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Newsblog zu Corona und Reisen:Mecklenburg-Vorpommern hebt Quarantänepflicht auf

Urlaub in den Herbstferien

Kühl, aber schön: Eine Touristin sitzt lesend in einem Strandkorb im Seebad Binz auf der Insel Rügen.

(Foto: Stefan Sauer/dpa)
  • Die Coronavirus-Pandemie hat das Reisen in ungekannter Weise verändert. Was müssen Urlauber beachten? Wo gelten welche Regeln, wo eine Reisewarnung? Welche Grenzen öffnen oder schließen sich wieder? Aktuelle Nachrichten im Überblick.
  • Die Liste der Corona-Risikogebiete in Europa wächst weiter.
  • In Deutschland lockern Bundesländer die Beherbergungsverbote, Mecklenburg-Vorpommern streicht die Quarantänepflicht.
  • Was Sie jetzt zum Reisen wissen sollten: Fragen und Antworten zu Urlaub in Zeiten der Pandemie finden Sie hier.

Mecklenburg-Vorpommern hebt Quarantänepflicht auf

17. Oktober: Entspannen an der Ostsee? Das war für Menschen aus Corona-Risikogebieten zumindest in Mecklenburg-Vorpommern bislang so gut wie unmöglich: Sie mussten mindestens fünf Urlaubstage in Quarantäne verbringen, bevor ein zweiter negativer Covid-19-Test ihnen den Weg in die Städte und an die Strände freimachte. Doch das soll sich vom 21. Oktober an ändern.

Nach wochenlangem Streit und wenige Tage vor einem dazu erwarteten Gerichtsurteil einigten sich Landesregierung und Tourismusbranche darauf, dass ein aktueller negativer Corona-Test ausreicht, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Die bislang strenge Regelung galt nur in Mecklenburg-Vorpommern, war die bundesweit schärfste und hatte für massive Kritik gesorgt. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte angesichts der steigenden Zahl an Neuinfektionen lange Zeit auf dem Sonderweg bestanden, lenkte nun aber angesichts abschlägiger Urteile zum Beherbergungsverbot in einer Reihe anderer Bundesländer ein.

Auch Italien und Polen nun mit Corona-Risikogebieten

15. Oktober: Rund um Deutschland wächst die Zahl der Corona-Risikogebiete weiter. Sämtliche Nachbarländer sind nun darunter, nachdem auch Regionen in Polen auf die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichte Liste gesetzt wurden. Die Änderungen treten am 17. Oktober in Kraft. Fünf polnische Regionen sind betroffen, darunter Danzig und Krakau, jedoch noch nicht die Grenzgebiete.

Außerdem gelten jetzt die gesamten Niederlande, Malta, die Slowakei und Frankreich mit Ausnahme von fünf Übersee-Départements als Risikoländer, ebenso Regionen in der Schweiz, in Schweden und Finnland sowie in Großbritannien, Irland, Kroatien, Portugal, Slowenien und Ungarn. Auch in Teilen von Italien steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder. In Kampanien im Süden, einer beliebten Urlaubsregion mit der Stadt Neapel, an der Amalfiküste und auf den Inseln Capri und Ischia sowie in der Küstenregion Ligurien rund um Genua wurde der Schwellenwert überschritten.

Zu einem Corona-Risikogebiet wird ein Land oder eine Region, wenn mehr als 50 neue Covid-19-Fälle pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen registriert wurden. Damit verbunden ist in der Regel eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Wie sich die Infektionslage in ihrem Urlaubsland entwickelt, welche Hygieneregeln und Warnungen gelten, erfahren Reisende in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts, die aktuelle Liste der Risikogebiete veröffentlich das Robert-Koch-Institut.

Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot. Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkehrt, muss aber entweder einen aktuellen Nachweis vorlegen, dass er nicht mit Covid-19 infiziert ist, oder sich nach der Heimkehr testen lassen - und in Quarantäne, bis das negative Ergebnis vorliegt.

