Michel Friedman sollte zum Auftakt der 150. Bayreuther Festspiele über Antisemitismus, Richard Wagner und Aufarbeitung sprechen. Die Veranstaltung wurde wegen „Sicherheitsbedenken“ abgesagt. Was hätte er zu sagen gehabt – und was sagt er nun?
Debatte
:„Der Kampf um die Erinnerung ist ja ein Kampf um die Gegenwart“
Sind die Außenstellen der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in München und Leipzig ein Grund zur Freude oder zur Sorge? Ein Streitgespräch zwischen Volker Beck und Meron Mendel.
Projekt der Münchner Kammerspiele
:Wie junge Menschen an die NS-Zeit erinnern
„Tell Me Why“ an den Münchner Kammerspielen ist ein Plädoyer für aktive Erinnerungsarbeit und interreligiösen Diskurs. Die Aufführung ist Teil eines Festivals mit Theaterprojekten aus Schulen.
Yad-Vashem-Zentrum in München
:Von der „Hauptstadt der Bewegung“ zur Hauptstadt der Erinnerung
In dem Zentrum am Karolinenplatz soll eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus stattfinden. Auch in Leipzig soll es eine Außenstelle geben.
Rechtsextremismus
:Ein Selfie im Verbrennungsofen
Anfeindungen gab es in Buchenwald immer. Doch jetzt treten vor allem Jugendliche in der Gedenkstätte offen rechtsextrem auf, verlachen die Verbrechen der Nazis und stören die Ruhe der Toten. Was kommt da auf die Gesellschaft zu?
Deutsch-israelisches Verhältnis
:Sackgasse Staatsräson
Wie lässt sich mit Israels Regierung derzeit umgehen, wenn jeder das Wort „Staatsräson“ auf seine Weise interpretiert? Der Historiker Jacob Eder seziert den Begriff – und setzt sich wohltuend zwischen alle Stühle.
NRW-Ministerpräsident
:Wüst auf schwieriger Mission in Polen
Hendrik Wüst besucht Nordrhein-Westfalens Partnerregion Schlesien und das einstige Vernichtungslager Auschwitz. Die Stimmung gegen Deutsche unter polnischen Rechten ist aufgeheizt. Übt sich da einer in internationaler Diplomatie?
Streaming
:Aufwühlend, verstörend, langatmig, wunderbar
Eine niederländische Jüdin schilderte Anfang der Vierzigerjahre in ihren Tagebüchern, wie Amsterdam in den Holocaust wankte. Die Arte-Produktion „Etty“ adaptiert diese Erzählung lose – und auf ganz besondere Weise.
MeinungPodcast mit Björn Höcke
:Danke für jede Zwischenfrage, die nicht kam
Soll man diesen AfD-Politiker vier Stunden und 36 Minuten lang interviewen, ohne dass man ihn auch nur einmal in die Zange nimmt? Ja, warum eigentlich nicht.
Gedenken an Albrecht Weinberg
:Oh, boy
„Ich hab dich viel zu spät kennengelernt“: Erinnerungen der Neuköllner Integrationsbeauftragten an Albrecht Weinberg, der Auschwitz überlebte, zu den Tätern zurückkehrte und mit Leichtigkeit vom Schweren sprach.
Jüdisches Museum Augsburg
:Als Hans Ludwig vor den Nazis geflüchtet – als legendärer Ritchie Boy zurückgekehrt
Viele Jüdinnen und Juden nannten Augsburg ihr Zuhause, bis die Nazis sie vertrieben oder ermordeten. 70 ihrer Nachfahrinnen und Nachfahren sind nun in der Stadt zusammengekommen. Das führt zu Tränen – und zu einigen Überraschungen.
SZ MagazinJudenverfolgung
:Wie ein geraubter Silberlöffel zu einer jüdischen Familie zurückkam
Das Münchner Stadtmuseum war seit der NS-Zeit in Besitz einer Schöpfkelle, die dem ermordeten Juden Justin Gerstle gehörte. Doch ihn zurückzugeben, ist nicht leicht – weder für das Museum noch für die Nachfahren.
Podcast: „Auf den Punkt“
:Warum waren Opa und Uroma Nazis, Götz Aly?
8,5 Millionen Deutsche waren NSDAP-Mitglieder. Weil sie klar davon profitiert haben, sagt der Historiker Götz Aly.
