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Coronavirus-Newsblog für Bayern:Bayreuther Festspiele wegen Corona abgesagt

Coronavirus - Fast 20 000 BMW-Mitarbeiter in Kurzarbeit

Der Autobauer BMW hat nach eigenen Angaben knapp 20 000 Mitarbeiter für Kurzarbeit angemeldet. Die meisten von ihnen seien in den Werken Dingolfing (im Bild), München, Regensburg und Leipzig beschäftigt.

(Foto: dpa)

Bayerns Zoos rechnen mit hohen Finanzeinbußen

Mittwoch, 1. April, 7.03 Uhr: Zoos und Tiergärten in Bayern sind wegen der Corona-Krise bis zum Ende der Osterferien geschlossen und fürchten hohe Einbußen. "Schlimmer kann es eigentlich nicht kommen", sagt Rasem Baban, Direktor im Tierpark Hellabrunn in München. Er rechnet mit Einbußen von zwei Millionen Euro während der fünfwöchigen Schließung. Die Osterferien seien für Zoos der Start in die Saison und besonders besucherstark. "Das kann man nicht aufholen", sagt er. Der Verband der Zoologischen Gärten hat ein Soforthilfe-Programm über 100 Millionen Euro für mehr als 50 Zoos in Deutschland gefordert. "Die Auswirkungen sind enorm", sagt auch Barbara Jantschke, Direktorin des Zoos in Augsburg. Sie rechnet mit bis 700 000 Euro an Einbußen durch die Schließung bis zum 19. April. Aus eigener Kraft werde der Zoo den Ausfall an Einnahmen nicht ausgleichen können. In Bayern gibt es vier Zoos - neben München und Augsburg noch in Nürnberg und Straubing.

Vier Corona-Tote in Schweinfurter Seniorenheim

Dienstag, 31. März, 20.05 Uhr: Auch in einem Schweinfurter Seniorenheim ist es zu einer Häufung von Todesfällen nach Infektionen mit dem Coronavirus gekommen. Am Dienstagabend teilte das Gesundheitsamt mit, dass in der Pflegeeinrichtung drei an Covid-19 erkrankte Menschen gestorben seien. Alle seien über 80 Jahre alt gewesen und hätten Vorerkrankungen gehabt. Von insgesamt sechs in Schweinfurt nach einer Erkrankung mit dem Erreger verstorbenen Menschen lebten damit den Angaben zufolge vier in demselben Pflegeheim. Von den aktuell in der unterfränkischen Stadt 195 positiv auf das Covid-19 getesteten Menschen würden 22 in Krankenhäusern behandelt. 515 Kontaktpersonen befänden sich in Quarantäne. 14 mit dem Virus Infizierte gelten inzwischen als geheilt.

Bayreuther Festspiele wegen Corona-Krise verschoben

Dienstag, 31. März, 19.07 Uhr: Die Bayreuther Festspiele sind wegen der Corona-Krise abgesagt worden. Die nachfolgenden Festspieljahrgänge müssten dadurch umdisponiert werden, teilten die Festspiele am Dienstagabend mit. Die für diese Saison geplante Neuproduktion "Der Ring des Nibelungen" könne voraussichtlich erst im Jahr 2022 Premiere feiern. Nächstes Jahr würden neben der vorgesehenen Neuproduktion "Der fliegende Holländer" die Wiederaufnahmen "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg", "Die Meistersinger von Nürnberg" und "Lohengrin" aufgeführt. Außerdem stünden dann drei Konzerte von "Die Walküre" auf dem Spielplan. Die bereits für 2020 gekauften Karten blieben für die Festspiele 2021 gültig. Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) sagte: "Für das kulturelle Leben ist der Ausfall ein herber Verlust."

Wieder drei Corona-Tote in Würzburger Seniorenheim

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Dienstag, 31. März, 18.06 Uhr: Erneut sind in einem Würzburger Seniorenheim drei mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben. Es handele sich um zwei 87 und 91 Jahre alte Frauen sowie um einen 84-jährigen Mann, teilte der Bezirksverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) mit. Alle drei Bewohner des Hans-Sponsel-Hauses hätten unter schweren Vorerkrankungen gelitten. Insgesamt sind damit im Raum Würzburg 20 Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben, davon 16 im Altenpflegeheim St. Nikolaus und vier in der Einrichtung der AWO. In dieser seien seit dem Tod eines Bewohners am vergangenen Freitag alle 95 Bewohner und 80 Mitarbeiter auf den Erreger getestet worden. Insgesamt sind dort demnach derzeit 36 Bewohner mit dem Virus infiziert. Neun positiv getestete Mitarbeiter befinden sich den Angaben zufolge in häuslicher Quarantäne. Drei Testergebnisse stünden noch aus. Alle positiv getesteten Bewohner werden laut AWO in Absprache mit dem Gesundheitsamt in neu geschaffenen Isolierstationen der Einrichtung untergebracht. Positiv und negativ getestete Bewohner würden von getrennten Pflegeteams versorgt. Die gesunden Bewohner sollen alle drei Tage erneut getestet werden.

Münchner Pflegeheim unter Quarantäne - 25 Bewohner infiziert

Dienstag, 31. März, 17.58 Uhr: In München sind 25 Bewohner des Evangelischen Leonhard-Henninger-Pflegeheims positiv auf das Coronavirus getestet worden, teilte ein Sprecher der Diakonie in München und Oberbayern am Dienstag mit. Ebenfalls positiv seien die Ergebnisse bei fünf von derzeit 15 untersuchten Pflegekräften. Das Haus stehe unter Quarantäne. Derzeit laufe eine Reihenuntersuchung sämtlicher Bewohner und Mitarbeiter. Mehr dazu lesen Sie hier.

Arbeitsagentur: Mehr Kurzarbeit zu erwarten als in der Finanzkrise

Dienstag, 31. März, 16.19 Uhr: Wegen der Corona-Krise haben bislang etwa 64 000 Unternehmen im Freistaat Kurzarbeit angezeigt. Das teilte die Regionaldirektion Bayern der Arbeitsagentur mit. Zur Zahl der betroffenen Mitarbeiter machte die Behörde aus statistischen Gründen noch keine Angabe. Während der Finanzkrise 2008/09 habe man in der Spitze 300 000 Beschäftige in Kurzarbeit gezählt, sagte Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Regionaldirektion. Derzeit sei davon auszugehen, dass man diese Zahl übertreffen werde, denn "die aktuelle Krise betrifft nahezu alle Branchen". Auch Verbände wie die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft schlossen sich der Einschätzung an: Die 64 000 Kurzarbeitanzeigen seien "ein beunruhigendes Signal".

Für die kommenden Monate rechnet die Agentur auch mit steigenden Arbeitslosenzahlen. In den Jobcentern hat sich in den vergangenen Wochen die Arbeit stark verändert. Die Mitarbeiter wurden ins Home-Office geschickt, Termine abgesagt. Statt mit Vermittlungen sind sie nun mit Fragen der Existenzsicherung beschäftigt. Die Angst, dass staatliche Unterstützungsleistungen nicht reichen könnten, treibt offenbar viele Menschen in Bayern um, bei den Jobcentern klingelt deshalb ständig das Telefon. Zumindest in dieser Hinsicht gab Holtzwart am Dienstag Entwarnung: Niemand werde leer ausgehen. "Jetzt geht's darum, dass die Menschen ihr Geld bekommen."

Notfallbetreuung in Schulen und Kitas läuft weiter

Dienstag, 31. März, 15.04 Uhr: Die Notfallbetreuung an den Schulen läuft auch in den Osterferien weiter. Laut Kultusministerium gehen derzeit 3900 Mädchen und Buben trotz der landesweiten Schließung weiter in die Schule, weil ihre Eltern zu den systemrelevanten Berufsgruppen zählen und die Kinder selbst nicht beaufsichtigen können. In den Kindertagesstätten sind es knapp 7000, also etwa ein Prozent aller Krippen- und Kindergartenkinder, wie das Sozialministerium mitteilte. Von den 6200 Schulen in Bayern bieten derzeit 1700 diese Betreuung für Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse an. Die Älteren können aus Sicht der Staatsregierung allein daheim bleiben. Die Notfallbetreuung, die in den Ferien auch in den Kindertagesstätten angeboten wird, gilt nicht an den Feiertagen rund um Ostern, auch die geplanten Ferienprogramme sind alle wegen der Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen abgesagt.

Flughafen Memmingen schließt für zwei Wochen

Aktuelles zum Coronavirus aus dem Münchner Umland

Seit Ende Januar ist das Coronavirus in Deutschland nachgewiesen, der erste Patient war ein Mann aus dem Münchner Umland. Die Landeshauptstadt und die angrenzenden Landkreise sind von der Pandemie in Bayern mit am stärksten betroffen. In diesen Newsblogs informiert die Süddeutsche Zeitung über die Entwicklung in einzelnen Landkreisen:

Aktuelle Meldungen und Informationen aus der Stadt München

Die Lage im Landkreis München

Die Lage im Landkreis Freising

Die Lage im Landkreis Starnberg

Die Lage im Landkreis Fürstenfeldbruck

Dienstag, 31. März, 14.54 Uhr: Wegen der Corona-Krise wird der Flughafen Memmingen vom 5. April an für zwei Wochen für den regulären Flugverkehr geschlossen. In dieser Zeit könnten nur noch vorher angemeldete Linienflüge, Rettungsflüge oder Flüge mit Privatjets starten und landen, berichtete der Allgäu Airport. Im März hatte er im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Rückgang von etwa 125 000 auf knapp 60 000 Passagiere hinnehmen müssen. Mehrere Fluggesellschaften haben angekündigt, im April Memmingen nicht mehr anfliegen zu wollen. Deswegen wird in den beiden Wochen auch das Terminalgebäude geschlossen.

