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Coronavirus:Der Ausbruch in Bayern

Coronavirus in Bayern - Gesundheitsministerin Melanie Huml

Wenige Stunden, nachdem der erste Coronavirus-Fall bekannt geworden ist, informiert die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml über die Folgen.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • Am 27. Januar 2020 meldet das bayerische Gesundheitsministerium spätabends den ersten Coronavirus-Fall Deutschlands: Ein Mann aus Bayern hat sich mit dem neuartigen Erreger angesteckt.
  • In den Tagen darauf werden stetig neue Fälle bekannt, die Patienten in Krankenhäusern isoliert. Personen, die zu ihnen engeren Kontakt hatten, werden ebenfalls getestet und müssen teilweise zu Hause in Quarantäne bleiben.
  • Der Automobilzulieferer Webasto, wo die ersten Fälle aufgetreten sind, schließt seine Zentrale in Stockdorf bei München für zwei Wochen komplett.
  • In diesem Artikel finden Sie die Entwicklungen rund um den Coronavirus-Ausbruch in Bayern der ersten sieben Tage, also vom 27. Januar 2020 bis zum Morgen des 3. Februar 2020. Die Entwicklungen seitdem finden Sie im aktuellen Newsblog aus Bayern.

80 Bayern in "häuslicher Isolierung"

Montag, 3. Februar, 10.09 Uhr: Von einer häuslichen Quarantäne sind in Bayern nicht 140, sondern nur etwa 80 Personen betroffen. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat seine Angaben präzisiert. Demnach wurden zwar, wie am Sonntag vermeldet, von gut 140 Mitarbeitern der Firma Webasto Abstriche entnommen, um sie auf das Coronavirus zu testen - die allermeisten mit negativem Ergebnis. Weiterhin zu Hause bleiben müssen davon aber nur 80 Personen, auch wenn bei ihnen der neuartige Erreger nicht nachgewiesen wurde.

Denn die Pflicht zur zweiwöchigen "häuslichen Isolierung", wie Gesundheitsexperten das nennen, besteht nur bei Menschen, die in die Kategorie I der Kontaktpersonen eingestuft werden. Das sind Menschen, die mit einem Infizierten mindestens 15 Minuten engeren Kontakt hatten, zum Beispiel bei einem Gespräch. Wer mit ihm nur in einem Zimmer zusammen war, ohne länger und direkt mit ihm zu sprechen, kommt in die Kategorie II. Dann wird er zwar auch von den Gesundheitsämtern beobachtet, muss aber nicht zu Hause bleiben. Die Zahlen seien immer nur Momentaufnahmen, da mögliche Kontaktpersonen laufend weiter ermittelt würden, sagte eine LGL-Sprecherin

Von den bislang acht bayerischen Coronavirus-Patienten haben sich nach Angaben des LGL vier bei einer Schulung in der Firma Webasto infiziert. Drei weitere sind ebenfalls Mitarbeiter, sie nahmen an der Schulung in der vorvergangenen Woche aber nicht teil - anders, als noch am Sonntag gemeldet. Und ein weiterer Patient ist das Kind eines Webasto-Beschäftigten.

Stockdorf Webasto-Zentrale

Der Coronavirus-Ausbruch in Bayern geht von der Firma Webasto aus, ihre Zentrale steht in Stockdorf südwestlich von München.

(Foto: Georgine Treybal)

Woher die Coronavirus-Patienten kommen

Sonntag, 2. Februar, 18.25 Uhr: Zu den bislang acht Coronavirus-Fällen in Bayern werden neue Einzelheiten bekannt. Auf Anfrage teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) der SZ die Herkunft aller Patienten mit. Demnach wohnen eine Frau und ein Mann in München, zwei Männer im Landkreis Fürstenfeldbruck, ein Mann und sein Kind im Landkreis Traunstein sowie je ein Mann in den Landkreisen Starnberg und Landsberg am Lech. Bis auf das Kind arbeiten die Infizierten alle für den Automobilzulieferer Webasto. Dessen Zentrale in Stockdorf südwestlich von München wird nach Firmenangaben erst am Dienstag wieder geöffnet - ursprünglich sollte sie nur bis zum heutigen Sonntag geschlossen bleiben. Am Wochenende wurde sie von Experten desinfiziert.

Nach den Erkenntnissen des LGL ist nun auch klar, dass sich die sieben Webasto-Mitarbeiter alle bei einer einzigen betriebsinternen Schulung in der vorvergangenen Woche angesteckt haben, wie eine Sprecherin sagte. Es wurden bislang also keine Infektionen von einem Teilnehmer dieses Seminars auf einen unbeteiligten Kollegen festgestellt. (Anmerkung der Redaktion: Diese Angaben wurde am Montag vom LGL korrigiert; siehe oben.) Geleitet hatte es eine chinesische Webasto-Mitarbeiterin, die sich erst auf dem Rückflug nach China krank fühlte und dort dann positiv auf das Virus 2019-nCov getestet wurde.

In der Firma wurden bislang von mehr als 140 Mitarbeitern Abstriche entnommen, um im Labor analysiert zu werden. Die allermeisten Proben lieferten keinen Nachweis auf den Erreger, trotzdem müssen die Betroffenen nun bis zu zwei Wochen lang "in häuslicher Isolierung" bleiben, wie die Behörden das nennen, und Kontakt zu anderen Menschen meiden. Darüber hinaus wurden laut LGL gut 100 Personen bislang auf das Virus getestet, darunter zum Beispiel auch Familienmitglieder von Webasto-Mitarbeitern. Mit Ausnahme der bekannten acht Fälle verliefen alle Tests negativ. Allerdings würden nach und nach auch von neu bekannten Fällen Kontaktpersonen ermittelt, die dann ebenfalls auf den neuartigen Erreger getestet würden, ließ das LGL wissen.

Zustand der acht Patienten "stabil"

Sonntag, 2. Februar, 11.50 Uhr: Die acht bayerischen Coronavirus-Patienten befinden sich in einem "klinisch stabilen Zustand", wie das Gesundheitsministerium mitteilt. Bis auf den Mann und sein Kind, die im Krankenhaus von Trostberg (Landkreis Traunstein) liegen, werden sie im Münchner Klinikum Schwabing behandelt. Seine Patienten hätten "im Verlauf teilweise grippeähnliche Symptome" gezeigt und seien derzeit "weitestgehend symptomfrei", sagte der Schwabinger Chefarzt Clemens Wendtner. Zur Beobachtung blieben sie vorerst weiter im Krankenhaus.

