Julian Barnes hat mit seinen Romanen verändert, was im literarischen Erzählen möglich ist. Jetzt leidet der Brite unter einer seltenen Krankheit, sein Buch „Abschied(e)“ soll ein „letztes Gespräch“ mit den Lesern sein. Zeit für ein paar Worte davor.
Literatur
:Manche Dinge sagt man nicht in der Öffentlichkeit
In Frankreich gehört die Schriftstellerin Leïla Slimani seit Jahren zu den wichtigsten und beliebtesten Frauen des Landes. Mit dem Roman „Trag das Feuer weiter“ schließt sie jetzt ihre große franko-marokkanische Familientrilogie ab.
Nachruf
:Vom Sinn des Lebens
Mit seiner Figur Dilbert schuf der US-Comiczeichner Scott Adams einen desillusionierten Büromenschen, den Millionen lieben lernten. Am Ende seines Lebens wandelte er sich zum rassistischen Eiferer. Jetzt ist er im Alter von 68 Jahren gestorben.
Nachruf
:Kindskopf, Kommunarde, Bruder
Er war Mitglied der „Kommune 1“ und politischer Abenteurer, und er schrieb gern über Revolutionäre: Ulrich Enzensberger, der letzte der vier Enzensberger-Brüder, ist gestorben.
Literatur
:„Ich kann nicht mit dem Gedanken leben, begnadigt worden zu sein“
Ein Jahr lang saß der Schriftsteller Boualem Sansal in Algerien im Gefängnis. Dann wurde er entlassen – dank deutscher Hilfe. Bei einem Besuch in Berlin holt er schon Schwung für die nächsten Kämpfe.
Sachbuch
:Deutschland, deine Bücher
Was lesen, wenn die Welt verrücktspielt? Der Germanist Steffen Martus erzählt eine unterhaltsame Geschichte der Gegenwart aus der Perspektive erfolgreicher Literatur.
Kulturtipps
:Zum Sehen, zum Lesen, zum Hören
Bewegende Neil-Diamond-Songs in „Sing Sung Blue“, Tessniem Kadiris hinreißendes Buch über eine Vater-Tochter-Beziehung und die Serie „Die Jahreszeiten“ über eine Dreiecksliebesbeziehung. Neun Kulturtipps für ein entspanntes Wochenende.
Literatur
:Depressionen, Revolutionen und zügelloser Sex
Die türkische Schriftstellerin Tezer Özlü starb 1986 mit nur 42 Jahren. Jetzt wird ihr Werk groß wiederentdeckt. Es ist nicht weniger als moderne europäische Literatur.
Literatur
:Der weise Mann von Montagnola
Am Ende seines Lebens schrieb Hermann Hesse keine Romane mehr, sondern nur noch Briefe. In denen jedoch entfaltet sich ein ganzes Epochenbild.
Sachbuch
:Atemlähmende Wirklichkeit
Auf knapp 1400 Seiten handelt Helmuth Kiesel mit feinem zeithistorischen Gespür die Literaturgeschichte der Nazi-Jahre ab. „Schreiben in finsteren Zeiten“ ist ein Monument.
Sachbuch über Fettfeindlichkeit
:Es geht schon in der Schule los
Die Moralphilosophin Kate Manne hat ein furioses Buch über strukturelle Feindlichkeit der Gesellschaft gegenüber mehrgewichtigen Menschen geschrieben.
Männlichkeit
:Verloren. Einsam. Und ein bisschen mörderisch
Ist der Serienmörder Patrick Bateman aus „American Psycho“ der erste Männlichkeitsinfluencer? Oder bloß ein armer Kerl? Eine Einladung zum Missverständnis, das 2026 aktueller denn je scheint.
Literatur
:Erste in der Ich-Klasse
Sie schrieb das erfolgreichste Debüt seit der „Blechtrommel“ und machte ihren Verleger reich – später wurde bei Brigitte Schwaiger eine Borderline-Störung diagnostiziert, sie galt als schwierig, wurde vergessen. Jetzt ist ihre Wiederentdeckung in voller Blüte, endlich!
