorf zum Industrie- und Militärstandort durchgemacht. Krupp'sche Geschützwerke, Bundesbahn, Kasernen, dazu Mülldeponie und Klärwerk: Großanlagen belegten riesige Gebiete, die Autobahn A 9 zerteilt Freimann in zwei Hälften. Doch über den Müllberg ist längst buchstäblich Gras gewachsen, das Klärwerk ist hochmodern, auf dem Areal der Bayernkaserne entsteht ein Wohngebiet. Dazu gibt es ausgedehnte Einfamilienhaus-Siedlungen. Doch auch Freimann hat ein berühmtes Bauwerk: die Allianz-Arena. Wobei das mitunter missliebige Verhalten der Fußballfans den Bezirksausschuss oft beschäftigt.

Bei der Wahl 2014 schnitt die SPD mit 34,8 Prozent am stärksten ab. 33,3 Prozent erhielt die CSU, die Grünen 20, die Freien Wähler 6 und die FDP 5,9 Prozent. Stefan Mühleisen

Fakten zum Stadtbezirk 13 Bogenhausen

Bogenhausen ist aus acht ehemals selbständigen Ortschaften entstanden, was auch erklärt, warum den Stadtbezirk ganz unterschiedliche Siedlungsformen und damit große soziale Vielfalt prägen. In Daglfing, Englschalking, Johanneskirchen und Oberföhring lassen sich die Ortskerne der alten Bauerndörfer noch heute erkennen. Steinhausen und Zamdorf waren schon früh Industriestandorte, auch weil sich dort die Bahntrassen aus dem Osten zum großen Hauptstrang verflechten. Wie in Denning bestimmen Einfamilienhaus-Quartiere das Bild. Aus dem Dorf Bogenhausen dagegen wurde zur Gründerzeit ein elegantes Viertel, wo heute viele Konsulate ihren Sitz haben.

In den Fünfzigerjahren, als die Wohnungsnot groß war, entstand am Bogenhauser Ostrand die gleichnamige Parkstadt, Bayerns erste Großwohnanlage für 6000 Bewohner. Noch einmal 15 Jahre später kam der Arabellapark dazu, wo etwa 10 000 Menschen leben und etwa 18 000 arbeiten - vorwiegend in Büros und Verwaltungen, unter anderem im bayerischen Umweltministerium. Arbeitsplätze bietet im Stadtbezirk vor allem der Dienstleistungssektor, verarbeitende Betriebe haben sich in Steinhausen angesiedelt, Logistiker am Hüllgraben südlich von Daglfing.

Nach dem Demografiebericht der Stadt hatte Bogenhausen - knapp 24 Quadratkilometer groß - Ende 2018 etwa 88 000 Einwohner, 11 000 mehr als Bamberg. Weil auch künftig große Wohngebiete geplant sind, wird die Bevölkerung wachsen: 94 000 Einwohner sind für 2030 prognostiziert, 115 000 sollen es 2040 sein, mehr als Erlangen heute hat. Der Anteil an Ausländern steigt um zehn Prozentpunkte: von jetzt 23,3 auf 33,7 Prozent 2040.

Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 bekam die CSU 43,1 Prozent, die SPD 28,9. Die Grünen erreichten 17,2 Prozent, die FDP 6,2, die Listenverbindung von ÖDP und David contra Goliath (DacG) 4,7 Prozent. Auf ÖDP/DacG und FDP entfielen je zwei der 35 Sitze im Bezirksausschuss. Die Grünen kamen auf sechs, die SPD auf zehn und die CSU auf 15 Sitze. Ulrike Steinbacher

Fakten zum Stadtbezirk 14 Berg am Laim

Ad Perke auf dem Laimb bedeutet Lehmhügel, heute: Berg am Laim. Der Stadtteil hat seinen Namen von der Lehm-Löß-Zunge, auf die er gebaut ist. Seit dem 1. Juli 1913 ist das frühere Dorf ein Teil der Stadt München. Doch vorher schon wurden wichtige Gebäude Münchens aus in Berg am Laim gewonnenen und gebrannten Ziegeln erbaut.

