Gehört der deutsche Kolonialismus in die Gedenkstättenkonzeption des Bundes? Die Historikerin Manuela Bauche sagt: Ja. Sie plädiert für ein solidarisches Erinnern.
Belgien und Kongo
:Der Mord an Lumumba könnte endlich gesühnt werden
Der Staat Belgien hat mitgeholfen, den kongolesischen Freiheitskämpfer aus dem Weg zu räumen. Mehr als 60 Jahre später soll ein hochrangiger Repräsentant des Landes vor Gericht dafür geradestehen.
Kolonialverbrechen
:Das Genozid-Museum im deutschen Idyll von Afrika
Swakopmund bietet Touristen heimeliges Nordsee-Flair in der Wüste Namibias. Ausgerechnet dort betreibt Laidlaw Peringanda das einzig richtige Museum zum Völkermord an den Herero und Nama – auf nicht mal zwölf Quadratmetern. Das finden hier nicht alle gut.
Erinnerungspolitik
:„Die Orte, an denen die Gewalt geplant wurde, liegen in Deutschland“
Sollen deutsche Kolonialverbrechen Thema offiziellen Gedenkens sein? Kulturstaatsminister Wolfram Weimer findet: Nein. Ein Gespräch mit Ibou Coulibaly Diop, der ein Erinnerungskonzept für Berliner entwickelt hat.
Venezuela
:Vergesst die Welt von gestern
Was war das in Venezuela, ein Coup, ein Staatsstreich? Sicher ist, dass die US-Militäraktion gegen Diktator Maduro ein Bruch mit der Weltordnung ist, ein Rückfall in Zeiten von Kolonialismus und Imperialismus. Und jetzt?
Erinnerungskultur
:Noch nicht mal mehr verdrängt
In der Nachkriegszeit herrschte Schweigen über die Vernichtung der Juden, jetzt rückt sie in historische Ferne. Der Politikwissenschaftler Jan Gerber fragt, was geschehen musste, damit die Deutschen sich mit der Shoah auseinandersetzen.
Ausstellung
:Aus der Sicht der Gequälten
Das Hildesheimer Dommuseum zeigt seine Schätze – in einer radikal kirchenkritischen Ausstellung. Die Schau „Die Zirkulation von Arbeit, Kapital und Leben als Lieferkette“ legt genial-assoziativ die im Schutz christlicher Missionsvorhaben begangenen Grausamkeiten dar.
Literatur
:„Aber waren Sie schon mal im Kink?“
Jamaica Kincaid ist eine der bekanntesten amerikanischen Schriftstellerinnen – und unter den bekannten mit Sicherheit die unkonventionellste. Eine unterhaltsame Begegnung in der American Academy am Ufer des Wannsees.
Erinnerungspolitik
:Der blinde Fleck ist zurück
Das Bundeskabinett verabschiedet das neue Gedenkstättenkonzept von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Der Kolonialismus? Kommt darin nicht mehr vor.
Neues Museum in Benin City
:Wem steht die Kunst zu?
Demonstranten verhindern am Montag die Eröffnung des für die Benin-Bronzen gebauten Museum of West African Art als Protest gegen den Staat. Der Eklat wird Rückgaben von geraubtem Kulturgut aus der Kolonialzeit nicht leichter machen.
Ex-Präsident Suharto, dem die Beteiligung an Massenmorden vorgeworfen wird, ist jetzt ein „Held der Nation“. Dazu hat ihn der heutige Präsident erklärt, der einst sein Schwiegersohn war.
Neues Museum in Benin-City eröffnet
:Wohin mit der Königinmutter?
Das Museum of West African Art sollte die aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zurückgegebenen Benin-Bronzen zeigen. Warum das nicht geklappt hat.
Eroberungsfeldzüge
:Spanien bedauert Kolonialverbrechen in Mexiko
Die indigenen Völker Mexikos haben unter den Konquistadoren vor 500 Jahren extrem gelitten. Dieses Unrecht räumt die spanische Regierung nun ein. Eine Entschuldigung ist das nicht – und geht doch manchen schon zu weit.