Chinesische Gewerkschaft schickt 50 000 Schutzmasken

Dienstag, 31. März, 14.39 Uhr: Eine chinesische Gewerkschaft hat Bayern 50 000 Schutzmasken gespendet. Sie seien sofort nach Ankunft in München verteilt worden und würden nun in Krankenhäusern, Arztpraxen und anderen Gesundheitseinrichtungen eingesetzt, teilte die IG Metall mit. Spenderin sei die Gewerkschaft SPFTU in der ostchinesischen Provinz Shandong, einer Partnerprovinz des Freistaats. IG-Metall-Bezirksleiter Johann Horn sagte: "Obwohl in China die Produktion wieder anläuft und dort auch in den Fabriken zunehmend Schutzmasken benötigt werden, denkt die SPFTU in dieser Situation auch an uns in Deutschland." Das sei "gelebte Solidarität".

Online-Lernplattform "Mebis" wird offenbar nur wenig genutzt

Dienstag, 31. März, 14.33 Uhr: Die staatliche Lernplattform "Mebis" wird trotz der landesweiten Schulschließungen offenbar nur verhalten genutzt. So hätten sich am 20. März nur 176 842 Nutzer angemeldet, das entspreche knapp zehn Prozent der rund 1,8 Millionen Schüler und Lehrer, teilte die Landtags-FDP mit. Sie berief sich dabei auf eine Antwort des Kultusministeriums auf eine aktuelle Anfrage. Wegen der Schulschließungen habe das Ministerium alle Schulen zur Nutzung von "Mebis" aufgefordert. Die Anmeldezahlen seien danach zwar rapide gestiegen, von einer flächendeckenden Nutzung sei man aber auch in Corona-Zeiten noch weit entfernt. Wenn sich das verfestige, mache er sich große Sorgen um den Lernerfolg und die Chancengerechtigkeit, sagte der FDP-Schulpolitiker Matthias Fischbach. Es sei klar, dass in dieser Krise nicht sofort alles perfekt laufe. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) müsse aber nachbessern. "Sonst wird ein reines Verschieben der Abschlussprüfungen nicht ausreichen."

Kabinett beschließt Hilfen für bayerische Unternehmen

Dienstag, 31. März, 13.18 Uhr: Die bayerische Staatsregierung hat ihr Programm der Soforthilfen für kleine Unternehmen neu geregelt. Nachdem nun der Bund die Förderung für Selbständige, Freiberufler und Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern übernimmt, stockt Bayern seine Hilfen für Unternehmen auf, die elf bis zu 250 Mitarbeiter haben. Das hat das Kabinett beschlossen. So können Firmen, die wegen der Corona-Krise in akute Probleme geraten sind, nun 30 000 Euro statt nur 15 000 Euro bekommen (bis zu 50 Mitarbeiter), größere sogar 50 000 Euro statt nur 30 000 Euro (bis zu 250 Mitarbeiter). Entscheidend soll auch nicht mehr sein, ob einem Betrieb tatsächlich alles Geld ausgegangen ist; er bekommt Hilfen bei einem "existenzbedrohenden Umsatzausfall".

Bayern hatte bereits vor zwei Wochen sein Soforthilfe-Programm gestartet - bei 200 000 Anträgen seien bereits 1,5 Milliarden Euro an Zahlungen bewilligt worden, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Der Freistaat spart sich Geld, da der Bund nun die Hilfen für die Selbständigen und kleinen Betriebe trägt, und kann so die Hilfen für die größeren Firmen aufstocken. Söder rechnet mit Gesamtkosten für den Freistaat in Höhe von fünf Milliarden Euro. Ausgezahlt werden die Zuschüsse weiter über die bayerischen Bezirksregierungen, beantragt werden können sie inzwischen auch online. Das Programm läuft bis Ende des Jahres.

Bei den Wirtschaftshilfen sei das Motto "überbrücken, überleben und dann wieder voll durchstarten", sagte Söder. Dabei gebe es eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen Bayern und dem Bund, die Verfahren seien vereinfacht und verschlankt worden. Bei der Auszahlung solle es keine Verzögerung mehr geben. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der an der Sitzung des bayerischen Kabinetts teilnahm, sagte, es sei entscheidend, dass es nach der Krise noch eine funktionierende Wirtschaft gebe. Bei den Hilfen müssten auch mal unbürokratisch "alle Fünfe grade" sein. Ein besonderer Blick gelte dabei auch dem Schutz von Start-ups vor Fremdübernahme. "Wenn wir das schaffen, können wir sicher sein, dass es auch wieder aufwärts geht."

Am Dienstag beschloss das Kabinett auch den vor zwei Wochen bereits angekündigten sogenannten Bayernfonds: Hier stehen laut Söder 20 Milliarden Euro bereit, damit sich der Freistaat vorübergehend an Firmen beteiligen kann, um sie vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Dazu kommen 40 Milliarden Euro für Bürgschaften und Kredite an Firmen über die landeseigene Förderbank LfA. Söder sprach von einem "Signal an die Wirtschaft: Es ist genügend da".

Einzelhändler halten Mundschutzpflicht für unnötig

Dienstag, 31. März, 11.49 Uhr: Der Einzelhandel hält eine Mundschutzpflicht in Supermärkten wie in Österreich für "derzeit nicht nötig". Die allermeisten Kunden hielten sich beim Einkauf "vorbildlich" an die Abstandsregelungen, sagte der Sprecher des Handelsverbands Bayern. Zudem seien in vielen Supermärkten weitere Maßnahmen umgesetzt worden. "Das Thema Mundschutz steht für uns im Moment nicht auf der Tagesordnung", betonte der Sprecher. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Montag gesagt, dass derzeit anders als in Österreich keine Mundschutzpflicht geplant sei. Er schloss sie allerdings auch nicht dauerhaft aus. Neben der Frage der Notwendigkeit sieht der Sprecher des Handelsverbands auch logistische Schwierigkeiten. "Aktuell verfügen die Lebensmittelmärkte gar nicht über die nötigen Bestände", betonte er. Um Personal und Kunden zu versorgen, bräuchte man Millionen Mundschutze.

FDP-Fraktionschef Martin Hagen plädierte derweil dafür, dass Geschäfte in Bayern wieder öffnen dürfen, sobald sie ihre Kunden zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz verpflichten und dies sicherstellen. Das Tragen solcher einfacher Masken sei sinnvoll, um andere zu schützen. Damit könne man dann Lockerungen für den Einzelhandel verbinden: "Wir könnten jedem Laden erlauben zu öffnen, wenn er sicherstellt, dass alle Kunden Mundschutz tragen", sagte Hagen. Dies könne ab sofort geschehen. In Bayern sind bis 19. April alle Läden geschlossen, die nicht der täglichen Grundversorgung dienen.

Ifo-Institut: Bayerns Wirtschaft wird deutlich schrumpfen

Dienstag, 31. März, 9.55 Uhr: Die bayerische Wirtschaft wird von den Auswirkungen der Corona-Krise besonders hart getroffen. In einer neuen Berechnung geht das Münchner Ifo-Institut davon aus, dass die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum im Freistaat höher sind als im deutschen Durchschnitt. Sollten die Schließungen von Firmen drei Monate lang anhalten, erwarten die Wirtschaftsforscher Kosten zwischen 68 und 138 Milliarden Euro. Bei zwei Monaten wären es 49 bis 94 Milliarden. Anstelle eines leichten Wachstums wird die bayerische Wirtschaft in diesem Jahr demnach deutlich schrumpfen. Der Unterschied zwischen alter und neuer Prognose liegt bei einer dreimonatigen Schließung zwischen 10,8 und 22,1 Prozentpunkten. "Somit ist Bayern etwas stärker bedroht als Deutschland", sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. Für Deutschland war das Ifo im vergleichbaren Szenario von einem Einbruch um 10,0 bis 20,6 Prozentpunkte ausgegangen.

Das liegt laut Ifo-Institut an der Ausrichtung der Wirtschaft im Freistaat. Diese sei unter anderem stark in Bereichen wie Export, Tourismus oder dem sogenannten sozialen Konsum, also Betrieben wie Kinos oder Gaststätten. Diese seien besonders von der Krise betroffen. Fuest warb für starke Maßnahmen in der Corona-Krise: "Die hohen Kosten des Shutdown zeigen: Es lohnt sich, auch extrem teure zusätzliche Investitionen in Gesundheitsschutz zu tätigen, die es ermöglichen, eine schrittweise Aufhebung des Shutdown mit einer Eindämmung der Epidemie zu verbinden."

Arbeiterwohlfahrt fordert: Freistaat muss Schutzmaterial liefern

Dienstag, 31. März, 9.06 Uhr: Der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) fordert mehr Schutzausrüstungen für die Pflegeeinrichtungen in Bayern. Awo-Geschäftsführer Andreas Czerny sagte laut einer Mitteilung, es sei aktuell "schlicht und ergreifend" nicht möglich, die Handlungsanweisungen des Gesundheitsministeriums für Alten- und Pflegeheime, stationäre Einrichtungen sowie ambulante Dienste umzusetzen. Es mangele in den Einrichtungen "nach wie vor an der dafür zwingend erforderlichen Grundvoraussetzung", sagte Czerny. Dazu zählten Atemschutzmasken, Brillen und Schutzkittel. Ohne sie könne nicht die Rede von einem flächendeckenden Infektionsschutz sein - weder für das Personal noch für die betreuten Personen. "Das ist erschreckend, aber aktuell die Realität in betroffenen Einrichtungen", erläuterte der Awo-Geschäftsführer: "Dies zu leugnen, wäre Schönfärberei." Sein Verband fordert das Gesundheitsministerium auf, den Ernst der Lage zu erkennen und die Dienste mit der seit Wochen geforderten Ausrüstung auszustatten. Die Awo selbst erhalte auf dem Markt kein Material. Das Ministerium hatte erst am Montag detaillierte Anweisungen verschickt, wie Altenheime mit Covid-19 umzugehen haben.