In dem Kindergarten, den das mit dem Virus 2019-nCoV infizierte Kind besucht, habe keine Infektionsgefahr bestanden, teilte das Traunsteiner Gesundheitsamt mit. Man habe festgestellt, dass es, als es das letzte Mal dort gewesen sei, "nicht ansteckungs- oder krankheitsverdächtig" gewesen sei.

Erster Fall in München bestätigt

Samstag, 1. Februar, 19.01 Uhr: Nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums vom Samstagabend handelt es sich dabei um einen 33-jährigen Mann, der in München wohnt. Auch er ist Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto. Am Sonntag wollen die zuständigen Behörden ausführlich über die aktuelle Lage informieren.

Coronavirus Coronavirus-Fall in München
Infektion

Coronavirus-Fall in München

Bei einem weiteren Webasto-Mitarbeiter wurde das Virus gefunden. Damit steigt die Zahl der bekannten Fälle in Bayern auf acht.

Alle Patienten in Bayern in stabilem Zustand

Samstag, 1. Februar, 11.22 Uhr: Die sieben Patienten in Bayern, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, sind nach Angaben der behandelnden Ärzte allesamt in stabilem Zustand. Lediglich der jüngst bekannt gewordene Fall, ein 52 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, zeige leichte Symptome, die anderen Patienten seien nahezu symptomfrei, sagte Dr. Clemens Wendtner vom Klinikum München-Schwabing. Zur klinischen Beobachtung bleiben die Patienten weiterhin im Krankenhaus - zwei von ihnen in Trostberg im Landkreis Traunstein, die übrigen im Schwabinger Klinikum.

Angesteckt bei Webasto-Mitarbeiter? Deutscher auf La Gomera infiziert

Samstag, 1. Februar, 4.16 Uhr: Die spanischen Gesundheitsbehörden haben erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt. Betroffen sei ein Deutscher auf der Kanareninsel La Gomera, der mit einem der in Deutschland infizierten Patienten in Kontakt gewesen sein soll, teilte die Regierung auf Twitter mit. Er liegt nach ihren Angaben isoliert in einem Krankenhaus der Insel. Einzelheiten zu Alter oder Herkunftsort des Patienten wurden zunächst nicht bekannt. Insgesamt waren fünf Deutsche auf der Insel auf das Virus getestet worden. Sie sollen alle mit einem Webasto-Mitarbeiter in Kontakt gewesen sein, bei dem in Deutschland das Virus nachgewiesen worden war. Außerhalb Chinas wurde das Virus bisher bei mehr als 150 Menschen in über 25 Ländern nachgewiesen. In China stieg die Zahl der Infizierten auf rund 11 800. Damit stieg die Zahl der bestätigten Fälle binnen eines Tages um rund 2000. 259 Menschen starben bereits.

Siebter Coronavirus-Fall in Bayern

Freitag, 31. Januar, 20.34 Uhr: In Bayern ist ein weiterer Mensch nachweislich an dem neuartigen Coronavirus infiziert. Damit stieg die Zahl der Betroffenen im Freistaat auf sieben. Bei dem neuen Infizierten handele es sich um einen Mann aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Freitagabend in München mit. Auch er arbeite beim Autozulieferer Webasto aus dem oberbayerischen Gauting-Stockdorf - wie die fünf ersten bekanntgewordenen Fälle. Zudem war ein Kind eines der Erkrankten ebenfalls positiv auf die neuartige Lungenkrankheit getestet worden. Von 128 jüngst (Stand 20.30 Uhr) vorliegenden Testergebnissen von Mitarbeitern der Firma waren 127 negativ und einer positiv.

Ministerium: 122 Tests auf Corona-Virus bei Webasto negativ

Freitag, 31. Januar, 19.14 Uhr: Nach den bisher sechs Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus haben weitere Tests bei der betroffenen Firma Webasto im Landkreis Starnberg vorerst keine weiteren Erkrankungen ergeben. Dies teilte ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums am Freitagabend unter Verweis auf das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mit. Danach seien insgesamt 122 Tests von Mitarbeitern der Firma Webasto negativ ausgefallen. Testergebnisse von weiteren untersuchten Menschen sollten demnächst folgen. Somit bleibt es derzeit bei insgesamt sechs bekannten Coronavirus-Fällen in Bayern. Alle Betroffenen befanden sich nach Ärzte-Angaben in einem stabilen Zustand. Am Nachmittag war der bisher sechste Fall bestätigt worden. Dabei handelt es sich um das Kind eines Mannes aus dem Landkreis Traunstein.

Gesundheit in München "Wir nehmen die Lage sehr ernst, ohne in Panik zu geraten"
Coronavirus

"Wir nehmen die Lage sehr ernst, ohne in Panik zu geraten"

Die Angst vor dem Coronavirus ist auch in München spürbar: Apotheker berichten von Hamsterkäufen, eine Reisefirma muss ihre Pläne ändern - am besorgtesten sind aber nicht die Münchner selbst.   Von Ekaterina Kel

Bayern will Laborkapazitäten ausbauen

Freitag, 31. Januar, 18.18 Uhr: Um mögliche weitere Coronavirus-Fälle schneller diagnostizieren zu können, will der Freistaat nach SZ-Informationen die Laborkapazitäten ausbauen. Bislang werden Proben auf das neuartige Virus unter anderem im Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Oberschleißheim nördlich von München analysiert - und zwar bis zu 60 pro Tag. Zudem stehen in Bayern vier weitere Labore zur Verfügung, die zusammen zusätzlich 20 bis 40 Abstriche täglich auf das Virus 2019-nCoV testen können. Von allen 110 Menschen, die als enge Kontaktpersonen der ersten vier Infizierten gelten, habe man inzwischen Proben entnommen und analysiert, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Alle seien negativ, die Personen also nicht mit dem Coronavirus infiziert.

Betroffene Firma beklagt Ausgrenzung von Mitarbeitern

Freitag, 31. Januar, 15.06 Uhr: Die Angst vor dem Coronavirus führt offenbar dazu, dass Webasto-Mitarbeiter und deren Angehörige ausgegrenzt werden. "Uns erreichen vermehrt Meldungen von Mitarbeitern, die nicht zur Risikogruppe gehören, dass sie und ihre Familien von Institutionen, Firmen oder Geschäften abgewiesen werden, wenn bekannt wird, dass sie bei Webasto arbeiten", sagte der Vorstandschef des Autozulieferers, Holger Engelmann. "Wir verstehen, dass die aktuelle Situation Menschen verunsichert und auch ängstigt, aber das ist eine enorme Belastung für die Familien unserer Mitarbeiter."

