Energiesparen:Es werde Licht!

Energiesparen: Die Kaiserburg über Nürnberg strahlt wieder: Sie war neun Monate lang nicht mehr beleuchtet worden, um Energie zu sparen.

Die Kaiserburg über Nürnberg strahlt wieder: Sie war neun Monate lang nicht mehr beleuchtet worden, um Energie zu sparen.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Auf dem Höhepunkt der Energiekrise leiteten Bayerns Städte im vergangenen Jahr zahlreiche Sparmaßnahmen ein. Welche gelten noch? Und welche Auflagen gibt es für Christkindlmärkte? Ein Überblick.

Von Felix Hamann, Lina Krauß, Lisa Schnell und Max Weinhold

Es hat etwas Majestätisches, wenn die Kaiserburg nachts hell erleuchtet über Nürnbergs Altstadt thront. Wohl gemerkt: wenn. Immer war dies in letzter Zeit nicht der Fall. Nach neun Monaten Dunkelheit strahlt die Burg aber seit April dieses Jahres wieder, wie sonst auch alle zwischenzeitlich zum Zwecke des Energiesparens nicht beleuchteten Denkmäler und Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Sind sie also vorbei, die Zeiten der Sparsamkeit in Bayern? Nicht ganz.

In Mittelfrankens Bezirkshauptstadt Ansbach etwa werde der Verzicht auf "inszenierende nächtliche Gebäudeanstrahlungen" weiterhin beibehalten. Überdies würden in mehr Bereichen - mit Ausnahme "verkehrswichtiger Straßen und zentraler Lagen" - zwischen 23.30 bis 4.30 Uhr auch im Stadtkern Straßenlaternen ausgeschaltet. "Dadurch erhoffen wir uns einen Einspareffekt von über einem Drittel gegenüber den bisherigen Strommengen der Straßenbeleuchtung", teilt ein Sprecher mit.

In Bayreuth herrscht in allen öffentlichen Gebäuden außer Schulen und Kindergärten die Maßgabe, eine Raumtemperatur von 19 Grad nicht zu überschreiten - in den beiden Rathäusern würden Flure und Treppenhäuser gar nicht mehr beheizt, so ein Stadtsprecher. Sehenswürdigkeiten wie das Bayreuther Festspielhaus würden kürzer beleuchtet.

In Würzburg haben sie die Energiekrise infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zum Anlass genommen, um mit Unterstützung einer externen Firma einen "Sanierungsfahrplan" für städtische Gebäude zu erstellen. Schon jetzt, so ein Stadtsprecher, würde sukzessive auf stromsparende LED-Beleuchtung umgestellt -auch auf dem Weihnachtsmarkt. Heizpilze seien hier verboten.

Auf LED-Beleuchtung setzen sie auch andernorts, zum Beispiel in Nürnberg, wo der Christkindlesmarkt nach Angaben der Stadt bereits seit zehn Jahren mit Ökostrom betrieben werde. Mit der Umstellung auf LED habe man den Stromverbrauch "in den letzten Jahren deutlich reduziert". Den Energieverbrauch ebenfalls reduziert hat die Stadt in ihren Schwimmbädern durch niedrigere Wassertemperaturen und geschlossene Außenbereiche.

Wo energiesparende Technik zum Einsatz kommt, waren die Einsparungen "eher gering"

Wie in Nürnberg die Burg leuchten auch in Bamberg die Denkmäler wieder. Weil die Straßenbeleuchtung und Beleuchtung von Gebäuden bereits "nahezu komplett auf energiesparende Technologie umgestellt" sei, seien durch 2022 getroffene Maßnahmen die "Einspareffekte eher gering" gewesen, so ein Sprecher. Es sei beim Abschalten von Beleuchtung primär darum gegangen, "gemeinsam ein deutliches Zeichen zu setzen und damit auch die Bevölkerung zum umsichtigen Umgang mit Strom und Wärme zu bewegen". Künftig sollen energetische Sanierungen und zentrale Heizregelungen Energie sparen.

In Aschaffenburg herrschen derweil keine Sparmaßnahmen mehr, wenngleich die Stadtverwaltung derzeit "die Lage beobachtet". Im vergangenen Jahr habe man durch Vorgaben für stadteigene Liegenschaften circa 1,6 Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie und etwa 300 000 Kilowattstunden Strom eingespart. Letzteres entspricht in etwa dem Verbrauch von 86 Zwei-Personen-Haushalten (Stand 2021). Beim Weihnachtsmarkt setzt die Stadt auf Eigenverantwortung: Die Beschicker tragen die Stromkosten selbst und hätten daher freiwillig Sparmaßnahmen wie die Umstellung auf LED-Beleuchtung ergriffen.

Energiesparen: Viele Lichter machen Weihnachtsmärkte gemütlich. Viele Städte setzen inzwischen auf LED-Beleuchtung, um möglichst wenig Strom zu verbrauchen.