Berlin
:Straßenkampf mit Name und Anschrift
Helmut Kohl bekommt eine Allee in Berlin, Harald Juhnke ein Plätzchen – und die eben erst umbenannte Mohrenstraße? Will einfach nicht verschwinden. Zeit für eine Ortsbegehung.
Schwarze in Deutschland
:„Wir sind schon lange hier“
Die unglaubliche Geschichte zweier Schwarzer Schwestern, die für Goebbels Propagandafilme drehten und so überlebten, lässt die Schauspielerinnen Benita Bailey und Jane Chirwa nicht mehr los. Sie wollen sie verfilmen – und fragen sich: Warum wollen bis heute so wenige davon wissen?
MeinungGedenkstätten
:Deutschland war schon mal weiter
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer streicht das Geld zusammen, das die Erinnerung an die Kolonialverbrechen des Kaiserreiches ermöglichen soll. Seine Begründung ist alles andere als überzeugend.
Erinnerungskultur
:Weimers Dekolonisierung
Der Kulturstaatsminister streicht den Kolonialismus aus dem Gedenkstättenkonzept. Historiker sind irritiert, die SPD kündigt Widerstand an.
Interview mit dem Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah
:„Ich wollte auch die Verachtung schildern“
Abdulrazak Gurnah kam noch unter britischer Kolonialherrschaft zur Welt und gelangte 1968 als Flüchtling nach England. Heute ist er Professor Emeritus und Nobelpreisträger. Ein Gespräch über das Lesen, das Erinnern und ein schillerndes Leben.
William Kentridge
:Mephisto ist jetzt weiß
„Faustus in Africa!“ ist wieder auf Tour. Vor 30 Jahren rüttelte das Stück von William Kentridge und der Handspring Puppet Company die europäische Theaterszene auf. Welche Kraft hat es heute noch?
Hörspiel
:Nauen, bitte kommen!
Im Hörspiel „Kamina“ soll eine Autorin über die Geschichte einer ehemaligen Funkstation in Togo schreiben. Rund 111 Jahre nach deren Zerstörung. Klingt verwirrend, ist aber spannende Geschichtsunterhaltung.
MeinungStraßen-Umbenennung
:Es hätte wichtigere Kämpfe gegeben als den gegen die Mohrenstraße
Zeichen für gesellschaftlichen Wandel? Nach all dem Streit verloren sich kaum 200 Menschen bei der feierlichen Umbenennung.
„Black History. Die vergessene Geschichte Afrikas“
:Dieses Buch will Menschen ihre Geschichte zurückgeben
Amat Levin erzählt in „Black History“ die vergessene Historie Afrikas und trägt mit seinem wuchtigen Sachbuch viel zu einem besseren Verständnis des Kontinents bei. Seine Recherche führt auch raus in die Diaspora – manchmal vielleicht etwas zu weit.
Kriegsführung im 19. und 21. Jahrhundert
:Was der Kreml von den Kolonialkriegen gelernt hat
Wer Putins Invasion in der Ukraine verstehen will, muss sich mit Europas Vorgehen in Afrika im 19. Jahrhundert beschäftigen, betont der Historiker Dieter Langewiesche.
MeinungDebatte
:Die Epoche der Wokeness ist vorbei. Der Kulturkampf geht gerade erst richtig los
Wer heute gegen den Strom des Zeitgeists schwimmen möchte, verteidigt die Wokeness. Ein Hoch auf Gendern, Intersektionalität, Safe Spaces.
Präsidentschaftswahl in Kamerun
:„Dieses Land braucht einen Neuanfang“
Als Korruptionsbekämpfer hat Akere Muna sich international einen Namen gemacht, nun will er das scheinbar Unmögliche schaffen: Kameruns seit 1982 herrschenden Präsidenten von der Macht verdrängen. Hat er eine Chance? Ein Besuch in Jaunde.
Kamerun
:Ich hab noch eine Göttin in Berlin
Vor mehr als einem Jahrhundert haben deutsche Kolonialherren die Muttergöttin des Volkes der Nso nach Berlin gebracht. Da steht sie noch immer. Vor allem deswegen, weil sie sich in Kamerun erst einigen müssen, wer sie haben darf.