Urlauber müssen weiter mit Beherbergungsverboten rechnen

15. Oktober: Urlauber aus deutschen Corona-Hotspots müssen weiter damit rechnen, dass sie ohne negativen Test im manchen Bundesländern keine Herberge finden: Bund und Länder konnten sich lediglich auf den "eindringlichen" Appell an die Bürgerinnen und Bürger einigen, "nicht erforderliche innerdeutsche Reisen" in und aus Risikogebieten zu vermeiden. Außerdem will man die aktuellen Beschränkungen bis 8. November - dann sind überall die Herbstferien vorbei - "neu bewerten". Damit bleibt die Situation für Urlauber wie für Gastgeber unübersichtlich: In einigen Bundesländern besteht ein Beherbergungsverbot, in anderen nicht. Und die Rechtslage kann sich täglich ändern: In Baden-Württemberg und Niedersachsen wurde das Beherbergungsverbot vor Gericht wieder gekippt, in Schleswig-Holstein hingegen bestätigt. In Sachsen und im Saarland entschieden sich die Landesregierungen, es aufzuheben. Bayern lässt das Verbot am 16. Oktober auslaufen (Aktualisierung am 16. Oktober).

Dort, wo die Beschränkung in Kraft gesetzt wurde, gilt im Grundsatz: Bürger aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen dürfen nur dann beherbergt werden, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen können. Maßgeblich ist der Schwellenwert von mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Die genauen Regeln legt jedes Bundesland selbst fest.

Wer muss die Kosten übernehmen, wenn der Urlaub aufgrund behördlicher Auflagen platzt? Nach Einschätzung des Reiserechtsexperten Kay P. Rodegra können Betroffene ihren Hotelaufenthalt in Deutschland in vielen Fällen kostenlos stornieren, wenn ihnen der Hotelbetreiber seine Leistungen wegen der Coronaschutz-Vorschriften nicht zur Verfügung stellen darf. Umstritten ist allerdings, ob Reisenden ein Coronatest zugemutet werden kann. Ähnlich sieht es bei Pauschalreisen aus: "Ein generelles Beherbergungsverbot oder auch Einreiseverbot am Reiseziel berechtigt dazu, wegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände, die die Reise unmöglich machen, kostenfrei vom Reisevertrag zurückzutreten."

Schweiz schickt Urlauber aus Berlin und Hamburg in Quarantäne

9. Oktober: In Hamburg sind schon Herbstferien, in Berlin stehen sie an - doch wer in die Schweiz reisen will, müsste dort die Ferienzeit in Quarantäne verbringen: Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen stuft das Schweizer Bundesamt für Gesundheit sowohl das Land Berlin als auch das Land Hamburg als Risikogebiete ein. Die Bestimmungen treten am 12. Oktober in Kraft. Wer seine Hoffnungen jetzt auf einen negativen Corona-Test setzt, wird doppelt enttäuscht: In der Schweiz entbindet auch dieser nicht von der Pflicht, sich zehn Tage zu isolieren.

Ähnliche Bestimmungen gelten bereits für einige Regionen in Frankreich, Österreich und Italien sowie für Dutzende Länder weltweit. Ausgenommen sind generell Grenzgebiete, weil dort viele Menschen leben, die als Pendler in der Schweiz arbeiten. Dort steigen die gemeldeten Infektionszahlen sprunghaft, am 9. Oktober waren es knapp 1500 innerhalb eines Tages.

Kreuzfahrtverband beschließt Testpflicht

8. Oktober: Nur mit einem negativen Covid-19-Test sollen Kreuzfahrt-Passagiere künftig an Bord dürfen. Die Cruise Lines International Association (Clia), größter Verband der Kreuzfahrtindustrie, teilte mit, dass der Test für Gäste und Crewmitglieder verpflichtend sein soll - mit sofortiger Wirkung und bindend für Schiffe mit mindestens 250 Passagieren. Wann und wie Mitarbeiter und Gäste auf das Coronavirus getestet werden, dürften die Reedereien selbst entscheiden.

Zu Beginn der Pandemie waren auch Kreuzfahrtschiffe zu Corona-Hotspots geworden, sämtliche Reisen wurden abgesagt. Ganz allmählich läuft das Kreuzfahrtgeschäft wieder an. Die Reedereien begannen mit Kurzreisen ohne Landgang, mittlerweile werden auch wieder Landausflüge angeboten. An Bord gelten Abstands- und Hygienevorschriften, Passagiere müssen ihre Körpertemperatur messen lassen. Doch das Risiko bleibt: Die Reederei Hurtigruten machte Schlagzeilen, als es auf einem ihrer Schiffe zu Infektionen kam, die man dann auch noch zu vertuschen versuchte.