NS-Verbrechen
:Sie hat den Aufstand im Warschauer Ghetto überlebt
Krystyna Budnicka ist elf Jahre alt, als die Menschen sich am 19. April 1943 erheben gegen die deutschen Besatzer. Heute, mit fast 94 Jahren, ist sie eine der Letzten, die von damals berichten können.
Nach Anschlag in München
:Israelfeindliche Gruppen rufen zu Gewalt auf – am jüdischen Gedenktag für die Opfer der Shoah
Vor dem israelischen Generalkonsulat werden am Montag Intifada-Rufe skandiert. An der Fassade der LMU hängt eine Netanjahu-Puppe am Galgen. Die Polizei ermittelt – und hat erste Erkenntnisse zum Anschlag vom Freitag.
Weltklasse-Klarinettistin Sharon Kam
:„Ich kann nicht lernen, plötzlich Angst zu haben“
Sharon Kams Großeltern haben die Shoah überlebt. Die gebürtige Israelin zog in den Neunzigerjahren ins Land der Täter, um einen Deutschen zu heiraten. Heute sagt die Weltklasse-Klarinettistin: „Ich gehöre hierher.“
Holocaust
:Was habt ihr gewusst?
Der Holocaust war auch deshalb möglich, weil sich die deutsche Gesellschaft im Alltag schrittweise daran gewöhnte, dass Juden entrechtet und ermordet wurden. Das dokumentiert eine Berliner Ausstellung. Ein blinder Fleck aber bleibt.
Eggenfelden in Niederbayern
:Holztor mit berühmter Nazi-Parole vor Amt entdeckt
Vor einem Amt taucht ein Holztor mit Nazi-Symbolen und Parolen auf. Die Polizei greift ein – und ermittelt nun wegen Volksverhetzung. Was bislang über die Aktion bekannt ist.
Gedenkkultur
:„Ich habe gar kein Problem mit Kufijas“
Jens-Christian Wagner leitet die Gedenkstätte Buchenwald, wo für den Gedenktag der Befreiung im April propalästinensischer Protest angekündigt ist. Ein Gespräch über die Lehren der Geschichte – und Palästinensertücher in einem ehemaligen KZ.
Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf
:„Achtet auf die Wahrheit. Sie ist die Erste, die verloren geht“
Eva Umlauf war zwei Jahre alt, als man ihr in Auschwitz die Häftlingsnummer auf den Unterarm tätowierte. Heute ist die Münchner Psychotherapeutin eine unermüdliche Zeitzeugin, die auch den Kanzler in die Pflicht nimmt. „Genau so fängt es an“ heißt ihr neues Buch.
Gerichtsurteil
:13 Jahre Haft nach Messerattacke am Holocaust-Mahnmal
Ein heute 20-Jähriger hatte im Februar vergangenen Jahres einen Touristen in Berlin lebensgefährlich verletzt. Die Bundesanwaltschaft war von einer antisemitisch motivierten Tat ausgegangen.
SZ MagazinAuschwitz
:»Ich habe meine Nummer lange bedeckt gehalten« – »Ich habe Puder drüber gemacht«
Eva Szepesi und Eva Umlauf kamen als Kinder am selben Tag in Auschwitz an und entgingen der Gaskammer nur knapp. 2016 wurden sie Freundinnen. Ein Gespräch über ihr erstes Treffen, ausgerechnet in einem Zug, über ihr Leben im Land der Täter – und die Frage, wie man ein solches Familientrauma verarbeitet.
Ilse Aichingers „Die größere Hoffnung“ am Staatstheater Nürnberg
:Wie Kinder der Verfolgung trotzen
Wie gut lässt sich Ilse Aichingers Nachkriegsroman „Die größere Hoffnung“ auf die Bühne bringen? Salome Schneebelis Inszenierung wagt als deutsche Erstaufführung am Nürnberger Staatstheater viel – mit Erfolg.
Prozess in Berlin
:„Die Videos haben mich verändert“
Erst verletzte er einen Touristen am Berliner Holocaust-Mahnmal lebensgefährlich mit einem Messer. Dann schwieg er. Aber jetzt beginnt der Täter vor Gericht zu erzählen – von einer Radikalisierung mitten in Deutschland.
