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Neubiberg:So haben Coronaviren in der Luft keine Chance

Mittels spezieller Messverfahren kann Professor Christian Kähler von der Bundeswehr-Universität in Neubiberg die Bewegung von kleinen Luftpartikeln festhalten. Je röter die Anzeige, desto schneller bewegen sie sich fort.

(Foto: Claus Schunk)

Untersuchungen der Bundeswehr-Universität in Neubiberg zeigen, dass Luftreinigungsanlagen die Konzentration von Aerosolen in Räumen erfolgreich senken

Forscher der Bundeswehr-Universität in Neubiberg haben herausgefunden, dass spezielle Filteranlagen die Raumluft erfolgreich von Aerosolen reinigen können. Diese gelten in geschlossenen Räumen als Gefahrenquelle für die Verbreitung des Virus Sars-CoV-2. Zwar sind Mund-Nasen-Bedeckungen inzwischen anerkannte Hilfsmittel, um die direkte Infektionsgefahr beim Sprechen, Singen, Husten und Niesen zu verringern; die indirekte Infektion über infektiöse Aerosole, die sich mit der Zeit im Raum anreichern, lasse sich damit aber nicht verhindern, so Universitätssprecher Michael Brauns.

Dafür seien festsitzende, partikelfiltrierende Atemschutzmasken erforderlich, wie Professor Christian Kähler, Thomas Fuchs und Rainer Hain vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik in einer Studie gezeigt haben. Alternativ bestehe die Möglichkeit, die Aerosolkonzentration im Raum durch Filterung abzuscheiden oder über die Fensterlüftung abzuführen. Raumlufttechnische Anlagen, die Aerosol mit einem Durchmesser kleiner als einem Mikrometer zuverlässig abscheiden, seien allerdings selten. Das freie Lüften mittels Fenster sei wiederum oft nicht effizient und spätestens im Winter nicht mehr möglich, ohne Energie zu verschwenden und die Gesundheit sowie das Wohlbefinden der Menschen zu gefährden. Die Forscher der Neubiberger Bundeswehr-Uni gingen deshalb der Frage nach, ob mobile Raumluftreiniger grundsätzlich geeignet sind, einen sinnvollen Beitrag zur Reduzierung der Infektionsgefahr zu leisten.

Um die Frage zu beantworten, wurde von Professor Kähler und seinen Mitarbeitern ein Raumluftreiniger mit einem Volumenstrom von bis zu 1500 Kubikmetern in der Stunde systematisch mit Lasermesstechnik analysiert. Der Raumluftreiniger verfügt über eine Filterkombination, die gewährleistet, dass selbst Aerosol mit einem Durchmesser von 0,1 bis 0,3 Mikrometer zu 99,995 Prozent aus der Raumluft abgeschieden wird.

Die Ergebnisse zeigen laut Universität, dass die Aerosolkonzentration in einem Raum mit einer Größe von 80 Quadratmetern in sechs Minuten halbiert wird. Im Dauerbetrieb sei die gemessene Verweilzeit des ausgeatmeten Aerosols im Raum sehr kurz, sodass eine Anreicherung der Raumluft mit infektiösen Aerosolen nicht möglich sei. Selbst in einem 22 Meter langen Flur mit mehr als 40 Quadratmetern konnte bei maximalem Volumenstrom eine Halbierung der Aerosolkonzentration innerhalb von rund fünf Minuten erreicht werden. Bei großen Räumen oder sehr ungünstigen Grundrissen sollten allerdings eventuell mehrere Raumluftreiniger eingesetzt werden, um alle Bereiche zügig zu filtern, raten die Wissenschaftler.

Ein wesentlicher Vorteil der Raumluftreiniger besteht nach dem Ergebnis der Studie darin, dass sie dauerhaft für eine geringe Virenlast sorgen, ohne dass man sich um das Öffnen von Fenstern kümmern muss und ohne dass das Wohlbefinden im Raum beeinträchtigt wird. Ferner sorgen sie im Gegensatz zur freien Lüftung mit Fenstern auch dafür, dass eine wirkliche Reduzierung der Virenlast erfolgt, was durch geöffnete Fenster oft nicht gewährleistet werden könne. Gegenüber fest installierten Anlagen im Gebäude böten die mobilen Filter den Vorteil, dass die Viren wirklich abgeschieden und nicht über Lüftungsschächte im Gebäude verteilt werden. Damit der Raumluftreiniger nicht selbst zu einer Virenschleuder wird, kann der Filter täglich für eine halbe Stunde auf etwa 100 Grad aufgeheizt werden, um Viren zu zerstören und der Entstehung von Bakterien und Pilzen entgegenzuwirken.

Raumluftreiniger sind damit nach Meinung der Bundeswehr-Universität eine Lösung etwa für Schulen, Büros, Geschäfte, Fitnessstudios, Wartezimmer, Vereinshäuser und andere Aufenthaltsräume. Mund-Nasen-Schutz bleibe aber dennoch notwendig, betonen die Wissenschaftler. Das Infektionsrisiko durch direktes Anhusten oder lange Unterhaltungen über kurze Distanz könnten die Filter nicht verringern. "Es ist daher auch mit Raumluftfiltern wichtig, auf ausreichend große Abstände zu anderen Personen zu achten und Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen", sagt Uni-Sprecher Brauns.

© SZ vom 07.08.2020 / sz/lb

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