Einigung mit Frankreich
:Neukaledonien soll neuen Status erhalten
Das französische Überseegebiet Neukaledonien soll einen neuen Status bekommen. Ein Jahr nach schweren Unruhen auf der Inselgruppe im Südpazifik, bei denen vierzehn Menschen ums Leben kamen, haben sich die rivalisierenden politischen Kräfte bei ...
Sachbuch „Wir stehen in der Mitte der Unendlichkeit“
:In ihren Augen wirken wir entwurzelt, hektisch und labil
Der Westen erscheint ihnen wie ein „riesiges unreifes Baby“: Nachfahren von Ureinwohnern Nordamerikas offenbaren in Gesprächen mit den Ethnologen Dahr Jamail und Stan Rushworth eine völlig andere Welterfahrung. Das ist so eindrucksvoll wie augenöffnend.
Kanada
:Willkommen in der šxʷməθkʷəy̓əmasəm-Straße
In Vancouver gibt es neuerdings eine Straße, deren Name sich nicht mit lateinischen Buchstaben schreibt. Was hat es damit auf sich?
Podcast „In aller Ruhe“ mit Carolin Emcke
:„Moderne Sklaverei“ – Sven Hilbig über digitalen Kolonialismus
Die Schattenseiten der Digitalisierung: Darüber, wie Technologiekonzerne den globalen Süden ausbeuten, spricht der Digitalisierungsexperte in der neuen Folge von „In aller Ruhe“.
Zum Tod von Koyo Kouoh
:Die Botschafterin
Sie war die wichtigste Vermittlerin afrikanischer Kunst in Europa und sollte die nächste Kunstbiennale in Venedig leiten. Am Samstag ist Koyo Kouoh gestorben – viel zu früh.
Reden wir über Geld
:„Wie ehrlich sind die Europäer?“
Alexander Kum'a Ndumbe III. aus Kamerun hat wie alle Prinzen seiner Familie in Deutschland Abitur gemacht. Und erst viel später erfahren, dass ein Kunstwerk aus seinem Familienbesitz in einem Münchner Museum liegt. Er möchte es zurückholen.
Literatur
:Bye-bye, Empire
Jane Gardam wurde in Deutschland spät, aber zum Glück noch entdeckt. Ihre Romane sind strudelhafte Charakterstudien – und ein sanft spöttischer Abschied von der Ära Großbritanniens als Kolonialmacht. Nun ist die Autorin gestorben.
Bandung-Konferenz
:Der Geist der Freiheit
Die Bandung-Konferenz vereinte vor 70 Jahren 29 asiatische und afrikanische Länder im Kampf gegen Kolonialismus und für Frieden und Freiheit. Welche Lehren lassen sich aus dem Treffen ziehen – und wie steht es um den globalen Süden heute?
Was läuft an Vorträgen?
:Joseph Beuys und die Kraft der Kunst
Diskussionen über Deutschland, die Verknüpfungen von Kolonialismus und Nationalsozialismus sowie die Entstehungsgeschichte des Films „Die Fotografin“. Auf diese Vorträge und Talk-Runden dürfen sich Münchner im April freuen.
Historiker im Museum Fünf Kontinente über Kulturgüter
:„Das fröhliche bayerische Forschen war mit sehr viel Gewalt verbunden“
Richard Hölzl erforscht die Herkunft der Objekte im Museum Fünf Kontinente. Bisweilen tun sich da Abgründe auf. In der aktuellen Ausstellung erklärt er, wie die Provenienz-Forschung voran kommt und warum Karl Mays Winnetou-Romane voller kolonialer Klischees sind.
Historie: Panamakanal
:„Wir haben ihn bezahlt, und wir werden ihn behalten“
Donald Trump ist nicht Amerikas erster Präsident, der den Panamakanal als US-Eigentum betrachtet. Die Geschichte einer sehr einseitigen Beziehung.
„Rauch und Asche“ von Amitav Ghosh
:Die Geburtsstunde des modernen Drogenhandels
In seinem Buch „Rauch und Asche“ erklärt Amitav Ghosh den Hintergrund der Opiumkriege – und wieso man dem Westen in Peking auch heute noch mit großem Misstrauen begegnet.
