„Was? Archiv?“ – Am 7. März lohnt es sich, Zeit zum Stöbern und Entdecken einzuplanen. Neugierige können an diesem „Tag der Archive“ auf eine spannende Reise durch die vielfältigen Institutionen Bayerns gehen. Eine Auswahl.
Was läuft in der Literatur in München
:Hommagen an Mütter und Väter
Das Thema Familie ist unerschöpflich – das beweist im März nicht nur eine Buchpremiere von Lena Gorelik, sondern auch das dreitägige Festival Wortspiele für junge Literatur.
Peter Probsts neuer Krimi „Am helllichten Tag“
:Das Rätsel um die verschwundenen Kinder von Pirmasens
Für seinen neuen Krimi „Am helllichten Tag“ hat der Münchner Autor Peter Probst einen unheimlichen Fall der deutschen Nachkriegsgeschichte ausgegraben.
Programm 2026 steht fest
:Literaturfest München mit Maria Aljochina und Peter Sloterdijk
„Freiheit!“, hat Kuratorin Dana Grigorcea als Motto für das Literaturfest 2026 gewählt. Das Festival öffnet sich stärker als bisher anderen Sparten wie Musik und Kunst – und eine „Münchner Schiene“ gibt Einblicke in den Werkraum der Literatur.
Anja Gmeinwiesers Debütroman „Wir Königinnen“
:„Ich regiere nicht die Welt, ich mache nur meinen Job“
Eine Lkw-Fahrerin, eine Aussteigerin und viele trächtige Kühe auf großer Fahrt durch Europa: In Anja Gmeinwiesers Debütroman „Wir Königinnen“ wird gekotzt, gestritten, geküsst, gevögelt. Ein Leben endet, ein Leben beginnt. Dazwischen: vitale Freude am Diskurs.
Daniel Specks Roman „Villa Rivolta“
:Auf der Rückreise ins Paradies
Bestsellerautor Daniel Speck schreibt noch einmal über Italien: „Villa Rivolta“ ist ein Epos um eine Mailänder Industriellenfamilie, ein Roman über Freundschaft, Liebe und Autos, die Geschichten erzählten.
Neuer Briefband zu Annette Kolb
:„Lieber tot als mundtot“
Die furchtlose Schriftstellerin und Pazifistin Annette Kolb pflegte Freundschaften mit den berühmtesten Kollegen ihrer Zeit. Ihre Korrespondenz mit Thomas Mann, Kurt Tucholsky oder Ilse Aichinger ist nun in einem neuen Briefband nachzulesen.
Die fast 100-jährige Schriftstellerin Dagmar Nick
:„Durchhalten und weitermachen!“
Wie gelingt der Weg ins und durchs Alter? Ein Besuch bei der Lyrikerin Dagmar Nick, die in ihrem langen Leben „durch alle Feuer“ gegangen ist und nichts bedauert.
„Mein Abschied“ von Christine Mann
:Was im Grenzbereich zwischen Leben und Tod geschieht
Unter dem Titel „Mein Abschied“ hat Frido Mann letzte Aufzeichnungen seiner Frau Christine herausgegeben: Sie dokumentieren den Klinikalltag zu Corona-Zeiten – und berühren die großen Fragen nach der Existenz Gottes.
Sängerin Etta Scollo ehrt Mascha Kaléko
:Sie verleiht melancholischer Großstadtlyrik ihre Stimme
Die Sängerin Etta Scollo ist eine Wanderin zwischen den Welten. In der Lach- und Schießgesellschaft im Fat Cat nähert sie sich mit viel Gefühl den Gedichten Mascha Kalékos.
Doris Dörrie über Schlaf
:„Betten ziehen mich magisch an“
Die Münchner Filmemacherin und Autorin hat ein Buch übers Wohnen geschrieben. Bei einer Lesung in einem Münchner Bettenfachgeschäft erzählt sie, wo und wie sie schläft und was ihr bei Schlaflosigkeit hilft.
Literatur-Events in München
:Gisèle Pelicot stellt ihre Autobiografie in München vor
Die von ihrem Ehemann und 50 weiteren Männern missbrauchte Frau kommt nach München – es ist eine von zwei Lesungen in Deutschland. Im Februar wird es weitere empfehlenswerte Lesungen in München geben, von Fiona Sironic über Emilia Roig bis Thomas Lang.