Buch zur „Wiedergutmachung“ für NS-Verbrechen
:Versöhnung verpflichtet
Was denken NS-Opfer über die Entschädigungsleistungen aus Deutschland? Darüber war bisher wenig bekannt. Die Interviews zeigen: Vergebung ist möglich, aber dabei geht es um viel mehr als nur Geld.
Prozess um Holocaustleugnung
:38-Jährige wegen Volksverhetzung verurteilt
Eine Frau aus dem Landkreis Dachau verbreitet über Facebook ein Video weiter, in dem der Holocaust als Märchen bezeichnet wird. Vor Gericht wirkt sie teilnahmslos und erklärt, dass sie den Film vielleicht nicht bis zum Ende angeschaut hat. Doch damit kommt sie nicht durch.
Schweizer Banken
:UBS-Kader wegen Nazi-Konten vor US-Senatsausschuss
Ranghohe Nazis hatten offenbar während des Zweiten Weltkriegs und danach Konten auf Schweizer Banken, die die UBS übernommen hat. Die will sich nun gegen finanzielle Forderungen wappnen.
Shoa-Überlebender Roman Haller über Antisemitismus
:„Eigentlich müsste ich längst weg sein“
Roman Haller wurde vor 81 Jahren als jüdisches Kind in einem Bunker in Polen geboren, versteckt von einer Polin und einem Wehrmachtsmajor. Stoff für einen Kino-Film und ein Broadwaystück. In München hat er sich sein Leben aufgebaut. Er liebt diese Stadt. Doch wird er bleiben?
Holocaustgedenken in Ebersberg
:Erinnerung an die Namenlosen
Auf dem alten Ebersberger Friedhof entsteht ein neuer Erinnerungsort: Eine Metallstele nennt sechs Menschen, die dem Nazi-Regime zum Opfer fielen. Recherchiert und initiiert hat das Projekt der frühere Stadtrat Robert Schurer, gestaltet wurde es von Bildhauer Matthias Larasser‑Bergmeister.
Gedenken an den Holocaust
:„So begann es hier in den Dreißigerjahren“
Der Bundestag gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus. Die Rede hält die 87 Jahre alte Tova Friedman. Sie hat als Kind Auschwitz überlebt, und sagt, der Antisemitismus mache ihr heute wieder Angst.
Gedenkveranstaltung in Dachau
:„Ich denke jeden Tag an den Holocaust“
Die Schriftstellerin Dana von Suffrin berichtet beim Gespräch in Dachau, wie sie als jüdisches Kind in die Außenseiterrolle gedrängt wurde und ihre Familie ihre Romane prägt.
Vortrag am Holocaust-Gedenktag in Gräfelfing
:Von der Volksgemeinschaft zur Verbrechensgemeinschaft
Der Historiker Götz Aly geht in Gräfelfing an seiner alten Schule der Frage nach, wie und warum so viele „normale“ Deutsche auf soziale, psychologische und schuldhafte Weise in den NS-Staat integriert waren.
Erinnerungskultur
:„Die KZ-Lager zeigen, dass Massenmord vor der Haustür stattfand“
Damit die Shoah einen Platz im kollektiven Gedächtnis behält, müsse es neue Formen der Erinnerungsarbeit geben, sagt die Präsidentin der Holocaust-Gedenkstättenstiftung und Grünen-Landtagsabgeordnete, Gabriele Triebel.
Literatur
:„Das Böse ist Teil des Menschlichen“
In Marco Balzanos neuem Roman läuft der Protagonist zu den faschistischen Schwarzhemden über. Genannt wird er allerdings „Bambino“. Ein Gespräch über Grenzen, das Böse und die Stadt Triest.
Holocaust-Gedenktag
:Michel Friedman: Juden in Deutschland gefährdet wie lange nicht mehr
„Ich will diese Sätze nicht mehr hören“, sagt der Publizist zu Appellen wie „Nie wieder“. Diese seien sinnlos, wenn im Alltag „der Judenhass explodiert“. Auch andere äußern sich eindringlich.
Gedenkveranstaltung in Dachau
:Drei Kilometer gegen das Vergessen
Beim ersten „March of the Living“ in Dachau legen 500 Menschen die geschichtsträchtige Strecke vom ehemaligen KZ zum Bahnhof zurück. Jugendliche, Politiker und Vertreter der Kultusgemeinde und des Staates Israel finden mahnende Worte gegen Antisemitismus.
