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Reisefotograf Daniel Kempf-Seifried:"Afrika ist nichts für Sissis"

Mehr als zwei Jahre verbrachte Daniel Kempf-Seifried in Afrika. Er dokumentiert Schönheit und Härte - und Elefanten mit Humor.

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Afrika Wildlife Natur Reisefotograf Kempf-Seifried Safari

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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Ein Zebra in Irland? Nein, dieses entspannte Exemplar präsentiert seine Streifen im satten Grün des Südluangwa-Nationalparks in Sambia. Wie sehr und wie wenig Afrika den Erwartungen von Besuchern entsprechen kann, weiß der Fotograf Daniel Kempf-Seifried, seit er von 2009 bis 2011 den Kontinent umrundet hat: Mit dem Auto und mit öffentlichen Verkehrsmitteln tourte er durch 23 Länder. Insgesamt war der Regensburger schon fünf Mal in Afrika und hat dort mehr als zwei Jahre seines Lebens verbracht - auch als Freiwilliger Mitarbeiter einer NGO und als Student in Windhoek. Doch seine Passion, die er schon längst zum Beruf gemacht hat, ist die Fotografie.

Im Bild: Zebra im Südluangwa-Nationalpark, Sambia

Reisefotograf Daniel Kempf-Seifried

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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Daniel Kempf-Seifried will sich aber nicht nur wie ein Tourist am Rand der Gesellschaft bewegen: "Ich liebe es, außergewöhliche Geschichten von Menschen und Orten mit meinen Bildern zu erzählen." Nicht nur in Afrika: Er hat auch das Leben im inzwischen geräumten Flüchtlingscamp im griechischen Idomeni dokumentiert.

Bei seinen Reisen durch und rund um Afrika war der Fotograf am liebsten in Gegenden unterwegs, in die sich sonst kaum Fremde verirren.

Im Bild: Zwei Jungen am Strand von Stone Town, Sansibar

Daniel Kempf-Seifried Reisefotograf

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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"Dort sind die Menschen viel natürlicher, herzlicher und offener", berichtet er. Während seiner Aufenthalte in den Dörfern "wurde gesungen, gelacht, getanzt und erzählt. Das zählt für mich viel mehr als die Touristenattraktionen." Einmal kam er zu einem besonders abgelegenen Dorf auf der Insel Pemba, einem Teil des Sansibar-Archipels. Zu seiner Überraschung liefen dort die Kinder schreiend davon, als er seine Kamera hervorholte: "Sie hatten keinen Schimmer, was ich mit diesem schwarzen Kasten vorhatte." Eine Ausnahme, sonst sei er stets von fröhlichen, neugierigen Kindern umringt. Oder, wie in Sambia, von ärmlichen, die sich über kleine Geschenke freuen. Man solle aber allen Kindern etwas geben und nicht nur einem einzigen, bittet er auf seinem Blog "Geschichten von unterwegs" - oder einer Mutter die Gaben zur gerechten Verteilung anvertrauen.

Im Bild: Touristen-Guide im Okavango-Delta, Botswana

Reisefotograf Daniel Kempf-Seifried

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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Kempf-Seifried hat aber nicht nur einen kritischen Blick auf Afrika: Wer als Tourist zum Beispiel nach Botswana oder Namibia reise, finde ein Land wie aus dem Bilderbuch vor, mit großen, weiten Landschaften und wilden Tieren.

Im Bild: Löwen im Chobe-Nationalpark, Botswana

Reisefotograf Daniel Kempf-Seifried

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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Wer aber eine Zeit lang hier lebe und arbeite, lerne die Realität kennen - positiv wie negativ. In Namibia etwa führe die Kluft zwischen Arm und Reich zu einer hohen Kriminalitätsrate. "Afrika ist nichts für Sissis", habe einmal ein Einheimischer dort zu ihm gesagt.

Im Bild: Mr. Gatoma wartet auf Kundschaft in Lusaka, Sambia

Reisefotograf Daniel Kempf-Seifried

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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Trotzdem versucht Kempf-Seifried nicht krampfhaft, Klischeebilder aus seiner Arbeit auszuschließen - schon gar nicht, wenn er wie bei dieser Fotostrecke eine Urlaubergruppe auf ihrer Tour von Namibia bis Sambia begleitet. Und auch Humor kommt nicht zu kurz; etwa bei diesem Foto, seinem Lieblingsbild: Der Elefant manövrierte die fotobegeisterten Touristen geschickt aus, indem er stets den Baum zwischen sich und den Linsen behielt.