Shoa-Überlebender Roman Haller über Antisemitismus
:„Eigentlich müsste ich längst weg sein“
Roman Haller wurde vor 81 Jahren als jüdisches Kind in einem Bunker in Polen geboren, versteckt von einer Polin und einem Wehrmachtsmajor. Stoff für einen Kino-Film und ein Broadwaystück. In München hat er sich sein Leben aufgebaut. Er liebt diese Stadt. Doch wird er bleiben?
Internationale Jugendbibliothek
:100 Jahre James Krüss auf Schloss Blutenburg
James Krüss’ hundertster Geburtstag und eine Wimmelbuch-Ausstellung zu Ali Mitgutsch – welche Höhepunkte das Jahresprogramm der Internationalen Jugendbibliothek prägen.
Preisverleihung
:„Wir hoffen, dass Europa nicht länger schweigt“
Quint Buchholz äußert seine Gedanken in Bildern, Narges Kalhor nutzt die Bühne für ein aufrüttelndes Statement: Die Verleihung der diesjährigen Hoferichter-Preise im Münchner Literaturhaus ist politisch – aber nicht nur.
Thomas Lang über die Aktualität von Melvilles „Moby Dick“
:Wie toxische Führungsfiguren die Welt in den Untergang reißen
Lässt sich Melvilles berühmter Roman „Moby Dick“ als Spiegelbild des heutigen Amerika lesen? Thomas Lang setzt sich in seinem Roman „Melville verschwindet“ intensiv mit Männerbildern und vermeintlichem Heldentum auseinander. Ein Gespräch.
Kultur- und Freizeittipps des Moderators und Autors Achim Bogdahn
:Auf die höchsten Berge und durch die schönste Stadt
Der Radiomoderator und Autor Achim Bogdahn freut sich in der Woche von 26. Januar bis 1. Februar auf Bilder eines legendären Fotografen, Kino im Keller, das Fußballspiel seines Lieblingsclubs und seine Lesungen in München.
Literarisches Begleitprogramm
:Wofür Schriftsteller bei der Münchner Sicherheitskonferenz kämpfen
Vom ukrainischen Schriftsteller Serhij Zhadan bis zur belarussischen Dissidentin Maria Kolesnikowa, vom tschechischen Präsidenten Petr Pavel bis zum Friedenspreisträger Karl Schlögel: Das Rahmenprogramm der Münchner Sicherheitskonferenz ist prominent besetzt.
Lesung und Konzert
:Prophet des Desasters: Peter Licht in München
Multitalent Peter Licht macht den Wahrnehmungsmüll, mit dem der moderne Mensch zugeschüttet wird, zu Kunst. Der Abend mit Lesung und Musik in München zeigt: Nicht jeder seiner Gedanken ist brillant, aber die meisten sind unterhaltsam.
Der neue Roman von Tiny Stricker
:Schreiben wie ein Hippie
Tiny Stricker war 1969 nach Südasien aufgebrochen und in Chittagong gestrandet. 55 Jahre später schreibt er über diese prägende Zeit – mit einem treibenden Stil, der das damalige Lebensgefühl einfängt: „Hippies in Chittagong“.
Was läuft in der Literatur
:Welche Lesungen in die Zukunft weisen
Das Münchner Literaturjahr beginnt mit einer Fülle an Möglichkeiten, mit Lesungen von Ursula Krechel bis Peter Licht. Und mit einem neuen Comicladen im Herzen der Stadt.
Autor von „München-Beschimpfung“
:„In dieser Stadt lebt man ständig in einem Zwiespalt“
Benedikt Feiten benennt in seinem Buch die Schwächen, aber auch die Vorteile der reichen Stadt. Was er sich für München, wo er aufgewachsen ist, dringend wünschen würde.
Roman von Elisabeth Sandmann
:Churchills vergessene Geheimagentinnen im Kampf gegen die Nazis
Die Autorin und Verlegerin Elisabeth Sandmann erzählt im Roman „Wir dachten, das Leben kommt noch“ von britischen Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben riskierten.
Martin Fuchs’ Roman „Das endlos weite Blau“
:Zugedröhnte Babyboomer auf großer Fahrt
Gestern noch unsterblich, heute mit Vollgas in die Rente: Im Roman „Das endlos weite Blau“ ergründen zwei alternde Rockfans die Endlichkeit des Lebens. Der Roadtrip von Schwabing nach Südfrankreich ist reif und frisch zugleich, Boomer-Humor inklusive.