Breit-Keßler: Einschränkungen sind "erforderlich und angemessen"

Dienstag, 31. März, 8.28 Uhr: Die frühere Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler hält die Beschränkungen im Zuge der Anti-Corona-Maßnahmen für "erforderlich und angemessen". Wichtig seien "klare Fristen" für die Einschränkungen der Grundrechte, sagte Breit-Keßler dem Bayerischen Rundfunk. "Wir hatten eine klare Frist, sie musste verlängert werden, weil wir das Ziel noch nicht erreicht hatten." Irgendwann müsse man aber auch fragen, wann der Schaden den Nutzen überwiege, sagte Breit-Keßler. Als Mitglied eines sogenannten "Dreierrates Grundrechteschutz" soll sie für die Staatsregierung die Anti-Corona-Maßnahmen begleiten.

Man müsse bei alledem auch die sozialpsychologischen Folgen und die Auswirkungen auf die Wirtschaft im Blick haben, sagte die evangelische Theologin. "Es kann ja nicht sein, dass hinterher alles in Stücken am Boden liegt." Derzeit habe der Dreierrat als extra für die Krise eingerichtetes Kontrollgremium "keine Bedenken", man habe sich alles "sorgfältig angeschaut". Auch die Begründung für die Einschränkungen, Leben retten zu können und für jeden Kranken auch Kapazität in den Kliniken zu haben, sei einleuchtend gewesen. Aber diese dürften "nicht beliebig lange" dauern, sagte sie auch mit Blick auf andere Staaten in der EU. Dass in Ungarn etwa die Regierung quasi die Gewaltenteilung ausgehebelt habe, sei erschreckend. Dem "Dreierrat Grundrechteschutz" gehören neben Breit-Keßler auch die beiden ehemalige Oberlandesgerichts-Präsidenten Christoph Strötz (Nürnberg) und Clemens Lückemann (Bamberg) an.

Drei weitere Corona-Tote in Würzburger Seniorenheim

Montag, 30. März, 19.24 Uhr: Im Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus sind erneut drei mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben. Es handele sich um zwei Frauen im Alter von 105 und 94 Jahren sowie einen 88 Jahre alten Mann, teilte das Landratsamt Würzburg mit. Alle drei hätten unter schweren Vorerkrankungen gelitten. Erst am Sonntagabend hatte das Heim den Tod eines 80-Jährigen gemeldet. Insgesamt sind im Raum Würzburg 17 Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben, ein Großteil davon in der Senioreneinrichtung. Die übrigen positiv auf das Virus getesteten Menschen des Heimes wurden am Wochenende auf Stationen innerhalb der Einrichtung isoliert.

Bayern verlängert Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lastwagen

Montag, 30. März, 19.04 Uhr: Bayern hat die Aufhebung des Sonn- und Feiertagsverbots für Lastwagen verlängert. Die Regelung infolge der Corona-Krise gilt bis zum 19. April, wie das Innenministerium mitteilte. "Auch in den kommenden Wochen müssen wir sicherstellen, dass unsere Geschäfte und Firmen rund um die Uhr bestmöglich mit Waren beliefert werden können", erklärte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Schon Anfang März hatte das Ministerium das Sonntagsfahrverbot für Transporte von haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln für den Einzelhandel in Bayern gelockert. Diese Lockerung soll auf jeden Fall bis 30. Mai 2020 bestehen bleiben. Das Sonn- und Feiertagsfahrverbot ist in Paragraf 30 Straßenverkehrs-Ordnung geregelt. Es untersagt eine Vielzahl von Transporten mit schweren Lkw sonntags und feiertags von 0 bis 22 Uhr.

Neuer Corona-Schnelltest wird gerade in Bayern entwickelt

Montag, 30. März, 18.32 Uhr: In die von der Coronavirus-Pandemie besonders betroffenen Regionen will die Staatsregierung zusätzliche Hilfe schicken. Dabei geht es nicht nur um Ärzte, wie Ministerpräsident Markus Söder am Montag erläuterte, dort sollen auch mehr Testmöglichkeiten geschaffen werden oder Polizisten den Gesundheitsämtern helfen, Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig zu machen. Zudem bekämen diese Landkreise mehr Material wie Schutzmasken oder Kittel - auch weil man erwäge, in den dortigen Altenheimen eine generelle Masken- und Schutzpflicht zu verhängen. Bezogen auf die Zahl der Einwohner gibt es vor allem in den Landkreisen Rosenheim und Miesbach viele Fälle. Nach wie vor am stärksten betroffen ist der Landkreis Tirschenreuth, in dessen Kleinstadt Mitterteich vor zwei Wochen die erste Ausgangssperre verhängt wurde. Im nahen Krankenhaus von Weiden werde "am Limit gearbeitet", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Bei voller Belegung würden Patienten in andere Krankenhäuser etwa in Amberg oder Regensburg gebracht. "Niemand muss die Sorge haben, dass für ihn kein Bett mehr zur Verfügung stünde", sagte Herrmann. Um Patienten zu verteilen, wird in den 26 Rettungsleitstellen Bayerns nun die Funktion eines "Ärztlichen Leiters" eingeführt: Notärzte, die die Belegung der Krankenhäuser steuern sollen. Bayernweit gebe es auch auf den Intensivstationen noch Kapazitäten, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), in manchen Gegenden wie in Rosenheim aber "durchaus Engpässe".

Deshalb sollen eben diese 26 Regionen bis Ende der Woche Pläne und Standorte für mögliche Hilfskrankenhäuser benennen, wie Huml sagte. Möglich sei zum Beispiel, Reha-Kliniken umzufunktionieren oder auch Container-Bauten zu errichten. Die Staatsregierung geht davon aus, dass die Zahl der Infizierten deutlich steigt und damit der Bedarf an Pflegebetten in den Kliniken. Laut Huml sind auf den Intensivstationen derzeit allein 550 Betten mit Covid-19-Patienten belegt - von insgesamt etwa 4000 im Freistaat, die allerdings ja auch für andere Kranke zur Verfügung stehen. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hegt derweil die Hoffnung, schon bald werde in Bayern einen Corona-Schnelltest entwickelt sein. Er habe mit Firmen gesprochen, in der ersten Maihälfte sollten die Geräte in genügend großer Zahl produziert sein, sagte Aiwanger. Dann könnte eine Infektion "in wenigen Minuten" festgestellt werden, und zwar bei mehreren Zehntausend Personen am Tag.

Verwaltungsgerichtshof lässt Ausgangsbeschränkungen in Kraft

Montag, 30. März, 15.32 Uhr: Nach dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof hat auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die bayerischen Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Krise fürs Erste bestätigt. Die zuständigen Richter lehnten es am Montag ab, diese durch eine einstweilige Anordnung vorläufig außer Vollzug zu setzen, wie das Gericht mitteilte. Die Entscheidungen in einem Hauptsacheverfahren stehen allerdings, ebenso wie beim Verfassungsgerichtshof, noch aus.

Die Antragsteller vor dem Verwaltungsgerichtshof hatten argumentiert, die Pandemie-Maßnahmen seien gesetzlich nicht gedeckt. Der zuständige Senat stellte allerdings fest, dass "die angegriffene Verordnung aller Voraussicht nach eine hinreichende gesetzliche Grundlage findet" und lehnte deshalb eine einstweilige Anordnung ab. Die Einschränkungen der Grundfreiheiten seien "angesichts der infektionsrechtlichen Bedrohungslage gerechtfertigt", hieß es. Die Richter nehmen die Staatsregierung aber auch ausdrücklich in die Pflicht: Sie müsse "laufend" überprüfen, ob und inwieweit die Einschränkungen aufrechterhalten werden müssen.

Arztpraxen schließen, weil Schutzmasken fehlen

Montag, 30. März, 15.03 Uhr: Arztpraxen geraten zunehmend wegen fehlender Schutzmasken unter Druck. Etwa 60 Praxen hätten deshalb bis Ende vergangener Woche den Betrieb eingestellt, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) mit. "Waren es vor zwei Wochen noch Einzelfälle, dass Praxen schließen, melden sich nun verstärkt Ärzte, die ankündigen, ihre Praxen zu schließen", sagte ein Sprecher. Zwar seien weitere Einzelchargen mit Masken aus der Bestellung des Bundes bei der KVB eingetroffen. Teils fehle aber die notwendige Zertifizierung, die nun nachträglich erreicht werden solle. Nach wie vor gebe es keine Entspannung in Bezug auf die Ausstattung der Praxen mit der dringend benötigten Schutzausrüstung. "Von einer zufriedenstellenden Belieferung aller rund 18 000 Praxen im Freistaat sind wir noch weit entfernt", berichtete der Sprecher. Die Staatsregierung fordert unterdessen eine Notfallwirtschaft in Deutschland, um Schutzmaterial selbst herzustellen.

Söder wirbt erneut um Verständnis für die weitreichenden Maßnahmen

Montag, 30. März, 13.19 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat erneut um Verständnis für die weitreichenden Maßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie geworben. Die Lage sei weiter "sehr ernst", man dürfe keine falschen Hoffnungen wecken. "Wir wissen, dass es keine leichte Zeit ist", sagte Söder, und dass dies auch psychisch belaste. Die Einschränkungen seien aber "keine Maßnahme des Staates, die übervorsichtig ist".

Die Zahl der Infektionen im Freistaat ist laut Söder von Sonntag- bis Montagmorgen um knapp 1200 auf insgesamt 14 437 gestiegen. Weitere 23 Menschen starben. Zwar sei ein "ganz leichter Trend" erkennbar, dass sich die Ausbreitung des Coronavirus verlangsame. Aber erst Mitte April könne man beurteilen, ob die Regelungen griffen - das müsse dann bundesweit geschehen. Deshalb sei es falsch, jetzt über mögliche Lockerungen der Einschränkungen zu reden, sagte Söder. "Eine Exit-Debatte, so verständlich sie sein mag, ist jetzt zur Unzeit." Wie bei anderen Krankheiten gelte: Wer zu früh aufstehe, der riskiere einen "Rückfall". Ohne die in den vergangenen Wochen beschlossenen Einschränkungen wäre die Zahl der Infizierten in Bayern um etwa die Hälfte höher.

