Bundestagswahl:Streit über Durchsuchungen: FDP kritisiert Union

Volker Wissing Deutschland, Berlin, 16.09.2021: Wahlaufruf des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindnerund dem FDP-Gener

FDP-Generalsekretär Volker Wissing fordert von der Union indirekt, die Attacken auf den SPD-Kandidaten Olaf Scholz wegen der Durchsuchung im Finanzministerium zu beenden.

(Foto: imago images/Mike Schmidt)
  • Die FDP kritisiert die Union dafür, eine Durchsuchung im Finanz- und im Justizministerium im Wahlkampf zu missbrauchen.
  • Keine höheren Steuern, kein Aufweichen der Schuldenbremse - das macht die FDP zur Bedingung für eine Regierungsbeteiligung.
  • SPD-Vize Kevin Kühnert will sein Amt aufgeben, sollten die Sozialdemokraten nach dem 26. September erneut ein Bündnis mit CDU/CSU eingehen.
  • In Umfragen liegt die SPD weiter deutlich vor der Union.
  • Friedrich Merz macht Kanzlerin Merkel für CDU-Misere indirekt mitverantwortlich.
  • Den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl finden Sie hier.

FDP-Generalsekretär Volker Wissing hat die Union dafür kritisiert, die Ermittlungen gegen die Anti-Geldwäsche-Einheit im Wahlkampf gegen den SPD-Kandidaten Olaf Scholz zu nutzen. "Ich halte nichts davon, die Ermittlungen der Justiz in den Wahlkampf zu ziehen", sagte Wissing den Fernsehsendern RTL und ntv. Sie richteten sich weder gegen Scholz noch gegen sein Ministerium, sondern dort seien Beweismittel gegen Außenstehende sichergestellt worden. "Dass die Ermittlungen jetzt zu einem Wahlkampfthema gemacht werden und dass man mit Halbwahrheiten argumentiert, ist nicht klug", sagte Wissing.

Ermittelt wird gegen Mitarbeiter der Anti-Geldwäsche-Einheit FIU, weil sie Hinweise auf Terrorfinanzierung nicht rechtzeitig an Ermittler weitergeleitet haben sollen. In diesem Zusammenhang wollte die Staatsanwaltschaft E-Mails zwischen der FIU und dem Ministerium einsehen. Scholz hatte im Triell der Kanzlerkandidaten betont, die Untersuchungen hätten nichts mit seinem Ministerium zu tun. Unionskanzlerkandidat Armin Laschet dagegen sagte, dass Scholz als Ministeriumschef für alles Verantwortung trage, was in seinem Haus und in nachgeordneten Behörden schief laufe.

Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil warf Laschet deswegen schmutzigen Wahlkampf vor. "In ihrer panischen Angst vor dem Machtverlust macht die Union mangels Inhalten den unanständigsten Wahlkampf seit Jahrzehnten", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Um Olaf Scholz persönlich zu schaden, verdrehen Laschet und seine Leute bewusst die Tatsachen, verbiegen die Wahrheit und verbreiten gezielt Lügen."

Tatsächlich wirft die Durchsuchung Fragen auf - etwa, weil der Durchsuchungsbeschluss bereits einen Monat alt ist - von der Staatsanwaltschaft aber erst wenige Tage vor der Bundestagswahl umgesetzt wurde. Der zuständige Staatsanwalt ist ehemaliger Chef des CDU-Stadtverbandes Cloppenburg. Das Ministerium hatte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zudem schon vor der Durchsuchung angeboten, die gefragten Emails zur Verfügung zu stellen.

FDP setzt Hürden für Ampelkoalition

Gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl hat die FDP hohe Hürden für eine Beteiligung an einer Koalition mit SPD und Grünen aufgestellt. Man schließe als Bedingung "höhere Steuern" genauso aus wie ein "Aufweichen der Schuldenbremse" im Grundgesetz, sagte Parteichef Christian Lindner bei der Vorstellung eines sogenannten Wahlaufrufs der Liberalen. Seine Partei trete nur in eine "Regierung der Mitte" ein, "mit der FDP wird es keinen Linksruck in der deutschen Politik geben".

