bedeckt München

Newsblog zu Corona und Reisen:Deutschland verschärft Testpflicht

In Pandemie-Zeiten: Was ist eine Reisewarnung noch wert?

Warten auf einen Coronatest am Frankfurter Flughafen

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn)
  • Die Coronavirus-Pandemie hat das Reisen in ungekannter Weise verändert. Was müssen Urlauber beachten? Wo gelten welche Regeln, wo gibt es eine Reisewarnung? Welche Grenzen öffnen oder schließen sich wieder? Aktuelle Nachrichten im Überblick.
  • Rückkehrer aus Risikogebieten müssen wieder zum Test - und weiterhin in Quarantäne.
  • Großbritannien verlangt nun vor der Ankunft einen negativen Coronatest und Australien verbietet internationalen Reiseverkehr wohl auch 2021.
  • Was Sie jetzt zum Reisen wissen sollten: Fragen und Antworten zu Urlaub in Zeiten der Pandemie finden Sie hier.

Einreise nach Großbritannien nur noch mit negativem Corona-Test

18. Januar: Wer nach Großbritannien will, muss nun einen negativen Test bereits vor der Ankunft machen; dieser darf nicht länger als 72 Stunden zurückliegen. Trotzdem müssen Einreisende in eine zehntägige Quarantäne - egal, aus welchem Land sie kommen. Die Selbstisolation kann frühestens ab dem fünften Tag durch einen weiteren negativen Corona-Test beendet werden. Die Regelung soll bis mindestens Mitte Februar gelten.

Die britische Regierung hat die Einreiseregeln verschärft, um sich effektiver vor der Einschleppung neuer Corona-Varianten aus anderen Ländern zu schützen. Für Brasilien, wo Mutationen entdeckt wurden, und mehrere andere südamerikanische Länder sowie Portugal gilt sogar ein Einreiseverbot.

Australien will Grenzen wohl auch 2021 geschlossen halten

18. Januar: Australien lässt internationalen Reiseverkehr voraussichtlich auch 2021 nicht zu. "Ich denke, das ist die große Frage. Aber ich glaube, die Antwort ist Nein", sagte der Chefmediziner der australischen Regierung, Brendan Murphy. Selbst wenn ein großer Teil der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft sei, könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Geimpften es weiterhin an andere übertragen könnten. "Ich denke, dass es den größten Teil dieses Jahres immer noch erhebliche Grenzbeschränkungen geben wird", so Murphy.

Das Land hat seine Grenzen seit März 2020 geschlossen. Auch wegen dieser Maßnahme ist Australien mit seinen 25 Millionen Einwohnern vergleichsweise sehr glimpflich durch die Pandemie gekommen. Es wurden insgesamt bisher knapp 29 000 Infektionen verzeichnet, etwa 900 Menschen sind in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Das Leben ist vielerorts mittlerweile wieder relativ normal. Für zahlreiche Reiseunternehmen, Fluggesellschaften und Familien, die Angehörige im Ausland haben, seien die Pläne aber eine bittere Nachricht, so das Nachrichtenportal news.com.au.

Seychellen und Barbados werden Risikogebiete

15. Januar: Die Zahl der exotischen Fernreisefluchtmöglichkeiten vor dem Coronavirus sinkt weiter: Die Seychellen, Barbados sowie die Karibikinseln Sankt Vincent und die Grenadinen stehen neu auf der Liste der Risikogebiete, die beim Robert-Koch-Institut geführt wird. Außerdem wurde in der Provinz Vestfold og Telemark in Norwegen der Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten. Die Ausweisung als Risikogebiet zieht immer auch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts nach sich. Die Änderungen sind ab 17. Januar wirksam.

Neu ist außerdem die Kategorie der "Virusvarianten-Gebiete" für Regionen und Länder mit einem besonders hohen Infektionsrisiko durch Mutationen des Coronavirus. Aktuell handelt es sich um Großbritannien, Irland und Südafrika. Wer von dort nach Deutschland zurückkehrt, muss bereits bei der Einreise ein negatives Testergebnis vorlegen und nicht erst - wie bei den übrigen Risikogebieten - spätestens 48 Stunden danach. Auch für Länder mit einem Indizidenzwert über 200 gilt die verschärfte Testpflicht, konkret wurden aber vom Robert-Koch-Institut noch keine Staaten benannt.