Angesichts der vielen Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkung am Wochenende sagte Söder: "Einige haben es übertrieben." Laut Innenministerium gab es am Wochenende landesweit 50 000 Kontrollen durch die Polizei. Dabei seien etwa 10 000 Verstöße festgestellt worden, von denen etwa 2300 etwa mit einem Bußgeld geahndet wurden. In Landshut ist ein Mann sogar ins Gefängnis gekommen: Er soll dreimal gegen die Ausgangsbeschränkungen verstoßen haben, wie die Polizei mitteilte. Der 27-Jährige habe sich am Samstag draußen mit einem Freund zum Alkoholtrinken und Rauchen getroffen. Bereits in den Tagen zuvor habe er zwei Anzeigen wegen Verstößen gegen die Beschränkungen erhalten und mehrere Hundert Euro Strafe gezahlt. Trotzdem habe sich der Mann uneinsichtig gezeigt. "Da haben wir ihn für eine Woche aus dem Verkehr gezogen", sagte ein Polizeisprecher. Noch bis zum Wochenende solle der 27-Jährige in Landshut in Gewahrsam bleiben.

Bayern verlängert Ausgangsbeschränkungen bis 19. April

Montag, 30. März, 12.37 Uhr: Im Freistaat werden die Ausgangsbeschränkungen bis Mitte April verlängert. Damit dürfen alle Bayern bis zum Ende der Osterferien ihre Wohnung nur mit einem triftigen Grund verlassen, wie es in der Anordnung heißt - also vor allem wenn sie zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu einem Arzt gehen. Auch mit Freunden spazieren zu gehen, bleibt verboten - das darf man nur mit denjenigen, mit denen man zusammenlebt. All diese Regelungen gelten seit gut einer Woche und nun auch bis zum Ende der Osterferien, nachdem es die Staatsregierung morgen formal beschlossen hat. Das gab Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittag bekannt.

Als der Freistaat die Regeln am Freitag der vorvergangenen Woche erlassen hatte, galten sie zunächst für zwei Wochen, also bis zum kommenden Freitag. Nun werden sie bis zum 19. April verlängert. Dass es vorher keine Lockerung der Coronavirus-Beschränkungen geben könne, hatte am Wochenende auch die Bundesregierung deutlich gemacht. Die Verlängerung gilt auch für die Schließung von Geschäften und Restaurants und für das generelle Besuchsverbot in Altenheimen und Krankenhäusern. Ebenfalls bis zum 19. April bleiben in Bayern alle Schulen, Kindertagesstätten und Freizeiteinrichtungen geschlossen - das war aber schon länger klar. Die Einschränkungen weiter zu verschärfen, sei nicht geplant, sagte Söder. Und auch nicht, eine Schutzmaskenpflicht in Supermärkten einzuführen, so wie das Österreich plant. Generell schloss Söder das aber nicht aus.

SPD: Sommersemester nicht auf Studienzeit anrechnen

Montag, 30. März, 11.30 Uhr: Wegen der Corona-Krise sollte das anstehende Sommersemester an den bayerischen Universitäten nicht wie geplant auf jeden Fall durchgeführt werden, das fordert die SPD. Wie in den vergangenen Tagen bereits zahlreiche Professoren will auch der SPD-Wissenschaftspolitiker Christian Flisek stattdessen, es als "Nicht-Semester" beziehungsweise "Nullsemester" werten. Das bedeutet, es wird nicht auf Regelstudienzeit und Maximalstudiendauer angerechnet und die BAföG-Zahlungen müssten weitergehen.

In der vergangenen Woche hatte die Staatsregierung mitgeteilt, dass die Vorlesungszeit an den Universitäten und Hochschulen am 20. April beginnen soll, notfalls in Form von Internetvorlesungen. Ein Ausfall sei trotz Corona-Krise keine Option. Die technischen Möglichkeiten, einen ausschließlich digitalen Lehr- und Prüfungsbetrieb anzubieten, seien aber nicht an allen Hochschulen und Universitäten gleichwertig vorhanden, sagte Flisek. "Es ist kaum vorstellbar, dass alle Veranstaltungen in allen Studiengängen einfach in digitaler Form ohne nennenswerte Einbußen durchgeführt werden können." Gleichwohl solle das Sommersemester nicht komplett ausfallen. "Ich halte es für sehr sinnvoll, überall da, wo es möglich ist, Lehr- und Prüfungsveranstaltungen digital anzubieten."

Vorratskäufe verteuern Nudeln und Mehl nicht

Montag, 30. März, 10.58 Uhr: Trotz Hamsterkäufen hat die Corona-Krise im März nicht zu breiten Preissteigerungen bei besonders begehrten Produkten in Bayern geführt. Teigwaren wie Nudeln wurden im Vergleich zum Februar sogar um 3,6 Prozent billiger, wie aus dem neuen Verbraucherpreisindex des Landesamts für Statistik hervorgeht. Mehl kostete 1,3 Prozent weniger, der Preis für Toilettenpapier blieb konstant. Minimal teurer wurden Trockengemüse und konserviertes Gemüse, die um 0,2 Prozent zulegten, sowie Suppen und Nahrungsmittelzubereitungen, deren Preise um ein Prozent anzogen. Reis und Reiszubereitungen verteuerten sich um 2,3 Prozent.

Verband warnt: Jugendherbergen vor endgültigem Aus

Montag, 30. März, 7.53 Uhr: Die Jugendherbergen in Bayern warnen mangels finanzieller Hilfen vor einer Schließung aller 58 Häuser im Freistaat. Sie seien in der Corona-Krise bisher durch keinen Schutzschirm oder andere Unterstützungsleistungen erfasst, erläuterte der Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks. In einem Schreiben wandte er sich an die Abgeordneten von Landtag und Bundestag sowie an Bürgermeister und Landräte der betroffenen Orte. "Ohne Unterstützung durch Bund und Land ist der Landesverband zur dauerhaften Aufgabe der Standorte gezwungen", heißt es darin.

Mit der Verfügung zur Schließung unter anderem von Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben mussten Mitte März auch die Jugendherbergen komplett zumachen. Der Umsatz aller Jugendherbergen sei auf null gesunken. "Alle bestehenden Buchungen wurden vollständig durch die Gäste storniert. Bislang sind keinerlei neue Buchungen für den weiteren Jahresverlauf eingegangen", heißt es in dem Brief. Nach der Absage vieler Schulfahrten sei bis Ende 2020 auch nicht mit Buchungen wesentlicher Gruppen zu rechnen. Gleichzeitig müssten Löhne und Gehälter der Mitarbeiter weiter bezahlt werden, ebenso die Unterhaltskosten für die Häuser. "Das System 'Jugendherbergen in Bayern' droht, in der bisher gekannten Form zu zerfallen", schreibt der Verband. Nur durch rasch wirksame Maßnahmen könnten endgültige Schließungen verhindert werden.

Weiterer Toter in Würzburger Seniorenheim

Sonntag, 29. März, 21.17 Uhr: Im Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus ist ein 13. Bewohner nach einer Infektion mit dem neuen Coronavirus gestorben. Das teilte das Landratsamt Würzburg am Sonntagabend mit. Der 80 Jahre alte und schwer vorerkrankte Mann sei am Wochenende verstorben. In der Region Würzburg sind damit 14 Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben, 13 davon waren im Seniorenheim St. Nikolaus wohnhaft. Am Freitagabend starb ein 57-Jähriger in einem Würzburger Seniorenzentrum der AWO.

Fast 600 Anzeigen am sonnigen Wochenende in München

Sonntag, 29. März, 19.52 Uhr: Der Grund dürfte das schöne Wetter gewesen sein: Von Freitag- bis Sonntagmorgen hat die Münchner Polizei 595 Menschen angezeigt, weil sie sich nicht an die Regeln hielten, mit denen das Coronavirus eingedämmt werden soll. Alleine 344 Anzeigen gab es von Samstag- bis Sonntagfrüh, so viele wie an keinem anderen Tag bisher. Meist hielten sich die Betroffenen nicht daran, dass die eigene Wohnung derzeit nicht ohne triftigen Grund verlassen werden darf. In 43 Fällen dagegen hatten die Leute zum Beispiel ihre Geschäfte nicht geschlossen. Kontrolliert wurden an beiden Tagen mehr als 13 000 Menschen.

Im Blick hatte die Polizei auch Freizeitziele im Umland; ein Ausflug sei kein "triftiger Grund", die Wohnung zu verlassen, hatte die Münchner Polizei zuvor gewarnt. An Starnberger See und Ammersee seien viele Spaziergänger und Sportler unterwegs gewesen, heißt es von der oberbayerischen Polizei; die meisten hätten sich aber an die Regeln gehalten.

Söder informiert am Montag über weiteren Anti-Corona-Kampf

Sonntag, 29. März, 17.55 Uhr: Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montagmittag über das weitere Vorgehen informieren: Für 12.30 Uhr hat die Staatskanzlei zu einer Pressekonferenz eingeladen. Ein zentraler Punkt neben aktuellen Zahlen und Entwicklungen dürfte sein, ob und bis wann die umfangreichen Ausgangsbeschränkungen, die in Bayern zunächst bis einschließlich 3. April befristet wurden, verlängert werden. Dass sie verlängert werden, daran gibt es kaum Zweifel.

Kanzlerin Angela Merkel und Kanzleramtschef Helge Braun (beide CDU) hatten zuletzt bereits deutlich gemacht, dass schnelle Lockerungen der Kontaktbeschränkungen für Bürger noch nicht im Raum stehen. Braun sagte dem "Tagesspiegel": "Wir reden jetzt bis zum 20. April nicht über irgendwelche Erleichterungen." Für die konkreten Regelungen sind allerdings die Länder zuständig. Aber auch Söder selbst hatte zuletzt vor einem zu frühen Ende der Auflagen und Beschränkungen gewarnt.

