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Coronavirus im Landkreis Starnberg:110 Menschen unter Corona-Verdacht

Gauting Scharnagel Hannelore

Sorgt sich nicht nur um Kinder, die über die Straße wollen: Schulweghelferin Hannelore Scharnagl will vorbereitet sein auf das Coronavirus. Deshalb trägt sie Mundschutz. Doch Experten halten das nicht für sinnvoll.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Behörden ermitteln immer mehr Personen mit Kontakt zu den fünf infizierten Webasto-Mitarbeitern. Bislang liegen nur 17 neue Ergebnisse vor.

Von Michael Berzl und Christoph Koopmann

Der Kreis der Personen, die sich möglicherweise im Umfeld von Webasto mit dem Coronavirus infiziert haben, weitet sich aus. Nun sollen 110 Personen auf eine Ansteckung getestet werden, teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Donnerstagnachmittag mit. Sie hatten Kontakt mit den erkrankten Webasto-Mitarbeitern. Am Donnerstagabend gab das Gesundheitsministerium bekannt, dass sich die Zahl der Infizierten auf fünf erhöht habe. Von 17 Menschen lagen Testergebnisse vor, sie alle sind laut Ministerium nicht infiziert. Am Mittwoch waren zunächst Proben von 40 Mitarbeitern des Autozulieferers aus Stockdorf genommen worden.

Nächste Ergebnisse erwarten die Behörden am Freitag. Die ermittelten Kontaktpersonen sollten vorsorglich zu Hause bleiben. Die Gesundheitsämter suchen nun nach weiteren Menschen, die mit den Infizierten enger zu tun hatten. Man habe alle Krankenhäuser in Bayern gebeten, "sich auf die Aufnahme von begründeten Verdachtsfällen und Patienten mit einer bestätigten Infektion vorzubereiten", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

Die Asklepios-Lungenfachklinik in Gauting hat bereits gesonderte Bereiche eingerichtet. Wie mit Erkrankten umzugehen wäre, wüssten Ärzte und Pfleger, sagt Marion Heiß-Neumann, Leitende Oberärztin der Infektiologie. Auch die Asklepios-Klinik verfügt über eine Isolierstation. Bisher ist dort laut Klinik kein mit dem Coronavirus Infizierter untergebracht.

Die Klinik führt nun auch bei begründeten Verdachtsfällen Tests auf eine Infektion mit dem Coronavirus durch. Wer direkten Kontakt mit Erkrankten hatte oder vom Hausarzt wegen auffälliger Symptome in die Klinik überwiesen wird, kann untersucht werden. Wer zu einem Test komme, bekomme laut Oberarzt Jürgen Sklarek einen Mundschutz und werde durch einen Hintereingang direkt zur Infektiologie gebracht. Bisher seien nur drei oder vier Webasto-Mitarbeiter gekommen.

Dass sich Bürger selbst vor einer Ansteckung schützen können, hält Infektiologin Heiß-Neumann für zweifelhaft. Hannelore Scharnagl will es trotzdem versuchen. Sie steht am Donnerstagmittag, wie jeden Tag in der Schulzeit, auf der Gautinger Bahnhofstraße und lotst Schulkinder auf die andere Seite. Wie immer trägt sie ihre neonfarbene Verkehrshelfer-Uniform. Nur: Ihr Gesicht ist nun bis knapp unter die Augen unter einem Mundschutz versteckt. Denn im Moment sorgt sich Scharnagl, 66, nicht nur um die Gesundheit der Kinder, sondern auch um ihre eigene. Sie wolle sich eben schützen vor dem Virus. Die Maske? "Reine Vorsichtsmaßnahme." Was, wenn zufällig mal jemand über die Straße will, der das Virus in sich trägt? Womöglich ist die Vorsicht berufsbedingt, Scharnagl hat vor ihrer Rente als Krankenschwester gearbeitet. Den Mundschutz hat sie noch zu Hause gehabt - in Apotheken sind die Masken seit Tagen ausverkauft.

Oberärztin Heiß-Neumann weiß, dass ein neues Virus Ängste weckt. Doch ein einfacher Papier-Mundschutz bewahre nicht davor, sich bei anderen anzustecken: "Leidet man aber selbst an einem aktiven Infekt wie der Influenza, ist es sinnvoll, diese Masken zum Schutz anderer Menschen zu tragen." Die Masken schützten vor allem den Träger davor, sich an Mund oder Nase zu fassen, also vor einer Schmierinfektion. Spezielle Masken, die Atemluft filtern, seien jedoch nur in Spezialfällen für medizinisches Personal notwendig. Heiß-Neumann empfiehlt effektivere Methoden: häufiges Händewaschen und Abstand zu Personen mit akuten Atemwegserkrankungen. Das gelte in dieser Jahreszeit - "ganz unabhängig vom Coronavirus".

© SZ vom 31.01.2020
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