Unabhängig von den Tests bleiben Rückkehrer aus Risikogebieten verpflichtet, sich für zehn Tage in Quarantäne zu begeben. Nach fünf Tagen kann diese durch ein negatives Testergebnis abgekürzt werden.

Strengere Test-Pflichten nach Aufenthalt in Risikogebiet

13. Januar: Deutschland setzt im Kampf gegen das Coronavirus - wie schon im Sommer - auf verpflichtende Tests für Reiserückkehrer: Wer sich in den zehn Tagen vor seiner Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss künftig spätestens 48 Stunden nach seiner Rückkehr einen negativen Test vorweisen. Das sieht der Entwurf einer Verordnung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor, den das Bundeskabinett beschlossen hat. Sie soll am 14. Januar in Kraft treten.

Noch strenger sind die Regeln für Rückkehrer aus Staaten, in denen die Infektionszahlen besonders hoch sind oder neue ansteckendere Virus-Varianten kursieren. Sie müssen schon vor der Einreise zum Test gehen und das Ergebnis beispielsweise der Fluggesellschaft vorlegen. Als Gebiete mit besonders hohen Infektionszahlen sollen Länder gelten, in denen es mehr als 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen gibt.

Unverändert in Kraft bleibt die Quarantänepflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten: Frühestens nach fünf Tagen darf man sich testen lassen, um bei einem negativen Ergebnis die ansonsten zehntägige Selbstisolation vorzeitig zu beenden. Außerdem wird eine Online-Registrierung unter www.einreiseanmeldung.de verlangt. Ab 1. März erhalten Einreisende dann auch per SMS Informationen über die in Deutschland geltenden Einreise- und Infektionsschutzmaßnahmen.

Österreich verlangt Online-Registrierung

12. Januar: Österreich verlangt von Einreisenden ab Freitag eine Online-Registrierung. Ausnahmen gibt es lediglich für Pendler, für den Transit sowie bei familiären Notfallsituationen, wie aus der entsprechenden Verordnung des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Erfasst werden Name, Geburtsdatum und Mail-Adresse sowie die Wohn- und die Aufenthaltsadresse in Österreich (hier finden Sie das Formular). Nach 28 Tagen sollen die Daten wieder gelöscht werden. An den Quarantänepflichten für Einreisende ändert sich nichts: Zehn Tage lang müssen sie sich isolieren, ab dem fünften Tag können sie sich "freitesten". Nur einige wenige Herkunftsländer wie Australien, Finnland, Japan oder Neuseeland sind davon ausgenommen.

Dänemark verschärft Reisebeschränkungen für alle Länder weltweit

11. Januar: Außenminister Jeppe Kofod rät den Dänen vor jeglichen Reisen ins Ausland ab, auch Dienstreisen sollten nicht mehr stattfinden. Zugleich werden nur noch Personen ins Land gelassen, die einen triftigen Grund für die Einreise haben und einen negativen, maximal 24 Stunden alten Corona-Test vorweisen können, wie Justizminister Nick Hækkerup sagte. Als triftige Gründe gelten etwa Besuche naher Angehöriger. Andere bislang ausreichende Gründe - etwa ein Studium oder Au-pair-Aufenthalt - werden vorübergehend gestrichen. Für Einwohner der Grenzregionen in Deutschland und Schweden sowie den Warentransport und Transitverkehr sollen aber Ausnahmen gelten. Weil aber Teststationen überlastet waren, wurden zahlreiche Grenzpendler ohne Zertifikat abgewiesen oder warteten stundenlang auf einen Schnelltest. Insgesamt wurden am Montagmorgen 600 Menschen an der deutsch-dänischen Grenze abgewiesen.

Menschen aus Schleswig-Holstein sowie aus Südschweden mit triftigem Einreisegrund - dazu zählen ein Arbeitsplatz in Dänemark sowie nahe familiäre Kontakte und feste Beziehungen - müssen einen negativen Corona-Test vorweisen können, der höchstens eine Woche alt ist. Ohne einen solchen Grund muss ein negativer Test vorgelegt werden, der nicht älter als 24 Stunden ist. In Schleswig-Holstein lebende Dänen können ohne Einreisegrund und Corona-Attest einreisen. Die verschärften Reisebeschränkungen sind wie andere Corona-Maßnahmen in Dänemark zunächst bis zum 17. Januar in Kraft. Außenminister Kofod sagte, man sei besonders besorgt, dass ansteckendere Virus-Varianten nach Dänemark eingeschleppt werden. Die zunächst in England aufgetretene Corona-Mutation ist bereits einige Dutzend Mal im Land nachgewiesen worden.