SPD: In Corona-bedingter Schließzeit keine Kita-Gebühren

Sonntag, 29. März, 17.23 Uhr: Die SPD-Landtagsfraktion möchte in der Corona-Krise die Eltern von Kita-Kindern von den Gebühren befreien. Dazu solle die Landesregierung einen Fonds auflegen, um den Trägern der Einrichtungen - Kommunen, Kirchen, private Anbieter - die Einbußen zu erstatten. Für die Zeit der noch bevorstehenden Schließungen sollten keine Elternbeiträge mehr eingezogen werden, heißt es in einem Brief der familienpolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, Doris Rauscher, an Sozialministerin Carolina Trautner (CSU).

Bereits geleistete Beiträge sollen zurückerstattet werden. Für die Gebühren sind in Bayern die Kommunen und Träger der Kitas zuständig. Diese sollen über einen Sonderfonds unterstützt werden, so Rauschers Vorschlag. Die Höhe des Fonds sei noch nicht abschätzbar, da die Kosten von der Dauer der Kita-Schließungen abhängen, sagte eine Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Zunächst waren weder das Sozialministerium noch der Bayerische Gemeindetag für eine Stellungnahme erreichbar.

Kunst und Corona: #MuseumFromHome

Sonntag, 29. März, 14.43 Uhr: Wegen der aktuellen Ausgangsbeschränkungen in Bayern bieten viele Kunst- und Kultureinrichtungen digitale Alternativen zum Museumsbesuch an. Der bayerische Staatsminister für Kunst, Bernd Sibler, dankte den Kulturschaffenden für ihre Kreativität und den Erfindergeist. "Kunst und Kultur können gerade in diesen schwierigen Zeiten eine sinnstiftende und verbindende Funktion einnehmen", sagte Sibler am Sonntag.

Viele Kultureinrichtungen lassen sich nun digital besuchen. Das ägyptische Museum in München etwa bietet Interviews, Erklärfilme und digitale Rundgänge an. Auf Facebook, Instagram und Twitter stellen Kuratoren der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen unter dem Hashtag #Kunstminute berühmte Gemälde vor. Über das Landeskulturportal wird ein virtueller Spaziergang durch zahlreiche Einrichtungen angeboten. Mehr als 320 000 digitalisierte Objekte aus Museen und Bibliotheken lassen sich dort besichtigen. Einen Überblick, was Münchens Museen und Ausstellungshallen digital zu bieten haben, gibt es auch hier.

Ministerium: 13 263 Coronavirus-Fälle und 110 Tote

Sonntag, 29. März, 12.36 Uhr: In Bayern sind mittlerweile 13 263 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Das teilte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Sonntag mit. Den Angaben zufolge sind bislang 110 Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert waren, gestorben.

600 Flüchtlinge in Ankerzentrum unter Quarantäne

Sonntag, 29. März, 10.51 Uhr: Etwa 600 Bewohner des Ankerzentrums in Geldersheim in Unterfranken sind nach vereinzelten Coronavirus-Infektionen unter Quarantäne gestellt worden. Sieben der untergebrachten Flüchtlinge und ein externer Beschäftigter seien positiv auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden, wie die Regierung von Unterfranken mitteilt. Die infizierten Bewohner sollten in einem gesonderten Gebäude unterkommen. Für die Einrichtung gelte ein Aufnahme- und Verlegungsstopp.

Auch die Münchner Wohlfahrtsverbände sorgen sich um die Stimmung in den Flüchtlingsunterkünften. Schon in normalen Zeiten leben gut 6000 Flüchtlinge in der Stadt unter prekären Umständen, durch die Corona-Krise fallen viele Hilfsangebote weg.

Polizei: "Das war absoluter Wahnsinn"

Sonntag, 29. März, 10.38 Uhr: Zum Start in das frühlingshafte Wochenende haben in Bayern Hunderte Menschen gegen die in der Corona-Krise erlassenen Auflagen verstoßen. Die Polizei meldete in fast allen Regierungsbezirken zahlreiche Einsätze in Zusammenhang mit der seit dem 21. März geltenden Ausgangsbeschränkung. Ein Sprecher der Polizei Oberbayern Nord sagte am Sonntag, die Beamten seien zwischenzeitlich von der Anzahl der Einsätze "überrollt" worden. Weil etwa der erforderliche Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten worden sei, sich Menschen in die Sonne legten oder Grillfeste veranstalteten, rückte die Polizei alleine dort mehr als 150 Mal aus. "Das war absoluter Wahnsinn", sagte der Polizeisprecher. An der Isar in München schickte die Polizei die Menschen per Lautsprecher-Durchsage nach Hause.

Auch in der Oberpfalz beschäftigten Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen die Beamten. Hier waren sie gut 140 Mal im Einsatz. In Mittelfranken stand etwa die Hälfte aller Einsätze mit den Ausgangsbeschränkungen in Zusammenhang. Im südlichen Schwaben war es dagegen ruhiger. "Wir haben Berge und Hütten abgesucht, aber man hat sich an die Verbote gehalten", sagte ein Sprecher der Polizei Schwaben Süd am Sonntag.

Experte: Coronavirus heftiger für Arbeitsmarkt als Finanzkrise

Sonntag, 29. März, 7.54 Uhr: Die aktuelle Corona-Krise wird nach Meinung von Experten den Arbeitsmarkt in Bayern massiv beeinträchtigen. Die aktuelle Situation habe wesentlich stärker zugeschlagen als die Finanzkrise 2009, sagte ein Experte aus dem Arbeitsministerium in München der Nachrichtenagentur dpa. Eine genaue Prognose über die Entwicklung der Arbeitslosen- und Kurzarbeiterzahlen in den nächsten Monaten sei derzeit zwar nicht möglich. Sicher sei aber, dass sich die Kurzarbeit massiv erhöhen werde. Auch von steigenden Arbeitslosenzahlen sei auszugehen. "Die Lage ist momentan extrem schwierig. Alles hängt von der Länge der Pandemie und der Wirkung der notwendigen Maßnahmen zu deren Eindämmung ab", sagte er.

Die am Dienstag (31. März) durch die Regionaldirektion der Bundesagentur veröffentlichten Zahlen für den Monat März werden nicht die aktuelle Situation des Arbeitsmarkts widerspiegeln, da der Stichtag für die Berechnung, der 12. März, vor den von Bund und Freistaat verhängten Ausgangsbeschränkungen sowie Betriebs- und Schulschließungen lag, so der Fachmann. Einen Hinweis darauf, dass zunächst die Kurzarbeit in Bayern sehr stark steigen werde, seien die Kurzarbeitsanzeigen der Unternehmen. Am 20. März lagen den Arbeitsagenturen 14 600 Anzeigen von Betrieben vor. Tendenz deutlich steigend. Zum Vergleich hatte diese Zahl im Januar bei 262 Kurzarbeitsanzeigen gelegen.

25 000 Euro Spenden für verteilten Knödelteig

Samstag, 28. März, 18.32 Uhr: Eine Knödelteig-Verteilaktion hat in der Oberpfalz 25 000 Euro für den guten Zweck eingebracht. Die Firma Burgis hatte gegen Spenden tonnenweise Kloßteig und vorgeformte Knödel ausgegeben, die in der Corona-Krise nicht an die Gastronomie geliefert werden können. Die Bilanz nach zwei Tagen: Es sind sogar noch etwas mehr als die geplanten 60 Tonnen geworden. "Weil so viele Leute anstanden", sagte eine Sprecherin am Samstag. Insgesamt seien in der eingerichteten Drive-In-Station auf dem Werksgelände in Neumarkt in der Oberpfalz etwa 2500 Autos vorgefahren, hieß es weiter. Burgis-Mitarbeiter packten die Produkte in die Kofferräume und die Autofahrer steckten ihr Geld vom Fenster aus in eine Spendenbox. Das am Freitag und Samstag gesammelte Geld geht an die örtliche Diakonie.

Einzelhändler: "Seit dem 18. März machen wir null Euro Umsatz"

Samstag, 28. März, 16.48 Uhr: Obwohl die Umsätze der Einzelhändler in der Corona-Krise massiv eingebrochen sind, hat der Handelsverband Bayern für die drastischen Maßnahmen der Politik Verständnis. "Wir stehen als Einzelhandelsverband voll und ganz hinter den Entscheidungen", sagte Verbandspräsident Ernst Läuger dem Münchner Merkur. Allerdings: "Wenn der Staat das öffentliche und wirtschaftliche Leben einschränkt, ist er auch dafür verantwortlich, diese Schäden zu begrenzen." Seit dem 18. März sind viele Geschäfte wegen der Corona-Krise geschlossen.

Nicht alle Hilfsmaßnahmen greifen Läuger zufolge wie gewünscht: "Wir bekommen von Händlern gemeldet, dass die Hürden bei Krediten, für die der Staat bürgt, so hoch sind, dass sie in den kommenden vier Wochen nicht zum Greifen kommen." Der Verbandspräsident plädierte für einen Steuererlass, um der gebeutelten Wirtschaft unter die Arme zu greifen. "Die beschlossenen Stundungen von Steuern helfen nur kurzfristig." Der Handelsverband rechnet derzeit im bayerischen Einzelhandel - ohne die Lebensmittelgeschäfte - mit Umsatzeinbußen von 185 Millionen Euro pro Tag. "Seit dem 18. März machen wir null Euro Umsatz. Zwar mag der ein oder andere Einzelhändler zusätzlich über das Internet verkaufen, das reicht aber bei Weitem nicht aus, um den Verlust auf der anderen Seite zu kompensieren", erklärte Läuger. "Abgesehen von Lebensmitteln halten sich die Menschen gerade generell im Konsum zurück." Seiner Einschätzung nach werden in Bayern im April 180 000 Beschäftigte in Kurzarbeit gehen.

Lesen Sie mehr dazu, wie Bayerns Händler den Lieferservice entdecken: Weil die Geschäfte geschlossen bleiben, werden in vielen bayerischen Städten jetzt alle Waren nach Hause gebracht - mit erstaunlichem Erfolg.

