Die Münchner Kammerspiele widmen sich in einer Revue dem jüdischen Überleben in Deutschland. „Play Auerbach!“ ist ein Wurf – lustig, schräg und bitter.
Schaubühne Berlin
:Lügen, Liebe und Intrigen
Heiratet ein Jude eine Nicht-Jüdin: So könnte ein netter Witz beginnen. In der Komödie „Sabotage“ an der Berliner Schaubühne kommt die Regisseurin Yael Ronen aber nicht über nett hinaus.
Theater
:„ich bin nur code / ich bin nicht kolonial“
In Thomas Köcks Stück „KI essen Seele auf“ kommt die künstliche Intelligenz selbst zu Wort – als gefräßiges Datenmonster. Bei der Uraufführung in Stuttgart trumpfen drei furiose Cyber-Hexen auf.
Rassismus im Theater
:Ist „Othello“ überhaupt noch spielbar?
Das Hamburger Schauspielhaus hat Bilder historischer Inszenierungen gezeigt, in denen Blackfacing vorkam – und musste sich entschuldigen. Sensibilität ist gut, aber sie sollte ungerechte Strukturen treffen, nicht einzelne Stücke und Künstler.
Theater
:„Es dübelt der Dübel …“
Kandidat für den Wolfram-Weimer-Literaturpreis für erotische Lyrik: Anita Vulesica inszeniert in Berlin Stanisław Lems „Eine Minute der Menschheit“ in daueraufgekratzter Penetranz-Tonlage.
Theater
:Totenmesse fürs kölsche Chaos
Wie man aus dem Elend der Kölner Stadtplanung großartiges Theater macht: Anna-Sophie Mahlers „Requiem für eine marode Brücke“ als Event-Abend im Kolumba-Museum.
Nachruf
:Der kluge Spieler
Er brachte große Ideen auf die Bühne – und wurde noch berühmter, als er ein Theaterthema für Hollywood adaptierte: Nachruf auf den Dramatiker Tom Stoppard, der für das Drehbuch von „Shakespeare in Love“ einen Oscar gewann.
Theater
:Ihr Körper, ihre Freiheit
Kleists „Der zerbrochne Krug“ wird gerade überall gespielt, das Stück steht auf dem Lehrplan. Gibt es auch künstlerisch Neues zu sagen? Am Münchner Residenztheater zeigt Regisseurin Mateja Koležnik: Unbedingt.
Maxim-Gorki-Theater Berlin
:Das oft aufregendste Theater der Stadt
Nach zwölf Jahren hört Intendantin Shermin Langhoff auf. Wie das Berliner Gorki-Theater die deutsche Bühnenlandschaft verändert hat.
Berliner Kulturhaushalt
:Kommt Kunst von Kohle?
Warum Subventionen womöglich doch nicht das richtige Mittel sind, um die Kultur in der Hauptstadt auf Vordermann zu bringen.
Berliner Schaubühne
:Berufsrisiko: 40 werden
Falk Richters neues Stück „Hannah Zabrisky tritt nicht auf“ an der Berliner Schaubühne ist eine Komödie über eine alternde Schauspielerin. Lustig, aber leider auch nah an der Realität.
Nicholas Ofczarek als Richard III. in Wien
:Unser liebster Massenmörder
Shakespeares „Richard III.“ ist eines der blutigsten Stücke der Theatergeschichte. An der Wiener Burg zeigt Nicholas Ofczarek den Tyrannen jetzt als verwahrlostes Monster. Was sagt das über die Weltlage?
Münchner Kammerspiele
:Ist das lustig? Und wie
Das Theaterkollektiv „Frankfurter Hauptschule“ inszeniert an den Münchner Kammerspielen das aberwitzige Stück „2x241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger“. Das ist Diskursgewitter, aber alle sind bestens gelaunt.
Theater
:Die Moralbrüder morden wieder
Das Hamburger Schauspielhaus zeigt den oft inszenierten Roman „Das große Heft“ von Ágota Kristóf. Regisseurin Karin Henkel verhandelt die Frage, ob zwei Mörder Helden der Ethik sein können – oder doch nur schnöde Verbrecher sind.
Theater
:Der Krieg kann uns mal
Stas Zhyrkov ist der einzige ukrainische Regisseur im Exil, der an den großen deutschen Bühnen inszeniert. Nachdem er immer wieder Stücke über sein Heimatland gemacht hat, adaptiert er nun Saša Stanišićs Roman „Herkunft“ für das Berliner Ensemble. Eine Begegnung.
Theater
:Terror, die melodramatische Version
Das Schauspiel Köln adaptiert Emmanuel Carrères Reportage „V13“ über die islamistischen Anschläge in Paris. Dabei geht genau das verloren, was das Buch so erschütternd macht.
