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Coronavirus-Newsblog für Bayern:Wegen Corona sind die Tierheime leer

Die Tierheime in Bayern melden, dass zuletzt weniger Tiere bei ihnen abgegeben worden sind.

(Foto: Catherina Hess)
  • In Bayerns Tierheimen gibt es kaum noch Hunde, Katzen oder Kaninchen: Viele Menschen haben zuletzt ein Tier abgeholt, zugleich werden weniger abgegeben.
  • Nach den Pfingstferien dürfen viele Kinder wieder in Krippe oder Kindergarten gehen, von Juli an dann vermutlich alle - so der Plan des Sozialministeriums. Ein Überblick über die aktuell geltenden Einschränkungen und geplante Lockerungen.
  • Etwa 290 000 Menschen waren im Mai in Bayern als arbeitslos gemeldet - fast die Hälfte mehr als vor einem Jahr.
  • Die aktuelle Zahl der Coronavirus-Infektionen und Todesfälle in Bayern fasst diese interaktive Karte zusammen. Sie zeigt auch, welche Landkreise besonders betroffen sind.

Hunde, Katzen und Kaninchen aus Tierheimen sehr gefragt

Donnerstag, 4. Juni, 7.59 Uhr: In zahlreichen Tierheimen in Bayern stehen zurzeit Zwinger und Käfige leer. Seit Beginn der Corona-Krise habe es verstärkte Nachfrage nach Hunden, Katzen oder Kaninchen gegeben und zugleich seien weniger Tiere abgegeben worden, sagte Ilona Wojahn, Präsidentin des Landesverbandes Bayern des Deutschen Tierschutzbundes und Leiterin des Tierheimes Dingolfing. Sie habe Anfragen von anderen Tierheimen bekommen, ob sie ihr Hunde zum Vermitteln abnehmen könnten, weil diese Heime selbst keine Tiere mehr hatten.

Die Menschen hätten während der Lockdown-Wochen wohl einfach mehr Zeit gehabt, ein neues Haustier einzugewöhnen, vermutete Wojahn. Die Tierheim-Mitarbeiter hätten die Interessenten jedoch gut geprüft, um die Pflege des Tieres auch nach Corona sicherzustellen: "Die Krise geht vorüber, aber wer kümmert sich dann um den Hund?" Im Dingolfinger Tierheim seien nun die unkomplizierten Hunde weg. Die, die noch da seien, seien die verhaltensauffälligen, schwer vermittelbaren Fälle. Auffallend sei auch, dass weniger Tiere abgegeben worden seien. So habe es wegen der Grenzschließungen keine illegalen Welpen-Transporte gegeben, sagte Wojahn.

Ähnlich hoch wie in jedem Jahr sei heuer die sogenannte Babykatzen-Schwemme. Immer im Frühjahr würden trächtige Katzen oder Katzenbabys abgegeben. Weil aber mehr Katzen vermittelt worden seien, sei die Zahl insgesamt niedriger. "Wir haben zwischen 60 und 70 Katzen da. Letztes Jahr waren es um die 150." Ähnliche Erfahrungen haben zum Beispiel die Tierheime in Nürnberg und Straubing gemacht. Die Leute hätten sich nicht für ein Tier interessiert, weil sie im Lockdown einsam gewesen waren, sagt Ricarda Schumann, Leiterin des Tierheimes in Straubing, sondern weil sie eben Zeit hatten, das Tier einzugewöhnen.

Kita-Betrieb von Juli an wieder für alle Kinder

Mittwoch, 3. Juni, 11.59 Uhr: Von Juli an sollen alle Kinder in Bayern wieder in Kindergärten und Krippen dürfen. "Kinder brauchen Kinder. Auch den Eltern wollen wir eine Perspektive geben. Daher steht nun die nächste Ausweitung der Notbetreuung bevor", sagte Sozial- und Familienministerin Carolina Trautner (CSU). Sofern die Corona-Infektionszahlen es zulassen, sieht das Konzept zwei Schritte vor. Vom 15. Juni 2020 an können demnach auch Kinder, die im Schuljahr 2021/2022 schulpflichtig werden, wieder in ihre Kitas gehen. Gleiches gilt für die Kinder, die am Übergang von der Krippe zum Kindergarten stehen. Damit könnten dann rund 80 Prozent der Kinder wieder ihre Einrichtungen besuchen. Zum 1. Juli soll das dann wieder allen Kindern möglich sein.

Für die neuerlichen Lockerungen seien die Bedürfnisse der Kinder ausschlaggebend, hieß es weiter. Mit zunehmendem Alter der Kinder seien themenbezogene Bildungs- und Erziehungsziele wichtig und Kompetenzen mit Blick auf den Übergang in die Schule würden in den Vordergrund treten. "Aus pädagogischer Sicht wollen wir auch die Krippenkinder auf den Übergang in den Kindergarten vorbereiten und ihnen den Abschied von ihrer Einrichtung ermöglichen", sagte Trautner. Auch Kinder, die im selben Haushalt leben und dieselbe Einrichtung besuchen wie die zugelassenen Kinder, könnten ebenfalls wieder betreut werden.

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Corona-Krise lässt Arbeitslosigkeit stark steigen

Mittwoch, 3. Juni, 10.02 Uhr: Die Corona-Krise macht sich deutlich auf dem bayerischen Arbeitsmarkt bemerkbar. Im Mai stieg der Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum April um 6,9 Prozent auf 290 580. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Arbeitslosigkeit um fast die Hälfte, um genau 44,4 Prozent, wie die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,8 Prozent - dem höchsten Wert für einen Mai seit zehn Jahren.

"Trotz der Lockerungen der Beschränkungen steht die bayerische Wirtschaft noch vor großen Herausforderungen", sagte der Chef der Regionaldirektion, Ralf Holtzwart. "Manche Bereiche der Wirtschaft sind weiterhin geschlossen, Lieferketten funktionieren noch nicht überall, andere Vertriebswege müssen gefunden werden." In der Folge nutzten Unternehmen Kurzarbeit und flexible Arbeitszeiten, um ihre Belegschaft zu halten. Im Mai gingen bei der Regionaldirektion 13 364 Anzeigen für Kurzarbeit in Bayern ein. Im März und April zusammen waren es 125 998. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Betriebe am Ende tatsächlich in Kurzarbeit schicken, kann die Arbeitsagentur nach eigenen Angaben erst nach deren Abrechnung sehen. Dafür haben die Unternehmen drei Monate Zeit.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bremsen in diesem Jahr auch die für Mai übliche Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt. Im Vergleich zum April zog die Nachfrage nach Arbeitskräften in Bayern aber wieder an. Im Mai waren knapp 15 200 offene Stellen bei der Regionaldirektion gemeldet und damit 17,2 Prozent mehr als im April. Im Vergleich zum Mai 2019 ist das aber ein Rückgang um 42,7 Prozent. Vor allem Gastgewerbe, Industrie, Gesundheits- und Sozialwesen und Handel suchten weniger Arbeitskräfte.

Mit einer baldigen Trendumkehr rechnet die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft nicht. "Das wird sich in den kommenden Monaten auch noch fortsetzen, denn der Arbeitsmarkt reagiert grundsätzlich mit Verzögerung auf die wirtschaftliche Entwicklung", teilte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt mit. Hoffnung mache, dass Unternehmen im Mai wieder mehr offene Stellen als im April gemeldet hätten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Bayern forderte Landesregierung und Unternehmer zum Handeln auf, damit die Zahl der Arbeitslosen nicht weiter steige. "Neben der Beschäftigungssicherung muss nun die Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten ins Zentrum rücken", teilte der Vorsitzende Matthias Jena mit.

Baustaatssekretär: Besseres Bauen für mehr Gesundheitsschutz

Mittwoch, 3. Juni, 7.33 Uhr: Als Lehre aus der Corona-Krise fordert Bayerns Baustaatssekretär Klaus Holetschek (CSU) neue Leitlinien für künftige Bauplanungen von öffentlichen Gebäuden wie Kindergärten, Schulen, Hotels oder Gaststätten: beispielsweise getrennte Ein- und Ausgänge bei öffentlichen Gebäuden, Hygieneschleusen in Krankenhäusern und neue Lüftungssysteme. "Wir müssen das Thema Bauen von Grund auf neu denken", sagte Holetschek der Deutschen Presse-Agentur.