Laut einer Sprecherin haben Mitarbeiter unter anderem davon berichtet, dass ihre Eltern oder Ehepartner von deren Arbeitgebern nach Hause geschickt worden seien. Kinder seien von Kindergärten nicht mehr angenommen worden. In einem Fall habe es zudem eine Autowerkstatt mit Verweis auf das Virus abgelehnt, das Auto eines Mitarbeiters zu reparieren.

Familie im Krankenhaus Trostberg isoliert

Freitag, 31. Januar, 14.36 Uhr: Die Familie des Mannes und des Kindes, die sich beide mit dem Coronavirus infiziert haben, befindet sich im Krankenhaus von Trostberg im oberbayerischen Landkreis Traunstein. Das teilten die örtlichen Behörden mit. Die Erkrankten würden isoliert. Man gehe davon aus, dass alle Familienmitglieder, darunter ein Säugling, das neuartige Virus in sich trügen; hier stünden die Testergebnisse aber noch aus.

Der Mann hat nach offiziellen Angaben drei Kinder im Alter zwischen einem halben Jahr und fünf Jahren. Details wurden mit Verweis auf den Schutz der Familie nicht bekanntgegeben. Chefarzt Thomas Glück sagte: "Wir haben die Familie in einem Zimmer untergebracht - das hat sich die Familie so gewünscht." Mögliche Personen, die länger Kontakt mit den Familienmitgliedern hatten, würden derzeit ermittelt, teilte das Landratsamt mit. Der Kindergarten, in dem das infizierte Kind war, bleibe zunächst geöffnet. Zunächst werde ermittelt, seit wann das Kind infektiös war. Man wisse, wann es das letzte Mal im Kindergarten war - und wenn sich dieser Zeitraum überschneide, wolle man mit der Einrichtung und den Eltern reden, wie weiter vorgegangen wird.

Sechs Bayern mit Coronavirus infiziert

Freitag, 31. Januar, 14.03 Uhr: Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Deutschland hat sich auf sechs erhöht - unter ihnen ist nun auch ein Kind. Das meldete das bayerische Gesundheitsministerium am Freitagmittag. Bei dem sechsten Fall handele es sich um ein Kind des Mannes aus dem Landkreis Traunstein, dessen positiver Befund am späten Donnerstagabend bekannt geworden war. Damit hat sich erstmals in Deutschland ein Familienmitglied eines bereits Infizierten mit dem Virus 2019-nCoV angesteckt. Alle Erkrankten befänden sich nach Angaben der behandelnden Ärzte "derzeit in einem stabilen gesundheitlichen Zustand", ließ das Ministerium wissen.

Damit gibt es insgesamt sechs Coronavirus-Fälle in Bayern. Bis auf das Kind arbeiten alle Patienten für den Autozulieferer Webasto, der in Stockdorf südwestlich von Münchens sitzt. Dort weilte in der vergangenen Woche eine infizierte Kollegin aus China zu internen Schulungen, sie hatte ihre Erkrankung erst auf dem Rückflug bemerkt. Die Tests von weiteren Webasto-Mitarbeitern auf den neuartigen Erreger hätten bislang keinen weiteren positiven Befund ergeben, teilte das Ministerium mit. Wie viele der mehr als 100 Proben, die entnommen werden sollten, bereits in den Laboren analysiert wurden, ist unklar.

Fünfter Coronavirus-Fall in Bayern

Donnerstag, 30. Januar, 22.16 Uhr: Im Freistaat hat sich ein weiterer Patient mit dem Coronavirus infiziert. Der fünfte nun bestätigte Patient wohnt den Angaben zufolge im Landkreis Traunstein. Weitere Informationen wollte das Gesundheitsministerium am Freitag mitteilen. Es handelt sich um einen Mitarbeiter der Firma Webasto aus dem Landkreis Starnberg, bei der auch die vier bislang bekannten Fälle beschäftigt sind, wie das bayerische Gesundheitsministerium am Donnerstagabend in München mitteilte.

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Klinik Schwabing könnte bis zu 30 Coronavirus-Patienten behandeln

Donnerstag, 30. Januar, 17.46 Uhr: Im Notfall könnte die München Klinik Schwabing, in der die vier Coronavirus-Patienten aus Bayern behandelt werden, die Kapazitäten aufstocken. "Dann hätten wir bis zu 30 Betten in Schwabing für die Versorgung von Coronavirus-Patienten zur Verfügung", sagte Chefarzt Clemens Wendtner.

Diese Betten sollten aber ausschließlich für bestätigte Coronavirus-Patienten vorgehalten werden, betonte er. "Deshalb gilt: Wer hohes Fieber hat, hat mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eine normale Erkältung oder Grippe", sagte Wendtner. "Bevor diese Patienten in Schwabing in unserer Infektiologie aufgenommen werden, sollte der Coronavirus-Test erfolgt sein." Verdachtsfälle sollten nicht automatisch nach Schwabing geschickt werden.

110 Bayern werden zu Hause isoliert

Donnerstag, 30. Januar, 17.23 Uhr: Im Großraum München müssen nun noch mehr Menschen zu Hause bleiben, weil sie womöglich das Coronavirus in sich tragen. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) führt nun 110 Personen auf der Liste derer, die "in häusliche Isolierung" sollen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Am Mittwoch waren es noch 80. Sie alle werden zugleich auf das Virus getestet. Bei den bereits erfolgten Laboranalysen bestätigte sich aber bisher noch kein weiterer Fall neben den vier bereits bekannten Corona-Patienten, die im Klinikum München-Schwabing liegen. Diese 17 neuen negativen Testergebnisse stammen alle von Personen, die bei Webasto arbeiten, die Untersuchung der restlichen Personen geht nun weiter.

Gesundheit in Bayern 110 Menschen unter Corona-Verdacht
Coronavirus im Landkreis Starnberg

110 Menschen unter Corona-Verdacht

Die Behörden ermitteln immer mehr Personen mit Kontakt zu den fünf infizierten Webasto-Mitarbeitern. Bislang liegen nur 17 neue Ergebnisse vor.   Von Michael Berzl und Christoph Koopmann

Diese 110 Menschen hatten alle engeren Kontakt zu einem der vier infizierten Webasto-Mitarbeitern. Mit der Entscheidung, sie alle ebenfalls zu testen, weichen die Behörden von ihrer bisherigen Linie ab: Die sah vor, dass ein Test nur dann nötig ist, wenn jemand in China war, wo das Virus ausgebrochen ist, oder Kontakt zu einer infizierten Person hatte und wenn er zugleich Krankheitssymptome zeigte - also etwa Husten oder Fieber. Letztere Bedingung gilt nun nicht mehr im Fall der Infektionen, die bei dem Autozulieferer Webasto in Stockdorf im Süden Münchens aufgetreten sind. Alle vier Patienten sind Mitarbeiter der Firma.

