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BER-Eröffnung:Depressionen in Berlin

Hartmut Mehdorn

Problembaustelle BER: Der Eröffnungstermin bleibt unsicher und bereitet Geschäftsführer Hartmut Mehdorn Kopfzerbrechen.

(Foto: dpa)
  • Eine Eröffnung des Flughafens BER ist frühestens im Frühjahr 2017 realistisch.
  • Der noch amtierende Aufsichtsratschef Klaus Wowereit hat geraten, sich auf keinen Termin festzulegen - offenbar aus Angst vor einer erneuten Blamage.
  • Nach der Einschätzung des Geschäftsführers Hartmut Mehdorn sei ein klarer Zeitrahmen für den Fortgang der Baustelle jedoch wichtig.

Der 12. Dezember sollte Ruhe auf Deutschlands schwierigste Baustelle bringen. Für diesen Freitag hat Hartmut Mehdorn, Geschäftsführer der Berliner Flughäfen, ein immerhin halbes Versprechen gegeben. Er will bei der Aufsichtsratssitzung für den Hauptstadtflughafen BER einen Zeitrahmen für die immer wieder verschobene Eröffnung nennen. Mehdorn spricht stets von einem "Terminband". Ob es aber ein halbes oder ein ganzes Jahr sein soll, lässt er offen. Der noch amtierende Aufsichtsratschef Klaus Wowereit hat vorsichtshalber dazu geraten, sich lieber gar nicht erst festzulegen. Offenbar ist eine Eröffnung des BER frühestens im Frühjahr 2017 realistisch, fünf Jahre nach dem ursprünglichen Starttermin. Schon vorher - im März 2016 - läuft Mehdorns Vertrag aus. Es gibt wohl erhebliche Zweifel unter den Gesellschaftern des Flughafens, ob man mit ihm verlängern soll. Bei Mehdorns Start im Frühjahr 2013 war nicht vermutet worden, dass die Fertigstellung noch so viele Jahre dauern könnte.

Öffentlich hat Wowereit erklärt, dass man über die Länge des Terminbands am Freitag im Aufsichtsrat nur sprechen werde, "wenn es denn überhaupt vorgeschlagen wird". Wowereit tritt am Donnerstag als Regierender Bürgermeister von Berlin zurück, nur bis dahin bleibt er auch an der Spitze des Aufsichtsrats. Ein Nachfolger für diesen Posten steht noch nicht fest. Der künftige Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, möchte statt eines Politikers einen Experten als Chef des Kontrollgremiums benennen.

Das Ringen um den Zeitkorridor ist mehr als eine Frage der Gesichtswahrung für Mehdorn. Der Geschäftsführer und sein Technikchef Jörg Marks haben in den vergangenen Wochen darauf hin gearbeitet. Ein klarer Zeitrahmen ist nach ihrer Einschätzung für den Fortgang der Baustelle wichtig, weil Baufirmen ohne Zielvorgabe nicht die nötige Dynamik entwickeln könnten, um fertig zu werden. Konkrete Termine seien auch für die von Depression und Stillstand geprägte Stimmung auf der Baustelle notwendig.

Mehdorn: Anreiz für Bau und Planung muss her

"Man muss sich schon trauen", sagte Hartmut Mehdorn dem Tagesspiegel. Er habe die Sorge, dass es wieder Ängstlichkeit gebe, nach der Devise: "bloß nicht noch einmal eine Verschiebung". Ohne Termin werde man die Eröffnung nicht hinkriegen, "denn sonst schaffen wir nicht den Anreiz für Bau, Planung und behördliche Abnahmen".

Vor der Aufsichtsratssitzung gibt es weitere Spannungen zwischen Mehdorn und den Gesellschaftern des Flughafens, also dem Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg. So hat Mehdorn sich unlängst über Verzögerungen durch Behörden in Brandenburg beschwert, das sorgte in Potsdam für Missstimmung.

Zudem ist ein Schreiben bekannt geworden, in dem er sich in scharfem Ton gegen externe Kontrolleure wehrt, wie sie vor allem der Bund und Brandenburg wollen. Nun klagt Mehdorn, dass man vorhabe, "in unserem Haus eine Inquisition der Jahre 2013 und 2014 durchzuführen". Die Gesellschafter beharren aber auf externen Prüfungen.

Etwas Bewegung kommt jetzt aber doch auf die Baustelle. Nach Informationen des Tagesspiegel soll am Flughafen Berlin-Schönefeld ein Interimsbau entstehen, bis der neue Regierungsterminal fertig ist. Gedacht ist er für Staatsgäste der Bundesregierung. Dem Bericht zufolge solle der Neubau einschließlich der Hangars für die Maschinen der Flugbereitschaft und zusätzlichen Flächen mehr als 300 Millionen kosten. Später sollen Geschäftsflieger den Bau nutzen. Damit könne das alte Abfertigungsgebäude wie von Mehdorn favorisiert weiter für den Flugverkehr genutzt werden. Ursprünglich wollte der Bund in die Altbauten einziehen, bis sein geplanter Neubau fertig ist.