Marion Blomeyer ist eine preisgekrönte Buchgestalterin. Wie lenkt man im visuellen Überfluss der Gegenwart die Aufmerksamkeit überhaupt noch auf Literatur? Ein Besuch.
Frankfurter Buchmesse
:Viel Starpower, wenig Politik
Großer Publikumsandrang und viel Harmonie trotz fragwürdiger kulinarischer Versorgungslage – sieht man mal vom Konflikt zwischen Anspruch und Kommerz ab: So war die diesjährige Frankfurter Buchmesse.
Frankfurter Buchmesse
:Er kämpft gegen das Schweigen
Der Schriftsteller und Jurist Philippe Sands erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seiner Dankesrede kritisiert er die Bundesregierung scharf für ihre Israel-Politik.
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
:Völkerrechtsanwalt Philippe Sands kritisiert Deutschlands Umgang mit Israel
Als Völkerrechtler setzt er sich für internationale Gerechtigkeit ein, als Sachbuchautor ist Sands einem breiten Publikum bekannt geworden. Mit der Preisübergabe endet die Frankfurter Buchmesse.
SZ Live
:Haben wir das Streiten verlernt?
Jetzt live von der Frankfurter Buchmesse: Saba-Nur Cheema und Meron Mendel im Gespräch mit Detlef Esslinger über die größte Herausforderung unserer Zeit: sich konstruktiv auseinanderzusetzen.
Podcast „Auf den Punkt“
:Retten Romance-Bücher den Buchmarkt?
Weniger Bücher, weniger Leserinnen und Leser – der deutsche Buchmarkt steckt in der Krise. Und jetzt?
Frankfurter Buchmesse
:Die Bubble wird größer
Thomas Sachsenmaier aka @thomas_bookclub ist der erste Social-Media-Creator, der den Julius-Campe-Preis für Literaturkritik gewinnt. Das Feuilleton ist nicht sein Feind. Auch wenn Laudator Sebastian Fitzek das behauptet.
Moritz von Uslar
:Bumm, Bumm, heavy denking
Seit Jahrzehnten beackert der Schriftsteller Moritz von Uslar das, was viele andere Autoren nicht sehen – genau, schnell, todkomisch. Ein Besuch bei ihm daheim, zwischen wirklich vielen Bäumen in Oberfranken.
Friedenspreisträger Philippe Sands
:„Deutschland steht zunehmend einsam da“
Der Jurist und Schriftsteller Philippe Sands über Palästina, Deutschland – und die Frage, was hilft, wenn ihm angesichts der Skrupellosigkeit der Mächtigen dunkle Gedanken kommen.
Literaturnobelpreis
:„Damit hatte ich nicht mehr gerechnet“
Marie Luise Knott übersetzt seit vielen Jahren Lyrik und Prosa der frisch gekürten Nobelpreisträgerin Anne Carson. Wohl niemand kann besser erklären: Was macht die Autorin so besonders?
Frankfurter Buchmesse
:Wie alt soll er bitte schön sein?
Der große deutsche Liedermacher Wolf Biermann liefert zum Auftakt seiner Lesetour mit fast 90 Jahren eine beeindruckende Show. Reportage eines Feuerwerks der Alleinunterhaltung.
Nobelpreis
:Poesie mit Saltos, Hüpfern und Sprüngen
Anne Carson mit dem Literaturnobelpreis auszuzeichnen, ist eine mutige Wahl. Sie ist eine Autorin, die sich im Niemandsland zwischen den vertrauten Formen des Schreibens bewegt. Warum es sich gerade deshalb lohnt, ihr Werk zu entdecken.
Literatur
:„Jeder kann Schriftsteller werden, aber man muss etwas dafür tun“
Die Amerikanerin Bonnie Garmus landete mit ihrem Debüt „Eine Frage der Chemie“ aus dem Stand einen Weltbestseller. Wie es dazu kam, erzählt sie im Gespräch. Und warum es die Poesie ist, die aus ihrer Nische heraus die Welt rettet.
Kinderbücher
:Land der Märchen und Träumchen
Um Grenzen und Konventionen kümmern diese Bücher sich kein bisschen: die neueste Kinder- und Jugendliteratur aus Tschechien, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse.
Literatur
:Dann der Knall
In „Das tickende Herz“ schickt Lutz Seiler seinen Berliner Helden in die kasachische Steppe. Zu Schamanen. Das ist sprühend, abgründig, gewaltig. Aber ist diese Fantasie zu groß für einen Roman?
Sachbuch
:Monument im Sturm der Öffentlichkeit
Franz Walter hat zum hundertsten Geburtstag ein meisterhaftes Porträt des Hitler-Biografen und FAZ-Herausgebers Joachim Fest geschrieben. Es ist auch eine eindrückliche Erinnerung daran, welchen Glanz es haben konnte, liberal-konservativ zu sein.