Marbacher Schillerrede 2025
:Eine Krankheit namens Eigenlob
Donald Trump zersetzt die Moral und stürzt die Welt ins Chaos. Dabei erinnert er an King Lear aus Shakespeares Drama – die Willkürherrschaft beider Männer gründet in den gestörten Verhältnissen zu ihren Egos.
Konzerttickets
:„Dann crashte die Seite“
Früher stellte man sich in die Warteschlange, heute scheitert man im Online-Presale: Warum sind zurzeit alle Konzerte immer gleich ausverkauft? Auf der Spur eines existenziellen Elends, am Beispiel von „Radiohead“.
Theater
:Ein toller, großer Quatsch
Hier werden Sie nicht belehrt: Antú Romero Nunes’ Inszenierung von „Was ihr wollt“ am Berliner Ensemble ist einfach nur schönstes Spiel.
Theater
:Aber Vater war doch kein Rassist
Am Münchner Volkstheater inszeniert Christian Stückl eine Familienschlacht mit düsterem Hintergrund: „Appropriate (Was sich gehört)“. Gerade ein deutsches Publikum könnte sich ertappt fühlen.
Dieter Dorn wird 90
:Einer wie Zeus
Dieter Dorn wird 90 Jahre alt – 35 davon hat er in München Bühnengeschichte geschrieben, erst an den Kammerspielen, dann am Residenztheater. Es war ein Liebesverhältnis mit dem Publikum.
Theater
:Frauen in der Finsternis
Hannah Arendt und das Verbrechen an Gisèle Pelicot: Zwei Regisseurinnen gelingt am Deutschen Theater Berlin ein kluger Umgang mit schwierigen Stoffen.
Sinalco-Musical
:Eine der besten Musical-Ideen seit Langem
Mit „Das Glück ist eine Orange“ bringt das Landestheater Detmold Industriegeschichte auf die Bühne. Das Stück erzählt vom in der Stadt gegründeten Limonaden-Unternehmen Sinalco, das mal von einem strammen Nazi geleitet wurde.
Theater
:Vampire sind die besseren Menschen
„Vampire’s Mountain“ von Philippe Quesne: Der französische Bühnenromantiker versammelt am Schauspielhaus Hamburg ein Häuflein Untoter zu einem freundlichen Weltabgesang.
Maxi Schafroth
:„Zwischen Gucci, Prada und Chanel steht jetzt ein Güllefass“
In den Münchner Kammerspielen inszeniert er sein erstes eigenes Stück, am Nockherberg ist er rausgeflogen: Der Kabarettist Maxi Schafroth über die erfahrene Kränkung, die wahre Kraft von Theater – und darüber, warum Pumuckl der König des Schabernacks ist.
Kultur
:Ein Theater ruft um Hilfe
Im Rambazamba in Berlin machen Menschen mit Behinderung tolles, anarchisches Theater. Jetzt geht das Geld aus – und prominente Unterstützer von Bela B bis Nina Hoss kämpfen um den Erhalt.
Theaterfestival „Spielart“
:Die Welt an der Angel
Indigene Rituale, heilige Kühe und ein dicker Wal: Das „Spielart“-Festival in München zeigt Theater aus dem globalen Süden – und es macht Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Theater
:Ein weiterer Grund für die AfD, das Gorki zu hassen
Das Berliner Theater feiert die sexpositive Exzess-Königin Anita Berber. „Androgynous“ ist große Kunst: mit Glam, queerem Stolz, Wahrheit und Melancholie.
Harald Schmidt
:Beim Schweiß von Lars Klingbeil
Harald Schmidt macht jetzt Late-Night auf der Bühne, sein Sidekick ist der fränkische Kabarettist Volker Heißmann. Über einen sehr vergnüglichen Abend im Münchner Residenztheater.
„Lapidarium“ von Rainald Goetz
:Siehe da, lauter bekannte Namen
Die Uraufführung von Rainald Goetz’ „Lapidarium“ am Münchner Residenztheater ist eine assoziative Namedropping-Veranstaltung, der trotz Helmut Dietl und Franz Xaver Kroetz das Lokalkolorit fehlt.
Theater
:Blöde Blödelei über das Böse
Ein katastrophaler Abend am Thalia-Theater in Hamburg mit Corinna Harfouch verhebt sich an der Philosophin Hannah Arendt und lässt den Holocaust aussehen wie eine Komödie.
Theater
:Der Vater, die Tochter, der Dreck
Wiebke Puls bringt Anne Paulys Roman „Bevor ich es vergesse“ auf die Bühne der Münchner Kammerspiele. Das schlägt durch ins tiefste Innere.
Theater
:Der Countdown läuft
Raphaela Bardutzky ist neue Hausautorin am Staatsschauspiel Nürnberg. In ihrem Stück „74 Minuten“ denken die Schauspieler über die Zeit nach. Und geraten dabei mitunter selbst in Hektik.