Historie
:Die Unabhängigkeit blieb ein Traum
Kaum 60 000 Menschen leben auf der gewaltigen Eisinsel Grönland, die seit der Zeit der Wikinger große Begehrlichkeiten fremder Mächte weckt. Nun erhebt US-Präsident Donald Trump Ansprüche auf das Land und seine Ressourcen.
David Van Reybrouck
:„Wir unterwerfen jetzt nicht mehr andere Länder, sondern den Lebensraum der Zukunft“
Der Historiker David Van Reybrouck findet: Die Welt erlebt gerade einen neuen Kolonialismus – auf Kosten künftiger Generationen. Ein Interview über Bodenschätze, Elon Musks Weltraumpläne und fehlgeleitete Aktivisten.
Jazz-Essayfilm „Soundtrack to a Coup d’ Etat“
:Ein brillantes Gedankenexperiment
Postkolonialismus, Bürgerrechtsbewegung und Jazz waren Revolutionen, die bis heute wirken. Der oscarnominierte Essayfilm „Soundtrack to a Coup d’ Etat“ bündelt eine komplizierte Zeit zu einem gewinnbringenden Gesamtbild.
Frankreich-Algerien-Konflikt
:Bis zum Gewaltaufruf auf Tiktok
So heftig haben sich Frankreich und seine frühere Kolonie Algerien lange nicht mehr attackiert. Die Streitfrage: Wem gehört die Westsahara? Die Antwort aus Paris stößt die Algerier vor den Kopf.
Was läuft in der Kunst?
:Die schönsten Ausstellungen, die in die Vergangenheit führen
Statt „Weißer Weihnacht“ reisen wir zurück in die Eiszeit, reiten in die Antike und erforschen den Kolonialismus in den Dingen.
Spanien
:Wem gehört der Quimbaya-Schatz?
Im 19. Jahrhundert verschenkte Kolumbiens Präsident eine Sammlung einzigartiger Goldschmiedekunst aus präkolumbischer Zeit an Spanien. Nun will das südamerikanische Land den Schatz zurück. Eine diplomatische Krise droht.
Belgiens Kolonialverbrechen
:Später Triumph für die „Kinder der Sünde“
Monique Bitu Bingi wurde mit vier Jahren von der Kolonialmacht Belgien entführt, weil ihr Vater Weißer war. Eine Tortur, die viele Kinder im Kongo durchmachten. Nun muss der belgische Staat fünf von ihnen entschädigen – ein epochales Urteil.
Afrika
:Dieser Präsident fordert die frühere Kolonialmacht Frankreich heraus
Senegals Staatschef Bassirou Diomaye Faye sucht den radikalen Bruch mit Paris. Eine willkommene Gelegenheit, seinem Ansinnen Nachdruck zu verleihen: der Gedenktag an ein fürchterliches Massaker vor 80 Jahren.
Nachruf auf Breyten Breytenbach
:Der gute Afrikaaner
Breyten Breytenbach kritisierte beharrlich seine südafrikanische Heimat und landete dafür im Gefängnis. Jetzt ist der Autor, Maler und Dissident in Paris gestorben.
Interview mit dem indischen Schriftsteller Amitav Ghosh
:„Die Welt, wie wir sie kannten, existiert nicht mehr“
Der indische Romancier und Klimaaktivist Amitav Ghosh über das katastrophale Erbe des Kolonialismus, Donald Trump – und warum er Frank Schätzings Bestseller „Der Schwarm“ schätzt.
Comic
:Ein Kampf, den Spirou nicht gewinnen kann
Das neueste Abenteuer des belgischen Comic-Helden endet nach nur einem Jahr. Nach Rassismus-Vorwürfen zieht der Verlag den Band zurück.
Nigeria
:Eines der größten archäologischen Denkmäler der Welt ist in Gefahr
Das einstige Königreich von Benin hinterließ prächtige Bronzen – und Tausende Kilometer lange Wälle und Gräben, die nun zu verschwinden drohen. Wie Forscher versuchen, sie zu bewahren.