Viele Lichter machen Weihnachtsmärkte gemütlich. Viele Städte setzen inzwischen auf LED-Beleuchtung, um möglichst wenig Strom zu verbrauchen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Dasselbe gilt für den Kemptener Weihnachtsmarkt: LED-Beleuchtung sei gewünscht, eine konkrete Vorschrift gebe es laut Stadt nicht - man rüste aber generell seit geraumer Zeit auf energiesparende Beleuchtung um, alle Weihnachtsbäume seien mit LED ausgestattet. Im vergangenen Jahr habe es auf den Toiletten in Verwaltungsgebäuden als Energiesparmaßnahme zudem kein warmes Wasser aus den Hähnen gegeben. Dies werde in einigen Gebäuden fortgeführt. Außerdem seien Bevölkerung und Verwaltungsangestellte weiter aufgerufen, Heizungen weniger hochzudrehen.

Die Stadt Augsburg führt nur wenige der im Jahr 2022 eingeführten Energiesparmaßnahmen fort, wie zum Beispiel die verkürzte Laufzeit der Brunnen. "Derzeit sehen wir keine Notwendigkeit für darüber hinaus gehende Sparmaßnahmen", sagt ein Sprecher des Wirtschaftsreferats. Um das Klima zu schützen, will die Stadt ein effektives Heizungsmanagement in städtischen Gebäuden durchsetzen und die Straßenbeleuchtung auf LED umrüsten. Die Stände auf dem Christkindlmarkt müssen ebenfalls LED-Glühbirnen verwenden.

Vorgaben für die Betreiber des Christkindlmarkts in Rosenheim gebe es bislang nicht, teilt die oberbayerische Stadt mit. Auch hier werde bei der Beleuchtung größtenteils auf LED gesetzt. Weil dies Energie spart, blieb die Beleuchtung im vergangenen Jahr auch von Einbruch der Dunkelheit bis eine Stunde nach Ende des Christkindlmarktes eingeschaltet. Das soll auch in diesem Jahr so sein. Andere Sparmaßnahmen aus dem vergangenen Jahr gelten nicht mehr, wenngleich die Mitarbeitenden im Energiesparen geschult würden.

Auch die Abschaltung von Warmwasser in öffentlichen Gebäuden lohnt sich kaum

In Regensburg führen sie manche Maßnahmen aus dem Sparwinter 2022 fort, andere geben sie auf. Etwa, weil sie nur einen geringen Einspareffekt haben wie die Abschaltung von Warmwasser in öffentlichen Gebäuden. Seit Anfang November werden historische Gebäude wie der Dom wieder beleuchtet und auch in Büros und Turnhallen der Stadt braucht man keinen Pulli mehr, die Raumtemperatur wurde gehoben. Andere Maßnahmen setzt die Stadt fort. Unter anderem bleibt die Wassertemperatur in den Bädern gesenkt, Ampeln und Straßenbeleuchtung sollen auf LED umgerüstet werden und bei städtischen Baumaßnahmen wird auf die Energieeffizienz geachtet.

Die Einsparmaßnahmen hätten sich gelohnt, heißt es aus dem Rathaus. Gegenüber dem Verbrauch der Heizperiode 2017 bis 2019 etwa konnten 2022/2023 acht Prozent an Kilowattstunden Energie eingespart werden, das seien über 443 000 Euro weniger Heizkosten und fast 430 Tonnen weniger CO₂. Die Abschaltung der Objektbeleuchtung brachte bis zum Jahreswechsel 2022/2023 eine Ersparnis von 3300 Euro. Auf den Christkindlmärkten der Stadt übrigens sei die Beleuchtung schon vor ein paar Jahren auf LED umgestellt worden.

Verschiedene Maßnahmen, um Energie einzusparen, verfolgt auch Ingolstadt. Neben LED-Beleuchtung auf Weihnachtsmärkten gehört dazu die Versorgung der Bäder mit Fernwärme. Dass die Stadt dem Thema Energiesparen eine größere Aufmerksamkeit schenkt, hängt zum einen mit der angespannten Haushaltslage und zum anderen mit dem vom Stadtrat beschlossenen Ziel der Klimaneutralität bis 2030 zusammen. Eine bereits laufende Maßnahme ist nach Angaben der Stadt wie andernorts die Umrüstung auf LED bei der Straßenbeleuchtung. Im Vergleich von 2016 zu 2022 konnte hier der Energieverbrauch um rund 25 Prozent reduziert werden. Dazu kämen Einsparungen in Höhe von jährlich 34 000 Kilowattstunden (kWh) und 15 Tonnen Kohlenstoffdioxid durch die Umrüstung der Beleuchtung beider Bezirkssportanlagen. Neben einer geplanten Modernisierung der Heizanlagentechnik sollen zudem möglichst viele Dächer mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, die Stadt Ingolstadt habe durch die Umrüstung der Beleuchtung beider Bezirkssportanlagen jährlich 34 000 Kilowatt pro Stunde eingespart. Tatsächlich waren es 34 000 Kilowattstunden im Jahr.

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