Neues Projekt der Jazzrausch Bigband
:Goethes „Faust“ als Techno-Jazz-Hörspiel
Mit „Goethe’s Breakdown“ bringt die Jazzrausch Bigband im Bergson Kunstkraftwerk eines ihrer ambitioniertesten Projekte neu auf die Bühne.
München und Bayern
:Vorfreude auf 2026 – das sind die kulturellen Höhepunkte
Gerhard Polt gemeinsam mit Josef Hader und die Rückkehr des Reggae-Summer: Auf diese Ereignisse freut sich die SZ-Kulturredaktion 2026 besonders. Persönliche Tipps aus Film, Literatur, Theater, Kunst und Musik.
Biografie über Ernst Toller
:Ein Dichter für die Unterdrückten
Die Literaturwissenschaftlerin Veronika Schuchter hat eine tiefschürfende Biografie über Ernst Toller geschrieben, der kurz an der Spitze der Münchner Räterepublik stand, bevor er zu einem der wichtigsten Dramatiker der Weimarer Republik wurde und später im Exil für eine neue Welt kämpfte.
Porträt des Schauspielers und Autors Delschad Numan Khorschid
:„Ich wusste: Wenn ich bleibe, sterbe ich“
Mit 17 floh Delschad Numan Khorschid vor Folter und Tod aus Irak nach Deutschland. Allein, fast zwei Jahre lang. Heute ist er Schauspieler am Residenztheater, Künstler und Autor. Eine unglaubliche Geschichte vom Überleben und von Träumen, die Wirklichkeit werden.
Ausstellung im Literaturhaus
:Die Mumins erobern München
Tolle Trolle: Vor 80 Jahren erfand Tove Jansson die Welt der Mumins. Eine Ausstellung im Literaturhaus München gibt Einblicke in Leben und Fantasie der finnischen Künstlerin.
Was läuft in der Münchner Literaturszene
:Ein Denkmal für die Familie Mann
München leuchtet: Wie ein neues Denkmal von Albert Coers am Literaturhaus die Familie Mann würdigt.
Wie das Literaturarchiv Monacensia sammelt
:Haben Männer hier mal Sendepause?
Frauen bevorzugt: Die Monacensia erwirbt seit einiger Zeit verstärkt Vorlässe von Schriftstellerinnen, jüngst Keto von Waberer und Petra Morsbach, und will überhaupt die Vielfalt der Gesellschaft besser abbilden. Ein Blick in die Zukunft – über die Vergangenheit.
Der Jüdische Buchklub in München
:Wunschgäste sind Lilo Wanders, Igor Levit oder Blümchen
Die Schriftstellerin Dana von Suffrin und der Historiker Philipp Lenhard laden in ihren Jüdischen Buchklub bewusst Prominente abseits der Literatur-Bubble. Wen sie für ihre Diskussionsabende 2026 im Auge haben.
Buchvorstellung von Uschi Glas
:Auf der Suche nach der Menschlichkeit
Uschi Glas hat sich mit Charlotte Knobloch auf eine Reise in beider Vergangenheit begeben. Was sie in ihren Gesprächen über Antisemitismus und Mut, aber auch ihren eigenen Vater herausgefunden hat, erzählt sie im Literaturhaus.
Literatur-Tipps
:Lesenswerte Bücher von Münchner Autorinnen und Autoren
Von Belletristik bis Sachbuch, von Lyrik bis Jugendroman: eine Auswahl von Büchern Münchner Autorinnen und Autoren, die in diesem Jahr besonders empfehlenswert sind.
Christoph Poschenrieders Roman über „Euthanasie“-Verbrechen
:Wie die Großtante ermordet wurde
Christoph Poschenrieder erinnert im beeindruckenden Roman „Fräulein Hedwig“ an das Schicksal seiner eigenen Verwandten, die während der NS-Zeit in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar umgebracht wurde.
Hörbücher mit KI-Stimmen
:Wenn Tote wieder sprechen
Ein Münchner Start-up klont Sprecherstimmen und produziert damit Hörbücher für 70 Prozent weniger Kosten. Verlage steigen heimlich ein, Sprecher fürchten um ihre Existenz. Ein Blick in eine Branche im Umbruch.
Buchempfehlungen
:Mit zehn Krimis durch Bayern
Mit neuen Fällen für Franz Eberhofer und Kommissar Jennerwein ist 2025 ein besonders mordlustiger Jahrgang. Was Bayern sonst noch an regionaler Krimiliteratur zu bieten hat.