Bei der Raumaufteilung etwa müsse man künftig schauen, ob diese für Isolationsmaßnahmen geeignet sei oder ob die Zimmer groß genug seien, um Mindestabstände einzuhalten. "Und ganz wichtig ist natürlich die Frischluftzufuhr", sagte Holetschek. "Denn Lüftungssysteme, Fenster, Balkone und Terrassen bekommen vor dem Hintergrund des Virus noch einmal einen viel höheren Stellenwert." Die Corona-Pandemie zeige, dass Fragen des Gesundheitsschutzes sämtliche Lebensbereiche betreffe, so Holetschek. Man müsse die aktuellen Erfahrungen klug für dauerhafte Verbesserungen nutzen.

Veranstalter von Musikfestivals: Corona-Richtlinien "überwiegend nicht anwendbar"

Dienstag, 2. Juni, 12.58 Uhr: Die Corona-Richtlinien der bayerischen Staatsregierung für Kulturbetriebe sind nach Ansicht einer Vereinigung von Musikfestivals kaum umzusetzen. "Die formulierten Handlungsrichtlinien für die Wiederaufnahme des Veranstaltungsbetriebes sind in mehreren Punkten nicht schlüssig und in der betrieblichen Praxis überwiegend nicht anwendbar", hieß es am Dienstag in einer Mitteilung des Forum Musik Festivals, das nach eigenen Angaben rund 100 Musikfestivals in Deutschland vertritt.

Konkret wird beispielsweise ein Verzicht auf die Maskenpflicht und personalisierte Tickets gefordert. Außerdem müsse die zugelassene Zahl der Besucher sich an der Größe der Veranstaltungsfläche bemessen. "Die pauschale Anzahl von Personen bei Veranstaltungen ohne Berücksichtigung der Fläche ist ungerechtfertigt." Ohne eine Änderung der Maßnahmen werde "es auch in den kommenden Wochen keinen Kulturbetrieb geben können". Innerhalb der vergangenen Tage seien "zahlreiche Hilferufe" aus dem Freistaat beim Forum eingegangen. Die bundesweite Vereinigung stellt die Forderung stellvertretend, da viele bayerische Festivals Geld vom Freistaat bekämen und zögerten, "selbst innerhalb des Freistaates ihre Stimme zu erheben, weil sie befürchten müssen, bei zukünftigen Projektförderungen von Kürzungen betroffen zu sein".

Vom 15. Juni an sind Konzerte, Theateraufführungen und andere Kulturveranstaltungen in Bayern unter strengen Auflagen wieder erlaubt - in geschlossenen Räumen mit bis zu 50 Personen, im Freien mit bis zu 100 Personen.

Aktuelles zum Coronavirus aus dem Münchner Umland

Seit Ende Januar ist das Coronavirus in Deutschland nachgewiesen, der erste Patient war ein Mann aus dem Münchner Umland. Die Landeshauptstadt und die angrenzenden Landkreise sind von der Pandemie in Bayern mit am stärksten betroffen. In diesen Newsblogs informiert die Süddeutsche Zeitung über die Entwicklung in einzelnen Landkreisen:

Aktuelle Meldungen und Informationen aus der Stadt München

Die Lage im Landkreis München

Die Lage im Landkreis Freising

Die Lage im Landkreis Starnberg

Die Lage im Landkreis Fürstenfeldbruck

Schreyer: Fast alle Fahrgäste halten sich an Maskenpflicht

Dienstag, 2. Juni, 10.38 Uhr: Die Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr und in den Zügen in Bayern wird nach Aussage von Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) gut eingehalten. In Bussen und Bahnen seien es gut 99 Prozent der Fahrgäste, die sich daran hielten. Da klappe es gut, sagte Schreyer am Montag in München. "Wo es noch nicht gut geht, ist an Bahnsteigen und Bushaltestellen." Hier sei vielen Fahrgästen noch nicht bewusst, dass auch in den Wartebereichen und Bahnhöfen ein Mund-Nase-Schutz getragen werden müsse. Die Polizei kontrolliere engmaschig. Zudem sei zu bedenken, dass es Menschen gebe, die keine Maske tragen könnten, etwa Asthmatiker.

Spargel-Erntehelfer in Quarantäne

Dienstag, 2. Juni, 10.31 Uhr: Nachdem am Pfingstwochenende zwei Erntehelfer auf einem Spargelhof im Landkreis Aichach-Friedberg positiv auf das Coronavirus getestet wurden, befinden sich 50 weitere Erntehelfer nun in Quarantäne. "Die beiden Infizierten wurden isoliert, einer davon ist aktuell im Krankenhaus", sagte ein Sprecher des Landratsamts Aichach-Friedberg am Dienstag. "Die 50 Kontaktpersonen werden im Laufe der Woche alle auf das Virus getestet. Sofortige Tests machen meist keinen Sinn, da der Erreger dann oft noch nicht nachgewiesen werden kann." Das Gesundheitsamt steht laut Sprecher eng mit dem betroffenen Spargelhof in Kontakt. "Da der Betreiber bereits im Vorfeld Abläufe für einen solchen Fall festgelegt hat, läuft die Zusammenarbeit sehr gut und die Isolierten werden gut versorgt."

Neuschwanstein und Linderhof öffnen wieder

Dienstag, 2. Juni, 8.09 Uhr: Heute öffnen nun auch die Publikumsmagneten unter den bayerischen Schlössern. Grundsätzlich haben die bayerischen Schlösser seit dem 30. Mai geöffnet, bei Schloss Neuschwanstein, Schloss Linderhof, der Residenz Würzburg, der Residenz München mit Schatzkammer und Cuvilliés-Theater, der Residenz Ansbach und der Willibaldsburg Eichstätt mussten die Besucher allerdings ein paar Tage länger warten. Sie müssen sich - wie in den anderen Schlössern auch - allerdings auf Einschränkungen gefasst machen. So kann es sein, dass manche Räume nicht zugänglich sind und dass es zu Wartezeiten beim Einlass kommt. Wegen der Corona-Pandemie gibt es geführte Gruppen und Obergrenzen bei der Zahl der Besucher. Ein Mund-Nasen-Schutz muss getragen werden.

Einige Schlösser bleiben aus Infektionsschutzgründen geschlossen, weil sie zu eng sind, etwa die Eremitage in Bayreuth, Schloss Rosenau bei Coburg, in München die Bavaria, die Pagodenburg und die Magdalenenklause im Schlosspark Nymphenburg sowie die Schlosskapelle der Blutenburg, das Königshaus am Schachen und das Schloss Veitshöchheim.

Kleiderkammern öffnen wieder

Montag, 1. Juni, 17.33 Uhr: Bayerns Kleiderkammern öffnen allmählich wieder ihre Türen: Nachdem viele Standorte aufgrund der Corona-Krise zwischenzeitlich schließen mussten, können Bedürftige nun wieder auf die karitativen Angebote zurückgreifen. Doch einige Einrichtungen bleiben nach wie vor geschlossen. Grund hierfür sind fehlende Ehrenamtliche, da viele der freiwilligen Helfer altersbedingt in die Risikogruppe für Covid-19 fallen, wie Tobias Utters von der Caritas Bayern erklärte. Der Bedarf an günstiger Kleidung steige in Bayern derweil. Zudem sei die Spendenbereitschaft gewachsen.

Im Freistaat ist ein Rückgang der Nachfrage - anders als in anderen Bundesländern - auch laut Marion Losert, Leiterin des Sozialkaufhauses Augsburg nicht zu beobachten. In der Einrichtung, die neben Kleidung auch Möbel, Elektro- und Haushaltsgeräte verkauft, sei Kleidung "nach wie vor der Hauptposten". Im Februar hatte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Sachsen bekanntgegeben, dass Kleiderkammern schließen mussten, weil diese nicht mehr finanzierbar waren. Hintergrund sei ein Rückgang an Nachfrage nach Kleidung gewesen, der zu sinkenden Einnahmen geführt habe. Auch in Berlin wurde von ähnlichen Entwicklungen berichtet.

