Porzellanikon im Landkreis Wunsiedel

Rumpelnde riesige Trommelmühlen, laufende Dampfmaschinen und nur wenige Schritte weiter Tische mit allerfeinstem Porzellan. Im Reigen der staatlichen Museen in Bayern ist das Porzellanikon im Landkreis Wunsiedel eines der ganz großen und abwechslungsreichsten. Auf 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche in Hohenberg an der Eger und 8000 Quadratmetern in Selb bildet die Einrichtung an zwei Standorten ab, was die deutsche Porzellanbranche in den vergangenen zwei Jahrhunderten geschaffen hat.

Das Mutterhaus, die stilvolle ehemalige Direktorenvilla der Porzellanfirma C. M. Hutschenreuther in Hohenberg, lädt zu einer Zeitreise durch die Kulturgeschichte des Porzellans ein. Highlights der Dauerausstellung sind wertvolle Exponate des 18. Jahrhunderts und eine hinreißende Porträt-Tassen-Sammlung. Kontrastreich ist das Angebot in der ehemaligen Porzellanfabrik in Selb. Ein Industriedenkmal ersten Ranges mit einem Bahnhof und Arbeiterwohnhäusern in der Nähe. Gegründet wurde die Fabrik 1867 durch Jacob Zeidler, 1917 erwarb sie Philipp Rosenthal. In drei unterschiedlichen Bereichen wird Porzellan hier als Erlebnis erfahrbar: Von der Herstellung des "Weißen Goldes" aus unscheinbaren Kaolinbrocken über den fertig gebrannten Scherben bis hin zur verzierten Ware. Den Menschen in der Fabrik und auch außerhalb spürt die Ausstellungseinheit "Porzellinerleben - Vom Arbeiten und Leben der Porzellanarbeiter in Europa" nach. Natürlich kommt auch Rosenthal nicht zu kurz im Museum. Im ehemaligen Brennhaus der 1969 stillgelegten Fabrik erfährt man viel über das Leben von Philipp sen. und Philip jun., aber fast noch mehr über die sich rasch verändernde Tischkultur.

Das Museum ist an beiden Standorten Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Regelmäßig gibt es Sonderausstellungen, Führungen, Vorträge, Kulturkaffees, Ferienprogramme, Familiennachmittage.

Bild: jahreiss. kommunikation foto fil 6. September 2019, 17:562019-09-06 17:56:59 © SZ.de/imei/cck