Probleme bei Info-Hotline zu Coronavirus

Donnerstag, 30. Januar, 16.20 Uhr: Seit Dienstagnachmittag hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ein Infotelefon für Fragen rund um das Coronavirus freigeschaltet. Das aber ist offenkundig ziemlich überlastet, nahezu ständig belegt und kaum zu erreichen. Eine LGL-Sprecherin sprach am Donnerstagnachmittag von einem "hohen Aufkommen" und bislang "mehreren hundert Anrufen". Diese nimmt aber nur ein einziger LGL-Mitarbeiter entgegen.

Da viele sehr fachspezifische Fragen gestellt würden, müsse am Telefon ein Mediziner sitzen, erläuterte die Sprecherin. Die Experten der Behörde sind aber offenkundig mehr als beschäftigt damit, den Ausbruch des Coronavirus im Süden Münchens einzudämmen, Kontaktpersonen der bislang vier Infizierten zu ermitteln und auf das Virus zu testen. Man habe versucht, zusätzliche Mitarbeiter für diese Aufgabe freizustellen, sagte die Sprecherin. Die Arbeit an der Aufklärung und Ermittlung der Coronavirus-Infektionen im Freistaat habe aber "derzeit Vorrang".

Besetzt ist die Hotline, die unter der Nummer 09131/6808-5101 zu erreichen ist, im Schichtbetrieb von 8 bis 22 Uhr. Wegen der hohen Nachfrage hatte Gesundheitsministerin Melanie Huml am Mittwoch noch gesagt, man habe die Hotline "personell aufgestockt". Die Aufstockung habe sich darauf bezogen, dass man die Zeiten ausgeweitet habe, sagte die LGL-Sprecherin. Entgegengenommen würden die Anrufer weiter nur von einem Mitarbeiter.

Neben der Hotline des LGL können sich Bürger mit ihren Fragen auch an die Info-Telefone mehrerer Krankenkassen im Freistaat wenden. Anrufer erhalten Informationen darüber, wer besonders gefährdet ist, wie man sich schützen und einen Verdachtsfall erkennen kann und welche Hygienemaßnahmen zum persönlichen Schutz sinnvoll sind. Die Barmer bietet diesen kostenfreien Service bereits jetzt rund um die Uhr an unter 0800/ 84 84 111. Die DAK Gesundheit bietet am Freitag (31. Januar) ebenfalls eine Hotline an unter 0800/ 1111 841. Ist die Nachfrage groß, soll diese Hotline auch in den kommenden Tagen angeboten werden. Die AOK beantwortet Fragen ihrer Versicherten unter der kostenlosen Telefonnummer 0800/1265265.

BMW lässt Produktion in China ruhen

Donnerstag, 30. Januar, 13.54 Uhr: Der Münchner Autohersteller BMW hat angesichts der Ausbreitung des Coronavirus in China seine drei Werke in der Millionenstadt Shenyang geschlossen. Die einwöchigen Neujahrsferien seien jetzt um eine weitere Woche bis 9. Februar verlängert worden, sagte ein Unternehmenssprecher. Nur die Büroangestellten arbeiteten ab kommenden Montag wieder, jedoch von zu Hause aus.

Shenyang ist der weltweit größte Standort des Autobauers: Etwa 18 000 Mitarbeiter fertigen dort jährlich eine halbe Million Autos sowie Motoren. Wie es ab 10. Februar weitergehe, sei noch offen, sagte der Sprecher.

Fünf Test-Labore in Bayern

Donnerstag, 30. Januar, 13.45 Uhr: In Bayern gibt es nun deutlich mehr Labore, die eine Infektion mit dem Coronavirus zweifelsfrei diagnostizieren können. Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, das den ersten Infektionsfall in Deutschland festgestellt hatte, steht auch weiterhin zur Verfügung. Hinzu kommen die Labore des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim bei München, das Virologische Institut der Universität Erlangen, das Institut für Virologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie das Institut für Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Regensburg. Als Probenmaterial für die Labore eignen sich insbesondere Auswurf sowie Abstriche aus der Nase und dem Rachenraum der Patienten.

Medizin Webastos Kampf gegen das Virus
Stockdorf

Webastos Kampf gegen das Virus

Die Angestellten dürfen am Mittwoch nur noch ihre Laptops holen. Dann wird die Zentrale in Stockdorf bis Sonntag geschlossen. Bei fünf Mitarbeitern wurde das Coronavirus nachgewiesen, nun werden 90 weitere getestet.   Von Carolin Fries

Bayerns Krankenhäuser rüsten sich

Donnerstag, 30. Januar, 12.25 Uhr: Bayerns Krankenhäuser bereiten sich derzeit intensiv auf den Fall vor, dass bei ihnen Patienten mit dem Verdacht auf eine Coronaviren-Infektion auftauchen. Seit Wochenbeginn stehen viele der Kliniken in einem engen Informationsaustausch mit dem Robert-Koch-Institut, der für Infektionskrankheiten zuständigen Bundesbehörde, sowie mit den örtlichen Gesundheitsämtern. Die Bayerische Krankenhausgesellschaft hat mittlerweile an die etwa 370 Krankenhäuser im Freistaat ein Informationsblatt des Gesundheitsministeriums weitergeleitet. Darin werden die Häuser gebeten, "sich auf die Aufnahme von begründeten Verdachtsfällen und von mit dem 2019-nCOV infizierten Patienten vorzubereiten". Zu diesem Zweck müssten in den einzelnen Häusern Isolierzimmer mit einem Vorraum oder einer Schleuse eingerichtet werden. Zudem werden für das Personal entsprechende Hygiene-Maßnahmen angeraten - etwa bezüglich der Schutzkleidung. Auch die Ärzte selbst tauschen sich derzeit rege über WhatsApp aus, wie Steffen Herdtle, der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Krankenhaus Agatharied (Kreis Miesbach), bestätigt.