11 862 Coronavirus-Fälle und 85 Tote in Bayern

Samstag, 28. März, 15.03 Uhr: In Bayern sind inzwischen 11 862 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Das teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen am Samstag (Stand 10 Uhr) auf seiner Homepage mit. Den Angaben zufolge sind bislang 85 Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert waren, gestorben.

Auch Privatbahnen dünnen ihr Angebot weiter aus

Samstag, 28. März, 14.20 Uhr: Nach der Deutschen Bahn streichen in der Corona-Krise jetzt auch mehrere Privatbahnen Verbindungen in Bayern. Züge würden deswegen von Montag an seltener fahren, teilte die Länderbahn am Samstag mit. Außerdem würden Haltestellen entfallen, hieß es weiter. Weil immer weniger Menschen mit dem Zug fahren, werden einige Verbindungen außerhalb der Hauptverkehrszeit - also früh morgens, spät abends und teilweise am Wochenende - gestrichen. Laut der Länderbahn betrifft das den Zug alex Nord, die Oberpfalzbahnen 1 und 3, die Waldbahnen 1 bis 3 und die Berchtesgardener Landbahn. Auch die Takte, in denen die manche Züge tagsüber unter der Woche fahren, werden größer. Außerdem werde streckenweise der Verkehr von Zügen eingestellt, die eine Grenze überfahren, teilte die Länderbahn mit. Das bedeute Haltausfälle bei dem Zug alex Süd und den Oberpfalzbahnen 2 und 3, hieß es weiter. Auch Passagiere der Oberpfalzbahnen 4 und 5 müssen sich wegen Haltausfällen umstellen. Für bestimmte Abschnitte wird aber ein Ersatzverkehr eingerichtet.

Ministerin: Väter dürfen zur Geburt in den Kreißsaal

Samstag, 28. März, 13.40 Uhr: Werdende Väter dürfen auch in der Corona-Krise bei der Geburt ihres Kindes im Krankenhaus dabei sein. Darauf hat am Samstag Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) abermals hingewiesen. Auch engste Angehörige dürften nicht von Besuchen in den Kliniken nach Geburten ausgeschlossen werden. Zuvor hatten vereinzelt Kliniken wegen des Ansteckungsrisikos mit dem neuartigen Coronavirus Väter nicht mehr in die Kreißsäle gelassen. Ansonsten bleibt es laut Ministerium aber dabei: Besuche in Krankenhäusern sind derzeit verboten.

"Die Geburt eines Kindes ist ein außergewöhnliches Ereignis. Deshalb haben wir hierfür eine Ausnahme vorgesehen", sagte Huml. Die Hygiene-Abteilung eines Krankenhauses muss allerdings festzulegen, welche Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu treffen sind. "Dazu zählen insbesondere das Tragen von Schutzkleidung und zeitliche Vorgaben für den Besuch", hieß es in der Mitteilung. "Außerdem muss der Gesundheitszustand des Besuchers überprüft werden." Es dürfe kein Hinweis auf einen Infekt der Atemwege vorliegen.

Wie die aktuellen Regeln in München sind, hat SZ-Redakteurin Ekaterina Kel hier zusammengefasst.

Aiwanger: "Nicht zu früh Maßnahmen zulassen, die wieder Ansteckungsrisiken erhöhen"

Samstag, 28. März, 12.46 Uhr: In der Debatte, wann die weitreichenden Einschränkungen gegen die Coronavirus-Pandemie wieder aufgehoben werden können, rudert Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zurück. In einem Interview mit der Passauer Neuen Presse sagte er: "Wir müssen uns zumindest so organisieren, dass wir abhängig von der medizinischen Entwicklung für verschiedene Zeitabläufe gerüstet sind. Je länger es dauert, umso teurer wird es, trotzdem dürfen wir nicht zu früh Maßnahmen zulassen, die wieder Ansteckungsrisiken erhöhen." Noch am Mittwoch hatte Aiwanger, der auch bayerischer Vize-Ministerpräsident ist, gesagt: "Wir halten das natürlich nicht monatelang durch, sondern meine Einschätzung ist, irgendwann ab Mitte April müssen wir die Kurve gekratzt haben." Dafür wurde er nicht nur von führenden Politikern der Freien Wähler kritisiert, auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte vor verfrühten Spekulationen gewarnt.

Melde-Plattform für Ärzte und Medizinstudenten gestartet

Samstag, 28. März, 11.47 Uhr: Für Ärzte und Medizinstudenten, die beim Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus mithefen wollen, gibt es nun ein eigenes Melde-Portal. Da sich in den vergangenen Wochen so viele Unterstützer Pandemie gemeldet haben, hat die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) zusammen mit dem Gesundheitsministerium eine Website zur freiwilligen Registrierung der ärztlichen Helfer eingerichtet - "um Angebot und Bedarf an zusätzlicher ärztlicher Mitarbeit zueinander zu bringen", wie BLÄK-Präsident Gerald Quitterer sagt. Unter freiwillige.blaek.de können sich Medizinstudenten und Ärzte aus dem In- und Ausland registrieren. Zudem gibt es für Praxen, medizinische Versorgungszentren, Gesundheitsämter und Betreiber von Bürgertelefonen die Möglichkeit, sich zu melden, wenn noch Unterstützung gesucht wird. Die eingesetzten Helfer werden entlohnt. Zudem haben sich nach Angaben von Gesundheitsministerin Melanie Huml bereits mehr als 1700 Pflegerinnen und Pfleger, die derzeit nicht in ihrem Beruf tätig sind, für einen möglichen Einsatz gemeldet. Dafür gibt es die Online-Plattform www.pflegepool-bayern.de.

Sportvereine rechnen mit Schaden in Höhe von Hunderten Millionen Euro

Samstag, 28. März, 9.23 Uhr: Der bayerische Sport erwartet wegen der Folgen der Corona-Krise Hunderte Millionen Euro Schaden. Über ein Online-Meldesystem können sich seit der vorigen Woche Vereine und Verbände mit den zu erwartenden Einbußen melden. Bis Freitag gingen dabei beim Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) etwa 1000 Einträge ein, "Tendenz: stark ansteigend", wie der BLSV bekanntgab. "Aufgrund der ersten Erkenntnisse geht der BLSV schon jetzt von einem geschätzten Schaden von insgesamt mehr als 200 Millionen Euro für den organisierten Sport in Bayern aus", hieß es in einer Mitteilung. Als drängendste Probleme wurden die Liga-, Sport- und Trainingsbetriebe, die Sportanlagen und die Kosten für Betreuer und Trainer identifiziert. BSLV-Präsident Jörg Ammon forderte Unterstützung von der Politik: "Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln, gerade in dieser schwierigen Zeit benötigen wir schnellstmöglich staatliche Unterstützung in Form eines finanziellen Hilfspakets, um die Existenz unserer Sportvereine und Sportfachverbände zu sichern."

Streit über Einsatz von Asylbewerbern als Helfer in der Landwirtschaft

Samstag, 28. März, 7.48 Uhr: Der von der Politik erlaubte Einsatz von Asylbewerbern als Erntehelfer in der Corona-Krise empört den Bayerischen Flüchtlingsrat. "Grundsätzlich begrüßen wir natürlich, dass Geflüchteten der Zugang zur Arbeit erleichtert wird", schreibt er in einer Erklärung. Jedoch dürfte dies nur unter fairer Bezahlung, umfassenden Schutzmaßnahmen und langfristig stattfinden: "Wir merken uns das und werden die Staatsregierung nach der Krise daran erinnern!" Viele geduldete Flüchtlinge kämpften seit Jahren vergebens darum, arbeiten zu dürfen oder eine Ausbildung anzufangen, sagte Johanna Böhm vom Flüchtlingsrat. Jetzt, da aufgrund der Corona-Krise Erntehelfer nicht ins Land dürften oder aus Selbstschutz fernblieben, sollen Geflüchtete einspringen, aber nur kurzfristig. Eine Bleibeperspektive solle daraus nicht entstehen. "Das ist eine ungeheuerliche opportunistische Ausbeutung", so Böhm.

Bayerns Innen- und Landwirtschaftsministerium teilten am Freitag mit, dass Ausländerbehörden angehalten seien, Asylbewerbern eine Erntehelfertätigkeit nach Möglichkeit ab sofort zu erlauben. Das sei von öffentlichem Interesse, die Behörden sollten ihre gesetzlichen Spielräume nutzen und notwendige Beschäftigungserlaubnisse "offensiv erteilen". Zuletzt hatten vor allem die Spargel-und Hopfenbauern die Sorge geäußert, dass wegen der Corona-Krise nicht genügend ausländische Helfer in den Freistaat kommen könnten. Die Hinweise gelten laut Innenministerium für Asylbewerber im laufenden Verfahren ebenso wie für bereits abgelehnte Asylbewerber. Entsprechende Beschäftigungserlaubnisse würden allerdings nur zeitlich beschränkt für die Zeit der Erntehelferarbeit erteilt.

Zwölfter Bewohner in Würzburger Heim stirbt nach Corona-Infektion

Freitag, 27. März, 17.41 Uhr: Im Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus ist ein weiterer mit dem neuen Coronavirus infizierter Bewohner gestorben. Wie das Landratsamt mitteilte, starben damit bislang zwölf Bewohner an Covid-19. Viele davon waren über 80 Jahre alt und hatten Vorerkrankungen. Details zu dem neuerliches Todesfall wurden nicht bekanntgegeben. Die Einrichtung ist seit Wochen ein Schwerpunkt bei Todesfällen im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Bayern. Inzwischen sind nach Angaben der Stadt alle zumeist hochbetagten Bewohner sowie alle Mitarbeiter der Einrichtung auf das Coronavirus getestet worden, davon 44 Bewohner und 32 Mitarbeiter positiv. Alle drei Tage sollen die Tests wiederholt werden.