Der Stadtbezirk mit der Nummer 14 liegt im Münchner Osten und nicht zu verwechseln mit Laim im Westen von München. Ein Dorf ist er schon lange nicht mehr. Seinen früheren alten Kern hat Berg am Laim beim Bau der vierspurigen Berg-am-Laim-und Kreillerstraße eingebüßt. Aus den Resten dörflicher Substanz ragt die von Johann Michael Fischer 1737 bis 1751 erbaute Barockkirche St. Michael heraus. In die Höhe wächst der aufstrebende Stadtteil derzeit vor allem im Werksviertel hinterm Ostbahnhof und im neuen Quartier Baumkirchen Mitte. Im Werksviertel dreht sich ein Riesenrad als Platzhalter für Münchens geplanten Konzertsaal, in Baumkirchen Mitte hat eine dichte und hohe Bebauung die Relikte eines früheren Bundesbahn-Ausbesserungswerks verdrängt. Lange hatte Berg am Laim als Eisenbahner-Stadtteil gegolten, doch das ist Vergangenheit. Zu den Sozialwohnungs- und Einfamilienhaussiedlungen kommen hippe Projekte wie die Macherei, ein Bürostandort, aus dem noch die Baukräne ragen. Die Einwohnerzahl wächst. Am 31. Dezember 2018 zählte die Stadt-Statistik 46 089 Berg am Laimer, es dürften schon wieder einige mehr sein. 1978 waren es nur gut 34 000 gewesen.

Der Bezirksausschuss hat 21 Mitglieder. Die SPD (35,6 Prozent) hält acht Sitze und stellt mit Robert Kulzer den Vorsitzenden, die CSU (37,8 Prozent) kam ebenfalls auf acht. Die Grünen (16,5 Prozent) bekamen drei Mandate. Ein Mitglied gehört der FDP an (3,1 Prozent), eines der ÖDP (7,0 Prozent). Renate Winkler-Schlang

Fakten zum Stadtbezirk 15 Trudering-Riem

Die meisten Familien, die wenigsten Singles: Im Stadtbezirk Trudering-Riem, ganz im Osten der Stadt, lebt es sich gut - sei es in den "alten" Siedlungsgebieten Gartenstadt, Grenzkolonie, Kirch-, Wald-, Neu- oder Straßtrudering, sei es in der nicht mehr ganz so neuen Messestadt auf dem einstigen Flughafengelände oder im früheren Dorf Riem, das um Himmels Willen bloß nicht "Alt"-Riem genannt werden will. "Alter Bauernstolz auf dörfliche Eigenständigkeit hat sich in ein kraftvolles, differenziertes Stadtteilbewusstsein verwandelt", schrieb Willibald Karl im von ihm herausgegebenen Stadtteilbuch.

Auch Trudering-Riem ist ein schnell wachsender Stadtteil. Nicht nur die Messestadt brachte neue Einwohner, auch die stete Nachverdichtung in den Gartenstadt-Gebieten verändert die Struktur des 2245 Hektar großen Stadtteils. Dieser gilt dennoch weiterhin als grün, grenzt er doch auch an den Truderinger Wald. Der 15. Stadtbezirk ist derzeit der fünftgrößte Stadtteil Münchens, am Stichtag Silvester 2018 zählte das Statistische Amt 73 206 Bewohner. Davon waren 17 039 oder 23,3 Prozent Ausländer: Trotz der bunten Messestadt mit Bewohnern aus aller Herren Länder ist das im Schnitt der niedrigste Wert der gesamten Stadt.

Politisch gilt der Bezirk Trudering-Riem als "schwarz", auch wenn die CSU bei der Kommunalwahl 2014 die absolute Mehrheit verloren hat. Der BA hat 29 Mitglieder. Die mit 13 Sitzen größte Fraktion CSU (44,7 Prozent) stellt mit Otto Steinberger derzeit den Vorsitzenden. Es folgt die SPD (27,6 Prozent mit acht Sitzen, die Grünen (16,7 Prozent) sind mit fünf Mitgliedern vertreten, die Freien Wähler (7,1 Prozent) mit zwei und die FDP (3,9 Prozent) mit einem. Renate Winkler-Schlang