Wie die vier Patienten in München behandelt werden

Donnerstag, 30. Januar, 12.10 Uhr: Langeweile scheint derzeit das größte Problem zu sein der vier Menschen, die sich in Deutschland bislang mit dem Coronavirus angesteckt haben. Das berichten zumindest die behandelnden Ärzte. Alle vier liegen im Schwabinger Krankenhaus in München, isoliert von anderen Patienten. Kontakt nach draußen haben sie nur per Handy. Sie fühlen sich offenbar gut, müssen aber trotzdem in der Klinik bleiben - denn die Ärzte erhoffen sich von den Untersuchungen wichtige Erkenntnisse über das neuartige Virus.

Medizin "Pumperlgsund" auf der Isolierstation
Coronavirus

"Pumperlgsund" auf der Isolierstation

Die vier Coronavirus-Patienten liegen im Klinikum München-Schwabing und langweilen sich. Die Ärzte erhoffen sich von ihnen neue Erkenntnisse über die Krankheit.

Schwabinger Klinik bittet um Unterstützung

Mittwoch, 29. Januar, 17.30 Uhr: Am Klinikum München-Schwabing werden die vier mit dem Coronavirus infizierten Personen aus Bayern medizinisch betreut, der Betrieb geht gleichwohl "ohne Einschränkung" weiter. Das versichert Christian Unzicker von der Klinikleitung. Die Zimmer seien isoliert, es bestehe keine Ansteckungsgefahr für andere Patienten oder Klinik-Besucher. Den Coronavirus-Patienten geht es derweil gut: "Die Vier sind pumperlgsund, haben keine Symptomatik, sind fieberfrei, husten nicht", berichtet der behandelnde Chefarzt Clemens Wendtner. "Denen ist so langweilig, dass sie uns ständig mit der Entlass-Frage nerven." Allerdings lässt das Klinikum bereits anklingen, dass es auf Dauer nicht die Versorgung aller Corona-Fälle übernehmen könne: "Wir brauchen die Unterstützung der anderen Krankenhäuser in der Region", sagt Axel Fischer, der Geschäftsführer des städtischen Konzerns München Klinik. Das bespreche man derzeit auch mit dem bayerischen Gesundheitsministerium.

80 Menschen sollen "in häusliche Isolierung"

Mittwoch, 29. Januar, 16.50 Uhr: Die bayerischen Behörden wollen deutlich mehr Menschen zu Hause isolieren, weil sie womöglich das neue Coronavirus in sich tragen. Bisher gingen sie von 40 Personen aus, die engeren Kontakt zu Infizierten hatten, nun ist die Rede von 80 Personen. "Wir haben die Kontaktpersonen angewiesen, in häusliche Isolierung zu gehen", sagte Andreas Zapf, der Präsident des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Kontakt zu anderen Menschen sollten sie meiden. Die interessante Fragestellung sei, wie lange jemand mit anderen Kontakt gehabt haben muss, damit es zu einer Infektion mit dem neuartigen Virus kommt - hier könne man bisher keine Auskunft geben.

Bei dem Automobilzulieferer Webasto seien am Mittwoch 40 Personen auf Corona getestet worden, teilte das Unternehmen mit. Von diesen Proben liege noch kein einziges Laborergebnis vor; das LGL rechnet mit diesen im Laufe des Donnerstags. Zudem soll am Donnerstag bei weiteren etwa 40 Menschen ein Abstrich entnommen werden. Alle vier bayerischen Coronavirus-Patienten sind Mitarbeiter von Webasto.

Weitere Tests: Keine neuen Coronavirus-Fälle bekannt

Mittwoch, 29. Januar, 16.10 Uhr: Auch wenn die Behörden weitere Menschen getestet haben, die engeren Kontakt zu den vier mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Bayern hatten - ein neuer Fall ist bislang nicht aufgetreten. Das teilte das Gesundheitsministerium am Mittwochnachmittag mit. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hatte in der Zentrale der Firma Webasto bei München diese sogenannten Kontaktpersonen befragt und auf Corona getestet.

Bei den vier infizierten Mitarbeitern des Automobilzulieferers Webasto handelt es sich um drei Männer im Alter von 27, 33 und 40 Jahren sowie um eine 33-jährige Frau, wie das Ministerium mitteilte. "Auch die Familien der bislang positiv getesteten Personen wurden ausführlich aufgeklärt und über mögliche Symptome, Hygienemaßnahmen und Übertragungswege informiert", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Die vier Coronavirus-Patienten sind "symptomfrei"

Mittwoch, 29. Januar, 15.20 Uhr: Die vier bayerischen Coronavirus-Patienten befinden sich laut bayerischem Gesundheitsministerium in einem klinisch guten Zustand. Alle seien nach Angaben des behandelnden Chefarztes "symptomfrei", sagte ein Sprecher. Die vier Patienten - drei Männer und eine Frau - liegen derzeit in der Klinik für Infektiologie am Klinikum München-Schwabing. Sie sind Mitarbeiter der Firma Webasto aus Stockdorf im Süden Münchens. Ein 33-Jähriger hatte sich nach bisherigen Erkenntnissen in der vergangenen Woche bei einer aus China eingereisten Kollegin angesteckt. Die Infektion der drei weiteren Menschen hatte das Ministerium am Dienstagabend bestätigt. Laut Ministerium laufen weitere Untersuchungen, Testergebnisse zweier Personen seien am Mittwoch negativ gewesen.

Frau und Kind des ersten Corona-Patienten weiterhin gesund

Mittwoch, 29. Januar, 11.39 Uhr: Die Familienangehörigen des ersten Patienten mit Coronavirus in Deutschland sind weiterhin gesund. "Mutter und Kind haben nach wie vor keine Symptome", sagte der Pressesprecher des Landratsamts Landsberg am Lech, Wolfgang Müller, am Mittwoch unter Verweis auf aktuelle Informationen zum Gesundheitszustand der beiden. Deshalb sei auch die Kinderkrippe, in der das Kind normalerweise betreut wird, weiterhin geöffnet.

"Wir haben gestern Nachmittag die Kindergartenleitung und auch die Eltern direkt mit einem kleinen Anschreiben informiert und darauf hingewiesen, dass es eine Kontaktperson gibt", schilderte Müller. Weitere Maßnahmen seien nach Einschätzung der Experten nicht erforderlich, weil das Kind bislang nicht erkrankt sei. Die Entscheidung, offensiv über die Erkrankung seines Vaters zu informieren, sei mit der Task-Force Infektiologie des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit abgesprochen gewesen, berichtete Müller. "Lieber zu viel informiert als einmal zu wenig und hinterher dem Vorwurf ausgesetzt sein, dass wir die Gefahr verharmlost hätten."