Erneut sagte Lindner, ihm fehle die Fantasie, welches Angebot SPD und Grüne machen könnten, das von deren Parteibasis getragen werde und zugleich für die Liberalen attraktiv sei. Größere Schnittmengen habe man mit CDU und CSU, diese seien aber "inhaltlich unscharf und geschwächt".

Explizit schließt Lindner aber nach wie vor keine Koalitionsoption aus. Die Parteienlandschaft sei in Bewegung, das erfordere von allen mehr Respekt vor den Unterschieden der Parteien und Bereitschaft, Kompromisse zu schließen, sagte Lindner. Sein Ziel sei nicht nur ein zweistelliges Prozentergebnis für die FDP, sondern auch, "möglichst nah" an das Ergebnis der Grünen heranzukommen, um dann mehr Einfluss auf eine Regierungsbildung zu haben. (16.09.2021)

Kühnert: Rücktritt im Falle einer neuen Groko

Kevin Kühnert will als SPD-Vize zurücktreten, falls es nach der Bundestagswahl zu einer neuen großen Koalition aus SPD und Union kommen sollte. Das kündigte der Bundestagskandidat auf der Internetplattform Reddit an, wo er Nutzerfragen zu diversen Themen beantwortete. Er betonte allerdings auch: "Alle in der SPD wollen die Union in die Opposition schicken. Wirklich alle." Eine neue Koalition mit der Union halte er für "komplett undenkbar".

In Umfragen wäre eine solche Koalition nach derzeitigem Stand knapp möglich - anders als jetzt dann unter Führung der SPD, die in den Umfragen teils deutlich vor der Union rangiert. Deutlich größere Mehrheiten hätten allerdings Dreierkoalitionen aus SPD, Grünen und FDP oder aus Union, Grünen und FDP. Kühnert hatte sich bereits nach der vergangenen Bundestagswahl 2017 vehement gegen ein Bündnis der SPD mit der Union ausgesprochen.

Kühnert kritisierte auch den Wahlkampfstil des Unionskanzlerkandidaten. "Armin Laschet führt einen üblen Wahlkampf voller Verleumdungen und ohne eigene Inhalte", schrieb er. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz habe vor diesem Hintergrund "sicherlich keinen Bock, mit dem Typen auf irgendeiner Bühne zu stehen". (16.09.2021)

SPD weiterhin mit Vorsprung in den Umfragen

Zehn Tage vor der Bundestagswahl zeigen zwei Umfragen weiterhin einen deutlichen Vorsprung der SPD vor der Union: Nach der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Kantar liegt er bei sechs Prozentpunkten. Demnach kommen die Sozialdemokraten auf 26 Prozent, während die Union in der Sonntagsfrage nur 20 Prozent erreicht. Im Vergleich zur Vorwoche gewinnt die SPD einen Punkt, während die Union einen Punkt verliert. Eine Umfrage des Institutes Yougov zeigt ein ähnliches Bild. Dort kommt die SPD auf 25, die Union auf 20 Prozent. Beide Parteien verlieren einen Prozentpunkt im Vergleich zur Vorwoche.

In der Kantar-Umfrage kommen die Grünen auf 17 Prozent, die AfD auf zwölf, die FDP auf elf und die Linken auf sechs Prozent. In der Yougov-Umfrage erreichen die Grünen 15 Prozent, die AfD elf, die FDP zehn und die Linken acht Prozent.

