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Seuchenschutz in Bayern:Diese Spezialeinheit greift beim Coronavirus ein

´Task-Force Infektiologie" am Flughafen

Im Ernstfall können Martin Hoch (von links), Merle Böhmer, Bernd Wicklein und Siegfried Ippisch jederzeit ausrücken.

(Foto: Marco Einfeldt/dpa)
  • Ein Mann aus dem Landkreis Landsberg am Lech in Bayern ist mit dem neuartigen Virus infiziert.
  • Er befindet sich den Behörden zufolge in einem klinisch guten Zustand und werde medizinisch überwacht und isoliert.
  • Für solche Fälle gibt es in Bayern eine spezielle Einsatzgruppe, die "Task-Force Infektiologie" am Münchner Flughafen.

An die Schweinegrippe im Jahr 2009 kann sich Bernd Wicklein noch gut erinnern. "Das war die intensivste Zeit", sagt er. "Da waren wir jeden Tag von fünf Uhr morgens bis kurz vor Mitternacht im Dienst. Ich konnte mich manchmal gar nicht daran erinnern, wie ich nach Hause gekommen bin. So erschöpft sind wir gewesen." Wicklein arbeitet für die "Task-Force Infektiologie" am Münchner Flughafen. Die steht in diesen Tagen wegen des auf dem Vormarsch befindlichen neuen Coronavirus in China möglicherweise wieder vor einer intensiven Zeit - und ist noch wachsamer als ohnehin schon.

Um die 40 Flugbewegungen gibt es nach Angaben eines Flughafen-Sprechers pro Woche zwischen München und China. Die Region Wuhan, von wo aus sich das Coronavirus ausgebreitet hat, wird nicht direkt angeflogen, von nirgendwo aus Deutschland. "Trotzdem kann es natürlich auch in Deutschland zu Verdachtsfällen kommen", sagt Wickleins Chef Martin Hoch, der Leiter der 2014 ins Leben gerufenen Task-Force. "Aber im Moment sieht es nicht so aus, als ob wir es mit einem zweiten SARS zu tun haben."

Die Flughafen-Task-Force-Infektiologie ist am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) angesiedelt und nach dessen Angaben ziemlich einzigartig in Deutschland. Zwar gebe es selbstverständlich an allen großen Flughäfen Experten für Infektionskrankheiten, die Organisation als Task-Force gebe es so aber bundesweit nicht noch einmal.

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Sollte es einen Notfall mit ansteckenden Krankheiten geben, übernimmt die Einheit die Einsatzleitung. Sie ist dabei nicht nur für den Münchner Flughafen zuständig, sondern auch für die Airports in Nürnberg und Memmingen sowie für die Schiffshäfen in Passau und Lindau. Ihren mit Schutzanzügen und Atemmasken überfüllten Einsatzraum hat die Task-Force direkt am Rollfeld des Münchner Flughafens - denn manchmal muss es sehr schnell gehen.

"Wenn ein Alarm kommt, haben wir auch die Möglichkeit, ein Flugzeug zu separieren und am Rand abzustellen, um es zu untersuchen", erklärt Siegfried Ippisch, Organisatorischer Infektionsschutzleiter der fünfköpfigen Task-Force, der außerdem noch ein weiterer Arzt und eine Epidemiologin angehören. Im Verdachtsfall rücken sie dann an mit ihren Koffern voller Schutzanzügen, Atemmasken und einem Fern-Fieberthermometer. Sie sprechen mit den Patienten, finden heraus, wo sie sich in der jüngeren Vergangenheit aufgehalten haben und ob sie sich dort möglicherweise mit einer schweren Krankheit angesteckt haben könnten. Zudem nehmen die Mitarbeiter Proben, die - je nach Verdacht - in einem Labor des Landesamtes oder in Hochsicherheitslaboren beim Robert-Koch-Institut (RKI) untersucht werden. Und die Task-Force sorgt dafür, dass tatsächlich infizierte Patienten so schnell wie möglich auf die Sonderisolierstation des Schwabinger Krankenhauses gebracht werden. Das Flugzeug, mit dem sie landeten, wird in solchen Fällen desinfiziert.

Die Einsatztruppe hat einen konkreten Alarmplan, der auch im Falle des neuen Coronavirus in Kraft treten würde, sollte es so weit sein. "Es gibt da mehrere Eskalationsstufen", sagt Ippisch. Zunächst gehe es vor allem um Information. In Sachen Lungenkrankheit aus China sind in Bayern schon die Ärzte informiert worden, damit sie Augen und Ohren offen halten. In einem weiteren Schritt würden dann Flyer ausgeteilt - "die sind schon in Vorbereitung" - oder Informationen auf Bildschirmen im Flughafen verbreitet. Eskalationsstufe drei sieht schließlich vor, dass sich Kontrolleure die Passagiere, die in München landen, ganz genau anschauen, wenn sie aus dem Flieger kommen. "Aber wenn jemand ein Fiebermittel oder andere Medikamente eingenommen hat, dann hat er möglicherweise keine Temperatur mehr und sieht möglicherweise auch nicht mehr krank aus", erklärt Ippisch.

Der letzte Schritt auf der Eskalations-Skala würde dann beispielsweise bedeuten, Flüge aus Risikogebieten komplett zu streichen. So lange Ippisch und Wicklein am Flughafen arbeiten - und das sei schon eine ganze Weile -, ist das allerdings noch nicht vorgekommen.

Häufig werden nach Angaben der Task-Force Masern oder Windpocken gemeldet. Drei, vier Mal im Jahr gebe es "etwas Großes" - den Verdacht auf Ebola oder Lassafieber zum Beispiel. Bestätigt habe der Verdacht sich bislang noch nie - "zum Glück", sagt Ippisch und erzählt eine Geschichte: "Zu Zeiten des Ebolaausbruchs in Westafrika hatten wir mal einen dunkelhäutigen Passagier. Der war noch nie in Afrika gewesen, hatte sich aber auf die Lippe gebissen und die Stewardess hat das Blut gesehen. Daraufhin hat sie Ebola-Alarm ausgelöst. 150 Leute waren im Einsatz. Nach zehn Minuten hat sich das geklärt."

Die Task-Force warnt deswegen davor, dass Leute nun in Zeiten des neuen Coronavirus wegen ihrer Herkunft stigmatisiert werden - denn: "Wenn jemand, der aus China kommt, Fieber bekommt oder hustet, dann handelt es sich am wahrscheinlichsten um eine normale Erkältung und nicht um das neue Virus."

© SZ vom 28.01.2020/dpa/mmo/cat
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