Natürlich kann man daheim auf dem Sofa sitzen bleiben. Oder man wagt sich ins Theater und lässt sich erschüttern – manchmal auch anschreien und bespucken. Über die Risiken und Nebenwirkungen einer einzigartigen Live-Kunstform.
Theater
:Endlich richtig ausrasten
In Bochum behindern Zuschauer einen Schauspieler, weil er einen Faschisten spielt. Eine Theaterproduktion ist aber kein ideologisch und politisch abgeschirmter Raum – und soll das auch nicht sein.
Theater
:Könnte tödlich enden
Eine Horrorstory über ein total ziviles Menschenopfer inszeniert Marie Schleef am Schauspiel Essen: Shirley Jacksons Kurzgeschichte „The Lottery“ wird zur Stummfilm-Parabel unreflektierter Konformität.
Theater
:Ganz von dieser Welt
Die Uraufführung von Noah Haidles „Spirit and the Dust“ am Deutschen Theater Berlin tut sich schwer, dem schwachen Stück Leben einzuhauchen – aber zum Glück gibt’s ja noch das tolle Ensemble um Corinna Harfouch.
Intendant der Salzburger Festspiele
:„Ich bin für solche Deals nicht zu haben“
Das Kuratorium der Salzburger Festspiele hat Intendant Hinterhäuser ein Angebot gemacht, wie er im Amt bleiben könnte. Aber nimmt er die Bedingungen an?
Theater
:Der ewige Widerspenstige
Kommunist, Bürgerschreck, Baby Schimmerlos: Franz Xaver Kroetz brillierte schon in vielen Rollen. Seine beste ist immer noch die des Dichters, der ohne das Schreiben nicht leben kann. Eine Verbeugung zum 80. Geburtstag.
Theater
:Wie ein zu langer Abend im Salon
Gegen Ende der Intendanz von Wilfried Schulz will es das Düsseldorfer Schauspielhaus noch mal krachen lassen: „Krieg und Frieden“, inszeniert von Tilmann Köhler, ist ein Ensemble-Spektakel. Aber leider nicht mehr.
Theater
:Hölle mit Wumms
NS-Rituale, Judenhass und Alice Weidel als Bundeskanzlerin: Martin Kušej inszeniert am Schauspiel Stuttgart Thomas Bernhards Altnazi-Groteske „Vor dem Ruhestand“ als düsteren Siegeszug der AfD.
Theater als Debattenraum
:Mehr Dialog, bitte
Das politische Theater ist viel zu selbstgerecht geworden. Anstatt das Publikum mit wohlfeilen Demo-Parolen zu belehren, sollte man es ernst nehmen. Und auch unliebsame Gedanken auf die Bühne bringen.
Theater
:Die schönste Rivalität des Pop
Was ist noch unterhaltsamer als pöbelnde Popstars? Pöbelnde britische Rockstars. Das beweist ein Theaterstück von John Niven über die legendäre Fehde zwischen „Oasis“ und „Blur“.
Fernsehen und Theater
:TV- und Bühnenschauspieler Lambert Hamel ist tot
Der gebürtige Pfälzer war ein bekanntes Fernsehgesicht: Als Bösewicht, Kanzler oder Familienvater – das Publikum mochte ihn. Fünf Jahrzehnte lang stand er in klassischen Stücken auf der Bühne.
Theater
:Von der Bühne gezerrt
„Vollkommen inakzeptabel“: Am Schauspielhaus Bochum greifen zwei Zuschauer einen Schauspieler an – weil er einen Faschisten spielt.
Theater und Politik
:Kann das mehr sein als eine schrille Show?
Am Hamburger Thalia Theater spielen Referenten, Experten und einige Selbstdarsteller drei Tage lang das Für und Wider eines Verbotsverfahrens der AfD durch.
Theater
:Biertrinken ist auch keine Lösung
Am Münchner Residenztheater inszeniert Elsa-Sophie Jach das Stück „Automatenbüffet“ der fast vergessenen Dramatikerin Anna Gmeyner. Ein melancholischer Abgesang auf Geselligkeit in Zeiten des Faschismus.
Theater
:Wie schön das flirrt
Miranda Julys Roman „Auf allen vieren“ ist in den Berliner Sophiensälen zu sehen, mit Fritzi Haberlandt und Meike Droste. Eine Umarmung der Wechseljahre und des Lebens jenseits der 40.
Theater-Ikone
:Die Grabräuber
Der Platz auf dem Friedhof ist knapp, deshalb plante die Stadt Zürich, die Ruhestätte der legendären Schauspielerin Therese Giehse nach 50 Jahren einfach aufzulösen. Bis der Dramatiker Franz Xaver Kroetz eine knurrige Mail schrieb.
Comedy
:Geht ein mieser Typ zum Arzt
Der US-Komiker Louis C. K. stürzte 2018 wegen sexueller Belästigung ab, heute tritt er wieder in den großen und ganz großen Hallen auf. Ein Besuch im Londoner Hammersmith Apollo zeigt, warum.