Corona-Reisewarnung für weitere Inseln, Regionen und Länder

8. Januar: Vom 9. Januar an ist die portugiesische Insel Madeira wegen steigender Infektionszahlen als Risikogebiet eingestuft. Auf der Risikoliste des Robert Koch-Instituts (RKI) stehen auch wieder die französische Insel Korsika und die nordfranzösische Region Bretagne. Damit gilt wieder für den gesamten europäischen Teil Frankreichs eine Reisewarnung, nur einige Überseegebiete sind noch davon ausgenommen.

Madeira war eines der letzten Winter-Reiseziele im Süden Europas, für das noch keine Corona-Reisewarnung galt. Jetzt bleiben nur noch einige griechische Inseln übrig. Die Kanaren hatte die Bundesregierung bereits eine Woche vor Weihnachten zum Risikogebiet erklärt und die Reisewarnung damit auf ganz Spanien erweitert. Auch ganz Irland, die dänischen Färöer Inseln und zwei weitere Regionen Norwegens, Rogaland und Trøndelag, sind wieder Risikogebiet. Eine finnische Region, Päijät-Häme, wurde dagegen von der Risikoliste gestrichen.

Die Einstufung als Risikogebiet und die damit automatisch verbundenen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts bedeuten zwar kein Reiseverbot, sollen aber eine möglichst große abschreckende Wirkung auf Touristen haben. Urlauber können bereits gebuchte Reisen stornieren.

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkehrt, muss in Quarantäne, kann sich aber durch einen negativen Test nach fünf Tagen davon befreien lassen. Bund und Länder hatten am 5. Januar beschlossen, dass die Einreiseregeln noch verschärft werden sollen, das genaue Datum steht aber noch nicht fest. Künftig soll ein Corona-Test 48 Stunden vor oder unmittelbar nach der Einreise zur Pflicht werden.

Reisewarnung für Namibia

24. Dezember: Einige Wochen lang gehörte Namibia zu den wenigen Fernreisezielen mit einem geringen Infektionsrisiko. Doch nun steigt auch dort die Zahl der Covid-19-Erkrankungen, das Land gilt ab 26. Dezember wieder als Corona-Risikogebiet, das Auswärtige Amt sprach eine Reisewarnung aus. Ebenfalls neu auf der vom Robert-Koch-Institut geführten Liste sind Estland - dort waren bislang nur einzelne Gebiete betroffen, sowie in Norwegen die Region Innlandet.

RKI stuft Kanaren wieder als Risikogebiet ein

18. Dezember: Die Kanarischen Inseln zählten zu den wenigen Urlaubszielen im europäischen Ausland, für die keine Reisewarnung galt. Acht Wochen lang warben die Kanaren mit dem Prädikat "risikofrei". Doch vom 20. Dezember an stuft das Robert-Koch-Institut die spanischen Inseln wieder als Corona-Risikogebiet ein: Seit einiger Zeit steigen die Zahlen dort, vor allem auf Teneriffa. Hier gab es zuletzt 127 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche. Dadurch erhöhte sich der Wert der durchschnittlichen Neuinfektionen für alle sieben Kanarischen Inseln zusammen auf etwa 70 - außer auf La Gomera bleiben sie aber sonst unter dem Grenzwert 50. Ab diesem Wert erfolgt die Einstufung als Risikogebiet und damit auch die deutsche Reisewarnung.

Auf Gran Canaria waren daraufhin in den vergangenen Tagen Forderungen laut geworden, Teneriffa und La Gomera von den übrigen Inseln zu entkoppeln. Die Regionalregierung lehnte das jedoch ab. Für die vor der Westküste Afrikas liegenden Kanaren bedeutet die Reisewarnung einen weiteren schweren Schlag für die Tourismusbranche. Neben den Deutschen stellen in normalen Zeiten die Briten die größte Urlaubergruppe. Großbritannien hatte bereits vor gut einer Woche wieder eine Quarantänepflicht für Rückkehrer von den Kanaren angeordnet.