Susanne Röckels Buch „Vera“
:Wie funktioniert Erinnerung?
Die Schriftstellerin Susanne Röckel verknüpft im Buch „Vera“ ihre eigene Jugendgeschichte mit der einer Überlebenden des Massakers von Babyn Jar im Zweiten Weltkrieg. Kann das gutgehen?
„Lev“ in der Monacensia
:Ein Café mit ganz viel Herz
Dokumentarfilmer Emanuel Rotstein und seine Frau Melanie Rotstein-Tuchfeld haben in der Monacensia das „Café Lev“ eröffnet. Hier soll gut gespeist – und in intimer Atmosphäre an Geschichte erinnert werden.
Schlechte Haushaltslage
:Münchner Kulturinstitutionen müssen 18 Millionen Euro einsparen
Ursprünglich hatte die Kämmerei fünf Millionen Euro mehr an Kürzungen eingefordert. Das zumindest ist abgewendet. Nun diskutiert der Kulturausschuss die Einspar-Posten im Einzelnen. Wo das größte Konfliktpotenzial liegt.
Was Rilke mit München verband
:„Und jetzt kann es beginnen – das Leben“
Rilke kam Ende des 19. Jahrhunderts mit großen Hoffnungen nach München und fand hier seine dichterische Stimme. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg ließ er die Stadt voller Groll hinter sich. Was geschah zwischen Aufbruch und Entfremdung? Eine Spurensuche.
Kultureller Ehrenpreis für Dagmar Nick
:Eine Ehrung zum Hundertsten
Dagmar Nick erhält den Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München. Er würdigt eine Schriftstellerin, die mit fast 100 Jahren noch „hellwach“ weiterschreibt.
Protest vor Drag-Lesung
:Ein Glitzerkleid, ein paar Kinderbücher und ganz viel Aufregung
2023 eskalierten Proteste vor einer Kinderbuchlesung der Dragqueen Vicky Voyage. Nun haben Gegner und Befürworter wieder mobilisiert. Über eine Demonstration, bei der es um vieles geht, nur nicht um die Lesung.
Lesung von Natalie Amiri über den Nahen Osten
:„Trump ist die größte Chance“
„Der Nahost-Komplex“: Navid Kermani stellt im Literaturhaus München das neue Buch der Journalistin Natalie Amiri vor.
Diskussionsabend bei der Münchner Bücherschau
:Übungen in Optimismus sind ein hartes Workout
Wie überwinden wir das allgegenwärtige Gefühl der Ohnmacht angesichts der Weltlage? Die Münchnerinnen Joana Osman und Mirjam Zadoff haben da einige Strategien.
Was läuft in der Münchner Literaturszene?
:Empfehlenswerte Lesungen im Dezember
Von Zeruya Shalev bis Eva Illouz, von Joy Williams bis Jonas Lüscher – im Dezember sind in München Lesungen und Gespräche mit einem breiten Spektrum geboten.
Stefan Wimmers Roman „Die weiße Hölle vom Fuxnhof“
:„In Sachen Erotik bin i a Fachmann“
Aus der Zeit gefallen und saukomisch: Der neue Roman des Krawall-Autors Stefan Wimmer bringt den Spirit eines Skilagers in den Achtzigern zurück. Aber Obacht: Die Anarcho-Komödie „Die weiße Hölle vom Fuxnhof“ trägt präpotente und machistische Züge.
Steven Uhlys Roman „Death Valley“
:Ein Roadtrip durch Amerika
Steven Uhly lässt in seinem Roman „Death Valley“ ein Alter Ego durch die USA unter Donald Trump reisen. Das führt zu manchen überraschenden Begegnungen und Einsichten.
Kultur- und Freizeittipps für München
:Mit Jule Ronstedt den Winterblues vertreiben
Die Schauspielerin und Autorin Jule Ronstedt freut sich in der Woche von 1. bis 7. Dezember auf ihre Lesung in München, ein intensives Kammerspiel und ihren Urlaub in Mexiko.
Mehr als 100 000 Euro Förderung
:Welche bayerischen Verlage Prämien bekommen
Von Sophie Scholls Tagebüchern bis zu chinesischer Science-Fiction: Zehn unabhängige Verlage in Bayern erhalten in diesem Jahr eine Verlagsprämie vom Freistaat.