Holocaust-Gedenktag
:„Die Überlebenden sind alarmiert“
Die Auschwitz-Überlebende und Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees, Eva Umlauf, ruft beim Holocaust-Gedenktag zur Verteidigung der Demokratie auf.
Holocaust-Gedenktag
:Schmerzhafte Fragen an das „Gedächtnistheater“
Nicht nur am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus offenbart sich: Das „Nie wieder“ ist zu einer Phrase geworden. Die Autorin Susanne Siegert zeigt, wie sich das Gedenken verändern muss.
München
:Antisemitismus-Vorwürfe gegen Villa-Stuck-Künstler
Wenn ein Stück Wassermelone für Diskussionen sorgt: Die israelische Generalkonsulin sieht in einem Exponat der Performance-Gruppe „Chicks on Speed“ die Verherrlichung des Terrors der Hamas.
Holocaust-Gedenktag
:Gedenken am Fürstenfeldbrucker Todesmarsch-Mahnmal
Am Dienstag, 27. Januar, wird an den Todesmarsch von KZ-Häftlingen aus den Lagern Landsberg und Kaufering Ende April 1945 erinnert.
Gedenkstätten
:Weimer fordert härteres Vorgehen gegen KI-Bilder vom Holocaust
Der Kulturstaatsminister sieht die EU-Kommission in der Pflicht, der massenhaften Geschichtsverzerrung in den sozialen Medien den Riegel vorzuschieben.
Erinnern
:Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag
Ein Gottesdienst, eine Konzertlesung und ein Rundgang erinnern am 24. und 25. Januar an die Opfer des Holocaust.
Künstliche Intelligenz
:„Diese Postings entwerten die Arbeit von Gedenkstätten“
Gedenkstätten, Museen und Erinnerungsinitiativen wehren sich gegen Geschichtsverfälschung durch KI-Bilder auf sozialen Medien. Sie appellieren an die Plattformbetreiber, der Flut an Fake-Inhalten endlich Einhalt zu gebieten.
Erinnerungspolitik
:„Die Orte, an denen die Gewalt geplant wurde, liegen in Deutschland“
Sollen deutsche Kolonialverbrechen Thema offiziellen Gedenkens sein? Kulturstaatsminister Wolfram Weimer findet: Nein. Ein Gespräch mit Ibou Coulibaly Diop, der ein Erinnerungskonzept für Berliner entwickelt hat.
Holocaustüberlebende
:Eva Schloss stirbt mit 96 – Freundin und Stiefschwester von Anne Frank
Wie die Familie Frank hatte sich Eva Schloss vor den Nazis in Amsterdam versteckt, wurde verraten und nach Auschwitz deportiert. Bis ins hohe Alter setzte sie sich für Toleranz und Verständigung ein.
Holocaust
:Mein Onkel, der Mörder
Das Foto „Der letzte Jude in Winniza“ ist ein weltbekanntes Zeugnis des Holocaust. Lange wusste man nicht, wer der Mann mit der Waffe ist. Bis ein Ehepaar beschloss, in der eigenen Familie nachzuforschen.
Neuer Bildband
:Wiederentdeckung verfemter Malerinnen
Ingrid von der Dollen beleuchtet 33 Künstlerinnen, die unter dem NS-Regime verfolgt wurden. Ihre Geschichten und Werke sind Teil der beinahe vergessenen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Theater
:Ein Musical als Totentanz
„East Side Story – A German Jewsical“ am Berliner Maxim-Gorki-Theater erzählt von jüdischem Leben in Deutschland nach dem Holocaust. Eine große, böse Show ohne Betroffenheitskitsch.
Erinnerungskultur
:Noch nicht mal mehr verdrängt
In der Nachkriegszeit herrschte Schweigen über die Vernichtung der Juden, jetzt rückt sie in historische Ferne. Der Politikwissenschaftler Jan Gerber fragt, was geschehen musste, damit die Deutschen sich mit der Shoah auseinandersetzen.
SZ MagazinPsychologie
:»Verzeihen ist ein Geschenk, das wir uns selbst machen«
Kaum etwas ist so schwer, wie anderen zu vergeben – und kaum etwas so befreiend. Der US-Psychologe Robert Enright erklärt, welche Kraft in der Vergebung liegt und warum sogar Opfer von Gewalt und Missbrauch den Tätern verzeihen konnten.