"Einen Rückgang der Nachfrage sehen wir nicht. Im Gegenteil. Außerdem kommen viel mehr junge Leute in das Sozialkaufhaus", so Losert, deren Einrichtung auch Ende April wieder öffnen durfte. Auch in Augsburg verzeichne man eine steigende Spendenbereitschaft.

Geringer Reiseverkehr an Pfingsten - viele Ausflügler im Allgäu

Montag, 1. Juni, 13.25 Uhr: Corona-Pfingsten lässt in Bayern vor allem die Urlauber zaudern - doch auf die Ausflügler ist Verlass. Mit etwas Verspätung zog es die Menschen am Wochenende und zum Start der Pfingstferien an die Seen und in die Berge. Zunächst konnte von einem Ansturm, der nach den wochenlangen Einschränkungen im Zuge der Corona-Krise teilweise erwartet wurde, nicht die Rede sein. Anders die Situation am Pfingstmontag: Bei traumhaftem Wetter ergoss sich am Nachmittag eine Welle von Ausflüglern vor allem über das Allgäu.

Aber auch in Oberbayern sorgte die Wetterbesserung am Montag für Ausflugslaune. Auf der Bundesstraße 318 Richtung Tegernsee staute sich zeitweise der Verkehr. Am See waren Spazierwege gut besucht, Menschen sonnten sich in Cafés, andere nutzten das schöne Wetter für eine Bootsfahrt.

Wie viel einigermaßen gutes Wetter ausmacht, zeigte sich im Allgäu schon am Sonntag. Während im Osten des Freistaats noch meist ein wolkenverhangener Himmel dominierte, lockerte es in Richtung Schwaben zügig auf. In Oberstdorf im Allgäu waren bei bestem Wanderwetter viele Parkplätze belegt. Einige Ausflügler wichen auf andere freie Flächen aus, die allerdings nicht zum Parken geeignet waren. Es hagelte Strafzettel.

Am Montag verschärfte sich die Situation noch. "Das komplette Allgäu ist voll, übervoll, von Füssen bis Lindau", sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Massenhaft strömten dort die Ausflügler am Nachmittag bei traumhaftem Wetter Richtung Berge und Seen. Dabei stellten sie ihre Autos ab, wo es ihnen gerade passte. Die Polizei kam mit dem Verteilen von Strafzetteln kaum nach. Das wilde Parken führte dazu, dass im Oberallgäu die Kreisstraße OA4 nahezu zugeparkt war, wie ein Polizeisprecher sagte.

Auch die oberbayerische Gemeinde Kochel am See erlebte an Pfingsten mit etwas Verspätung einen großen Andrang von Ausflüglern. Während es Samstag und Sonntag noch überschaubar zuging, wurde der malerische Ort am Montagnachmittag geradezu von Menschen geflutet. "Das ist heute richtig heftig", sagte Bürgermeister Thomas Holz. Auch er beklagte das rücksichtslose und wilde Parken. Viel Polizei sei daher im Einsatz gewesen.

Rund um den Chiemsee war es am Wochenende vergleichsweise ruhig. "Wir haben ja auch kein Badewetter", sagte ein Sprecher der dortigen Tourismusbranche am Sonntag. Besucher genossen zwar die Außengastronomie, ansonsten aber blieb es eher ruhig. "Es war eben ein normaler Tag", sagte der Sprecher. Doch auch hier nahm der Ausflugsverkehr am Montag zu.

Noch viel Luft nach oben sieht bei den Besucherzahlen die Bayerische Zugspitzbahn in Garmisch-Partenkirchen. Nach einem sehr mäßigen Beginn am Samstag trauten sich am Pfingstsonntag immerhin 700 Menschen auf Deutschlands höchsten Berg (2962 Meter). Bei leichtem Frost und Wolken war es dort nicht besonders gemütlich. "Der große Ansturm blieb aus", resümierte der Betreiber, der die Kapazität auch unter den Corona-Einschränkungen bei etwa 2500 Besuchern pro Tag sieht. An einem guten Besuchertag - ohne Einschränkungen - zieht es fast 5000 Menschen auf die Zugspitze. Abgesehen vom Allgäu und Teilen Oberbayerns war es auf den Straßen auch am Montag "unterm Strich sehr ruhig", wie die Polizei mitteilte. "Kein Vergleich zum letzten Jahr."

Protest auf der Theresienwiese

Samstag, 30. Mai, 18.30 Uhr: 1000 Menschen haben in München gegen die staatlichen Vorgaben zur Einschränkung der Corona-Pandemie demonstriert. Sie versammelten sich auf der Theresienwiese in einem abgegrenzten Areal. Bis zu 400 Personen standen laut Polizei im Umfeld der Theresienwiese am Bavariaring. Wie in den Vorwochen regelte die Polizei den Zugang. Um den Infektionsschutz zu gewährleisten, hatte die Stadt wieder auf einer Obergrenze von 1000 Teilnehmern bestanden; die Organisatoren hatten 10 000 angemeldet, waren aber vor Gericht gescheitert.

Wieder war das Spektrum der Teilnehmer gemischt, die Veranstalter betonen, politisch weder links noch rechts zu stehen. Viele Demonstranten trugen Schilder, auf denen sie mit teils drastischen Worten die Corona-Politik kritisierten. "Weg mit dem Maulkorb" oder "Grundgesetz wiederherstellen". Manche Teilnehmer und Redner auf der Bühne suggerierten, die Bundesrepublik sei auf dem Weg in eine Diktatur.

Claus-Dieter Meisel, der seit Wochen Corona-Demos in München anmeldet, so auch diese, betonte in seiner Rede, dass ihn die aktuelle Politik an die in der DDR erinnere. Er selbst habe die DDR vor 32 Jahren verlassen und habe schon wenige Jahre später den Eindruck, "dass die DDR mich einholt". Damals wie heute, in Dresden wie jetzt in München, heiße es seitens der Behörden: "Wir machen das alles nur zu Ihrem Schutz", so der Demo-Organisator.

Zahlreiche weitere Rednerinnen und Redner forderten ein rasches Ende der Corona-Beschränkungen und das Zulassen von 10 000 Teilnehmern. Das Coronavirus sei längst nicht so gefährlich, wie von Politik und vielen Medizinern dargestellt, die negativen Folgen der Einschränkungen seien dafür wesentlich gravierender. Die Regeln seien unverhältnismäßig und übertrieben, so der Tenor.

Zwei Redner, beide 70 plus, beklagten die Folgen der Beschränkungen für ihr Leben wie auch für das ihrer jüngeren Angehörigen. Eine Mutter und ein Vater beschrieben empört ihre Erfahrungen und die von anderen, deren Kinder über Wochen nicht in die Schüle gehen dürfen.

Laut Polizei verlief die Versammlung ohne Komplikationen, den Mindestabstand hielten fast alle Demonstranten ein.

Mäßiges Interesse an Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen

Samstag, 30. Mai, 16.10 Uhr: In vielen Städten Bayerns haben auch am Samstag Menschen gegen die ihrer Meinung nach zu strengen Corona-Maßnahmen demonstriert. Eine der größten Versammlungen fand in München statt, wo auf der Theresienwiese am Nachmittag unter dem Motto "Zusammenstehen für Freiheit, Grundrechte und Selbstbestimmung" rund 700 Menschen demonstrierten. Auf Plakaten hieß es "Grundgesetz wiederherstellen" und "Direkte Demokratie". Die Polizei war nach eigenen Angaben mit rund 800 Beamten im Einsatz.

