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Newsblog zu Corona und Reisen:Weitere Urlaubsziele werden zu Risikogebieten

Unwetter Norditalien

Venedig und weite Teile Italiens werden wieder Risikogebiet.

(Foto: dpa)
  • Die Coronavirus-Pandemie hat das Reisen in ungekannter Weise verändert. Was müssen Urlauber beachten? Wo gelten welche Regeln, wo eine Reisewarnung? Welche Grenzen öffnen oder schließen sich wieder? Aktuelle Nachrichten im Überblick.
  • Die Liste der Corona-Risikogebiete in Europa wächst weiter, die Reisewarnung für die Kanaren dagegen entfällt wieder.
  • Dänemark schließt seine Grenze für deutsche Urlauber - mit Ausnahmen.
  • Was Sie jetzt zum Reisen wissen sollten: Fragen und Antworten zu Urlaub in Zeiten der Pandemie finden Sie hier.

Dänemark schließt Grenzen für die meisten deutschen Urlauber

22. Oktober: Wegen der steigenden Infektionszahlen in Deutschland beschränkt Dänemark Urlaubsreisen zwischen beiden Ländern. Die dänische Regierung warnt Landsleute vor unnötigen Reisen nach Deutschland und will umgekehrt viele Urlauber aus Deutschland nicht mehr ins eigene Land lassen. Ausgenommen sind etwa Deutsche, die ein Ferienhaus vor Ort besitzen, wie Außenminister Jeppe Kofod sagte. Ein triftiger Grund für die Einreise kann gegeben sein, wenn ein Deutscher in Dänemark arbeitet oder seine Familie oder seinen Partner besuchen will.

Wer sich im Land aufhalte, müsse nun nicht überhastet abreisen. Eine Ausnahme gelte zudem für das an Dänemark grenzende Bundesland Schleswig-Holstein, weil dort die Infektionsrate unter 30 Fällen pro 100000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen liegt. Die Maßnahme steht in Übereinstimmung mit der vergangene Woche in der EU beschlossenen Corona-Ampel. Danach können Länder Restriktionen für Urlauber aus anderen Mitgliedsstaaten einführen, wenn die Ampel - wie mittlerweile für Deutschland - auf gelb steht. Auch andere EU-Länder wie Estland haben bereits solche Beschränkungen für Urlauber aus Deutschland eingeführt.

Polen, Schweiz und fast ganz Österreich: Neue Corona-Risikogebiete ausgewiesen - Kanarenwarnung entfällt

22. Oktober: Die Liste der Corona-Risikogebiete wächst weiter, darunter sind auch immer mehr als Reiseziele beliebte Länder und Regionen. Verbunden mit der Einstufung als Risikoregion ist immer auch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Sie gilt ab 24. Oktober nun für fast ganz Österreich (nur Kärnten und zwei Gemeinden in Vorarlberg und Tirol sind ausgenommen, außerdem für die Schweiz, ebenso für große Teile Italiens, beispielsweise Rom, Mailand, Venedig, die Toskana, Sardinien und Südtirol. Immerhin eine gute Nachricht gibt es: Die Kanarischen Inseln wurden von der Liste gestrichen. Dort ist die Zahl der Neuinfektionen gesunken.

Weitere neue Risikogebiete sind nun ganz Großbritannien bis auf die Kanalinseln und Überseegebiete sowie Irland, Polen und Liechtenstein. Hinzu kommen einzelne Regionen in Bulgarien, Estland, Kroatien, Schweden, Slowenien und Ungarn.

Zu einem Corona-Risikogebiet wird ein Land oder eine Region, wenn mehr als 50 neue Covid-19-Fälle pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen registriert wurden. Damit verbunden ist in der Regel eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Wie sich die Infektionslage in ihrem Urlaubsland entwickelt, welche Hygieneregeln und Warnungen gelten, erfahren Reisende in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts, die aktuelle Liste der Risikogebiete veröffentlich das Robert-Koch-Institut.

Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot. Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkehrt, muss aber entweder einen aktuellen Nachweis vorlegen, dass er nicht mit Covid-19 infiziert ist, oder sich nach der Heimkehr testen lassen - und in Quarantäne, bis das negative Ergebnis vorliegt.

Mecklenburg-Vorpommern hebt Quarantänepflicht auf

17. Oktober: Entspannen an der Ostsee? Das war für Menschen aus Corona-Risikogebieten zumindest in Mecklenburg-Vorpommern bislang so gut wie unmöglich: Sie mussten mindestens fünf Urlaubstage in Quarantäne verbringen, bevor ein zweiter negativer Covid-19-Test ihnen den Weg in die Städte und an die Strände freimachte. Doch das soll sich vom 21. Oktober an ändern.

Nach wochenlangem Streit und wenige Tage vor einem dazu erwarteten Gerichtsurteil einigten sich Landesregierung und Tourismusbranche darauf, dass ein aktueller negativer Corona-Test ausreicht, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Die bislang strenge Regelung galt nur in Mecklenburg-Vorpommern, war die bundesweit schärfste und hatte für massive Kritik gesorgt. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte angesichts der steigenden Zahl an Neuinfektionen lange Zeit auf dem Sonderweg bestanden, lenkte nun aber angesichts abschlägiger Urteile zum Beherbergungsverbot in einer Reihe anderer Bundesländer ein.

Schweiz schickt Urlauber aus Berlin und Hamburg in Quarantäne

9. Oktober: In Hamburg sind schon Herbstferien, in Berlin stehen sie an - doch wer in die Schweiz reisen will, müsste dort die Ferienzeit in Quarantäne verbringen: Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen stuft das Schweizer Bundesamt für Gesundheit sowohl das Land Berlin als auch das Land Hamburg als Risikogebiete ein. Die Bestimmungen treten am 12. Oktober in Kraft. Wer seine Hoffnungen jetzt auf einen negativen Corona-Test setzt, wird doppelt enttäuscht: In der Schweiz entbindet auch dieser nicht von der Pflicht, sich zehn Tage zu isolieren.

Ähnliche Bestimmungen gelten bereits für einige Regionen in Frankreich, Österreich und Italien sowie für Dutzende Länder weltweit. Ausgenommen sind generell Grenzgebiete, weil dort viele Menschen leben, die als Pendler in der Schweiz arbeiten. Dort steigen die gemeldeten Infektionszahlen sprunghaft, am 9. Oktober waren es knapp 1500 innerhalb eines Tages.

Kreuzfahrtverband beschließt Testpflicht

8. Oktober: Nur mit einem negativen Covid-19-Test sollen Kreuzfahrt-Passagiere künftig an Bord dürfen. Die Cruise Lines International Association (Clia), größter Verband der Kreuzfahrtindustrie, teilte mit, dass der Test für Gäste und Crewmitglieder verpflichtend sein soll - mit sofortiger Wirkung und bindend für Schiffe mit mindestens 250 Passagieren. Wann und wie Mitarbeiter und Gäste auf das Coronavirus getestet werden, dürften die Reedereien selbst entscheiden.

Zu Beginn der Pandemie waren auch Kreuzfahrtschiffe zu Corona-Hotspots geworden, sämtliche Reisen wurden abgesagt. Ganz allmählich läuft das Kreuzfahrtgeschäft wieder an. Die Reedereien begannen mit Kurzreisen ohne Landgang, mittlerweile werden auch wieder Landausflüge angeboten. An Bord gelten Abstands- und Hygienevorschriften, Passagiere müssen ihre Körpertemperatur messen lassen. Doch das Risiko bleibt: Die Reederei Hurtigruten machte Schlagzeilen, als es auf einem ihrer Schiffe zu Infektionen kam, die man dann auch noch zu vertuschen versuchte.