Grundsätzlich spiegeln Wahlumfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang. Sie sind außerdem immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. (16.09.2021)

Merz sieht Mitverantwortung von Merkel für CDU-Misere

Der CDU-Politiker Friedrich Merz sieht die lange Übergangsphase zum Ende der Ära von Kanzlerin Angela Merkel als eine Ursache für die Schwierigkeiten der Union im Wahlkampf. "Seit Frau Merkel im Oktober 2018 angekündigt hat, nicht mehr für den Parteivorsitz zu kandidieren, sind immerhin fast drei Jahre vergangen, also drei Viertel der laufenden Wahlperiode", sagte Merz der Augsburger Allgemeinen. "Diese Zeit ist inhaltlich wie konzeptionell nicht gut genug gelaufen für die CDU." Merz macht Merkel damit indirekt mitverantwortlich für die Misere der Union.

Zu den Problemen trage auch bei, dass Merkel nach ihrem Rücktritt als Parteichefin die volle Legislaturperiode als Bundeskanzlerin im Amt blieb. "Die Union hat auf den Amtsbonus eines Nachfolgers von Angela Merkel verzichtet, und deswegen gehen wir jetzt in dieser historisch einmaligen Formation in die Bundestagswahl", sagte er. "Das hat Vor- und Nachteile, aber die Frage ist entschieden." (16.09.2021)

Rechtsextreme Splitterpartei bekommt Recht von sächsischem Gericht

Die rechtsextreme Splitterpartei III. Weg darf laut einem Gerichtsbeschluss die Plakate mit dem Slogan "Hängt die Grünen" in Zwickau weiter aufhängen. Das Verwaltungsgericht Chemnitz gab einem Eilantrag der Rechtsextremen statt. Die Richter setzten dabei eine Bedingung: Die Plakate dürfen nur wieder aufgehängt werden, wenn ein Abstand von 100 Metern zu den Plakaten der Grünen eingehalten wird.

Die Stadt Zwickau hatte am vergangenen Mittwoch verfügt, dass die rechtsextreme Partei ihre Plakate binnen drei Tagen abnehmen muss. Geschehe das nicht, werde die Kommune die Plakate selbst entfernen. Zur Begründung hieß es, dass der Slogan einen Verstoß gegen die öffentliche Ordnung und die Menschenwürde darstelle.

Das hat das Verwaltungsgericht nun anders gesehen. Es begründete seine Entscheidung damit, dass es auf Grundlage der vom Bundesverfassungsgericht aufgestellten Grundsätze für Wahlwerbung offen sei, ob in diesem Falle "die Voraussetzungen für einen Eingriff in die Meinungsfreiheit" vorlägen. Bei der Interessensabwägung, so die Kammer, sei es angemessen, "durch die Maßgabe einer räumlichen Trennung der Wahlplakate" eine von den Wahlplakaten der Grünen "losgelöste Wahrnehmung" zu gewährleisten und das "kommunikative Anliegen" der Plakate der Partei III. Weg "nicht zu beeinträchtigen".

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Die Stadt Zwickau kündigte am Dienstagnachmittag an, sie werde Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Bautzen einlegen. "Die Aufforderung, die Grünen zu hängen, ist und bleibt vollkommen indiskutabel, undemokratisch und unverantwortlich", sagte Oberbürgermeisterin Constance Arndt (parteilos). Es mache keinen Unterschied, ob die Plakate direkt bei jenen der Grünen oder 100 Meter weiter hingen.

"Ein Mordaufruf gegen über 3300 sächsische Mitglieder einer demokratischen Partei, Sympathisierende und Unterstützende hat nichts im öffentlichen Raum zu suchen", hatte Christin Furtenbacher, die Landesvorstandssprecherin der Grünen zuvor gesagt. (14.09.2021)

Linken-Parteivize lehnt Bekenntnis zur Nato ab

Der verteidigungspolitische Sprecher der Linken, Tobias Pflüger, verweigert das von SPD und Grünen geforderte Bekenntnis zur Nato als Voraussetzung für eine mögliche Koalition. "Es ist so, dass Olaf Scholz von der Linken ja Bekenntnisse fordert. Und wenn er Bekenntnisse haben will, soll er in die Kirche gehen", sagt der stellvertretende Parteivorsitzende der Linken im Deutschlandfunk.