Laut einer Polizeisprecherin war das Versammlungsgeschehen ruhig, auch die Abstandsgebote wurden eingehalten. Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts durften an der Veranstaltung in der Landeshauptstadt höchstens 1000 Menschen teilnehmen. Die Richter hatten - wie schon in der Woche zuvor - einen Eilantrag des Veranstalters abgelehnt, der gefordert hatte, 10 000 Menschen zuzulassen.

Im Stadtgebiet von Nürnberg waren gleich vier Protestveranstaltungen gegen die Corona-Beschränkungen angemeldet worden, unter anderem vor der Meistersingerhalle und auf der Wöhrder Wiese. Unmittelbar vor Beginn der Kundgebungen zeichnete sich jedoch ab, dass auch hier weniger Demonstranten als angemeldet erscheinen würden. Ein Polizeisprecher sprach von einem "ganz schwachen Zulauf".

Biergärten dürfen ab sofort bis 22 Uhr geöffnet haben

Freitag, 29. Mai, 14.45 Uhr: Bayerns Biergärten dürfen ab sofort wieder bis 22.00 Uhr Gäste bewirten. Die Staatsregierung zieht nach einer Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts Augsburg die eigentlich erst für Dienstag nach Pfingsten geplante Verlängerung der Öffnungszeiten für alle gastronomischen Außenbereiche vor.

Das Verwaltungsgericht Augsburg hatte am Donnerstag dem Eilantrag eines Gastronomen stattgegeben und die Öffnung der Außengastronomie bis 22.00 Uhr gestattet. Daraufhin erlaubte die Stadt Augsburg allen Wirten sofort, ihre Außenbereiche wieder bis 22.00 Uhr zu betreiben. Am Freitag hatten weitere Kommunen - darunter die Stadt Memmingen - ebenfalls entschieden, ihren Worten noch vor dem Pfingstwochenende längere Öffnungen zu erlauben. Der ursprüngliche, erst am Dienstag vom Kabinett beschlossene Plan der Staatsregierung sah vor, dass erst ab dem Dienstag nach Pfingsten Gäste in Biergärten und Gastronomie-Außenbereichen wieder bis 22.00 Uhr statt wie bisher bis 20 Uhr bewirtet werden dürfen. Um die Gleichbehandlung aller bayerischen Gastronomen zu gewährleisten, hat man die Lockerung nach dem Augsburger Urteil vorgezogen.

Schlösser öffnen wieder

Freitag, 29. Mai, 09.20 Uhr: Die meisten staatlichen Schlösser, Burgen und Residenzen werden von Samstag, 30. Mai und Dienstag, 2. Juni an wiedereröffnet. In allen Häusern gilt allerdings Maskenpflicht, die Besucherzahlen werden beschränkt und die Abstandsregeln sind einzuhalten. Weil das nicht überall möglich ist, bleiben einige Sehenswürdigkeiten weiterhin geschlossen.

Bauern sorgen sich um Almwiesen

Freitag, 29. Mai, 09.12 Uhr: Die Almbauern blicken mit Sorge auf die Pfingstferien. Sie erwarten angesichts eingeschränkter Reisemöglichkeiten einen Ansturm von Erholungssuchenden - Stress für die Almtiere. Manche Besucher seien auch ohne entsprechende Rücksichtnahme unterwegs, sagte Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. "Die Leute laufen kreuz und quer über die Almwiese. Sie sollen sich einfach an die Wege halten", sagte Stöckl. Manche Almfläche sei "belagert mit Picknickdecken". Mangels anderer Möglichkeiten habe es bereits an den vergangenen beiden Wochenenden einen Ansturm gegeben. Wenn Sportmöglichkeiten eingeschränkt und Einrichtungen bis hin zu Freibädern geschlossen seien, verwundere es nicht, "dass die Leute mit aller Macht in die Berge drängen".

Dabei startet just zu Pfingsten die Almsaison in den vollen Betrieb. Teils sind die Tiere schon jetzt auf den niedriger gelegenen Almen. Am Wochenende soll fast überall das Vieh auch auf die höheren Wiesen getrieben werden. Dabei sind auch Mutterkühe - eine immer noch unterschätzte Gefahr. Nun haben Alm- und Alpwirtschaftliche Vereine, Tourismusämter und Bauernverband Tafeln aufgestellt, die vor dem Vieh warnen. "Mit Hunden muss man vorsichtig sein auf der Alm", sagte Stöckl. Nicht nur Muttertiere, auch Jungrinder könnten eine Verteidigungshaltung einnehmen. Dabei haben die Tiere auch nachts immer weniger ihre Ruhe. "Es wird immer mehr zur Untugend, dass man auch nachts in den Bergen unterwegs ist", sagte Stöckl. Nicht zuletzt Mountainbiker seien auch in der Dämmerung oder bei Dunkelheit noch unterwegs. Gerade sie schrecken ruhende Tiere besonders auf.

Regierung und Opposition ringen um Umgang mit Corona-Krise

Donnerstag, 28. Mai, 18.14 Uhr: Staatsregierung und Opposition sind sich nach wie vor weitgehend einig im Kampf gegen das Coronavirus. Dissens gibt es aber über den richtigen Kurs und die richtigen Lehren aus der Krise sowie die notwendigen Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft. Bis auf die AfD stellten sich in einer Landtagsdebatte am Donnerstag alle Fraktionen hinter die einschneidenden Anti-Corona-Maßnahmen der vergangenen Wochen. "Wir haben gemeinsam die Ausbreitungskurve abgeflacht und verlangsamt", sagte etwa Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze.

Ärger ruft bei der Opposition der Umgang von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit dem Landtag hervor, der diese Woche fleißig in den Medien die neuen Corona-Maßnahmen präsentierte, nicht aber dem Landtag Rede und Antwort stand. Die Abgeordneten dürften nicht "durch Pressekonferenzen aus der Staatskanzlei lediglich in Kenntnis gesetzt werden", sagte der FDP-Fraktionschef am Donnerstag im Plenum. In einem Gesetzesentwurf forderte er, dass der Landtag künftig "bei allen Corona-Maßnahmen das letzte Wort haben" soll.

Seilbahnen in Bayern fahren zu Pfingsten

Donnerstag, 28. Mai, 15.33 Uhr: Vom Wochenende an geht es auch wieder ohne Muskelkraft auf den Berg - dafür mit Abstand und Maske. Kabinenbahnen und Sessellifte dürfen auch in Bayern wieder fahren. Ursprünglich wollte der Verband Deutscher Seilbahnen vergangene Woche im Freistaat wieder starten. In vielen anderen Bundesländern laufen die Bahnen schon wieder - in Baden-Württemberg etwa können Erholungssuchende schon seit dem 4. Mai und damit seit fast vier Wochen wieder mit der Bahn auf die Berge fahren. Nun freue man sich, zu Pfingsten auch in Bayern wieder in Betrieb gehen zu können, hieß es bei dem Verband. Das Schutzkonzept der Staatsregierung lasse sich bei den Bahnen sehr gut umsetzen, sagte Verbandsvorstand Matthias Stauch, der auch Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn ist. Die Gäste sollen Masken mitbringen und 1,5 Meter Abstand auch draußen einhalten, wo keine explizite Maskenpflicht besteht. In Kabinenbahnen soll die Zahl der Fahrgäste nach den Vorgaben der Staatsregierung auf 35 Prozent der üblichen Beförderungskapazität begrenzt sein.

Aiwanger: Plexiglasscheibe statt Maskenpflicht für Kassenpersonal

Donnerstag, 28. Mai, 15.12 Uhr: Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger will das Kassenpersonal von der Maskenpflicht entbinden, sofern die Verkäufer hinter einer Plexiglasscheibe sitzen. "Gesichtsvisiere aus Plexiglas, die für die Angestellten in Handel und Gastronomie angenehmer zu tragen sind und gleichzeitig den Kundenkontakt erleichtern, sollten eingeführt werden", sagte Aiwanger der Bayerischen Staatszeitung. Wobei auch das Tragen von Gesichtsvisieren über Stunden hinweg unangenehm sei und Kopfschmerzen verursachen könne. Zumindest für das Personal an der Kasse oder beim Empfang solle es daher künftig genügen, "hinter einer hohen Plexiglasscheibe zu sitzen oder zu stehen, ohne Maske und Visier".