Fakten zum Stadtbezirk 16 Ramersdorf-Perlach

Wäre Ramersdorf-Perlach eine selbständige Kommune, würde sie auf der Liste der größten Städte Bayerns Rang acht belegen - noch vor Erlangen, Bamberg und Bayreuth. 116 300 Menschen leben laut offizieller Statistik für das Jahr 2019 im 16. Stadtbezirk. Dieser erstreckt sich im Südosten Münchens von der Stadtgrenze bis zum Innenstadtrandbereich, auf Höhe des Ostbahnhofs. Zu den Siedlungsbereichen zählen neben Ramersdorf und Perlach noch die Entlastungsstadt Neuperlach und die Koloniesiedlung Waldperlach.

Mehr als 50 Jahre nach der Grundsteinlegung Neuperlachs im Mai 1967 wird nun endlich die Brachfläche vor dem Einkaufszentrum Pep als echte Mitte des Viertels gestaltet: Nach dem ersten Spatenstich im Mai 2017 soll rund um den Hanns-Seidel-Platz ein markantes und urbanes Stadtteilzentrum mit sozialen und kulturellen Einrichtungen, mit circa 580 Wohnungen sowie Flächen für den Einzelhandel entstehen. Gemessen am gesamtstädtischen Durchschnitt seien Familienhaushalte mit Kindern überrepräsentiert. Weiter heißt es im Statistischen Jahrbuch: Der Ausländeranteil im Stadtbezirk liege mit 33,9 Prozent knapp sechs Prozentpunkte über dem Wert für die Gesamtstadt; die Zahl der Arbeitslosen (2755 Ende Dezember 2018) sei die höchste im Vergleich der Stadtbezirke.

Der Bezirksausschuss 16 zählt 45 Mitglieder. Bei der Wahl 2014 entfielen 40,6 Prozent der Stimmen auf die CSU, 37,8 Prozent verbuchte die SPD, 14,2 Prozent gingen auf das Konto der Grünen, 2,1 Prozent heimste die FDP ein, 1,8 Prozent die Freien Wähler. Hubert Grundner

Fakten zum Stadtbezirk 17 Obergiesing-Fasangarten

In kaum einem anderen Stadtbezirk leben so viele Menschen auf so engem Raum: 54 256 Einwohner verzeichnet das Statistische Jahrbuch der Stadt München 2019 für Obergiesing-Fasangarten auf einer Fläche von exakt 572,04 Hektar. Umgerechnet bedeutet das, dass sich auf einem Hektar 95 Bewohner drängen. Und immer mehr wollen dorthin ziehen, schließlich ist Giesing in Mode gekommen.

Dazu trägt sicherlich die gute Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr mit mehreren U- und S-Bahn-Stationen, mit attraktiven Tram- und Busverbindungen bei. Zugleich aber leiden die Obergiesinger unter einer regelrecht brutalen Belastung auf der Tegernseer Landstraße: Das tägliche Verkehrsaufkommen entspricht demjenigen einer viel befahrenen Autobahn - allerdings mitten durch Wohngebiete. Mit der Folge, dass an zwei Messstellen im Stadtbezirk mit die schlechtesten Luftwerte Münchens aufgezeichnet werden. Zugleich fehlt es vielerorts an Grünflächen. Vermutlich aus Gründen wie diesen fordern viele Giesinger seit Jahren auch eine Verkehrsberuhigung des Tegernseer Platzes.

Der örtliche Bezirksausschuss zählt mittlerweile 25 Mitglieder. Bei der Wahl 2014 entfielen 37,5 Prozent der Stimmen auf die SPD, 28,5 Prozent verbuchte die CSU, 23,8 Prozent gingen auf das Konto der Grünen, 6,7 Prozent heimsten die Freien Wähler ein und 3,6 Prozent die FDP. Hubert Grundner