Beschränkungen für Reisende aus dem "Risikogebiet Deutschland" - und einige Ausnahmen

28. September: Wegen steigender Infektionszahlen erklären einige Länder auch Deutschland zum Risikogebiet. So ist etwa in Finnland die Einreise für Menschen aus Deutschland seit Montag wieder beschränkt. Freizeitreisen sind gar nicht erlaubt - nur die Rückkehr, der Transit auf dem Weg in andere Staaten, Dienstreisen und Reisen mit anderen triftigen Gründen. Wer begründet einreist, muss 14 Tage in Quarantäne, die sich mit zwei freiwilligen Coronatests abkürzen lässt. Auch in Norwegen müssen Einreisende aus Deutschland zehn Tage in Quarantäne. In Island gelten keine Beschränkungen für Deutschland, aber Einreisende müssen generell 14 Tage in Quarantäne oder zwei Tests machen. In Irland steht Deutschland seit 28. September nicht mehr auf der "Green List". Das bedeutet, dass Einreisenden aus Deutschland - und den meisten anderen Staaten - empfohlen wird, ihre Bewegungen im Land zwei Wochen lang stark einzuschränken.

Für Belgien ist Deutschland zwar kein Risikogebiet. Allerdings empfiehlt das Außenministerium bei Einreisen aus einigen Regionen - darunter Köln, Düsseldorf, Hannover sowie weite Teile Bayerns und Baden-Württembergs - Corona-Test und Quarantäne. In Bosnien-Herzegowina müssen Reisende aus Deutschland einen Test vorzeigen, der nicht älter als 48 Stunden ist; für den Transit gilt das allerdings nicht. Für Ungarn ist die ganze restliche Welt Risikogebiet; ausgenommen von der Grenzsperre sind nur Ausländer mit einem Wohnsitz in Ungarn sowie Geschäftsleute.

Fernreisen bleiben auch mit der Aufhebung der weltweiten Reisewarnung am 1. Oktober schwierig: Für die USA gilt der gesamte Schengenraum als Risikogebiet, es gilt ein Einreiseverbot - wie auch umgekehrt für US-Reisende in die EU. Die meisten Länder in Lateinamerika führen keine Listen mit Risikogebieten, sondern behandeln alle Ausländer gleich. In Mexiko gibt es seit Beginn der Pandemie keine Einreisebeschränkungen. Brasilien hat seine Flughäfen auch für Touristen wieder geöffnet. In Argentinien hingegen müssen alle in eine 14-tägige Quarantäne - unabhängig davon, woher sie einreisen. Chile hat sich abgeschottet, nur Chilenen und Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis dürfen rein.

In vielen Ländern Afrikas kann man von überall wieder einreisen, auch aus Deutschland. Etliche Länder fordern einen negativen Test, zum Beispiel Äthiopien oder Kenia. Südafrika erlaubt vom 1. Oktober an wieder internationale Reisen. Zahlreiche Länder im arabischen Raum behandeln ebenfalls alle Ausländer gleich, statt nach Risikogebieten zu unterscheiden. In Ländern wie Jordanien und Tunesien ist auch bei einem negativen Test eine mehrtägige Heim-Quarantäne vorgeschrieben - doch manchmal werden für Pauschalreisende Ausnahmen gemacht. Diese müssen etwa in Tunesien keinen Test vorlegen. Auch für die Einreise nach Ägypten müssen alle Fluggäste einen negativen Test dabei haben - außer bei Direktflügen zu ägyptischen Badeorten wie Scharm el Scheich und Hurghada. Marokko hat seine Grenzen geschlossen und internationale Passagierflüge bis 10. Oktober untersagt.

In der Asien-Pazifik-Region sind die Grenzen der meisten Länder für Ausländer weiterhin dicht. Australien und Neuseeland betrachten im Grunde alle anderen Staaten als Risikogebiete. Nach Thailand dürfen Ausländer nur mit Sondergenehmigung, alle müssen in staatliche Quarantäne. Auf welche Bestimmungen und Beschränkungen sich Reisende in den Zielländern einstellen müssen, führt das Auswärtige Amt in seinen Länderinformationen auf.

© SZ.de/ihe/kaeb/edi/mit Material von dpa/Reuters/AFP
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