Ausflugsschiffe auf oberbayerischen Seen starten

Donnerstag, 28. Mai, 13.19 Uhr: Die Corona-Pause für die Ausflugsschiffe auf den oberbayerischen Seen ist vorbei. Am Samstag sollen die Schiffe der weiß-blauen Flotte der Bayerische Seenschifffahrt auf Ammersee, Starnberger See, Tegernsee und Königssee ablegen. Auch auf dem Chiemsee, den größten oberbayerischen See, geht es wieder los. Überall gelten Schutzvorschriften: Maskenpflicht, Abstand, weniger Gäste. "Die Menschen können sich auf schöne Rundfahrten über die bayerischen Seen freuen", sagte Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) am Donnerstag bei einem Besuch der Werft der Bayerischen Seenschifffahrt am Donnerstag in Starnberg. "Ich bitte alle an Bord, beim Genießen der Fahrt über den See die notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln nicht zu vergessen."

Viele bayerische Kinos lehnen Mundschutzpflicht ab

Donnerstag, 28. Mai, 12.55 Uhr: Viele Kinos in Bayern wünschen sich andere Bedingungen für eine Wiedereröffnung ab dem 15. Juni. Unter anderem kritisieren sie, dass die Zuschauer während der Filmvorführungen Mundschutz tragen sollen. Anders als in Restaurants oder Kirchen würden Kinobesucher nicht sprechen oder singen, sondern ruhig auf ihren Plätzen sitzen, heißt es in einem Konzeptvorschlag, den Arthouse- und inhabergeführte Filmtheater aus München und Umgebung erarbeitet haben und das als Vorlage für Häuser in ganz Bayern dienen soll. Problematisch sei auch die starre Obergrenze von bis zu 50 Besuchern. Ein rentabler Spielbetrieb sei für viele Häuser unter diesen Voraussetzungen nicht möglich.

Am Dienstag hatte das bayerische Kabinett die Öffnung der Kinos nach einer mehrwöchigen coronabedingten Pause zum 15. Juni genehmigt. Dieser Termin sei für viele Häuser zu früh, etwa um Hygienemaßnahmen umzusetzen, heißt es in dem Schreiben. Außerdem gebe es zu diesem Termin wohl noch keine neuen Filme. Die Betreiber schlagen stattdessen einen zweistufigen Beginn vor - nach einem vorsichtigen Start Mitte Juni sollte der reguläre Spielbetrieb dann am 2. Juli wieder losgehen, dann auch mit neuen Kinofilmen.

Zehntausende Verstöße gegen Corona-Auflagen

Donnerstag, 28. Mai, 09.35 Uhr: Zehntausende Menschen in Bayern haben schon gegen die Corona-Auflagen der Staatsregierung verstoßen. Zwischen dem Beginn der Ausgangsbeschränkung am 21. März und dem Stichtag 25. Mai (0.00 Uhr) erfassten die Polizisten im Freistaat 57 502 Vorgänge, wie das Innenministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Betroffen davon seien 52 824 Personen. Das Gros mit 44 553 Fällen machen den Angaben zufolge Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen allgemein aus - wobei mehrere Vergehen pro Anzeigenvorgang möglich sind. 12 258 Mal taucht in der Statistik ein Verstoß gegen das Verbot von Menschenansammlungen auf. 1249 Mal ging es um Veranstaltungen, 830 Mal um Maskenpflicht, 658 Mal um Betriebsstättenuntersagungen und 358 Mal um Quarantäne-Verstöße. Für all diese Verstöße gibt es einen Bußgeldkatalog. Demnach muss beispielsweise 150 Euro zahlen, wer sich mit mehr Leuten als erlaubt trifft oder gegen die Maskenpflicht verstößt. 5000 Euro werden für Unternehmer fällig, die kein Schutz- und Hygienekonzept für ihren Betrieb haben. Und sein Kind in die Notbetreuung zu geben, ohne dazu berechtigt zu sein, wird mit 500 Euro geahndet.

Allerdings legen die Kreisverwaltungsbehörden im jeweiligen Einzelfall und nicht die Polizei fest, ob ein Bußgeld fällig wird, wie ein Ministeriumssprecher erklärte. Daher gibt es keine bayernweite Übersicht. Ein Sprecher des Kreisverwaltungsreferats in München verwies zudem darauf, dass längst nicht jede festgestellte Ordnungswidrigkeit auch bei der Bußgeldstelle landet. Dort kamen in München bislang 4110 Anzeigen an. "Fast 1500 Bußgeldbescheide wurden bislang erlassen", teilte der Sprecher mit. "Das Bußgeldaufkommen beträgt bislang etwa 250 000 Euro." Meistens gehe es ums Verlassen der eigenen Wohnung ohne Vorliegen eines triftigen Grundes - was zu Beginn der Beschränkungen noch ein Kernkriterium war. Aber auch "Nicht-Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Personennahverkehr" oder "Betrieb eines Ladengeschäftes oder einer Gaststätte ohne Vorliegen eines Ausnahmegrundes" kämen vereinzelt vor. Zudem gebe es 65 Einsprüche, über die dem Sprecher zufolge noch entschieden werden muss und die wohl überwiegend letzten Endes am Amtsgericht entschieden werden.

Keine Meisterfeier auf Münchner Marienplatz

Donnerstag, 28. Mai, 09.17 Uhr: Eine Meisterfeier des FC Bayern München auf dem Münchner Rathausbalkon müsste im Falle eines Titelgewinns in diesem Jahr ausfallen. "Die liebgewonnene Tradition der alljährlichen Meisterfeier des FC Bayern auf dem Marienplatz ist heuer leider unvorstellbar - nicht wegen mangelnder sportlicher Erfolge des Rekordmeisters, sondern natürlich wegen der coronabedingten Einschränkungen", sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) der Bild.

Wellnesshotels fürchten Wettbewerbsverzerrung

Donnerstag, 28. Mai, 08.00 Uhr: Bayerische Wellnesshotels fürchten angesichts der für 15. Juni geplanten Grenzöffnungen eine Abwanderung von Gästen nach Österreich und in die Schweiz. Sollten im Freistaat wegen der Corona-Beschränkungen Wellnessbereiche und Hallenbäder weiter geschlossen bleiben, komme es "zu einer signifikanten Wettbewerbsverzerrung", so der Geschäftsführer der Wellness-Hotels & Resorts GmbH, Michael Altewischer.

Die elf bayerischen Partnerbetriebe der Firma mit Sitz in Düsseldorf berichteten von "vielen Buchungsanfragen, welche jedoch umgehend abgebrochen werden, sobald dem Gast klar wird, dass es kein Wellness-Angebot geben wird", so Altewischer. Darüber hinaus hagle es Stornierungen schon gebuchter Reisen. Bei den bayerischen Hoteliers herrsche angesichts der unterschiedlichen Regelungen "Unverständnis und Verwirrung". Ein mögliches Öffnungsdatum für Wellnessbereiche im Freistaat nannte das Wirtschaftsministerium jedoch weiterhin nicht.

Söder kommt mit seiner Krisenpolitik weiterhin gut an bei den Wählern

Mittwoch, 27. Mai, 18.35 Uhr: Die Krisenpolitik von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stößt bei den Wählern weiterhin auf sehr große Zustimmung. Das ist das Ergebnis des Bayerntrends, einer repräsentativen Umfrage, die das BR-Politikmagazin "Kontrovers" beim Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap in Auftrag gegeben hat. 90 Prozent der Befragten äußerten sich demnach zufrieden oder sehr zufrieden mit Söders Arbeit. Wäre am kommenden Sonntag Landtagswahl, käme die CSU auf 48 Prozent, einen Prozentpunkt weniger als bei der BR-Umfrage im April. Damals galten noch deutlich strengere Beschränkungen wegen der Pandemie. Seither wurde vieles gelockert, in Bayern allerdings langsamer als in anderen Bundesländern. Ein Kurs, der bei den Wählern offenbar gut ankommt. Die Grünen gewinnen zwei Prozentpunkte dazu, sie kommen auf 19 Prozent. Die SPD verliert einen Punkt im Vergleich zum Vormonat und liegt wieder einstellig bei neun Prozent. Dahinter kommen die Freien Wähler mit unverändert acht Prozent. Sie können weiterhin nicht von der Zustimmung für ihren Koalitionspartner CSU profitieren. Die AfD verliert einen Prozentpunkt und erreicht nur noch knapp die Fünf-Prozent-Marke, die nötig wäre, um erneut in den Landtag einzuziehen. Die FDP würde dem Parlament mit drei Prozent nicht mehr angehören.