Fakten zum Stadtbezirk 18 Untergiesing-Harlaching

Begrenzt durch Humboldtstraße, Giesinger Berg, Mittleren Ring, Perlacher Forst und Isar, erstreckt sich der Stadtbezirk Untergiesing-Harlaching über 805,67 Hektar, bewohnt von 53 184 Münchnern (Stand: 31. Dezember 2018). Fläche und Einwohnerzahl liegen damit im Mittelfeld der Stadtbezirke. Eine natürliche Trennline im Inneren bildet der steile Isarhang. Die einst scharf gezogenen "sozialräumlichen" Grenzen im Stadtbezirk sind dagegen, aus Sicht der Stadt-Statistiker "fließend geworden". Besonders häufig sind Ein- und Zwei-Personen-Haushalte mittleren Alters. Da kaum noch im großen Stil gebaut werden kann, kamen 2018 per Saldo nur 34 neue Wohnungen hinzu. Die Einwohnerzahl stagniert und sank zwischen 2016 und 2018 sogar um 193 Personen. 1274 Kinder besuchten 2018 die drei Grundschulen, 1751 Schüler die zwei Gymnasien, außerdem gibt es eine Mittelschule, ein Förderzentrum und fünf berufsbildende Schulen, aber - wie oft kritisiert - keine Realschule.

Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 erreichte die CSU 35,1 Prozent und neun von 25 Sitzen. Die SPD kam auf 30,9 Prozent und acht Sitze, die Grünen auf 23,8 Prozent (fünf Sitze). Freie Wähler und FDP erreichten 5,9 beziehungsweise 4,3 Prozent und je einen Sitz. Julian Raff

Fakten zum Stadtbezirk 19 Thalkirchen-Obersendling- Forstenried-Fürstenried-Solln

Der Stadtbezirk Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln liegt am südlichen Stadtrand, westlich der Isar. In seinem Bereich befindet sich der mit 579 Metern höchste Punkt im Stadtgebiet (Klostergut Warnberg). Der Stadtbezirk ist mit rund 98 000 Einwohnern der drittgrößte in München. Er setzt sich aus fünf sehr unterschiedlichen Stadtteilen zusammen: Thalkirchen, das zu den ältesten Siedlungen im südlichen Münchner Raum zählt, durch seine Lage an der renaturierten Isar eine wichtige Erholungs- und Freizeitfunktion für die gesamte Stadtbevölkerung erfüllt und überregional für seine Floßlände bekannt ist; Obersendling, das nach dem letzten Krieg als wichtiger Standort der Firma Siemens eine rapide wirtschaftliche Entwicklung nahm, heute eine umfassende Transformation ehemaliger Gewerbeflächen in Wohnquartiere erlebt und eine Vielzahl von Nahversorgungs- und sozialen Einrichtungen beherbergt; Fürstenried, das als Trabantenstadt vor allem Wohnraum bietet sowie das überörtlich bekannte gleichnamige Schloss; Forstenried, das noch über einen alten Dorfkern verfügt und wegen der Zukunft des historischen Derzbachhofs häufig Erwähnung findet; schließlich Solln, das teils einen (schwindenden) Gartenstadtcharakter aufweist, teils aus größeren Siedlungen wie der Parkstadt Solln besteht.

Was die meisten Winkel des heterogenen Stadtbezirks 19 verbindet, ist ein dynamisches Bevölkerungswachstum. Die 100 000-Einwohner-Marke dürfte in wenigen Jahren geknackt sein. Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 erhielt die CSU 41,3 Prozent der Stimmen und 15 der insgesamt 37 Sitze. Die SPD kam auf 34,3 Prozent (13 Sitze), die Grünen bekamen 18,8 Prozent (sieben Sitze), die FDP erreichte 5,5 Prozent (zwei Sitze). Jürgen Wolfram

Fakten zum Stadtbezirk 20 Hadern

Dass Hadern einst, bevor es ein Münchner Stadtteil wurde, unter dem Namen Großhadern als eigenständige Gemeinde am Rande der Großstadt existierte, ist rund um den alten Dorfkern an der Heiglhofstraße noch gut zu erkennen. Bauernhöfe prägten die Dörfer Großhadern und das etwas nördlicher gelegene Kleinhadern über die Jahrhunderte. Im Jahre 1905, als die Münchner Trambahn schon bis zum Waldfriedhof rollte, der 1907 eröffnet wurde, zählte die Gemeinde nur 365 Einwohner, aber auf den Fluren war noch viel Platz für das sich ausdehnende München. Immobiliengesellschaften zogen zu dieser Zeit erste Projekte durch, zum Beispiel die Villenkolonie. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm der Wohnungsbau einen neuen Aufschwung, die alte Blumenau entstand, danach folgten weitere Siedlungen. 1938, als Großhadern von München eingemeindet wurde, hatte sich die Einwohnerzahl bereits rasant auf 7668 Einwohner erhöht.