Münchner Kammerspiele
:Ist der Mensch größer als der Krieg?
Wagner-Söldner, Koch-Show und sehr viel Schiller: Die Münchner Kammerspiele eröffnen mit einem in jeder Hinsicht überbordenden „Wallenstein“. Und enden mit einer kleinen Hoffnung.
Theater
:Sogar ein bisschen Shakespeare
Am Schauspielhaus Hamburg zitiert Frank Castorf genüsslich sich selbst und bewahrt seine Kunst einmal mehr vor radikaler Neuerfindung. „Hamlet“ ist ein gewohnt souveräner stundenlanger Wahnsinn.
Theaterfestival
:Komm, schieß mit mir!
Veteranen-Elend, Fußball mit dem Feind und ein Film über die Wiederbewaffnung: Das Mannheimer „Wunder der Prärie“-Festival mit dem Titel „Theaters of War(s)“ zeigt, wie Kunst auf den Krieg reagiert.
Theater
:Wie rechte Gesinnung im Netz normalisiert wird
Toxische Selbstoptimierung: Die Berliner Theatergruppe „Polyformers“ entlarvt mit ihrem neuen Stück „Radikal jung“ die subtilen Techniken von AfD-nahen Influencern.
Fehlurteile der Kritik
:Täuschen tut sich der nie? Nie!
Kulturjournalisten und Publikum sind sich nicht immer einig in ihrem Urteil. Zum Glück.
80 Jahre Kritik
:Analog und wunderbar
Mit Stift und Block in die Premiere: Warum die Opern- und Theaterkritiker fast schon selbst zu den Klassikern zählen.
Köln
:Die Oper kütt!
Als annähernd letzte Amtshandlung kündigt die scheidende Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker für kommenden September die Wiedereröffnung der sanierten Kölner Bühnen an – nach bisher 13 Jahren Bauzeit und einer beispiellosen Kostenexplosion.
Theater
:Das Grauen des Holocaust im Plenarsaal
Das Schauspiel Stuttgart zeigt Peter Weiss’ erschütterndes Sprechoratorium „Die Ermittlung“ im Stuttgarter Landtag. Selten war die Aufmerksamkeit im Theater so hoch wie hier.
Theater
:Stell dir vor, es kippt
Kay Voges eröffnet seine Intendanz am Schauspiel Köln mit „Imagine“, einer Uraufführung, basierend auf dem Lennon-Lied. Hoffnung versprechen hier aber nur psychedelische Pilze.
Theater
:Herr K. darf sich geehrt fühlen
Frank Kafka und seine Albträume als Entertainment-Show, mit jüdischem Vaudeville und verjazzter Musik? Barrie Kosky gelingt das am Berliner Ensemble mit seiner Revue „K.“.
Residenztheater München
:Wie der Horror in den Alltag sickert
In dem Roman „Nach Mitternacht“ schaut Irmgard Keun den Leuten in Nazideutschland aufs Maul. Cosmea Spelleken inszeniert den bitterbösen Text nun unaufgeregt am Münchner Residenztheater.
Theater
:Der Bierkrug ist groß, die Liebe ist hin
Auf geht’s zum Oktoberfest: Barbara Frey inszeniert am Residenztheater Horváths „Kasimir und Karoline“ als Nachtschattentraum mit tollen Schauspielern.
Theater
:Ulrich Matthes müht sich ab
Ayad Akthars „Der Fall McNeal“ am Deutschen Theater Berlin handelt von Kreativität und Künstlicher Intelligenz, wirkt aber selbst wie von sehr schlichter KI erstellt.
Theater
:Gelebter Größenwahn
Totaltheater: Ida Müller und Vegard Vinge bohren sich an der Berliner Volksbühne in Ibsens „Peer Gynt“ und den Kopf der Titelfigur. Acht Stunden lang.
Theater
:Alles nicht so schlimm
Selten war eine Dystopie so freundlich versponnen: Vage inspiriert von Ödön von Horváth inszeniert der deutsch-koreanische Autor und Regisseur Bonn Park am Münchner Volkstheater „Glaube Liebe Roboter“.
Theater
:Was, wenn wir Brücken bauten?
Yousef Sweid zeigt am Berliner Gorki-Theater den womöglich kuscheligsten Abend über den Nahen Osten, den deutsche Bühnen zu bieten haben. Wie macht er das?
Abschied von Claus Peymann
:Fast meinte man, ihn glucksen zu hören
Das Wiener Burgtheater verabschiedet seinen langjährigen Intendanten Claus Peymann mit einer besonderen Trauerfeier. Eindrücke von der Heiligsprechung eines Theaterzampanos.