Sonderbudget für Laptops und Tablets

Mittwoch, 27. Mai, 16.18 Uhr: Mit einem Sonderbudget von rund 78 Millionen Euro aus Bundesmitteln will der Freistaat Bayern die Versorgung von Schülern mit Laptops und Tablets für den digitalen Unterricht verbessern. "Alle Schülerinnen und Schüler sollen beim "Lernen zu Hause" in der Coronakrise gute Bedingungen vorfinden", sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Mittwoch in München. Mit dem Geld könnten die Schulen ihren Bestand an vorhandenen Leihgeräten deutlich ausbauen und diese dann je nach Bedarf an Kinder und Jugendliche verteilen. Diese Hilfe für Familien solle schnell und unbürokratisch möglich sein, ohne eine formelle Prüfung der Bedürftigkeit. Seit den Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie sind die Schüler zu Hause auf Computer, Laptops oder Tablets angewiesen. Der Unterricht erfolgt seitdem vielfach auf digitalem Wege. Das Geld ist laut Kultusministerium Teil des 500 Millionen Euro schweren Ausstattungsprogramms des Bundes. Die Summe bekommen die Schulen nach Auskunft des Ministeriums zusätzlich zu dem Geld, das sie ohnehin vom Bund erhalten.

3049 Euro pro Einwohner: Bayern Spitzenreiter bei Corona-Schulden

Mittwoch, 27. Mai, 15.12 Uhr: Zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie nimmt Bayern Nettokredite in Höhe von 3049 Euro pro Einwohner auf. Dies geht aus einer aktuellen Auflistung des Landesrechnungshofs Schleswig-Holstein hervor, die der Präsident des Bayerischen Obersten Rechnungshofs (ORH), Christoph Hillenbrand, am Mittwoch im Haushaltsausschuss des bayerischen Landtags vorgestellt hat. Demnach ist der Freistaat im Vergleich mit Bund und Ländern Spitzenreiter bei der Neuverschuldung. Dieses enorme Finanzvolumen, über das die Staatsregierung verfüge, gelte es nun sinnvoll und wirksam einzusetzen; dem werde der ORH auch im Interesse der Steuerzahler prüfend nachgehen, sagte Hillenbrand. Dahinter folgen Bremen (1754 Euro), Sachsen (1473 Euro) und Nordrhein-Westfalen (1393 Euro), wobei in Sachsen in der Zahl schon konjunkturell bedingte Mindereinnahmen berücksichtigt sind. Zum Vergleich: Die Kreditaufnahme des Bundes liegt umgerechnet pro Einwohner bei 1876 Euro. Bei den meisten anderen Ländern belaufen sich die Mehrausgaben auf weniger als 500 Euro pro Einwohner. Thüringen und Berlin verzichten vollends auf eine Kreditaufnahme. Insgesamt stellen Bund und Länder wegen der Krise zusätzliche Ausgaben von rund 342 Milliarden Euro zur Verfügung. Davon entfallen rund 75 Prozent (255,8 Milliarden Euro) auf den Bund und 25 Prozent (85,8 Milliarden Euro) auf die Länder. Auch in absoluten Zahlen liegt Bayern hier mit 40 Milliarden Euro unter den Ländern an der Spitze.

Evangelische Landeskirche: 95 Millionen Euro weniger Kirchensteuer

Mittwoch, 27. Mai, 11.14 Uhr: Die Evangelische Landeskirche in Bayern verliert wegen der Corona-Pandemie 95 Millionen Euro Kirchensteuern. Die Einnahmen gehen von geplanten 791,6 Millionen auf 696,6 Millionen zurück, wie die Landeskirche am Mittwoch mitteilte. Darum hat der Landeskirchenrat nun einen Nachtragshaushalt beschließen müssen. "Die Landeskirche wird das Jahr 2020 mit einem Defizit von 131 Millionen Euro abschließen", hieß es in einer Mitteilung.

"Die finanziellen Auswirkungen der Coronakrise treffen uns hart. Doch gerade in dieser schwierigen Situation wollen wir aktiv gestalten und unterstützen", sagte der landeskirchliche Finanzchef Erich Theodor Barzen. Trotz der geringeren Einnahmen will die Landeskirche 29,5 Millionen Euro mehr ausgeben, um kirchliche und diakonische Einrichtungen zu unterstützen, die in der Coronakrise mit erheblichen Verlusten kämpfen müssen.

Corona-Forderungen der Wirtschaft empören die Gewerkschaften

Mittwoch, 27. Mai, 7.12 Uhr: Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie in Bayern hat die Pläne der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) zur Wiederankurbelung der corona-geschädigten Konjunktur scharf kritisiert. "Arbeitnehmerrechte einschränken und Unternehmen mit staatlichen Subventionen fördern - das ist, kurz zusammengefasst, der 11-Punkte-Plan im Strukturpaket der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft", heißt es in einer Mitteilung der IG BCE. Der vbw warf die Gewerkschaft unter anderem vor, eine Verlängerung der sachgrundlosen Befristung anzustreben sowie Änderungen bei der Höchstarbeitszeit. Die Landesbezirksleiterin der IG BCE Bayern, Beate Rohrig, sagte: "Das ist ein Angriff auf die elementaren Rechte von Arbeitnehmern. Die Grenzen der täglichen Höchstarbeitszeit und der täglichen Ruhezeit sind keine willkürlich gesetzten Beschränkungen". Diese dienten "dem Erhalt von Gesundheit und Arbeitskraft der Beschäftigten".

Die vbw hatte in einem Plan vor einer Woche umfassende unternehmensfreundliche Strukturreformen gefordert. An erster Stelle steht der Verzicht auf neue Vorschriften, an zweiter die Reduzierung der bestehenden Bürokratie in Arbeits- und Steuerrecht sowie dem Datenschutz. Ein Bestandteil des Plans: "Innovationsregionen" ähnlich chinesischen Sonderwirtschaftszonen. In Sachen Bürokratie plädiert der Dachverband der bayerischen Arbeitgeber dafür, die geplante Grundrente auszusetzen, befristete Arbeitsverträge nicht einzuschränken und keinen Rechtsanspruch der Arbeitnehmer auf Homeoffice einzuführen. Die IG Metall hatte die Pläne in der vergangenen Woche als "verantwortungslos und krisenverschärfend" bezeichnet.

Söder äußert sich zum kommenden Schuljahr

Dienstag, 26. Mai, 19.15 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hofft nach den Sommerferien auf eine Rückkehr der Schulen zur Normalität. "Schön wäre ein Regelbetrieb", sagte Söder am Dienstag in München nach einer Kabinettssitzung. "Vielleicht geben es die Infektionszahlen auch her." Falls nicht, müsse man weiterhin Maßnahmen ergreifen. Eine Prognose zum Start des neuen Schuljahres sei aber derzeit nicht möglich. Söder mahnte deshalb zur Vorsicht. Wenn man nicht wisse, was einen erwarte, sei es klüger, Schritt für Schritt zu gehen, statt ins Ungewisse zu springen.