Theater
:Bring mir den Kopf des Propheten
Michael Thalheimer zeigt „Salome“ an der Berliner Schaubühne, in der rohen Textfassung Einar Schleefs. Das Theater wird zum Menschenschlachthaus.
Theater
:Wer hat in den Rhein gerotzt?
Das Schauspiel Köln zeigt „Dat Wasser vun Kölle es jot“, einen „Krimi mit Musik“ über unbekannte Substanzen im Flusswasser. Dahinter steht eine Recherche von „Correctiv“.
Residenztheater München
:Münchenaustreibung
Ein Ufo landet vor der Staatskanzlei, eine außerirdische Intelligenz sucht nach dem Geist der Utopie. Ersan Mondtag inszeniert Albert Ostermaiers „Munich Machine“ am Münchner Residenztheater.
Theater
:„Die Bühne ist ein gefährlicher Raum, und sie muss gefährlich bleiben“
Ersan Mondtag inszeniert am Münchner Residenztheater „Munich Machine“ von Albert Ostermaier. Ein Gespräch über die coole Uncoolness von München und darüber, warum das Theater kein sicherer Ort sein darf.
Theater
:Töten oder getötet werden
Das Stück der Stunde? Die „Hunger Games“ werden in London zum ersten Mal auf die Bühne gebracht. Was die Jump-and-Run-Dystopie über das Drama unserer Welt zu erzählen hat.
Volksbühne Berlin
:Rasend ratlos und brutal verletzlich
Im Krisenbewusstseinsstrom „Irgendetwas ist passiert“ an der Berliner Volksbühne schwankt Fabian Hinrichs zwischen Liebesschmerz und Apokalypse. Das ist absolut auszeichnungswürdig.
Burgtheater Wien
:Oben Champagner, unten nichts
Endlich mal wieder ein Nestroy am Burgtheater! Das Wiedersehen mit dem Wiener Klassiker macht aber bei der Sozialkomödie „Zu ebener Erde und erster Stock“ wenig Freude.
Film
:Bitte einmal mit den Brustwarzen lächeln
Simon Verhoevens „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ nach Joachim Meyerhoff feiert die Schauspielkunst. Senta Berger brilliert darin als Diva – diese Literaturverfilmung muss man sehen.
Literatur
:Das Würstchen der Wahrheit
Der Dramatiker und Autor Wolfram Lotz wird von seinen Fans geradezu kultisch verehrt, dabei juckt ihn der Kulturbetrieb kaum. Um über sein neues Buch „Träume in Europa“ zu sprechen, öffnet er aber doch die Tür zu seiner Leipziger Plattenbauwohnung.
Tschechows „Möwe“ in Hamburg
:Der Rest vom Fest
Die litauisch-amerikanische Regisseurin Yana Ross inszeniert in Hamburg Tschechows „Möwe“ als allzu heitere Aftershow-Party des missglückten Lebens. Aber Bettina Stuckys Auftritt ist ein Ereignis.
Ballett
:Die Nemesis des Schwanenkönigs
Toxische Männlichkeit total in Hannover, gefeiert mit Standing Ovations: Goyo Montero erfindet eine Art Prequel für Tschaikowskys „Schwanensee“, eine Vorgeschichte der Gewalt.
75 Jahre Neues Münchner Residenztheater
:„Was Sie hier haben, ist kein Luxus“
Odile Gakire Katese ist Künstlerische Leiterin der Compagnie Professional Dreamers in Ruanda und weltweit auf Tour. Ein schwärmerischer Gruß zum 75. Jahrestag der Wiedereröffnung des Münchner Residenztheaters.
Theater
:Was ist das denn, das unter diesem Schweigen wuchert?
Alexander Eisenachs Inszenierung von Jenny Erpenbecks Romanerfolg „Heimsuchung“ am Deutschen Theater Berlin gerät leider arg unfreiwillig komisch.
Residenztheater München
:Sterben, diese Sonderrealität
Lisa Stiegler inszeniert Simone de Beauvoirs autobiografischen Klassiker „Ein sanfter Tod“: ein Kammerspiel zwischen Mutter und Töchtern am Lebensende, gütig und gnadenlos.
Theater
:Wie die Beatles am Bühnenrand
Vor 60 Jahren schrieb Claus Peymann mit seiner skandalumwitterten Uraufführung von Peter Handkes „Publikumsbeschimpfung“ Theatergeschichte. Jetzt hat es das Schauspiel Frankfurt wieder im Programm.
75 Jahre Neues Residenztheater
:Lasst uns die Wahrheit erkennen
Mehr als jede andere Kunst stellt das Theater die Frage: Worin besteht das Wesen der Realität, die unsere Augen sehen? Genau deshalb brauchen wir es so dringend in diesen trüben Zeiten.
Film
:Weinen oder nicht weinen, das ist hier die Frage
Das Drama „Hamnet“ über den Tod von William Shakespeares kleinem Sohn gehört zu den wichtigsten Filmen der Oscar-Saison. Es bringt ganze Kinosäle zum Heulen. Ist das Manipulation oder große Kunst?
