Damit haben wohl nur wenige gerechnet: Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold wirft hin und tritt als Vorstandschef der Fluggesellschaft zurück. Sein Nachfolger: der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.
Eine Woche vor seinem 65. Geburtstag hat das Bundeskabinett Bahnchef Mehdorn das schönste Geschenk gemacht: Es räumt den Weg für den Börsengang des Transportkonzerns frei.
Bahnchef und Mehdorn - diese beiden Worte schienen auf ewig miteinander verbunden zu sein. Doch nun hat Hartmut Mehdorn eine neue schwere Aufgabe: Er soll als Nachfolger von Joachim Hunold die kriselnde Fluggesellschaft Air Berlin sanieren. Dieser Job passt eigentlich viel besser zu ihm als die Tätigkeit bei der Bahn.
Von
Johannes Aumüller
Mit Hartmut Mehdorn verliert die Deutsche Bahn einen umtriebigen Spitzenmann - der zuletzt die Realität aus den Augen verloren hat.
Von
Carsten Matthäus
Der ehemalige Bahn-Chef Mehdorn wehrt sich gegen den Vorwurf, das Unternehmen kaputtgespart zu haben. Derweil spielt Verkehrsminister Ramsauer den Konzernumbau durch.
Von
Thomas Öchsner
Der Bahnchef ist daran gewöhnt, seine Pläne durchzusetzen - im Tarifstreit aber hat er sich mit seinem kompromisslosen Kurs womöglich verfahren.
Von
Michael Bauchmüller
Der gebürtige Berliner identifiziert sich voll mit seinem Job und zeigt einen Zug ins Eigensinnige - nun haben wieder einmal andere die Notbremse gezogen.
Von
Karl-Heinz Büschemann
Mehdorn informiert nicht, er fährt den Kurs der Nichtinformations- und Desinformationspolitik. Doch Rechtsbruch ist keine Lappalie.
Ein Kommentar von
Heribert Prantl
Das Geld des Emirs macht's möglich: Durch den Einstieg der arabischen Airline Etihad fliegt Air Berlin billiger in den Nahen Osten - die Mitbewerber versuchen, das zu unterbieten.
Vor drei Jahren ist das Geschäft kurz vor der Unterschrift geplatzt, diesmal hat es geklappt: Die Fluggesellschaft Etihad aus Abu Dhabi steigt als größter Einzelaktionär bei Air Berlin ein. Für andere deutsche Fluglinien wie die Lufthansa ist das ein Ärgernis. Und auch die Finanzaufsicht mischt sich ein.
Das Image der Deutschen Bahn ist schlecht - wegen mangelhaft ausgestatteter Züge, Großbaustellen oder Stuttgart 21. Konzernchef Rüdiger Grube im Gespäch mit der Süddeutschen Zeitung über den Winter, Loyalität und die Sparsamkeit der Schwaben.
Von
Daniela Kuhr
Frohe Botschaft für den Vorstandschef: Die Rettung für Air Berlin kommt aus Abu Dhabi. Die Fluggesellschaft Etihad steigt groß beim angeschlagenen Unternehmen ein. Den Deal fädelte der neue Chef Mehdorn persönlich in der Wüste ein. Denn Etihad hat, was die deutsche Fluglinie so dringend braucht.
Von
Jens Flottau, Berlin
Exklusiv
Neuer Chef, neue Strategie. Hartmut Mehdorn hat im September die Führung von Air Berlin übernommen - und bricht jetzt mit einem Tabu seines Vorgängers: Er sucht nach einem starken Partner und Investor für die angeschlagene Fluggesellschaft. Die Kandidaten kommen vom Golf und aus China.
Von
Jens Flottau
Bilder
Ryanair-Passagiere zahlen künftig 100 Euro Aufschlag, wenn sie in der Hochsaison ihren Koffer erst am Flughafen aufgeben - generell kommt das Gepäck teurer. Air Berlin erhöht die Preise gleich für alle Ticketkäufer.
Bilder
Deutschlands größte Fluggesellschaft verlangt von ihren Passagieren künftig höhere Zuschläge für den Treibstoff - dabei hat die Lufthansa die Kerosingebühren in diesem Jahr schon zweimal angehoben.
Außergewöhnliche Blitzkarriere: Sogar als möglicher Nachfolger von Horst Seehofer ist Georg Fahrenschon gehandelt worden. Doch der 43-Jährige entscheidet sich nun gegen die Politik - wie schon andere CSU-Politiker vor ihm. Nicht für alle hat sich diese Entscheidung als segensreich erwiesen. Bei Fahrenschon verläuft zumindest der Übergang ins neue Berufsleben holprig - er startete mit einer Panne.
Von
Birgit Kruse
Seit drei Jahren macht die Fluggesellschaft Verluste, erst vor ein paar Wochen trat Ex-Chef Hunold im Streit um den Kurs des Unternehmens zurück. Jetzt gibt Air Berlin Details seiner Sparpläne bekannt: Die Zahl der Maschinen soll innerhalb eines Jahres um zehn Prozent reduziert werden, die Flugleistung aber nur um vier Prozent sinken.
Der ehemalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda verkauft die restlichen Anteile seiner Billigfluglinie Flyniki an Air Berlin - und zieht dort in den Aufsichtsrat ein. Der neue Eigentümer könnte sich mit dem Deal aber übernehmen.
Von
Caspar Busse und Jens Flottau
Was hat Ihr Ticket gekostet? Null Euro! Dutzende Prominente durften nach Medienberichten gratis mit Air Berlin fliegen - wann immer und wohin immer sie wollten. Der neue Unternehmenschef Hartmut Mehdorn streicht jetzt diese Privilegien. Das bisherige Programm hat wohl auch ein konzerninternes Nachspiel.
Bilder
Eine Woche der Emotionen: Ein Politiker weint um sein Amt, Spanier wüten gegen den Papst und ein Staatschef droht seine Rückkehr an.
Die Worte der Woche in Bildern
Die Deutsche Bahn startet eine Transparenz-Offensive. Ab sofort veröffentlicht sie jeden Monat im Internet eine Pünktlichkeitsstatistik. Die erste Ausgabe fällt durchwachsen aus: Im ersten Halbjahr 2011 war jeder fünfte Fernzug verspätet. Einem internen Bericht zufolge ist die Bahn damit noch unzuverlässiger als in den vergangenen Jahren.
Air-Berlin-Chef Joachim Hunold sah sich durch Intrigen von Kollegen zu seinem überraschenden Rücktritt genötigt. Das berichtet der "Spiegel". Gegen den neuen Sparkurs soll sich der Manager ebenfalls bis zuletzt gewehrt haben.