Corona-Massentests an Schlachthöfen: Nur wenige Infizierte

Dienstag, 26. Mai, 16.45 Uhr: Bei Corona-Reihenuntersuchungen an allen 51 großen Schlachthöfen in Bayern sind bislang nur wenige Infektionen festgestellt worden. "Mittlerweile liegen Testergebnisse für mehr als 5100 Mitarbeiter an 46 großen bayerischen Schlachthöfen vor, darunter waren nur zehn weitere positiv", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). "Die restlichen Tests sollen im Laufe dieser Woche abgeschlossen und ausgewertet sein." Nachdem bei einer Firma im niederbayerischen Bogen mehrere Mitarbeiter mit Sars-CoV-2 infiziert waren, hatten die Behörden an diesem Betrieb - aber auch den 50 weiteren Schlachthöfen im Freistaat - Massentests angeordnet. In Bogen wurden laut Ministerium bislang 92 Mitarbeiter positiv getestet.

Huml sagte, einen neuerlichen "Lockdown für die Allgemeinbevölkerung" brauche es deshalb aber nicht. Denn die möglichen Kontaktpersonen ließen sich aufgrund der überschaubaren Anzahl an Infizierten gezielt ermitteln. "Damit besteht die Möglichkeit, die Infektionsketten zu durchbrechen." Nach der Häufung von Infektionen in Schlachtbetrieben stehen die Arbeitsbedingungen mit Subunternehmern und teils überfüllten Sammelunterkünften für Osteuropäer in der Kritik. Huml sagte: "Klar ist: Die Arbeit im Schlachthof selbst führt nicht zu einer besonderen Infektionssituation, vielmehr muss die Pausen- oder Wohnsituation in Gemeinschaftsunterkünften in den Blick genommen werden."

Bayern legt Notreseve bei Schutzausrüstung an

Dienstag, 26. Mai, 16.04 Uhr: Bayern will sich als Reaktion auf die Corona-Pandemie einen Vorrat an Schutzkleidung zulegen. Bei einer zweiten Welle dürfe man nicht an den Punkt kommen, an dem man nicht wisse, ob es genug Material gebe, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Nach einer aktuellen Materialbilanz verfüge der Freistaat derzeit über fast 150 Millionen Schutzmasken. Künftig werde man verpflichtend eine Notreserve anlegen, die für sechs Monate reichen müsse. Das wären nach Söders Worten dann 250 Millionen Masken, 500 Millionen Handschuhen und 60 bis 70 Millionen Schutzkitteln, die ständig verfügbar sein sollen.

Kabinett beschließt weitere Corona-Lockerungen

Dienstag, 26. Mai, 13.09 Uhr: Die bayerische Staatsregierung hat bei ihrer Sitzung am Dienstagvormittag diverse Beschlüsse zu den Einschränkungen in der Corona-Krise gefasst. Das Wichtigste im Überblick: Vom 15. Juni an soll es wieder Theateraufführungen, Konzerte und Filmvorführungen in Kinos geben. Mit maximal 50 Besuchern im Inneren und 100 im Freien - und unter strengen Auflagen zu Hygiene und Abstand. So wird auch hier beispielsweise die Maskenpflicht gelten. Von kommendem Dienstag an sollen auch die Biergärten nicht mehr nur bis 20 Uhr, sondern bis 22 Uhr offen haben dürfen - so wie seit Montag die Innenräume von Speiselokalen.

Bereits eine Woche früher, am 8. Juni, dürfen Freibäder im Freistaat wieder öffnen - ebenso wie Fitnessstudios. Erlaubt wird dann auch wieder das Training von Mannschaftssportarten - wobei der Outdoor-Trainingsbetrieb in Gruppen von bis zu 20 Menschen zulässig ist. Auch Indoor-Sportstätten dürfen wieder öffnen. Für "kontaktlos ausführbare Sportarten im Freien" ist laut Kabinettsbeschluss der Wettkampfbetrieb wieder zulässig. Tanzschulen dürfen ebenfalls am 8. Juni wieder öffnen, für kontaktlosen Tanz sowie für Paartanz mit einem festen Tanzpartner. Von Samstag, 30. Mai, an dürfen Reisebusunternehmer ihren Betrieb aufnehmen, allerdings keine Gruppenreisen anbieten. Dann dürfen auch Sprachen- oder Volkshochschulen und andere Institutionen der Erwachsenenbildung wieder Kurse veranstalten; für sie soll es ein spezielles Förderprogramm über 30 Millionen Euro geben.

Mehr Tests auf das Coronavirus: Auf freiwilliger Basis sollen künftig in Bayern alle Beschäftigten im medizinischen Bereich, in der Pflege und Behinderteneinrichtungen auf den Erreger getestet werden - in Alten- und Behindertenheimen auch die Bewohner. Das sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Anschluss an die Sitzung. Auch für Lehrer und Erzieherinnen solle es mehr Testmöglichkeiten geben, dadurch werde sich die "Akzeptanz für Schulen und Kindergärten deutlich erhöhen". Generell soll künftig jeder, der mögliche Covid-19-Symptome zeige, garantiert binnen 24 Stunden getestet werden und in weiteren 24 Stunden ein Testergebnis bekommen, wie Söder erläuterte. Ohne Symptome zu zeigen, könne sich jeder binnen 48 Stunden testen lassen; das Ergebnis soll dann binnen einer Woche vorliegen. Die Kosten sollen der Bund und die Krankenkassen übernehmen - gegebenenfalls werde der Freistaat Bayern einspringen, wenn das nicht ausreichen sollte, sagte Söder.

Die Kontaktbeschränkungen in Bayern bleiben bestehen - die Idee Thüringens, diese aufzuheben, halte man für falsch, sagte Ministerpräsident Söder erneut. Er kritisierte die Diskussionen über Lockerungen als "Hopplahopp-Orgien", die die Bürger verunsicherten. Auch die Vorstellung, dass es bald wieder in größerem Stil internationalen Reiseverkehr geben könne, so wie es die italienische Regierung angekündigt habe, halte er für bedenklich. "Wer glaubt, Corona verschwindet langsam, ist im besten Falle naiv", sagte Söder. "Corona bleibt tödlich." Angesichts des unterschiedlichen Vorgehens der Länder sprach er sich dafür aus, längerfristig dem Bund mehr Kompetenzen bei der Bekämpfung von Epidemien zu geben und dadurch das Handeln der Behörden bundesweit zu vereinheitlichen. "Der Wettlauf, der da jetzt stattfand, hat das Vertrauen der Bürger nicht gestärkt."

Kabinett berät über Reihentests und Hilfen für Künstler

Dienstag, 26. Mai, 7.43 Uhr: Für eine bessere Überwachung möglicher neuer Corona-Infektionen in Bayern berät das Kabinett an diesem Dienstag über regelmäßige Reihentests für Mitarbeiter von Sozialberufen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte in den vergangenen Tagen bereits angekündigt, die Testkapazitäten landesweit ausweiten und beschleunigen zu wollen. Priorität soll dabei das Personal in Kliniken, Alten- und Pflegeheimen haben. Aber auch bei den sukzessive immer stärker öffnenden Kindergärten und Schulen soll es für das Personal deutlich mehr freiwillige Tests und auch schneller vorliegende Testergebnisse geben.

Das Kabinett wird sich außerdem erneut über die Perspektiven für die Bereiche Kunst und Kultur in der Krise beraten. Künstler und auch die Kultureinrichtungen haben besonders zu kämpfen, da Staatshilfen oft an ihnen vorbeigehen. Bei vielen Künstlern wächst die Frustration, sie fordern längst einen eigenen Kulturrettungsschirm. Das Kabinett dürfte zudem die Wiederöffnung der Hotels und Campingplätze am kommenden Wochenende billigen - das hat die Staatsregierung bereits angekündigt, aber noch nicht formal beschlossen. Über die Ergebnisse informiert Ministerpräsident Söder von 13 Uhr an in einer Pressekonferenz - sie wird hier im Livestream zu sehen sein.