Am Dienstag wurde bekannt, dass der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland ein 33 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Landsberg am Lech ist. Seine Frau und das Kind werden derzeit in ihrem Zuhause isoliert.

Zusätzliches Labor für Coronavirus-Test

Mittwoch, 29. Januar, 11.17 Uhr: Um für weitere Coronavirus-Fälle gerüstet zu sein, hat das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) neue Testmöglichkeiten geschaffen. Seit Montag können Abstriche von Patienten auch in einem Labor des LGL in Oberschleißheim bei München analysiert werden. Zuvor war das in Bayern nur im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr im Münchner Norden möglich. Dort war am Montagabend auch der erste Coronavirus-Fall in Deutschland bestätigt worden.

Wenn ein Arzt, gegebenenfalls in Rücksprache mit dem örtlichen Gesundheitsamt, entscheidet, eine Person auf das neue Virus testen zu lassen, nimmt er einen Rachenabstrich. Der geht dann auf direktem Weg in eines der Labore, wie das LGL wissen lässt. Dort liegt ein Ergebnis normalerweise binnen vier, fünf Stunden vor. Getestet wird aber nur, wenn ein Patient nicht nur bestimmte Symptome zeigt wie Fieber, Unwohlsein oder Husten. Er muss zudem entweder in einem Corona-Risikogebiet in China gewesen sein oder engeren Kontakt zu einem mit dem Virus infizierten Menschen gehabt haben.

Krisenstab trifft sich in Webasto-Zentrale

Mittwoch, 29. Januar, 8.23 Uhr: 40 Personen, die Kontakt mit den infizierten Webasto-Mitarbeitern hatten, sind für den Mittwochmorgen in die Zentrale des Autozulieferers einbestellt worden. Dort sollen sie nach SZ-Informationen befragt und auf eine mögliche Erkrankung hin getestet werden. In der Webasto-Zentrale in Stockdorf im Landkreis Starnberg berät eine Art Krisenstab aus Konzernführung und Gesundheitsamt über die weiteren Schritte. Am Vormittag will sich das Gesundheitsministerium zur aktuellen Lage äußern. Nachdem inzwischen fünf Webasto-Mitarbeiter erkrankt sind - vier in Stockdorf, dazu eine Kollegin aus China -, dürfen die Mitarbeiter am Mittwochmorgen nur noch ihre Laptops abholen. Dann ist die Zentrale bis Sonntag dicht.

Autozulieferer Webasto schließt zeitweise seine Zentrale in Stockdorf

Dienstag, 28. Januar, 22.25 Uhr: Wegen der Coronavirus-Infektionen schließt Webasto seinen Stammsitz im oberbayerischen Stockdorf, einem Ortsteil von Gauting, bis Sonntag. Bis dahin sollen Mitarbeiter der Firmenzentrale auch nicht an nationale und internationale Standorte reisen, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Webasto ist ein großer Zulieferer für die Autoindustrie mit etwa 13 000 Mitarbeitern an weltweit mehr als 50 Standorten. In China gibt es elf Standorte, einen davon in Wuhan.

Drei weitere Coronavirus-Fälle in Bayern

Dienstag, 28. Januar, 21.10 Uhr: Wie das bayerische Gesundheitsministerium am Dienstagabend mitteilte, haben sich drei weitere Angestellte des oberbayerischen Automobilzulieferers Webasto mit dem Coronavirus infiziert. Auch diese drei Personen werden nun im Klinikum Schwabing in München isoliert und medizinisch überwacht. Laut dem Gesundheitsministerium laufen derzeit auch bei weiteren Kontaktpersonen Ansteckungstests.

Die erste in Deutschland gemeldete Coronavirus-Infektion war die eines weiteren Webasto-Mitarbeiters, die in der Nacht von Montag auf Dienstag bekannt gemacht worden war. Der Mann hatte sich offenbar im Rahmen einer Fortbildung bei einer chinesischen Kollegin angesteckt, die jedoch bereits nach China zurückgekehrt ist.

Medizin So ist die Stimmung in der Webasto-Zentrale
Coronavirus in Bayern

So ist die Stimmung in der Webasto-Zentrale

Gegen sieben Uhr am Morgen gibt es eine Rundmail an die Angestellten des Automobilzulieferers - von der Ansteckung eines Kollegen ist darin noch keine Rede.   Von Carolin Fries

Chinesisches Frühlingsfest in Unterhaching abgesagt

Dienstag, 28. Januar, 19.17 Uhr: Es sollte ein großes Fest der Begegnung werden, mit einem Kulturprogramm, einem Büfett mit Köstlichkeiten aus verschiedenen Ländern und allerlei Prominenz. Doch wenige Tage vor dem interkulturellen chinesischen Frühlingsfest am Samstag in der Hachinga-Halle in Unterhaching haben die beiden Organisatorinnen Wenping Tang und Inci Ahmad alles wieder abgesagt. Grund dafür ist das Coronavirus, das zuerst in der zentralchinesischen Region Wuhan aufgetreten war, sich von dort aus inzwischen verbreitet und derzeit die Schlagzeilen beherrscht. "Unsere Veranstaltung ist zwar ein Fest von und für Leute, die schon lange im Landkreis München leben, wir erwarten auch keine Gäste aus China", sagt Wenping Tang; dennoch hätten sie in den vergangenen Tagen viele besorgte Anrufe erreicht, begründet die Unterhachingerin die Absage.

Insbesondere habe es Nachfragen gegeben, ob nicht Personen anwesend sein könnten, die gerade von eine Reise aus Asien zurückgekehrt sind, so Wanping Tang. "Das kann ich natürlich nicht garantieren. Das kann keiner, der zu einer großen Veranstaltung einlädt, auch andere Institutionen oder die Schulen nicht." Aber spätestens seit am Montagabend der erste Corona-Fall in Bayern bekannt wurde, sei ihr klar geworden, "dass es besser ist, das Fest abzusagen oder zumindest zu verschieben" - bis sich die Lage beruhigt hat. Sie tue das schweren Herzens, denn sie habe nach der eher spontanen Party beim Debüt im vergangenen Jahr dieses Mal viel vorbereitet und Zusagen von hochkarätigen Mitwirkenden erhalten.

Mundschutz in einzelnen Apotheken ausverkauft

Dienstag, 28. Januar, 16.05 Uhr: Auch wenn Mediziner ihren Einsatz in Deutschland nicht für sinnvoll halten: In Bayern sind Mundschutzmasken in einzelnen Apotheken bereits ausverkauft. Er habe Entsprechendes von Betrieben in Unterfranken und München gehört, sagte ein Sprecher des bayerischen Apothekerverbandes am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit gebe es angesichts des Coronavirus eine verstärkte Nachfrage. Zudem sei es bei einigen Großhändlern schwierig, Nachschub zu bekommen.