Bußgeldkatalog: Verstoß gegen Corona-Auflagen kann teuer werden

Freitag, 27. März, 15.50 Uhr: Wer in Zeiten der Corona-Pandemie gegen das Abstandsgebot von 1,5 Metern verstößt, kann mit einem Bußgeld von 150 Euro belangt werden. 150 Euro Bußgeld drohen auch Personen, die ohne triftigen Grund ihre Wohnung verlassen. Das geht aus dem neuen Bußgeldkatalog hervor, den das Gesundheits- und das Innenministerium am Freitag erlassen haben. Das Regelwerk sieht aber auch bedeutend schärfere Sanktionen vor. Wer beispielsweise ohne Befugnis eine Klinik oder vergleichbare medizinische Einrichtung betritt, muss mit 500 Euro Bußgeld rechnen. Das gleiche Bußgeld gilt für das unbefugte Betreten von Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen, Altenheimen und Seniorenresidenzen. Wirte, die ihr Gasthaus öffnen, können sogar mit 5000 Euro Bußgeld bestraft werden.

Gesundheitsministerin Melanie Huml und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) appellierten an die Bevölkerung, die Corona-Regeln einzuhalten. "Wir müssen gemeinsam alles unternehmen, um das gefährliche Virus bestmöglich einzudämmen", sagte Huml. Herrmann erklärte: "Verstöße werden wir konsequent sanktionieren. Wo notwendig wird die Polizei die Kontrollen weiter verstärken." Laut Huml und Herrmann geht es nicht darum, die Bevölkerung zu kriminalisieren. "Aber jeder muss verstehen, dass es beim Coronavirus für viele Menschen um Leben und Tod gehen kann", sagte Huml. Deshalb sei große Vorsicht und Rücksichtnahme geboten, um weitere Infektionen möglichst zu vermeiden.

Herrmann betonte, dass sich der "weit überwiegenden Teil der Bevölkerung vorbildlich an unsere Schutzregeln hält". Es gebe aber auch Leute, die aus Unwissenheit oder Uneinsichtigkeit gegen die Vorgaben verstoßen. Deshalb forderte der Innenminister die Bevölkerung auf, "nicht nach Schlupflöchern zu suchen, um beispielsweise die Ausgangsbeschränkungen zu umgehen". Der Bußgeldkatalog ist eine Richtschnur für die Kreisverwaltungsbehörden, sie sind für den Erlass der Bußgelder zuständig. Außerdem wurde er der Polizei zur Verfügung gestellt. Nachlesen kann man ihn beispielsweise auf der Internetseite des Innenministeriums.

Zahl der bestätigten Infektionen steigt auf 10 180

Freitag, 27. März, 15.35 Uhr: Die Zahl der Corona-Infektionen in Bayern ist über die 10 000-er-Marke gestiegen. Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit betrug sie am Freitagvormittag 10 180. Das sind 1338 Infektionen oder 15,1 Prozent mehr als am Vortag. 761 Infizierte wurden in Kliniken behandelt. Die Zahl der Corona-Toten hat sich um sieben auf 59 erhöht.

Firma verteilt 60 000 Kilo Knödelteig gegen Spenden

Freitag, 27. März, 14.52 Uhr: Wohin mit 60 000 Kilogramm Knödelteig? Die Firma Burgis aus Neumarkt in der Oberpfalz hat gegen Spenden Produkte verteilt, die wegen der Corona-Krise nicht an die Gastronomie geliefert werden können. Dafür richtete sie auf ihrem Werksgelände eine Drive-In-Station ein. Der Andrang sei enorm gewesen, sagte eine Sprecherin am Freitag. Es gab wahlweise Kloßteig und vorgeformte Knödel in verschieden großen Beuteln. Die Abholer wurden um freiwillige Spenden gebeten. Manche gaben für einen Beutel 100 oder 200 Euro, sagte die Sprecherin. Das Geld steckten die Autofahrer vom Fenster aus direkt in eine Spendenbox. Burgis-Mitarbeiter packten die Beutel in den Kofferraum, so dass Kontakt vermieden und Abstand eingehalten wurde. Die Spenden gehen an die Diakonie in Neumarkt. Durch die vorübergehende Schließung der Gaststätten wegen des Coronavirus waren die Lagerräume des Herstellers noch voll mit Ware. Diese hätten sie nicht in die Biogasanlage geben wollen, so die Sprecherin. Wie viel Geld zusammenkam, war zunächst unklar.

Polizei rät von Wochenend-Ausflügen ab

Freitag, 27. März, 14.45 Uhr: Mit Argwohn blickt die Polizei dem Wochenende entgegen - des schönen Wetters wegen. Die Münchner Polizei etwa appellierte am Freitag, nicht in die Parks oder an die Isar zu strömen. Man solle sich weiterhin auf das engere Umfeld "um den eigenen Wohnbereich herum beschränken", um so "an bestimmten Orten keine unnötige Mehrbelastung zu verursachen". Vor allem in den Parks werde man aufpassen, dass keine Gruppen entstehen und nicht gegen den gebotenen Mindestabstand verstoßen wird. Zwar ist es in Bayern nach wie vor erlaubt, für "Sport und Bewegung an der frischen Luft" die Wohnung zu verlassen - aber nur alleine oder mit Menschen, mit denen man zusammenlebt. Zu anderen muss ein Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) rief erneut dazu auf, auf Ausflüge in die Berge zu verzichten. "Es ist nicht der Sinn der Sache, wenn Leute zuhauf über 50 oder 100 Kilometer meinen, in die Berge fahren zu müssen. Da rate ich dringend davon ab", sagte Herrmann.

30 000 Azubis werden frühestens im Juni mit der Ausbildung fertig

Freitag, 27. März, 14.16 Uhr: Wegen der Corona-Krise können mehr als 30 000 Azubis in Bayern vorerst ihre Abschlussprüfungen nicht absolvieren. Die für dieses Frühjahr vorgesehenen Termine sind deutschlandweit abgesagt, wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mitteilte. Allein in Oberbayern betrifft das 11 000 Azubis, die Nachholtermine sind nach Angaben der IHK München und Oberbayern für Mitte Juni geplant. Die absehbare Folge ist, dass zumindest diejenigen, die von ihren Betrieben nicht übernommen werden oder den Arbeitgeber wechseln wollen, erst später mit Abschlusszeugnis auf Stellensuche gehen können. Die Industrie- und Handelskammern sind zuständig sowohl für kaufmännische Berufe als auch für mehr als 130 technische Berufe, darunter Industriemechaniker und Mechatroniker.

Landtagsabgeordnete können bald auch per Videokonferenz debattieren

Freitag, 27. März, 13.35 Uhr: Auch die Landtagsausschüsse werden bis auf Weiteres nur in Schrumpf-Besetzung tagen: Die Zahl der Teilnehmer wird wie schon bei den vergangenen beiden Plenarsitzungen auf ein Fünftel reduziert - wobei die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse von allen Fraktionen wechselseitig anerkannt werden. Zudem können sich Abgeordnete per Video zuschalten lassen. Darauf habe man sich am Freitag im Einvernehmen mit allen Fraktionen verständigt, sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Was Sitzungen per Video betrifft, so verständigten sich die Fraktionen nach Angaben Aigners darauf, dass jedenfalls die Ausschussvorsitzenden im Landtag vor Ort sein sollen. Wer sich von dem Fünftel der Abgeordneten, die überhaupt noch teilnehmen sollen, lieber per Video zuschalten will, der soll dies tun. Die Regelungen sollen ab den Osterferien gelten.

Nach elf Todesfällen: Würzburger Seniorenheim wird nicht teilevakuiert

Freitag, 27. März, 13.02 Uhr: Das Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus in dem - Stand Freitag - elf Bewohner nach einer Coronavirus-Infektion gestorben sind, wird nicht teilevakuiert. Nach langer Debatte habe man entschieden, stattdessen nicht-infizierte und infizierte Bewohner auf verschiedene Stationen innerhalb der Einrichtung zu verteilen, sagte Oberbürgermeister Christian Schuchardt, der auch Stiftungsratschef der Einrichtung ist. Alle Heimbewohner wurden inzwischen getestet, 44 waren positiv, das ist fast die Hälfte. Laut OB zeigten sich die Probleme in dem Heim "wie in einem Brennglas".

In Würzburg wurden unterdessen auch in anderen Heimen Infizierungen festgestellt, andernorts in Bayern häufen sich die Fälle ebenfalls. Insofern werde genau beobachtet, wie in Würzburg vorgegangen werde, sagte der OB. Er zählte mehr als ein halbes Dutzend Argumente sowohl für eine Evakuierung wie dagegen auf. Unterm Strich waren offenbar vor allem das Transportrisiko, der logistische Aufwand, die zusätzliche Belastung für den Rettungsdienst sowie die Vermeidung eines neuen Infektions-"Hotspots" maßgeblich für die Nicht-Evakuierung. Der OB appellierte erneut eindringlich an alle in Frage kommenden Institutionen, das Heim mit Material und Personal zu unterstützen. Die Heimmitarbeiter arbeiteten "bis zur Erschöpfung".

Die Bundeswehr hat personelle Unterstützung bislang abgelehnt. Bei aller Trauer um die elf Verstorbenen - der derzeit ausschließlich im Heim tätige Arzt Michael Schwab bat auch darum, die Zahl richtig einzuordnen. Im Heim seien viele hochbetagte Bewohner untergebracht, nicht wenige seien um die hundert Jahre alt. Auch während einer "normalen Grippewelle" stürben in dem Heim "regelmäßig acht bis zehn" Bewohner. Nach den ersten Infizierungen habe er "überraschend geordnete Verhältnisse im Heim vorgefunden". Die Mitarbeiter seien aber an der Grenze der Belastbarkeit.