Söder setzt weiter auf Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht

Dienstag, 26. Mai, 7.37 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hält die Verlängerung der Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie bis Juli für richtig. Auch wenn es unterschiedliche Differenzierungen bei der Ausführung gebe, seien die "Mütter aller Fragen, Distanzgebot und Maskenpflicht, unverzichtbar", sagte der CSU-Chef im ZDF. Er unterstützte auf Nachfrage den vom Bundeskanzleramt vorgelegten Plan, die Kontaktbeschränkungen bis zum 5. Juli verbindlich in Kraft zu lassen. In einer neueren Version der Vorlage ist allerdings nur noch vom 29. Juni die Rede. Söder, derzeit auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, betonte in der ARD zudem, dass eine "überragende Mehrheit" unter den Bundesländern für eine Fortsetzung bei Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht sei. "Geben wir das auf, sind wir schutzlos ausgeliefert", sagte Söder.

Er warnte davor, dass durch vorschnelle Lockerungen die Gefahr bestehe, dass Deutschland seinen Vorsprung im Kampf gegen das Virus verspiele. Mit Blick auf die Debatte über Lockerungen in Bayerns Nachbarland Thüringen betonte Söder, es sei ein "fatales Signal", wenn die Politik den Menschen eine "falsche Normalität" einrede und "das ganze Regelwerk" außer Kraft setze. Der Süddeutschen Zeitung sagte Söder: "Es war fest vereinbart, dass Erleichterungen immer mit Schutzmaßnahmen einhergehen müssen." Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Sachsens CDU-geführte Regierung wollen wegen landesweit niedriger Infektionszahlen vom 6. Juni an statt landesweiter Regeln nur noch lokale Einschränkungen haben.

56 Flüchtlinge in Ankerzentrum positiv getestet

Montag, 25. Mai, 18.44 Uhr: Im Ankerzentrum Regensburg sind 56 Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Betroffenen seien auf dem Gelände isoliert untergebracht, teilte die Regierung der Oberpfalz am Montag mit. Die gesamte Flüchtlingsunterkunft stehe unter Quarantäne, für alle Bewohner gelten verschärfte Hygienemaßnahmen. Nachdem dort vier Fälle von SARS-CoV-2 festgestellt wurden, ordnete das Gesundheitsamt eine Untersuchung der 127 Bewohner an. Von den positiv getesteten Asylbewerbern hätten die meisten keine oder nur leichte Symptome wie Kopfschmerzen, hieß es weiter. Schon in der vergangenen Woche seien 42 Fälle in zwei Gemeinschaftsunterkünften bekannt geworden.

Die Stadt Regensburg reißt damit die Obergrenze für Corona-Neuinfektionen: Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) liegt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei 72,08. Obwohl die Stadt den bundesweit vereinbarten Schwellenwert von 50 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen also deutlich überschreitet, müssen die Regensburger erst einmal keine Konsequenzen befürchten. Das Infektionsgeschehen sei lokalisiert und klar eingrenzbar, so die Begründung.

Künstler kritisieren Rettungsschirm

Montag, 25. Mai, 18.23 Uhr: 200 Millionen Euro hat die bayerische Staatsregierung für Künstler und Kulturschaffende in der Corona-Krise zur Verfügung gestellt. Doch das stößt, trotz einiger Nachbesserungen, in der Branche auf harsche Kritik. Ein Zusammenschluss verschiedener Künstlerverbände etwa hat die staatliche Unterstützung als praxisfern und "diskriminierend" bezeichnet. Sie stelle Künstler vor die Wahl, Grundsicherung zu beantragen oder ihren Betrieb zu retten. Beides gleichzeitig schließe sich aus. Selbständige anderer Branchen blieben klar im Vorteil. Zu den Unterzeichnenden gehören der Verband Freie Darstellende Künste Bayern, der Landesverband für zeitgenössischen Tanz, das Netzwerk Freie Szene München, der Verband der freien Kinder- und Jugendtheater, das Theaterbüro und das Tanzbüro München. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Freie Künstler sind in dieser Krise mitnichten arbeitslos! Sie sind lediglich einkommenslos, weil der kleine Teil ihrer Arbeit, der honoriert wird - die Vorstellungen - im verständlichen Interesse der Allgemeinheit ersatzlos gestrichen wurde."

Regelmäßige Tests für Erzieher, Pfleger und Lehrer

Montag, 25. Mai, 15.32 Uhr: Angehörige sozialer Berufe wie Erzieher, Krankenpfleger und wohl auch Lehrer sollen sich in Bayern bald regelmäßigen Tests auf das Coronavirus unterziehen können. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag bei einem Besuch in einem Nürnberger Kindergarten an. Die Kindertagesstätten beherbergen nach seinen Worten inzwischen wieder 50 Prozent der dort im Normalbetrieb betreuten Kinder. Zum 1. Juli könnten unter bestimmten Umständen wieder alle Kindergarten-Kinder in ihre Einrichtungen gehen, falls sich das Infektionsgeschehen nicht wieder verschlimmere.

Die Tests sollten für Bedienstete von Kitas und vieler anderer Bereiche regelmäßig und für die Betroffenen kostenlos durchgeführt werden, sagte Söder. "Wir überlegen derzeit ein Konzept." Bei positiven Testergebnissen gebe es dann die Möglichkeit, schnell einzugreifen. Er nannte Angörige von Berufen in Risikobereichen wie Kinderbetreuung, Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern als Beispiele. Auf die Frage, ob dies auch die Lehrer in Bayerns Schulen betreffe, antwortete Söder: "Wahrscheinlich ja."

Die Ankündigung von weitreichenden allgemeinen Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Thüringen bezeichnete Söder als "fatales Signal". Er bitte die Verantwortlichen in Thüringen darum, die Absicht zu überdenken. Die Corona-Pandemie sei nicht vorbei, man müsse sogar von einer "zweiten Welle" im Herbst ausgehen. Bayern sei vom Infektionsgeschehen in der Nachbarschaft betroffen. Söder kündigte im Zweifel Gegenmaßnahmen an. "Wir werden uns da noch ein Konzept überlegen müssen, wie wir darauf reagieren", sagte er. "Ich möchte nicht, dass Bayern noch mal infiziert wird, durch eine unvorsichtige Politik, die in Thüringen gemacht wird."

Erzieherinnen fordern verbindlichen Gesundheitsschutz in Kitas

Montag, 25. Mai, 13.40 Uhr: Verbindliche Vorschriften statt unklarer Empfehlungen zum Arbeitsschutz für Erzieherinnen in Kitas - das fordern kirchliche von der bayerischen Sozialministerin Carolina Trautner (CSU). Es müsse in der Corona-Pandemie klare Standards für den Gesundheitsschutz in der Kinderbetreuung geben, erklärte beispielsweise der Verband kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Bayern (vkm). Außerdem müsse geregelt sein, wie Beschäftigte einzusetzen sind, die einer gesundheitlichen Risikogruppe angehören.

Wenn demnächst wieder 80 Prozent der Kinder in den bayerischen Kitas betreut würden, sei ausreichender Infektionsschutz für Kinder, Familien und Beschäftigte nicht mehr zu gewährleisten, kritisiert der vkm. Erzieherinnen fühlten sich im Stich gelassen, weil sie ohne Sicherheitsstandards die Kinder betreuen sollten. Da Abstände und Masken in einer Kindertagesstätte nicht zu realisieren seien, sei es wichtig, die Gruppen klein zu halten. Der Wunsch von Eltern und der Wirtschaft nach Kinderbetreuung sei verständlich, sagt Patrik Demke, Münchner Kirchenkreisdelegierter der Gesamtmitarbeitervertretung der evangelischen Kirche in Bayern. Man erwarte aber, dass nicht eine ganze Berufsgruppe dem zufälligen Risiko einer Infektion mit Sars-CoV-2 ausgeliefert werde. Den Trägern und Leitungen müsse Zeit gegeben werden, Richtlinien umzusetzen. Die Erweiterung der Kinderbetreuung von diesem Montag an müsse wissenschaftlich mit Feldstudien und Tests begleitet werden.

Corona in Bayern - Die Meldungen im Rückblick

Die Meldungen aus dem Freistaat Bayern nach Monaten geordnet im Rückblick: Januar und Februar, März, April und Mai.

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