Zum Tod von Bernd Wilms
:Er brachte Schauspieler und Regisseure zum Leuchten
Kein Theatermachtmensch, sondern ein unaufgeregter, menschenfreundlicher Intellektueller: Nachruf auf den leisen, feinen Intendanten Bernd Wilms.
Theater
:Sex versus Sorgerecht
Wie radikal kann eine Frau und Mutter aus ihrem Leben aussteigen? Die Münchner Kammerspiele adaptieren Constance Debrés Roman „Love me tender“ für die Bühne und machen daraus einen furiosen Drei-Königinnen-Abend.
Theater
:Bei diesen Traumapatienten hilft keine Therapie
Tragödie als Kinderspiel samt Geschlechtertausch: Johan Simons inszeniert „Antigone“ am Berliner Ensemble. Ein Sprachkunstwerk mit Starbesetzung.
Theater
:Countdown zum Mord
Alle zehn Minuten wird irgendwo auf der Welt eine Frau vom Partner oder von Verwandten umgebracht. Am Theater Oberhausen untersucht Nele Schillo das Phänomen Femizid – stimmig und angemessen im Drama „Staubfrau“.
Kino
:Wer nicht lacht, wird gegrillt
Ein Tennisverein zankt um politische Korrektheit zwischen Würsten und Koteletts, Hape Kerkeling installiert sich als bürgerlicher Möchtegerndiktator. Die Komödie „Extrawurst“ von Marcus H. Rosenmüller macht überraschend gute Laune.
Theatertreffen
:Die zehn abgründigsten Abende des Jahres
Die Münchner Kammerspiele sind mit gleich zwei Inszenierungen zum Berliner Theatertreffen eingeladen: Das Festival im Mai zeigt, was in den vergangenen Monaten aufregend war auf deutschsprachigen Bühnen. Und startet mit Selbstermutigung.
Theater
:Nichts ist klar, Herr Kommissar
Das Münchner Residenztheater bringt knappe Gerichtsreportagen von Yasmina Reza als szenische Lesung mit Juliane Köhler und Felix Klare auf die Bühne. Wer Urteile sehen will, ist hier falsch, wem es um Mitgefühl geht, genau richtig.
Graphic Novel
:Faust trägt jetzt einen Judenstern
Drei Comics erzählen Theaterstoffe neu: „Die Dreigroschenoper“, „Faust“ und ein Buch über die Münchner Schauspielerin Therese Giehse. Für Puristen ist das nichts – aber sie machen die Schauspielkunst greifbar.
Kabarett
:„Ich war nie sonderlich ambitioniert, das ist alles eher so geschehen“
Ein halbes Jahrhundert lang trat Gerhard Polt an den Münchner Kammerspielen auf. Aber wie fand er zum Kabarett und später in die Hochkultur? Die große Bilanz einer Karriere, die als Mitesser begann und nun mit einer einsamen Suppe endet.
Ukraine
:Eine neue Bühne für die Invasoren
Das zerbombte Theater von Mariupol wurde wiedereröffnet – nun unter Leitung der Besatzer. Bilder von einem Ort, der wie kein Zweiter für die Grausamkeit des russischen Krieges steht.
Wien
:Es knarzt, kreischt und wackelt
Im Wiener Burgtheater kommt man derzeit den Deckengemälden von Gustav Klimt über ein Baugerüst ganz nah. Was sich dort oben neben nahezu antiken Bierflaschen alles entdecken lässt.
Literatur
:Eine Übung darin, die Dinge des Lebens ruhig geschehen zu lassen
In Jon Fosses Roman „Vaim“ bringt eine Frau zwei schweigsame Junggesellen aus der Fassung. Gemessen am melancholischen Gesamtwerk des Literaturnobelpreisträgers ist er direkt lustig.
Theater
:Hört man Reichsbürgersound?
Pathos bis zum Anschlag, Gewalt und Verrohung: Geht Schillers Drama „Die Räuber“ auf Bühnen von heute noch? Claudia Bossard macht am Deutschen Theater Berlin aus den Figuren einsame Ego-Shooter.
Theater
:Ein Musical als Totentanz
„East Side Story – A German Jewsical“ am Berliner Maxim-Gorki-Theater erzählt von jüdischem Leben in Deutschland nach dem Holocaust. Eine große, böse Show ohne Betroffenheitskitsch.
Theater
:In Goebbels’ Vorzimmer
Andrea Breth inszeniert am Wiener Theater in der Josefstadt etwas harmlos einen Monolog über eine, die kaum etwas mitbekommen haben will: die Sekretärin des Propagandaministers Joseph Goebbels.
Kulturpolitik
:Jetzt geht es ans Eingemachte
In Stuttgart und München protestieren Theater und andere Kultureinrichtungen gegen drohende Etatkürzungen, auch in weiteren Städten fehlt da Geld. Die Verantwortlichen stehen vor der schier unlösbaren Ausgabe: Wo soll künftig gespart werden?