USA
:Der gute Rüpel Donald Trump
In „Geraubter Stolz“ unternimmt die Soziologin Arlie Russell Hochschild eine Reise in die konservativste Region Kentuckys. Und erklärt, warum Trumps Strategien hier auf so fruchtbaren Boden treffen.
Graphic Novel
:High Noon mit Oma
In ihrer herrlich grotesken Graphic Novel „Saloon“ erzählt Mia Oberländer von einer eskalierenden Familienfeier. Was das mit Weihnachten und einer veganen Salami zu tun hat.
Memoir
:Sehnsucht nach dem, was hätte sein können
In einem hinreißenden Buch erzählt die Moderatorin Tessniem Kadiri von ihrem Tochterleben zwischen Deutschland und Marokko. Das ist feministisches Schreiben in Bestform.
Bücher des Jahres 2025
:Die Besten der Besten
Schriftstellerinnen und Intellektuelle wie Florence Gaub, Daniel Kehlmann, Elke Heidenreich, Carlo Masala oder Maxim Biller beantworten die Frage: Welches Buch war in diesem Jahr für Sie besonders wichtig?
Trumpismus
:Ein großes Jahr für die Autokraten-Show
Satiriker wie Jimmy Kimmel und Stephen Colbert erleben ihre fruchtbarste und furchtbarste Zeit: Der US-Präsident liefert unzählige Vorlagen – schlägt aber auch vor, einen von ihnen „einzuschläfern“. Betrachtet Trump die TV-Stars als seine größten Konkurrenten?
Lyrik
:Der Papst beschwört den „Wildfrieden“
Ein Frieden, der wie Wildblumen wächst, wenn man ihn nur lässt: In seiner Weihnachtsbotschaft zitiert der Papst den jüdischen Dichter Jehuda Amichai. Es dürfte sich um eine Premiere handeln.
Literatur
:Vergessen Sie alles, was Sie über die Welt wussten
Alle lesen Fantasy-Romane, aber wenn einer sich wirklich auf die Flucht aus der Realität versteht, dann César Aira. Sein Roman „Der Hase“ zeigt: Er muss endlich den Literaturnobelpreis bekommen.
Literatur
:Kann ich meine Nächsten heute noch lieben?
Der Publizist Daniel Schreiber fragt sich, wie man in Zeiten politischer Spaltung die Energie für Mitmenschlichkeit aufbringen soll. Sein Buch ist ein Aufruf, jetzt bloß noch nicht aufzugeben.
Literatur
:„Wie eine Insel der Glückseligkeit“
Holly Brickleys Debüt „Deep Cuts“ ist ein Coming-of-Age-Roman, der in den 2000ern spielt – noch vor Veröffentlichung hat die Kanadierin ihn an Hollywood verkauft. Woher kommt die riesige „Y2K“-Sehnsucht, die gerade überall zu spüren ist?
Literatur
:Dieser Roman wird die Weltliteratur noch lange zieren
Als András Visky zwei Jahre alt war, wurde seine Familie in einen rumänischen Gulag deportiert. Im Alter von 68 Jahren hat er jetzt einen Roman über diese Zeit veröffentlicht – eine Großtat.
Glauben
:Das Buch zum Fest
Wie wurde aus einer jüdischen Splittergruppe eine mächtige Massenreligion? In Peter Heathers eindrucksvoller Studie „Christentum“ kann man etwas über Gewalt und Konformismus lernen, was aktueller kaum sein könnte.
Bestseller-Autor
:„Für den Leser ist ehelicher Sex nicht spannend“
Ken Follett ist einer der erfolgreichsten Autoren der Welt. Ein Gespräch über seinen Steinzeit-Roman „Stonehenge“, schriftstellernde KI und darüber, wie man eine gute erotische Szene schreibt.