Heute hat der Stadtbezirk fast 50 000 Einwohner, das Wachstum ist aber nicht mehr so dynamisch wie früher. Neuer Wohnraum für Zuzügler entsteht derzeit vor allem durch Nachverdichtung und Aufbauten auf den Hochhäusern, die in den 1970er Jahren auf dem Gelände früherer Kieswerke oder auf Ackerland gebaut wurden. Industrie in nennenswertem Umfang gibt es in Hadern nicht, der Großteil der Arbeitsplätze ist im sozialen Bereich - etwa im Klinikum Großhadern, im Altenwohnstift Augustinum oder der Montessorischule - angesiedelt.

Die CSU hat in Hadern stets sehr gute Ergebnisse erzielt. CSU-Stadtrat Johann Stadler wurde seit 1996 immer wieder zum Vorsitzenden des Bezirksausschusses gewählt. Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 kam die CSU auf 47,4 Prozent (elf Sitze), die SPD erreichte 32,7 Prozent (sieben Sitze). Die Grünen sicherten sich mit 16,5 Prozent vier Sitze, die FDP kam auf 3,4 Prozent und einen Sitz. Berthold Neff

Fakten zum Stadtbezirk 21 Pasing-Obermenzing

Die Zinnen der Blutenburg ganz in Rot für Obermenzing, der gedrungene, silberne Wehrturm des längst verschwundene Schlosses für Pasing - ihre Wappen haben sie behalten, auch nachdem sie 1992 zum 21. Münchner Stadtbezirk vermählt worden waren. Das war zwar keine Zwangsehe wie 1938, als Pasing und Obermenzing München einverleibt wurden. In den Wappen aber drückt sich noch der Stolz der ehemals Selbstständigen aus, die bis heute ein wenig miteinander fremdeln: Pasing, die ehemalige Stadt, die noch ihr eigenes Rathaus hat, ihren Marienplatz und ihren Viktualienmarkt, zudem eine riesige Shopping-Mall, Bayerns viertgrößten Bahnhof und künftig auch eine U-Bahn. Obermenzing, das ehemalige Dorf, in dem noch ländliche Traditionen gepflegt werden, das mit dem Alte Wirt eine der ältesten Wirtschaften Münchens hat und mit der Blutenburg eine international einmalige Kinder- und Jugendbibliothek.

Zusammen bringen es Pasing und Obermenzing (Stand: 31. Dezember 2018) auf 74 625 Einwohner, wobei wohl die 80 000-Marke demnächst gerissen wird. Denn was Pasing und Obermenzing verbindet, ist nicht nur die Würm, sondern auch ein enormer Zuzug in die neue Wohnquartiere und damit einhergehend, riesige Herausforderungen für die Infrastruktur. Probleme, die den Bezirksausschuss auch die kommenden sechs Jahre beschäftigen wird.

Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 bekam die CSU 39,7, die SPD 29,9 Prozent. Die Grünen erreichten 18,3 Prozent, die FDP 4,6 und die Listenverbindung von Freien Wählern/ÖDP kam auf 7, 5 Prozent. Auf sie entfielen zwei der 31 Sitze im Bezirksausschuss. Die FDP ist mit zwei Mitgliedern vertreten, die Grünen mit sechs, die SPD hat neun Bezirksausschussmitglieder, und die CSU als stärkste Fraktion hat insgesamt zwölf Sitze im Gremium. Jutta Czeguhn

Fakten zum Stadtbezirk 22 Aubing-Lochhausen-Langwied

Aubing-Lochhausen-Langwied ist mit 3406 Hektar der mit Abstand flächenmäßig größte Münchner Stadtbezirk. Mit 14 Einwohnern je Hektar (insgesamt 47 813 Bewohner zum 31. Dezember 2018) ist er zugleich der am dünnsten besiedelte. Dass der Stadtbezirk 22 damit enorme Flächenpotenziale für den Wohnungsbau hat, nutzt die Münchner Stadtplanung nicht bloß mit ihrem größten Siedlungsvorhaben Freiham, sondern auch in den weiteren mittelgroßen und großen Wohnungsbauvorhaben im ganzen Viertel.