Im Bild: schlauer Elefant im Südluangwa-Nationalpark, Sambia

Reisefotograf Daniel Kempf-Seifried

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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Dabei hält der Reisefotograf nicht nur das Verhalten wilder Tiere, sondern auch das domestizierter Touristen fest: "Der Mann im Kanu im Okavango-Delta war eine sehr humorvolle und kontaktfreudige Person", betont Kempf-Seifried: Dennoch habe er einigen Touristen-Klischees entsprochen - "so wie ich, trotz meiner langen Reisen durch Afrika". Bei diesen habe er aber auch einen ganz anderen Schlag Touristen kennengelernt. Während die einen ihren Urlaub ruhig genießen wie dieser schläfrige Herr, fand der Fotograf das Verhalten anderer respektlos und beschämend: "Im Masai-Mara-Nationalpark in Kenia hatten sich sturzbetrunkene europäische Touristen, oben ohne und mit Bierflaschen in der Hand, in die Safari-Jeeps gesetzt und sich grölend durch den Park chauffieren lassen."

Afrika Wildlife Natur Reisefotograf Kempf-Seifried Safari

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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Solchen Urlaubstrampeln bleibt ein Erlebnis wie dieses an Weihnachten im Südluangwa-Nationalpark verwehrt: Gemeinsam mit einer Gruppe Touristen und Einheimischen feierte Daniel Kempf-Seifried Weihnachten unter einem großen Baum im Park. Ein Chor sang Weihnachtslieder - und diese Herde Elefanten umrundete sie die ganze Zeit still und lauschte den Gesängen.

Im Bild: Elefantenherde im Südluangwa-Nationalpark, Sambia

Daniel Kempf-Seifried Reisefotograf

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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Während seiner Reisen hatte Kempf-Seifried versucht, sich bestmöglich anzupassen - nach seiner Rückkehr wunderte er sich über manche Verhaltensweise, die ihm plötzlich sonderbar vorkamen: "In Berlin hetzten die Menschen zur U-Bahn, dabei fährt doch sowieso jede fünf Minuten eine ab ... und nachts an der roten Ampel an der leeren Straße stehen zu bleiben, das war für mich fast ein Kulturschock", scherzt er.

Im Bild: in den Straßen von Stone Town, Sansibar

Afrika Botswana Okavango-Delta

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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Afrika-Einsteigern und Hobby-Fotografen empfiehlt er das Okavango-Delta in Botswana oder Namibia: In atemberaubenden Landschaften seien fast alle Tiere Afrikas in den Nationalparks zu finden - dieser Zauber der Natur lässt sich am besten bei Sonnenauf- und -untergang auf den Bildern bewahren.

Im Bild: Sonnenuntergang im Okavango-Delta, Botswana

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Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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Doch auch bei Tageslicht finden Urlauber Motive wie diesen archaisch anmutenden Kanubau am Malawisee ...

Afrika Wildlife Natur Reisefotograf Kempf-Seifried Safari

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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... oder Begegnungen wie zwischen diesem Fischer und einem Flusspferd im Südluangwa-Nationalpark. Touristen sollten in den Kanus besser nicht aufstehen und auch ruhig sitzen bleiben: Wer weiß, auf wessen Speiseplan man beim Kentern landet - in den meisten Gewässern gibt es Krokodile. Auch hier zeigen sich die zwei Gesichter Afrikas: Schönheit und Härte.

Junge beim Fischen am Malawi-See

Quelle: Daniel Kempf-Seifried

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Mehr Fotos von Daniel Kempf-Seifried finden Sie auf danielkempfseifried.de, mehr seiner Reisen auf geschichtenvonunterwegs.de.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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In dieser Serie stellt SZ.de interessante Reisefotografen vor. Bislang ging es mit ihnen in die Metropolen der Welt, nach Vietnam, tief unter die Meeresoberfläche, zu indigenen Stämmen auf den Philippinen und mitten in die deutsche Städtelandschaft, an Vulkankrater sowie zur wahren Seele der Eisberge, nach Südamerika, Hongkong, nach Taiwan, Island, Bangladesch, in die US-Südstaaten, nach "Senegambia" und Rio de Janeiro sowie in den glühenden Sommer von Tadschikistan. Weitere Episoden zeigten bereits Reisen durch Schottland, Afrika, Armenien, Myanmar, Rumänien, Iran, Spitzbergen und Georgien sowie die Lieblingsorte eines Globetrotters, der alle Unesco-Welterbestätten abbilden will.

© SZ.de/sks/lala

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