Die Bahn dünnt ihr Angebot weiter aus

Freitag, 27. März, 12.44 Uhr: Wegen der Corona-Krise wird der Zugverkehr im Freistaat weiter reduziert. Demnach sollen von Montag an vor allem "freizeitorientierte Angebote, Schülerzüge und Taktverstärker" ausfallen, wie das Verkehrsministerium mitteilte. Der neue Fahrplan entspreche damit oft dem Wochenendfahrplan, allerdings mit zusätzlichen Verbindungen am frühen Morgen, damit Berufstätige weiter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren könnten. Wem es aber möglich sei, solle von einer Reise absehen oder sie außerhalb der Stoßzeiten durchführen. Für die Münchner S-Bahn heißt das, dass sie von kommender Woche an auch werktags nach dem Samstagfahrplan fährt.

Zwar sind die Fahrgastzahlen der Bahn stark zurückgegangen. Zuletzt wurden aber auch immer wieder Klagen laut, dass auf vielbefahrenen Pendlerstrecken die Züge in der morgendlichen Stoßzeit nach wie vor voll seien - zu voll, um sich von Mitfahrenden auf Distanz halten zu können. Fahrgastvertreter hatten deshalb gefordert, nicht noch weniger Züge fahren zu lassen. Nach Angaben der Bahn wird nun zum Beispiel auf der stark frequentierten Verbindung Augsburg-München der Fahrplan dementsprechend weniger stark gekürzt. Laut Bahn soll das neue Grundangebot Planbarkeit schaffen und für Passagiere die Gefahr kurzfristiger Zugausfälle minimieren. Derzeit verzeichnet sie nach Angaben ihres bayerischen Regionalchefs Klaus-Dieter Josel keinen erhöhten Krankenstand. Sie will aber gerüstet sein, um einen stabilen Fahrplan aufrecht erhalten zu können. Den Reisenden empfiehlt sie, sich im Internet unter www.bayern-fahrplan.de über die aktuelle Lage zu informieren.

Bayern nimmt mindestens zehn Patienten aus Italien auf

Freitag, 27. März, 11.36 Uhr: Bayern will Italien jetzt bei der Versorgung von Covid-19-Patienten unterstützen. Nach Angaben der Staatskanzlei sollen "als Zeichen der Solidarität" mindestens zehn schwer kranke Patienten in bayerischen Krankenhäusern aufgenommen werden. "Bayern wird Covid-19-Patienten in jenem Umfang aufnehmen, wie dies die anderen Bundesländer tun, die sich bislang dazu bereiterklärt haben", sagte eine Sprecherin auf Nachfrage. Wie viele Patienten letztlich aufgenommen werden, sei noch nicht beschlossen. "Das läuft jetzt an, die Fachebenen planen augenblicklich, wie die Umsetzung stattfinden kann", hieß es. Mit Italien müsse zunächst geklärt werden, wer sich für die Verlegung nach Bayern eigne und auf welchem Weg er hierhergebracht werden könne. Noch ungeklärt ist bislang auch, in welche Krankenhäuser die Patienten kommen. "Grundsätzlich eigenen sich da natürlich die großen Kliniken besonders, mit solchen Herausforderungen umzugehen. Aber jetzt im Moment ist das noch alles im Planungsstadium", sagte die Sprecherin.

Verfassungsgericht lässt Ausgangsbeschränkungen weiter gelten

Freitag, 27. März, 11.10 Uhr: Die Ausgangsbeschränkungen in Bayern bleiben weiter in Kraft: Der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs lehnte es ab, diese durch eine einstweilige Anordnung außer Vollzug zu setzen, wie das Gericht mitteilte. Ein Kläger hatte argumentiert, die Verordnung zu den Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Krise greife in unverhältnismäßiger Weise in Freiheitsrechte der Bürger ein. Er hat deshalb Popularklage erhoben und will erreichen, dass die Verordnung für verfassungswidrig und nichtig erklärt wird. Er forderte zudem, sie sofort per einstweiliger Anordnung außer Vollzug zu setzen.

Der Präsident des Verfassungsgerichtshofs, Peter Küspert, der in besonderen Eilfällen selbst entscheidet, lehnte Letzteres nun ab. Bei einer überschlägigen Prüfung könne nicht von offensichtlichen Erfolgsaussichten, aber auch nicht von einer offensichtlichen Aussichtslosigkeit des Hauptantrags im Popularklageverfahren ausgegangen werden, hieß es in der Mitteilung des Gerichts. Die Entscheidung über den Erlass einer einstweiligen Anordnung müsse deshalb anhand einer Folgenabwägung getroffen werden. Und danach stellte Küspert fest: "Angesichts der überragenden Bedeutung von Leben und Gesundheit der möglicherweise Gefährdeten überwiegen die Gründe gegen das Außerkraftsetzen der angegriffenen Verordnung."

Fast kein Betrieb mehr an Bayerns Flughäfen

Freitag, 27. März, 11.04 Uhr: Die Flughäfen in Bayern haben wegen der Corona-Krise auf Kurzarbeit umgestellt, auf ihren Start- und Landebahnen ist nahezu nichts mehr los. Etwa 6000 Passagiere am Tag verzeichnet der Münchner Airport im Moment noch, zu normalen Zeiten sind es im Schnitt etwa zwanzig Mal so viele. Auch die Lufthansa, die dort ihr nach Frankfurt zweites großes Drehkreuz betreibt, hat Kurzarbeit beantragt. In Nürnberg bleibt der Flughafen nur noch für den Frachtverkehr, Rückholflüge deutscher Urlauber und Notlandungen offen. Seit Donnerstag wird in Memmingen nicht mehr geflogen.

Söder: Jetzt nicht über ein Ende der Beschränkungen spekulieren

Freitag, 27. März, 9.35 Uhr: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat vor verfrühten Spekulationen über ein Ende der wegen der Corona-Krise geltenden Beschränkungen und Auflagen gewarnt. "Wenn wir erfolgreich sein wollen, und wenn wir aus dieser Krise herauskommen wollen, müssen wir diesen Weg, den wir jetzt beschritten haben, weitergehen", sagte Söder in einer Videobotschaft. "Deswegen mein Tipp: Noch nicht vorzeitig darüber spekulieren, wann und wie Maßnahmen gelockert werden können. Sondern jetzt ist es wichtig, die nächste Zeit gemeinschaftlich durchzustehen." Söder reagierte damit womöglich auch auf eine Äußerung seines Stellvertreters, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Der hatte gesagt, natürlich müsse man den Ausstieg "schon im Auge behalten". Schon beim Einstieg habe man gesagt, dass man die Situation nicht monatelang durchhalte. "Meine Einschätzung ist: Irgendwann ab Mitte April müssen wir die Kurve gekratzt haben."

Grüne und FDP wollen zeitweilig auf Online-Sitzungen umsteigen

Freitag, 27. März, 8.09 Uhr: Grüne und FDP im Landtag fordern wegen der Corona-Krise mehr Möglichkeiten für parlamentarische Beratungen per Livestream. "Für die Tagung und die Beschlussfähigkeit der Ausschüsse sollten wir unseres Erachtens über eine Weiterentwicklung der reinen Präsenzsitzungen nachdenken", schreibt der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Jürgen Mistol, in einem Brief an Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Die technischen Voraussetzungen dafür, zeitweilig auf Onlinesitzungen umzusteigen, seien vorhanden. Andere Parlamente, wie das Europäische Parlament oder der Landtag in Baden-Württemberg, hätten dies bereits vorgemacht - auch der Bundestag habe schon entsprechende Geschäftsordnungsänderungen auf den Weg gebracht: "Sitzungen sind auch als Video-Konferenz und Abstimmungsverfahren sind online möglich. Die in Bayern vorgesehene Sitzungsöffentlichkeit kann über ein Livestreaming der Sitzungen sichergestellt werden", heißt es in dem Schreiben weiter. Die FDP-Fraktion habe bereits ähnliche Überlegungen angestellt, schrieb ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Matthias Fischbach per Mail an Aigner.

Als Begründung nennt Mistol die unklaren Perspektiven: "Wir alle wissen nicht, wie lange uns dieses Virus noch in Atem hält, wann wir in unserem gewohnten Alltag fortfahren können. Auch im Landtag haben wir uns bislang nur auf die Zeit bis nach den Osterferien verständigt." Es sei wichtig, ein Verfahren im Landtag zu finden, das es ermögliche, den Parlamentsbetrieb und insbesondere auch die Ausschussarbeit weitgehend wieder aufzunehmen. "Auch in Krisenzeiten gilt: Demokratie steht niemals still. Die Handlungs- und Beschlussfähigkeit des Landtags sollte daher immer gewährleistet sein." Wegen der Ansteckungsgefahr fanden die Landtagssitzungen zuletzt mit einer reduzierten Anzahl von Abgeordneten statt. Zudem wurden die Beratungen auch zeitlich verkürzt, um die Gesundheit der Abgeordneten nicht unnötig zu gefährden.

Erneut wird eine Münchner Messe verschoben

Freitag, 27. März, 7.29 Uhr: Erneut verschiebt die Münchner Messe eine ihrer Großveranstaltungen - diesmal trifft es die "Automatica", auch wenn sie erst in drei Monaten stattfinden sollte. Das aber sei "aus gesundheitlichen wie wirtschaftlichen Aspekten" nicht vertretbar, sagte Messe-Geschäftsführer Falk Senger. Die Möglichkeit teilzunehmen, werde für Aussteller wie Besucher immer geringer, dazu komme die Unwägbarkeit der weiteren Entwicklung, heißt es in einer Mitteilung der Messe und des Fachverbands VDMA Robotik + Automation. Die "Automatica" wird nun auf den Dezember 2020 verschoben. Sie ist nach eigenen Angaben die weltweit wichtigste Messe für Automation, also zum Beispiel für Industrieroboter und Montagetechnik, und findet alle zwei Jahre statt.

Gänzlich abgesagt wurde am Freitag die diesjährige Sport- und Freizeitartikel-Messe "Outdoor by Ispo", die vom 28. Juni bis 1. Juli in München geplannt war. Sie soll er wieder im kommenden Jahr stattfinden.

Rückblick: Die ersten acht Wochen

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