Der Stadtbezirk weist damit in den kommenden Jahrzenten das stärkste Bevölkerungswachstum auf - mit entsprechenden Folgen für die Integration der Neu-Siedler in solch unterschiedlichen Quartieren wie dem dörflichen Aubing, den Ortskernen Lochhausen und Langwied sowie dem europaweit derzeit größten Sanierungsgebiet am Westkreuz und dem durch Geschosswohnungsbau dominierten Neuaubing.

Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 entfielen auf die CSU 48,1 Prozent und damit zehn der 21 Sitze, auf die SPD 30,9 Prozent (sechs), auf die Grünen 17,2 Prozent (vier) und auf die FDP 3,7 Prozent (ein Sitz). Bei der Wahl 2020 wird der wachsende Stadtbezirk bereits 23 Mandate zu besetzen haben. Ellen Draxel

Fakten zum Stadtbezirk 23 Allach-Untermenzing

Mit fast 200 Hektar weist der Stadtbezirk Allach-Untermenzing trotz seiner noch dörflichen Strukturen die höchste Ballung an Industrie- und Gewerbeflächen im Stadtgebiet auf. Noch, muss man sagen. Denn nach mehr als 80 Jahren am Standort in Allach wird der Maschinenbaukonzern Krauss-Maffei ein 60 Hektar großes Gelände verlassen und komplett nach Parsdorf übersiedeln. Der Umzug soll 2022 beginnen und bereits 2023 abgeschlossen sein.

Die Industrialisierung hatte schon früh begonnen. Neben Krauss-Maffei sind auch andere bekannte Großfirmen wie Krauss-Maffei-Wegmann (Hersteller von Panzern), MTU (entwickelt und baut Flugmotoren) und MAN (Lastwagen und Busse) in Allach ansässig. Auf der anderen Seite finden sich im Stadtbezirk Grün- und naturgeschützte Flächen wie die Angerlohe, der Allacher Forst und das Lochholz sowie mit 353,31 Hektar ein hoher Anteil an landwirtschaftlich genutzten Gebieten. Um die Kirchen Sankt Martin und Sankt Peter und Paul mit Friedhöfen und bäuerlichen Betrieben sind noch Reste der dörflichen Bebauung erhalten.

33 355 Bürger lebten zum Stichtag 31. Dezember 2018 im Stadtbezirk, im Durchschnitt sind das 22 Einwohner pro Hektar. Kinder und Jugendliche sowie Menschen im Rentenalter sind verglichen mit der gesamtstädtischen Altersverteilung deutlich stärker vertreten. Mit 631 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner weist der Stadtteil die höchste Kfz-Dichte in ganz München auf. Dies dürfte wohl daran liegen, dass der Stadtteil mit einzig zwei S-Bahnstationen und Buslinien gerade nachts vergleichsweise schlecht an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden ist.

Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 errang die CSU 48,1 Prozent der Stimmen, gefolgt von der SPD mit 30,9, den Grünen mit 17,2 und der FDP mit 3,7 Prozent. Anita Naujokat

Fakten zum Stadtbezirk 24 Feldmoching-Hasenbergl

Der Stadtbezirk Feldmoching-Hasenbergl befindet sich ganz im Norden von München und erstreckt sich von der Schleißheimer Straße im Osten, über die Gütergleise im Süden, die vier Münchner Badeseen und die Felder entlang der A99 bis zur Dachauer Straße im Westen. Das Stadtbild und die Bevölkerung sind sehr vielfältig: Vom dicht besiedelten, migrantisch geprägten Hasenbergl mit seinen vielen Sozialeinrichtungen, über die kleinbürgerlichen Kleinhaussiedlungen der Lerchenau und der Fasanerie, das dörflich geprägte Feldmoching bis zur abgelegenen Siedlung Ludwigsfeld, die auf dem Gelände eines ehemaligen KZ-Außenlagers errichtet worden ist.

