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Corona-Auflagen für Thermen:Der neue Sauna-Knigge

Kristall trimini Kochel

Saunen müssen etliche Auflagen erfüllen, wenn sie wieder öffnen wollen. Der Wellnessbereich des Trimini bleibt vorerst noch zu.

(Foto: Manfred Neubauer)

Nicht wedeln, wenigstens 60 Grad und Trennwände zwischen den Duschen: Das sind nur einige der Vorschriften, die Betreiber von Wellnesstempeln erfüllen müssen. Für viele Betriebe dürfte sich das nicht rechnen.

Von Matthias Köpf und Viktoria Spinrad, Bad Reichenhall

Die Untersberg-Sauna mit ihren 90 Grad wäre seit dieser Woche ganz sicher zulässig, auch wenn das Personal nach dem Aufguss bis auf Weiteres nicht wedeln darf. Die Staufen-Sauna wäre mit 80 Grad auch in Ordnung, die Predigtstuhl-Sauna ginge mit 60 Grad gerade so durch. Im Alpen-Sole-Caldarium mit nur 50 Grad bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit wäre es der Staatsregierung dann endgültig zu kalt, doch Dampfbäder sind ganz grundsätzlich nicht erlaubt. Die Rupertus-Therme im bayerischen Staatsbad Reichenhall hat aber ohnehin komplett geschlossen und wird erst am 6. Juli wieder aufsperren. So wie die Reichenhaller Kurgesellschaft halten es viele Betreiber. Unter den Bedingungen, wie sie der Freistaat erst am Freitagabend für den Betrieb von Bädern und Thermen in der Coronakrise vorgegeben hat, konnte am Montag vielerorts noch nicht von Wellness die Rede sein.

Dabei wäre die Regel mit den 60 Grad Mindesttemperatur für die Saunen noch vergleichsweise einfach einzuhalten. Darüber hinaus braucht es Spritzschutzwände zwischen den einzelnen Duschplätzen, allfällige Attraktionen wie Wasserfälle und Sprudler müssen ausgeschalten bleiben, Strömungskanäle dürfen " nur auf unterster Stufe" laufen. Die zulässige Gästezahl liegt bei zwei Dritteln der Anzahl der Garderobenschränke, wobei es möglichst für jeden Gast eine freie Liege geben soll. Außerdem ist nahezu überall der Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten, die Gästen sollten sich im Einbahnverkehr erholen, und überall da, wo die Leute Straßenkleidung tragen, gilt die Maskenpflicht.

All diese Regeln gelten für klassische Kur- und Therapiebäder ebenso wie für Thermen und für die Wellnessbereiche in den Hotels. Auch für das Bad Staffelsteiner Kurhotel an der Obermaintherme. Im hauseigenen Wellnessbereich gibt es vier Saunen, Eisgrotte, Schwimmbecken und eine Spalounge. Doch weil noch Mitarbeiter geschult, Aushänge gemacht und Registrierungslisten ausgedruckt werden müssen, soll der Bereich erst am kommenden Montag aufmachen. Dann dürfen nur noch 40 Personen gleichzeitig in der Schwimmhalle sein. "Mit der augenblicklichen Auslastung ist das aber kein Problem", sagt Geschäftsführer Andreas Poth. In der angebundenen Therme laufen derzeit noch Arbeiten. Wie vielerorts hat man hier aus der Not eine Tugend gemacht und Reparaturen vorgezogen. Statt in dieser Woche soll die Therme am 13. Juli öffnen.

Die Zeit genutzt hat man auch in der Schwangauer Kristalltherme: Dort wurde unter anderem der Saunabereich renoviert. Als erstes soll im Juli der "Textilbereich" öffnen, ab spätestens September sollen dann auch die Saunen folgen. Wobei die meisten Ausflügler in den kommenden Tagen ohnehin auf die Außenbereiche schielen dürften, denn das Thermometer soll auf bis zu 28 Grad klettern. Im ebenfalls von den Kristallbädern betriebenen Trimini am Kochelsee will man am Wochenende zumindest schon den Außenbereich samt Seezugang öffnen, der Thermen- und Saunabereich soll im Juli folgen.

Zentral ist in allen Bädern und Thermen eine ausgeklügelte Personalplanung. Schließlich ist es ein Mehraufwand, nun zusätzlich Abstände zwischen Gästen zu kontrollieren, Schlüssel und Haartrockner zu desinfizieren. Im Alexbad im Fichtelgebirge wird man deshalb wohl die Öffnungszeiten kürzen müssen. Von den Vorgaben will man sich trotzdem nicht abschrecken lassen. "Das ist mit etwas Vorlauf machbar", sagt Betriebsleiterin Anna Piras.

Doch ist das alles auch rentabel? Daran zweifelt unter anderem Achim Stauder als Betriebsleiter der Monte-Mare-Sauna in Schliersee, in der sich normalerweise rund 160 Gäste pro Tag erholen. So viele dürften es unter den aktuellen Bedingungen wohl kaum werden, sagt Stauder. Zudem seien diese Bedingungen erst am Freitagabend mitgeteilt worden. Es habe erst einmal gedauert, sie Punkt für Punkt durchzugehen und auf Umsetzbarkeit zu prüfen. In Schliersee soll deswegen erst an diesem Dienstag darüber beraten werden, wann die Sauna öffnet - und ob überhaupt.

Einen vollständigen Überblick, wo geöffnet ist und wo nicht, hat auch der Bayerischen Heilbäderverband nicht, der seit Wochen an den Regularien mitgestrickt hat. Das Ergebnis sei grundsätzlich praktikabel, aber nicht immer einfach zu handhaben und mancherorts in baulich besonders engen Bereichen womöglich auch gar nicht umsetzbar, heißt es vom Verband. Bereits zugänglich seien etwa die Thermen im niederbayerischen Bäderdreieck Bad Füssing, Bad Griesbach und Bad Birnbach oder im oberbayerischen Bad Endorf. Ebenso viele Thermen öffnen demnach aber auch erst in den nächsten Wochen.

Zu den Bädern, die nach der gut dreimonatigen Zwangspause gleich am Montag den Betrieb wieder aufgenommen haben, zählt die Franken-Therme in Bad Windsheim, die aus diesem Anlass Besuch von Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) erhielt. Die Bäder könnten gerade in Zeiten von Corona einen wichtigen Beitrag leisten, zumal 20 Kurorte und Heilbäder auf Erkrankungen der Atemwege ausgerichtet seien, sagte Huml. Mit einem wirtschaftliche Betrieb einzelner kommunaler Thermen rechnet der Heilbäderverband allerdings nicht.

© SZ vom 23.06.2020
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