Es müsse viel mehr über Inhalte gesprochen werden, etwa über ein Ende der Auslandseinsätze, Abrüstung und Kürzung der Militärausgaben. "Wir fordern, dass das Zwei-Prozent-Ziel der Nato eben nicht mehr die Leitschnur sein soll", so Pflüger. Die Nato-Staaten hatten sich 2014 darauf verständigt, ihre Verteidigungsausgaben binnen zehn Jahren in Richtung zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zu bringen.

Der Berliner Linken-Spitzenkandidat Klaus Lederer hingegen kritisiert im Spiegel die eigene Bundestagsfraktion für ihre mehrheitliche Enthaltung bei der Abstimmung über den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan. "Wir hätten aus meiner Sicht dieser Rettungsmission zustimmen sollen. Die Kritik an der Politik der Bundesregierung muss das ja nicht schmälern." Lederer sagt weiter, die Linke müsse über "eine sehr holzschnittartige, quasi pazifistische Friedenspolitik hinauskommen". Richtig finde er hingegen eine Politik, die auf Abrüstung und Konfliktvermeidung statt kriegerische Auseinandersetzungen setze und die stärker versuche, ein kollektives Sicherheitssystem zu erreichen.

Trotz außenpolitischer Differenzen bekräftigte Lederer, der in der rot-rot-grünen Regierung von Berlin Kultursenator ist, dass die Linke auch im Bund eine Koalition mit SPD und Grünen anstreben sollte. "Meine Partei ist regierungsfähig", so der Politiker. "Es ist jetzt an der Zeit, zu schauen, wie man sich über gemeinsame Inhalte definieren kann, anstatt Rituale der Abgrenzung vorzuführen. An denen ist Rot-Rot-Grün schon diverse Male gescheitert." (14.09.2021)

Plagiatsjäger: Neue Funde in Büchern von Kanzlerkandidaten

Plagiatsjäger Stefan Weber hat nach eigenen Angaben Bücher der Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock und Armin Laschet genauer untersucht und vor allem bei Grünen-Chefin Baerbock deutlich mehr problematische Übereinstimmungen mit Fremdtexten gefunden als bisher bekannt. Die Untersuchung von Baerbocks Buch "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern" habe er bei 100 Plagiatsfragmenten beendet und erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, teilte Weber am Montagabend mit. Zuerst hatte die Bild-Zeitung berichtet.

Auch beim Buch von NRW-Ministerpräsident und Unionskanzlerkandidat Laschet führt Weber weitere auffällige Stellen an. Vorwürfe erhebt er zudem gegen SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Von den Betroffenen äußerte sich am Montagabend niemand zu Webers Berichten.

Bei Laschets Buch "Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance" spricht Weber von insgesamt 17 kritischen Fragmenten, beim Buch "Hoffnungsland. Eine neue deutsche Wirklichkeit" von Scholz von drei verifizierten Plagiatsfragmenten. Die Prüfung des Buches von Scholz sei noch nicht abgeschlossen. Erste Übereinstimmungen gebe es auch bei seinen Reden zu verzeichnen.

Baerbock hatte bereits mehrfach eingeräumt, bei ihrem Buch Fehler gemacht zu haben. Ihr Verlag hatte angekündigt, das Buch mit zusätzlichen Quellenangaben zu versehen. Laschet hatte Ende Juli erklärt, in seinem Buch aus dem Jahr 2009 gebe es offenkundig Fehler, die er verantworte. "Mindestens ein Urheber des im Buch verwendeten Materials wird weder im Fließtext noch im Quellenverzeichnis genannt", hatte er damals erklärt. Dafür bat er ausdrücklich um Entschuldigung. Um zu klären, ob es weitere Fehler gebe, habe er die Prüfung des Buchs veranlasst. (14.09.2021)

© SZ/dpa/Reuters/rroi/kast/aner/berj/olkl
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