Am Dienstag wurde bekannt, dass der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland ein 33 Jahre alter Mann aus Kaufering im Landkreis Landsberg am Lech ist. Er liegt derzeit auf der Isolierstation des Klinikums Schwabing in München. Seine Frau und sein Kind würden derzeit im häuslichen Umfeld isoliert, sagte ein Sprecher des Landratsamts.

Auch der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels bestätigte, dass einzelne Großhändler die Nachfrage aus den Apotheken nicht bedienen könnten. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg, hält nichts von der Anwendung der Masken: "Persönlicher Schutz ist im Augenblick vollkommen unsinnig", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Sogenannte chirurgische Gesichtsmasken sind dem Experten zufolge zudem eigentlich nicht zum Schutz vor Ansteckungen gemacht, sondern sollen verhindern, dass möglicherweise infektiöse Tröpfchen aus dem Atemtrakt von Chirurgen in das Operationsgebiet gelangen. Es ergebe Sinn, zum Beispiel als Grippekranker eine Maske zum Schutz anderer Menschen zu tragen. "Aber der Schutz vor einer Infektion von außen ist sehr, sehr schlecht damit", sagte Salzberger.

Webasto bei Starnberg: Zwei chinesische Schulungsgäste ohne Corona-Symptome

Dienstag, 28. Januar, 15.05 Uhr: Bei dem oberbayerischen Autozulieferer Webasto, bei dem ein Mitarbeiter an dem Coronavirus erkrankt ist, sind derzeit keine Kollegen aus China mehr zu Gast. Der 33-Jährige hatte gemeinsam mit drei chinesischen Gästen und weiteren Kollegen an einer Schulung am Standort in Gauting-Stockdorf teilgenommen. Alle drei Gäste seien am 23. Januar nach China zurückgereist, sagte eine Unternehmenssprecherin am Dienstag. Eine chinesische Kollegin erkrankte dann an dem Virus. Von den beiden anderen chinesischen Mitarbeitern seien bisher keine Krankheitssymptome bekannt, sagte die Sprecherin.

Der erkrankte Mitarbeiter aus Gauting habe bei der Schulung den ganzen Tag mit der später erkrankten chinesischen Kollegin in einem Raum gesessen. Ob beide Tischnachbarn waren oder sich gegenüber saßen, so dass die Ansteckungsgefahr erhöht war, konnte die Sprecherin nicht sagen.

Webasto sagte alle Reisen nach und von China für mindestens die kommenden zwei Wochen ab. Webasto stellt hauptsächlich Autoschiebedächer und Standheizungen her und hat in China mehr als zehn Standorte. Die größte Fabrik befindet sich in der Millionenmetropole Wuhan, in der die neuartige Lungenkrankheit zuerst ausbrach.

Behörden wollen weitere Maßnahmen einleiten

Dienstag, 28. Januar, 14.22 Uhr: Die Behörden wollen nun nach und nach weitere Maßnahmen in Bayern einleiten. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) schaltete am Dienstag eine spezielle Hotline frei. Sie ist unter der Telefonnummer 09131/6808-5101 zu erreichen. Dort beantworten freie Mitarbeiter des LGL Fragen von Bürgerinnen und Bürgern oder auch Firmen zum Umgang mit dem Coronavirus, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Auch einige Krankenkassen haben eigene Info-Telefone eingerichtet. Am Münchner Flughafen werden die Passagiere nach Angaben des Landesamtes mit Plakaten in drei Sprachen aufgefordert, bei Verdacht einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus einen Arzt aufzusuchen.

Weitere Eskalationsstufen des Alarmplans sind möglich: Derzeit werde gemeinsam mit dem Bund beraten, "ob es sinnvoll sein kann, an Flughäfen Fieber zu messen", sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Die weltgrößte Spielwarenmesse in Nürnberg erwartet angesichts des Coronavirus-Ausbruchs in diesem Jahr weniger Besucher aus China.

Einen Grund zur Panik gebe es trotz allem nicht, betonte Huml - ebenso wie ihr Amtskollege, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Der Fall zeige, "dass wir gut vorbereitet sind", sagte er am Morgen. Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland bleibe auch nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts weiterhin gering.

Bayerische Unternehmen bremsen oder stoppen Chinareisen

Dienstag, 28. Januar, 13.37 Uhr: Wegen des Coronavirus treten bayerische Unternehmen bei Dienstreisen nach China auf die Bremse. BMW, Audi, und Siemens erklärten am Dienstag auf Nachfragen, dass nur noch zwingend notwendige Dienstreisen nach China angetreten werden. Die Allianz hat Geschäftsreisen aus Singapur, dem Sitz ihrer Holding für Asien und den Pazifikraum, nach China vorübergehend gestoppt. Zudem bittet der Konzern alle seine Mitarbeiter, Reisen nach China nach Möglichkeit auszusetzen.

Der Automobilzulieferer Webasto, bei dem ein Mitarbeiter in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert ist, stoppte Dienstreisen nach China und innerhalb Chinas komplett. Bei Schaeffler gilt bereits seit vergangener Woche ein Reiseverbot nach und aus China. Von Brose hieß es am Dienstag, man nehme "von Dienstreisen nach China Abstand", Einzelfälle würden geprüft.

"Wir empfehlen den Mitarbeitern, dringend zu überlegen, ob sie wirklich aktuell nach China reisen müssen, auf Telefonkonferenzen oder virtuelle Meetings zurückzugreifen oder die Reise zu verschieben", sagte eine Siemens-Sprecherin. Der Konzern hat in der betroffenen chinesischen Stadt Wuhan einen Standort mit rund 900 Mitarbeitern. Derzeit seien dort keine Erkrankungen bei Mitarbeitern bekannt. Auch bei Brose sind keine Erkrankungen in China bekannt, der Konzern hat in Wuhan ein Joint Venture mit rund 300 Mitarbeitern.

Krippe im Kreis Landsberg am Lech bleibt offen

Dienstag, 28. Januar, 12.35 Uhr: Die Kinderkrippe in Kaufering, in der das Kind des an dem Coronavirus erkrankten Mannes betreut wird, bleibt vorerst geöffnet. "Wir sehen derzeit keine Veranlassung dazu, die Krippe zu schließen", sagte ein Sprecher des Landratsamts Landsberg am Dienstag. "Weder die Frau noch das Kind des Patienten sind bisher erkrankt."

