Donisl am Marienplatz

Beim Donisl am Marienplatz scheiden sich bei vielen Einheimischen die Geister: Ist das jetzt noch ein typisches Münchner Wirtshaus oder doch eher ein schnöder Touristenmagnet? Die lange Tradition des Hauses würde ja für ersteres sprechen - wären da nicht die lieben Besucher aus aller Welt, die hier an den Tischen speisen und sich dabei nicht immer zu benehmen wissen - wenn sie zum Beispiel Dekorationsstücke wie den Flinten-Hasi mitgehen lassen.

Man kann den Donisl - etwas hochtrabend - als Kathedrale des Biers bezeichnen: Der dreischiffige Gastraum läuft auf eine altarartig erhöhte Stelle im Mittelschiff zu, hinter der in der Rückwand die verzierten Krüge der Stammgäste wie Reliquien aufgestellt sind. Sieben Biersorten werden aus dem Fass, das Edelhell sogar aus dem Holzfass gezapft. Weine und Schnäpse stammen allesamt von guten Erzeugern.

Hoch zu loben ist der Donisl für seine Wiederbelebung der "Münchner Siedeküche": Dabei werden die zum Sieden geeigneten Stücke vom Rind - also Schulter, Brust, Tafelspitz, Bürgermeisterstück und Zunge - mit Wurzelgemüse gesotten und in der so entstehenden kräftigen Brühe in Suppentöpfen auf einer Wärmeplatte serviert. Ganz billig ist das nicht - dafür aber absolut empfehlenswert.

Donisl, Weinstraße 1, 80333 München, Telefon: 089/2429390, www.donisl.com

Bild: Stephan Rumpf 17. Januar 2018, 13:512018-01-17 13:51:57 © SZ.de/sonn/tba/afis/mmo/imei