Frankfurter Buchmesse
:Nicht ausgebuht ist genug beklatscht
Bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse bekommt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zwar keinen großen Applaus. Aber immerhin wird er nicht vom Publikum beschimpft wie sein Amtskollege aus dem Gastland Tschechien.
Literatur
:Denen man doch vergibt
Zwei Familien im Herzland der USA, erzählt über Generationen: Patrick Ryans Roman „Buckeye“ ist sentimental und hat Ambitionen in Richtung „Great American Novel“. Löst er das Versprechen ein?
Buchmessen-Gastland Tschechien
:Eine Warnung für die Gegenwart
Und die Mehrheit hörte Karel Gott: Fast vergessene Romane aus der deutschsprachigen Literatur der Zwischen- und Nachkriegszeit Tschechiens erzählen von Anpassung und Widerstand. Eine Neu-Lektüre lohnt unbedingt.
Debatte
:Es ist nie vorbei
Endlose Kriege, permanente Bedrohungen und neue Ängste: Warum der 7. Oktober in Israel zu einer Geisteshaltung zu werden droht.
Nachruf auf Jeffrey Archer
:„Ich hatte ein gutes Leben, vielen Dank“
Die britischen Medien nannten ihn Hochstapler, Flaneur oder Frauenliebling, eine politische Karriere scheiterte an einem Meineid – seinem Erfolg als Bestsellerautor tat das keinen Abbruch: Jeffrey Archer ist im Alter von 86 Jahren gestorben.
Literatur
:Shida Bazyar gewinnt den Deutschen Buchpreis
Ihr Roman „Die Lücken“ ist zum besten Roman des Jahres gekürt worden. Eine gute Wahl.
Literatur
:Wer bekommt den Deutschen Buchpreis?
Die Preisverleihung ist am heutigen Montag, dem Tag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Diese sechs Romane können gewinnen.
Interview
:„Wir automatisieren uns gegenseitig weg“
Der Oxford-Professor Maximilian Kasy über richtige und falsche Furcht vor künstlicher Intelligenz – und die Frage, warum uns nicht egal sein sollte, wie die Technologie wirklich funktioniert.
Literatur
:Wer will denn die Unsterblichkeit?
Valeria Gordeevs Debütroman „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ ist genial und größenwahnsinnig – und ein Kandidat für den Deutschen Buchpreis.
Literatur
:Hey Nachbar, wie geht’s?
Eine Reise durch das Literaturland Tschechien, das in diesem Jahr Gast der Frankfurter Buchmesse ist: Zu Autorinnen und Autoren wie Jáchym Topol und Alice Horáčková, die mit Witz und Hartnäckigkeit an alten Tabus rütteln.
Serien
:Das ganze Land liebt einen Roman
Der Roman „Die Puppe“ von Bolesław Prus ist der große Klassiker der polnischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Gerade erlebt er eine enorme Renaissance: als Netflix-Serie, als Kino-Verfilmung und als deutsche Neuübersetzung.
Film
:Wer ist denn das Sensibelchen?
Sylvester Stallone erzählt den ersten Teil seiner Lebensgeschichte und zeigt, wie es zu seiner größten Schöpfung kam – ihm selbst.
Literatur
:Schwärmen, das ist’s!
Der Historiker Jens Nordalm, Redenschreiber bei Friedrich Merz, legt einen Essayband vor. „Deutschland – Das unterschätzte Land“ ist mehr Best-of-Liste der Vergangenheit als historische Erkenntnissuche.
Literatur
:Die Bücher des Herbstes
Energische Frauen, psychologische Tiefenbohrungen und ein Liebesbrief an Europa: Zehn Bücher, mit denen man es sich gemütlich machen kann.
Buchhandlungspreis
:„Es wird empfohlen, dem Votum der Jury zu folgen“
Laut einem Bericht hatten Wolfram Weimers eigene Beamten keine Bedenken, die drei linken Buchhandlungen auszuzeichnen. Das widerspricht der Darstellung des Kulturstaatsministers.
Hörbuch
:Eine Frau hat das Warten satt
Als Odysseus endlich aus Troja heimkehrt, bricht seine Frau zu einem Abenteuer auf: Ulrike Draesner liest in treibendem Rhythmus „penelopes sch()iff“, ihr Sequel zum Epos, als Hörbuch ein.
Sachbuch
:Notorisch neugierig
Der Journalist Michael Pollan wurde mit Sachbüchern über Ernährung und psychedelische Drogen weltberühmt. An seine Grenzen kam er, als er herausfinden wollte, was das menschliche Bewusstsein ist. Eine Begegnung mit Mann und Werk.
