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Hotels in Bayern:Voller Einsatz trotz leerer Betten

Claudia Aumiller Jakl-Hof Wörthsee Frühstück Coronavirus

Claudia Aumiller stellt ihren Gästen das Frühstück vor die Zimmertür.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Maskenpflicht, Stornierungen, Konkurrenz aus dem Ausland: Die Hotelbranche kommt nur langsam wieder auf die Füße. Viele setzen nun auf den Sommer.

Von Viktoria Spinrad

Als die Pandemie kam, konnte Arletta Winterkamp minütlich auf dem Bildschirm beobachten, wie eine Stornierung nach der anderen für ihr Stadthotel eintrudelte. Ihr Hotel Sonne liegt mitten in der pittoresken Altstadt von Rothenburg ob der Tauber. Hier, wo vieles an Italienern, Franzosen, Chinesen hängt, die durch die Gassen schlendern und in den Geschäften und Hotels ihr Geld lassen. Deutsche, denen zuhause die Decke auf den Kopf fällt, können das kaum wettmachen. "Uns fehlen zwei Drittel der Gäste", sagt Winterkamp. Und: "Das werden wir nicht mehr aufholen."

Es sind düstere Zeiten für Hotels. Gerade dort, wo man vom internationalen Tourismus, Messegästen und Tagungen abhängt, stehen viele Hotels so gut wie leer. Und so sehr man auch auf das reiselustige Volk aus dem Inland als Rettung setzt, in den drei Wochen seit den Hotel-Öffnungen zeigen sich Touristen aus Deutschland verhalten. So war über die Pfingstferien ein Drittel der bayerischen Hotels nur zu zehn Prozent des Vorjahresumsatz gekommen. Das hat eine Umfrage des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands ergeben.

Dessen Landesgeschäftsführer ist zur Zeit vor allem Krisenmanager. Thomas Geppert spricht von einer "katastrophalen Situation", von "Undertourism" und einer großen Verunsicherung unter den Gästen. Während sich die einen fragen, wie sicher sie in einem Hotel vor viraler Ansteckung aufgehoben sind - und wie groß der Erholungswert ist, wenn man im Hotel mit Mundschutz unterwegs sein muss -, setzen sich andere gleich ins benachbarte Österreich ab. Dort gibt es seit Mitte Juni keine Maskenpflicht mehr. Genau das will Geppert verhindern. "Ich bin doch nicht dort sicher, wo so getan wird als gäbe es kein Corona, sondern dort wo Sicherheit gelebt wird", schrieb er neulich auf seiner Facebook-Seite. Seine Botschaft: Urlaub dahoam ist sicher, schön - und solidarisch.

Doch der Appell ist nicht in den Köpfen der heimischen Bevölkerung angekommen. Zwar geht es gerade bei im Grünen gelegenen Hotels langsam bergauf, manche waren über Pfingsten sogar ausgebucht. Das Nachsehen hatten derweil vor allem Stadt-, Tagungs- und Wellnesshotels. Letztere mussten ihren Wellnessbereiche bisher geschlossen halten, weshalb viele gleich zublieben. So auch das Wellnesshotel Eibl-Brunner in Frauenau im Bayerischen Wald. Mit geschlossenen Saunen und Innenpool hat man sich schlichtweg nicht in der Lage gesehen, "zu dem Preisniveau ein vernünftiges Angebot für Gäste zusammenzustellen", sagt Stefan Brunner. Vor zwei Jahren ist der Junior in das Business der Eltern eingestiegen. Seither erlebt er ein Auf und Ab aus Buchungen und Stornierungen. Das Buchungsverhalten sei emotional, so seine Beobachtung. Bei Corona-Ausbrüchen, etwa in Nordrhein-Westfalen, geht die Stornierungsquote auch im Bayerischen Wald nach oben.

Immerhin: Seit Mitte Juni stehen die Pforten offen, seit diesem Montag darf auch wieder sauniert und geschwommen werden. Dennoch seien die Buchungen "bei weitem noch nicht auf dem Niveau, das wir bräuchten", so Brunner. Im Juni seien im Schnitt nur 30 Prozent der Zimmer belegt. Und das bei höherem Aufwand.

Ein Dilemma, das man auch in Nürnberg kennt. Das Adina Apartment Hotel ist ein Vier-Sterne-Hotel, 138 Zimmer, zehn Fußminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Normalerweise tummeln sich hier Messebesucher und Stadttouristen. Doch nun herrscht Flaute, die Belegungsrate liegt zwischen zehn und 20 Prozent - rentabel wird es erst ab 60, 70 Prozent. "Da gibt es immer noch keine großen Sprünge", sagt eine Sprecherin und klingt, als könne sie es selbst nicht so recht glauben.

Zu den Einbußen kommt ein weitaus höherer Aufwand für das Personal. Die Hotelbediensteten müssen in fast allen Bereichen desinfizieren, Spender befüllen, ganze Tische inklusive Salz- und Pfefferstreuer und Deko abräumen, sobald der Gast gegessen hat, Zeitschriften und Kugelschreiber aus den Zimmern entfernen, Speisekarten zur Einmalverwendung auf Papier ausdrucken - und darauf achten, dass die Gäste in den Gängen und auf dem Weg zum Restaurant ihre Masken tragen. Viele Gäste bemängeln das - "aber damit muss man sich abfinden", sagt Stefan Brunner.

Die Branche hofft nun auf den Sommer.

Oberster Promoter dabei ist Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Stichwort: Ferien dahoam. Ob der Urlaub in der Heimat die Branche aus der Misere retten kann? Die Hoteliers sind da noch verhalten. Laut der Umfrage des Hotelverbands erwarten die Hoteliers für den Sommer nur halb so viele Gäste wie sonst. Auch dann dürfte sich eine Schere zwischen Stadt und Land auftun. Während Betreiber von Ferienwohnungen die Gewinner werden dürften, kann man in den Städten nur hoffen, dass mancher Homeoffice-Geplagte irgendwann genug von frischer Landluft hat und auch mal die Rothenburger Jakobskirche entdecken will - oder vielleicht auch die Nürnberger Rotlichtmeile ablichten mag.

Thomas Geppert vom Verband übt sich schon im Mutmachen. "Eine Reise nach Bayern lohnt sich immer", sagt er, und es klingt, als sehne er sich eine groß angelegte Kampagne für den Urlaub dahoam herbei. Ob dieser eintrifft, ist für Hoteliers wie Brunner eine Frage der Existenz. Denn 30 Prozent Belegung bei 120 Prozent Kosten, "das kann auf Dauer nicht gut gehen", sagt er.

© SZ vom 22.06.2020/vewo

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