Kostenlose Tests für Reiserückkehrer werden eingestellt

16. Dezember: Urlauber, die nach der Rückkehr aus einem Corona-Risikogebiet ihre Quarantäne mit einem negativen Testergebnis verkürzen wollen, müssen für den Rachenabstrich nun selbst bezahlen. Laut einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums gibt es keinen Anspruch mehr auf einen kostenlosen Test. Reisende aus einem Risikogebiet müssen mindestens fünf Tage zu Hause bleiben, erst dann dürfen sie sich testen lassen und können bei einem negativen Ergebnis die normalerweise zehntägige Isolation abbrechen. Wer nicht im Homeoffice arbeiten kann, bekommt für die Quarantänezeit nach einer freiwilligen Reise in ein Risikogebiet im Übrigen kein Gehalt.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) plädiert dafür, den Test für Nicht-EU-Bürger wieder zur Pflicht zu machen. Derzeit ist er freiwillig. Reiserückkehrer aus dem Ausland seien im Frühjahr und im Sommer ein Hauptrisiko für die Verbreitung des Virus gewesen, sagte er am 15. Dezember in einer Regierungserklärung im bayerischen Landtag: "Deshalb sollten wir jetzt besonders vorsichtig sein." Für die eigenen Bürgerinnen und Bürger geht der Freistaat bei den Tests weiterhin einen Sonderweg: Für sie ist der Abstrich in den lokalen Testzentren sowie bei Vertragsärzten auch ohne Symptome kostenlos. Zudem sind vom 23. Dezember an Coronatests in Bayern für Rückkehrer aus Risikogebieten wieder verpflichtend - in Quarantäne müssen die Getesteten dennoch.

Kreuzfahrt wegen Pandemie abgesagt: kein Schadenersatz, nur Rückzahlung

20. November: Urlaubern steht kein Schadenersatz zu, wenn ihre Kreuzfahrt wegen der Ausbreitung einer Pandemie absagt wird. Der Veranstalter ist dazu berechtigt, den Vertrag zu kündigen - auch dann, wenn keine Reisewarnung des Auswärtigen Amts für die Länder vorliegt, die auf der Kreuzfahrt angelaufen werden sollten. So hat das Amtsgericht Rostock (Az.: 47 C 59/20) im Fall einer Kreuzfahrt in Südostasien und Australien entschieden: Die Reederei hatte sie im Februar 2020 acht Tage vor Beginn wegen Ausbreitung der Corona-Pandemie abgeblasen. Zu dieser Zeit sei ein Kreuzfahrtschiff bereits unter Quarantäne gewesen, einem anderen Schiff sei das Einlaufen in mehreren asiatischen Häfen verboten worden.

Bei der Absage einer Pauschalreise muss der Veranstalter das Geld zurückzahlen. Eine Urlauberin klagte jedoch auch auf Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden - immerhin hätten keine Reisewarnungen des Auswärtiges Amtes vorgelegen. Dieses Argument überzeugte das Gericht nicht: Es bestünden keine Zweifel, dass es sich bei der Pandemie um unvermeidbare außergewöhnliche Umstände handelt. Die Reederei habe zum Zeitpunkt der Absage mit einer ernsten Gefährdung rechnen müssen, die einen ordnungsgemäßen Ablauf der Reise habe beeinträchtigen oder vereiteln können. Unter diesen Umständen musste keine Reisewarnung vorliegen, um die Kreuzfahrt ohne Anspruch auf Schadenersatz absagen zu können.

© SZ.de/ihe/kaeb/edi/mit Material von dpa/Reuters/AFP
Zur SZ-Startseite

SZ PlusReiseziele 2021
:Die große Sehnsucht

Wo wollen wir in diesem Jahr Urlaub machen? SZ-Autorinnen und -Autoren schreiben über magische Orte, die sie besuchen wollen, wenn es endlich wieder geht. Eine Auswahl voller Vorfreude.

Sollten Geimpften Lockerungen zustehen?:Zur Leserdiskussion

Lesen Sie mehr zum Thema