Literatur
:Bitte sprechen Sie nach dem Doppelpunkt
In seinem Audio-Verlag Supposé hat Klaus Sander große Porträts geschaffen, etwa von Dieter Wellershoff und Peter Kurzeck. Dass sie jetzt als prächtige Bücher erscheinen, hat mit den Grenzen des Hörbuchmarktes zu tun.
Literatur
:Etwas Schönes konnte geschehen
Eine junge Frau sucht sich selbst – und findet ihre vor Jahren verschwundene Mutter. Leh-Wei Liao erzählt in ihrem Debütroman „Glaszeit“ von einem Leben, in dem es keine Sicherheit gibt.
Literatur
:Zerfaserland
In seinem Debütroman „Zweifelssohn“ schickt Max Czollek sein gequältes Alter Ego auf von Wien nach Rügen – stark angelehnt an Christian Kracht.
Sachbuch
:Gegen die autoritäre Wende
Bald auch hier ein überlebensnotwendiges Handbuch? Der amerikanische Autor Gal Beckerman liefert in „Wie man Dissident wird“ das geistige Rüstzeug zum Widerstand – und warnt vor emotionaler Abstumpfung.
Sachbuch
:Besser Plaudern
Warum sind wir eigentlich so schlecht in etwas, das wir ständig tun? Die Harvard-Professorin Alison Wood Brooks hat erforscht, wie wirklich gute Gespräche gelingen, und behauptet, dass es jeder lernen kann.
Literatur
:Trittst du mich, dann tret’ ich dich
Lauren Groff gehört zu den stärksten Autorinnen der USA. In dem Kurzgeschichtenband „Raufbold“ erzählt sie von widerständigen Frauen und der ewigen Angst, zurückgelassen zu werden.
Sachbuch
:Geradezu sozialliberal
Franca Lehfeldt war Chefreporterin bei RTL und Springer. Dann heiratete sie den damaligen FDP-Chef und Finanzminister Christian Lindner. Jetzt hat sie ein Buch über Mutterschaft geschrieben, das erstaunlich selbstverständlich feministisch ist.
Literatur
:Das Wunder von Harlem
Gemessen an seinen Auszeichnungen ist Colson Whitehead der bedeutendste lebende Autor der USA. Jetzt hat er eine monumentale Trilogie abgeschlossen, die von Amerikas feierlichem Selbstverständnis nicht viel übrig lässt.
Künstliche Intelligenz und Politik
:„Wie wir früher Informationen erhalten haben, war besser für uns als Menschen“
Die amerikanische Star-Historikerin Jill Lepore über die menschliche Urangst, von Maschinen beherrscht zu werden – und die Frage, ob es nun tatsächlich so weit gekommen ist.
Sachbuch
:Sei nicht du selbst
Authentizität sei der Schlüssel zum Erfolg, heißt es gern. Der Psychologe Steve Ayan erzählt in „Die Revolutionäre des Ich“ eine andere Geschichte.
Sachbuch
:Der gefährdete Glücksfall
Timothy Garton Ashs neues Buch ist eine große, nachdenkliche Liebeserklärung an Europa. Nur ganz manchmal liest sie sich fast wie ein Abschiedsbrief.
Neuer Roman von Christoph Kramer
:Er meint es ernst
Mit seinem zweiten Roman „Wolkenberührpunkt“ will der Schriftsteller Christoph Kramer sich von seinem prominenten Fußballernamen lösen. Begegnung mit einem Schreibprofi.
Graphic Novel
:Nur den Vögeln kann man vertrauen
Nichts ist so, wie es scheint in Jade Khoos Graphic Novel „Erde oder Mond“. Ihre Erzählung über eine nur scheinbar idyllische „grüne“ Utopie ist so intim wie episch – und berauschend schön gezeichnet.
Kinderbuch
:Der Wolf wird sich umgucken
In seinem ersten, fantastischen Comic „Ganz schön mutig!“ lässt der „Hasenkind“-Schöpfer Jörg Mühle drei süße Tiere auf den bösen Wolf los. Hat der eine Chance?
Literatur
:Die Zukunft ist golden
Unsichere Zeiten für Bücher: Immer weniger Menschen lesen, aber viele wollen schreiben. Trotzdem finden junge Menschen den Mut, ihren ersten Roman zu veröffentlichen. Zehn Begegnungen mit dem starken Debütjahrgang 2026.
Literatur
:Alle Macht dem Lurch
Diesen Klassiker aus dem Buchmessen-Gastland Tschechien muss man gelesen haben: In einer glänzenden neuen Übersetzung ist Karel Čapeks „Der Krieg mit den Molchen“ eine Warnung. Und ein Riesenspaß.
Sachbuch
:Sieben Gründe, warum Putin mit dem Krieg vorerst nicht aufhören wird
Der Osteuropa-Experte Martin Schulze Wessel beschreibt russische Geschichte als Geschichte der Expansion.