Der Stadtbezirk gehört mit fast 2900 Hektar flächenmäßig zu den größten in München, ist aber mit 62 000 Einwohnern - abgesehen vom Hasenbergl - nicht gerade dicht besiedelt. Die vielen Felder, Seen, niedrige Bebauung und relativ gute Verkehrsanbindung mit S-Bahn und U2 werden von vielen alteingesessenen und besser situierten Bürgern geschätzt - und zunehmend auch von Investoren in den Blick genommen. So finden sich gleich mehrere große Neubaugebiete im Stadtbezirk, die hitzige Kontroversen über die künftige Entwicklung aufflammen lassen, etwa die Bebauung des historischen Eggartens.

Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 wurden vier Parteien in das Stadtviertelgremium gewählt: Obwohl die CSU mit 45,5 Prozent und zwölf Sitzen stärkste Kraft geworden ist, stellt die SPD (38 Prozent, zehn Sitze) mit der Unterstützung der Grünen (13 Prozent, vier Sitze) den BA-Vorsitzenden. Die FDP erhielt 3,5 Prozent und ist mit einem der insgesamt 27 Sitze vertreten. Jerzy Sobotta

Fakten zum Stadtbezirk 25 Laim

Die Abwandlung des vermeintlichen Brecht-Zitats stimmt wohl nurmehr sehr bedingt: Demzufolge wäre das Schönste an Laim die S-Bahn in die Innenstadt. Mittlerweile scheinen nicht wenige der 56 546 Einwohner (Stand: 2018) es durchaus zu schätzen, dass sie auf knapp 59 Hektar in einem nahezu reinen Wohngebiet der Stadt leben und es dort nach wie vor nur eine überschaubare Anzahl an Vergnügungsstätten gibt. Denn in einer im Eiltempo sich verdichtenden Stadt mit proportional schwindenden Erholungsflächen (in Laim inklusive Sportanlagen etwa 25 Hektar), schätzen immer mehr Menschen ihre heimischen Rückzugsräume. Im 25. Stadtbezirk heißt dies, dass nicht von jeder dritten Hausnummer ein Event durchs eigene Küchenfenster hereinwummert.

Für Getöse sorgen gleichwohl die Verkehrstrassen, die das Viertel im Klammergriff halten: die A 96 im Süden, die Fürstenrieder Straße, die das Quartier regelrecht zweiteilt und die Bahnlinie im Norden. Seit 1890 bis 1892 der damals größte Rangierbahnhof Europas auf die Flur des Dörfchens Laim (Eingemeindung 1900) gebaut wurde, schnellte die Einwohnerzahl in die Höhe. Die Entwicklung prägt den Stadtteil bis heute, auch durch die vielen Eisenbahner-Genossenschaftsblöcke.

Dem Demografiebericht der Stadt zufolge, leben die ältesten Münchner 2030 unter anderem in Laim. Gleichzeitig steigt der Jugendanteil auf 25 Prozent. Vergleichsweise durchschnittlich bleibt der aktuelle Ausländeranteil von gut 28 Prozent. Sprunghaft ansteigen wird in Laim an der Achse Hauptbahnhof-Pasing die Zahl der Arbeitsplätze; mit dem Neubau auf dem ehemaligen Tengelmann-Gelände an der Landsberger Straße 350 kommen zu den bestehenden 2200 entlang der Bahn weitere 2000 hinzu.

Bei der Bezirksausschuss-Wahl 2014 bekam die SPD 37,6 Prozent. Die CSU erhielt 37,2 Prozent, die Grünen 21,7 Prozent und die FDP 3,5 Prozent. Andrea Schlaier

Die Bereiche auf den Grafiken mit den Nummern 26, 27 und 28 markieren die Gemeinden Gräfelfing, Neuried und Planegg im Landkreis München.

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