Kulturtipps
:Zum Sehen, zum Lesen, zum Hören
Zaz verzeiht den bösen Geistern ihrer Vergangenheit, „Emily in Paris“ spielt jetzt in Rom und der Dichter Giovanni Boccaccio kehrt nach 650 Jahren endlich zurück. Neun Kulturtipps für entspannte Feiertage.
Literatur
:Das Ziel ist nicht, glücklich zu werden
Ein junger Mann fürchtet, verrückt zu werden – und wird Psychologe, ausgerechnet in der Psychiatrie. Leon Englers zärtlicher, humorvoller Debütroman „Botanik des Wahnsinns“ ist ein Überraschungserfolg des Jahres. Völlig zu Recht.
Literatur
:Eine Übung darin, die Dinge des Lebens ruhig geschehen zu lassen
In Jon Fosses Roman „Vaim“ bringt eine Frau zwei schweigsame Junggesellen aus der Fassung. Gemessen am melancholischen Gesamtwerk des Literaturnobelpreisträgers ist er direkt lustig.
Literatur
:Flöten gegen den Weltenbrand
Was kann Musik zu erfolgreicher Politik beitragen? Der Historiker Philipp Ther untersucht das am Beispiel der Habsburgermonarchie und entdeckt neben dem Freigeist Mozart und dem Aktivisten Beethoven noch unbekannte Komponistinnen.
Literatur
:„Ich bin berühmt, ich bin ein Star, ich bin auf Facebook“
Der Schriftsteller Joachim Lottmann ist schwer krank. Jetzt las er aber noch mal in Berlin. War das die Abschlussveranstaltung der Popliteratur? Bericht von einem denkwürdigen Abend.
Giovanni Boccaccio
:Ungenierter Sex und subversive Kritik
Sie glauben, der vor 650 Jahren gestorbene Giovanni Boccaccio hat nichts mit Ihnen zu tun? Weit gefehlt. Mit Dante und Petrarca erfand er die Literatur der Neuzeit – und rettete sogar die Liebe vor den Predigern.
Jugendbuch
:Himmelhoch betrübt
Wie funktioniert Psychotherapie? Was ist eine Depression? Und warum haben nicht alle Zappelnden gleich ADHS? Lena Steffinger gibt in ihrem Sachbuch „Wenn Gefühle aus der Reihe tanzen“ viele Antworten.
Kulturtipps
:Zum Sehen, zum Lesen, zum Hören
Ein Trip in eine andere Galaxie mit „Avatar – Fire and Ash“, die sagenhafte Renaissance von Helga Schubert und ein durch und durch glücklicher Rückblick auf Taylor Swifts „Eras“-Tour in „The End of an Era“. Neun Kulturtipps für ein schönes Wochenende.
Literatur
:Niemand weiß, wie man alt wird
Ihr größter Erfolg brachte Natascha Wodin in ihren Siebzigern noch eine neue Liebe. Ein Glück, oder? Schonungslos erzählt die Schriftstellerin jetzt von den Gebrechen einer späten Beziehung und teilt gegen einen populären Bestseller zum Thema aus.
Erinnerungskultur
:Noch nicht mal mehr verdrängt
In der Nachkriegszeit herrschte Schweigen über die Vernichtung der Juden, jetzt rückt sie in historische Ferne. Der Politikwissenschaftler Jan Gerber fragt, was geschehen musste, damit die Deutschen sich mit der Shoah auseinandersetzen.
Ethnografie
:Wo die wilden Kerle wohnen
Erstmals auf Deutsch: Der italienische Philosoph Ernesto de Martino versuchte die Aufklärung zu vollenden, indem er in der Provinz magische Phänomene dokumentierte.
Literatur
:Mit Ungarn geht’s bergab
Pünktlich zur Verleihung des Nobelpreises erscheint László Krasznahorkais wahnwitzig-melancholischer Roman „Zsömle ist weg“ auf Deutsch: die Geschichte von Onkel Józsi, der glaubt, Anspruch auf die ungarische Krone zu haben.
Literatur
:In Jane Austens Büchern tragen alle Frauen Häubchen und wollen nichts als heiraten? Von wegen!