Die Eltern der betroffenen Einrichtung würden nun informiert, sagte der Sprecher. Ihre Kinder könnten diese aber weiter besuchen.

Informationsplakate zu Coronavirus am Münchner Flughafen

Dienstag, 28. Januar, 11.55 Uhr: Am Münchner Flughafen werden die Passagiere mit Plakaten in drei Sprachen aufgefordert, bei Verdacht einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus einen Arzt aufzusuchen. Das hat das Landesamt für Gesundheit veranlasst, wie ein Sprecher des Flughafens am Dienstag sagte. Auf Deutsch, Englisch und Chinesisch werden die Symptome und Vorbeugungsmaßnahmen bei Reisen in die Risikogebiete kurz beschrieben und Ansprechpartner genannt.

Entworfen wurden die Plakate vom Frankfurter Gesundheitsamt, auch am dortigen Flughafen sowie an den Berliner Flughäfen sind die Plakate aufgestellt worden. Regie bei Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen haben die Behörden. Am Münchner Flughafen gibt es eine Task Force Infektiologie, die rund um die Uhr einsatzbereit ist.

Vorsichtsmaßnahmen bei Webasto nach Coronavirus-Infektionen

Dienstag, 28. Januar, 11.40 Uhr: Nach den Coronavirus-Infektionen zweier Mitarbeiter hat der oberbayerische Autozulieferer Webasto eine ganze Reihe von Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Sowohl Dienstreisen nach China als auch innerhalb Chinas sind vorerst ausgesetzt, wie eine Sprecherin am Dienstag sagte. In der Unternehmenszentrale in Stockdorf südwestlich von München ist den 1000 dort beschäftigten Kolleginnen und Kollegen freigestellt, zu Hause zu arbeiten.

Die Mitarbeiter wurden darüber hinaus gebeten, Termine mit externen Besuchern in Stockdorf zu verschieben oder auf Telefonkonferenzen auszuweichen. Bei Terminen außer Haus sollen Stockdorfer Kolleginnen und Kollegen ihren Ansprechpartnern anbieten, bereits ausgemachte Termine zu verschieben oder sie telefonisch abzuhalten. Beides gilt zunächst für die nächsten zwei Wochen. Webasto hatte zuvor bestätigt, dass ein Mitarbeiter in Stockdorf von einer chinesischen Kollegin aus Schanghai mit dem neuen Coronavirus angesteckt worden sei, die vergangene Woche zu Besuch war und erst nach ihrem Rückflug in China positiv getestet wurde. Beide seien stationär in ärztlicher Behandlung, es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut, erklärte Vorstandschef Holger Engelmann. Das Unternehmen prüft derzeit, mit welchen Kollegen die beiden Erkrankten in Kontakt waren. Die Betreffenden sollen dann sämtlich informiert werden.

Webasto stellt hauptsächlich Autodächer und Standheizungen her und hat in China mehr als zehn Standorte, einen davon in der Millionenmetropole Wuhan, in der die neuartige Lungenkrankheit zuerst ausgebrochen war. Die Schanghaier Mitarbeiterin war demnach nicht in Wuhan, hat dort aber Familie.

Art der Ansteckung im Coronavirus-Fall in Bayern "neu"

Dienstag, 28. Januar, 11.02 Uhr: Der erste bestätigte Coronavirus-Fall in Deutschland liefert nach Ansicht der bayerischen Gesundheitsbehörden neue Erkenntnisse über die Ansteckungswege der Lungenkrankheit. Wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Dienstag in München mitteilte, hat sich der 33 Jahre alte Mann nach ersten Erkenntnissen bei einer Chinesin angesteckt, die zu dem Zeitpunkt noch keine Symptome der Krankheit zeigte. "Das ist neu, dass wir das so wissen", sagte der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch. Die Behörden müssten aber noch mit der Chinesin sprechen, um das zu bestätigen.

Landesamt: Bislang keine weiteren Verdachtsfälle

Dienstag, 28. Januar, 10.39 Uhr: Bislang hat es in Deutschland nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Dienstag keine weiteren Verdachtsfälle gegeben. "Wir haben bislang keinen finden können, der noch weitere Symptome hat", sagte LGL-Präsident Andreas Zapf in München. Das sei aber "Stand jetzt, 10.30 Uhr". Die Behörden seien derzeit damit beschäftigt, herauszufinden, mit wem die beiden Mitarbeiter der Firma Webasto Kontakt hatten. Das müsse jetzt "ganz rasch" gehen.

Die bayerischen Behörden überprüfen jedoch 40 Kontaktpersonen in der Firma und der Familie des erkrankten Webasto-Mitarbeiters. Das sagte der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch, am Dienstag in München. "Die Zahl kann noch steigen."

Rotes Kreuz mit Sondereinheiten

Dienstag, 28. Januar, 10.13 Uhr: Sollte sich das Coronavirus in Bayern verbreiten, stehen beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) zwölf Schnelleinsatzgruppen bereit. Diese Sondereinheiten seien auf die Behandlung, Betreuung und den fachgerechten Transport von beispielsweise hochinfektiösen Patienten spezialisiert, teilte das BRK am Dienstag mit.

Bereits am Wochenende sind laut BRK standardisierte Prozeduren für den Ernstfall entwickelt worden, die allen Einsatzdiensten zur Verfügung stünden. "Im Vorgehen für die Einsatzkräfte ändert sich zunächst nichts", sagte Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Persönliche Schutzausrüstung wie Mundschutz, Atemschutzmasken und Schutzanzüge und -brillen würden ohnehin in allen Rettungsfahrzeugen mitgeführt.

Erster Coronavirus-Fall in Deutschland bestätigt

Montag, 27. Januar 2020: In Deutschland ist erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt worden. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg in Bayern habe sich infiziert, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am späten Montagabend mit.

© SZ.de/dpa/kast/mmo
Medizin Kontakt mit Coronavirus-Patienten: 40 weitere Personen ermittelt

Erster Fall in Deutschland

Kontakt mit Coronavirus-Patienten: 40 weitere Personen ermittelt

Ein 33-Jähriger aus dem Landkreis Landsberg hat sich mit dem neuen Virus infiziert und liegt nun in einem Münchner Krankenhaus. Dem Patienten geht es gut. Doch für die Behörden beginnt nun die Arbeit, auch einen Kindergarten haben sie im Blick.   Von Kassian Stroh

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