Beschränkungen für Reisende aus dem "Risikogebiet Deutschland" - und einige Ausnahmen

28. September: Wegen steigender Infektionszahlen erklären einige Länder auch Deutschland zum Risikogebiet. So ist etwa in Finnland die Einreise für Menschen aus Deutschland seit Montag wieder beschränkt. Freizeitreisen sind gar nicht erlaubt - nur die Rückkehr, der Transit auf dem Weg in andere Staaten, Dienstreisen und Reisen mit anderen triftigen Gründen. Wer begründet einreist, muss 14 Tage in Quarantäne, die sich mit zwei freiwilligen Coronatests abkürzen lässt. Auch in Norwegen müssen Einreisende aus Deutschland zehn Tage in Quarantäne. In Island gelten keine Beschränkungen für Deutschland, aber Einreisende müssen generell 14 Tage in Quarantäne oder zwei Tests machen. In Irland steht Deutschland seit 28. September nicht mehr auf der "Green List". Das bedeutet, dass Einreisenden aus Deutschland - und den meisten anderen Staaten - empfohlen wird, ihre Bewegungen im Land zwei Wochen lang stark einzuschränken.

Für Belgien ist Deutschland zwar kein Risikogebiet. Allerdings empfiehlt das Außenministerium bei Einreisen aus einigen Regionen - darunter Köln, Düsseldorf, Hannover sowie weite Teile Bayerns und Baden-Württembergs - Corona-Test und Quarantäne. In Bosnien-Herzegowina müssen Reisende aus Deutschland einen Test vorzeigen, der nicht älter als 48 Stunden ist; für den Transit gilt das allerdings nicht. Für Ungarn ist die ganze restliche Welt Risikogebiet; ausgenommen von der Grenzsperre sind nur Ausländer mit einem Wohnsitz in Ungarn sowie Geschäftsleute.

Fernreisen bleiben auch mit der Aufhebung der weltweiten Reisewarnung am 1. Oktober schwierig: Für die USA gilt der gesamte Schengenraum als Risikogebiet, es gilt ein Einreiseverbot - wie auch umgekehrt für US-Reisende in die EU. Die meisten Länder in Lateinamerika führen keine Listen mit Risikogebieten, sondern behandeln alle Ausländer gleich. In Mexiko gibt es seit Beginn der Pandemie keine Einreisebeschränkungen. Brasilien hat seine Flughäfen auch für Touristen wieder geöffnet. In Argentinien hingegen müssen alle in eine 14-tägige Quarantäne - unabhängig davon, woher sie einreisen. Chile hat sich abgeschottet, nur Chilenen und Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis dürfen rein.

In vielen Ländern Afrikas kann man von überall wieder einreisen, auch aus Deutschland. Etliche Länder fordern einen negativen Test, zum Beispiel Äthiopien oder Kenia. Südafrika erlaubt vom 1. Oktober an wieder internationale Reisen. Zahlreiche Länder im arabischen Raum behandeln ebenfalls alle Ausländer gleich, statt nach Risikogebieten zu unterscheiden. In Ländern wie Jordanien und Tunesien ist auch bei einem negativen Test eine mehrtägige Heim-Quarantäne vorgeschrieben - doch manchmal werden für Pauschalreisende Ausnahmen gemacht. Diese müssen etwa in Tunesien keinen Test vorlegen. Auch für die Einreise nach Ägypten müssen alle Fluggäste einen negativen Test dabei haben - außer bei Direktflügen zu ägyptischen Badeorten wie Scharm el Scheich und Hurghada. Marokko hat seine Grenzen geschlossen und internationale Passagierflüge bis 10. Oktober untersagt.

In der Asien-Pazifik-Region sind die Grenzen der meisten Länder für Ausländer weiterhin dicht. Australien und Neuseeland betrachten im Grunde alle anderen Staaten als Risikogebiete. Nach Thailand dürfen Ausländer nur mit Sondergenehmigung, alle müssen in staatliche Quarantäne. Auf welche Bestimmungen und Beschränkungen sich Reisende in den Zielländern einstellen müssen, führt das Auswärtige Amt in seinen Länderinformationen auf.

© SZ.de/ihe/kaeb/edi/mit Material von dpa/Reuters/AFP
Herbstwetter an der Ostsee - Reisen ist kein Infektionstreiber mehr.

Meinung Corona-Maßnahmen
:Das Reisen ist kein Virustreiber

Beherbergungsverbote nutzen im Kampf gegen die Corona-Pandemie ebenso wenig wie die Schließung von Grenzen. Auch die bayerische Regierung sieht das nun endlich ein.

Kommentar von Hans Gasser

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