Über eine der klügsten Gesellschaftssatirikerinnen der Literaturgeschichte, deren messerscharfe Beobachtungen über Männer, Macht und Liebe auch heute noch relevant sind. Und wie.
Literatur
:Vom Wert des einzelnen Lebens
Die Schriftstellerin Helga Schubert hat den größten Teil ihres Lebens in der DDR verbracht, einem Staat, der von ihr nichts wissen wollte. Im Alter von 85 Jahren erlebt sie gerade eine sagenhafte Renaissance. Ihr neues Buch versammelt Texte aus 60 Jahren.
Literatur
:Psssst, wir lesen
Zehn schöne Kinder- und Jugendbücher zu Weihnachten.
Nachruf auf Sophie Kinsella
:Die Königin des Happy Ends
Die britische Autorin Sophie Kinsella schrieb Bestseller über die Leichtigkeit des Lebens – dann wurde ein bösartiger Hirntumor bei ihr diagnostiziert. Nun ist sie mit 55 Jahren gestorben.
Kulturtipps
:Zum Sehen, zum Lesen, zum Hören
Joachim Triers grandioser Film „Sentimental Value“, Eli Sharabis Erfahrungen in Gefangenschaft der Hamas und Bibi Blocksbergs neuestes Abenteuer: neun Kulturtipps für ein Adventswochenende.
Nicolas Sarkozy
:Ach, ich Armer
20 Tage lang war Nicolas Sarkozy im Gefängnis. Offenbar lang genug, um darüber ein Büchlein zu schreiben. Darin beweint er sich selbst und teilt ordentlich aus – doch eine Politikerin kommt auffallend gut weg.
Spiegel-Bestseller-Aufkleber
:Das Arschgeweih der Literatur
Sie wollten schon immer Spiegel-Bestseller-Autor werden? Kein Problem: Alles, was Sie brauchen, ist eine mittelgute Idee und ein paar Tausend Euro. Über den Verfall eines kulturellen Statussymbols.
Memoiren
:„Tu, was du willst, und leb mit den Konsequenzen“
Margaret Atwood erzählt in ihrem neuen Memoir von Männern aus ihrem Leben, von ihren zwei Ehen, ihren viel geliebten und gelesenen Büchern und davon, wie man mit Männern fertig wird, die sich selbst wichtig nehmen.
Games
:Ach, wenn die Welt doch nur ein Buchladen wäre
„Tiny Bookshop“ ist das vielleicht gemütlichste Videospiel des Jahres. Und eine Liebeserklärung an das Lesen.
Kolumne „Wie redet ihr denn?“
:„Schenke Gemeinsamzeit!“
Die Werbung weiß, was es dieses Jahr zu Weihnachten geben soll: „Wieder-Momente“ und Gebrauchtes, das heißt jetzt „pre-loved“. Wer wird sich darüber freuen?
Interview mit Howard Carpendale
:„Ich will kein Netter sein. Ich will ein Typ sein“
In seiner Autobiografie „Unerwartet“ schreibt Howard Carpendale mit fast 80 Jahren gegen sein öffentliches Etikett als launiger Schlagersänger an. Ein Gespräch über Entertainment, den Zustand der Musikindustrie und die nahende Abschiedstournee.
Sachbuch: „491 Tage: In den Tunneln der Hamas“
:Albtraum als Alltag
Das Buch „491 Tage: In den Tunneln der Hamas“ ist der erste Erfahrungsbericht einer Geisel vom 7. Oktober. Nüchtern erzählt der 53-jährige Eli Sharabi darin von Misshandlungen und Hoffnungslosigkeit.
Jugendliteratur
:„Ich will keine Statements abgeben, sondern etwas erzählen“
Welche Themen kann, welche soll man Jugendlichen zumuten? Sarah Jäger, die zurzeit aufregendste Stimme der deutschen Jugendliteratur, verhandelt in ihren Büchern Fragen wie Armut, Klassismus, Diversität. Ein Gespräch.