Mehdorn hört als Air-Berlin-Chef auf:Abgang eines Sanierers

Doch nur eine Zwischenlösung: Hartmut Mehdorn hört als Chef von Air Berlin auf. Sein Job war es, die Kosten von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft in den Griff zu bekommen. Die Anleger sind von seinem Abschied enttäuscht.

Hartmut Mehdorn hört als Vorstandschef bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin auf, meldet der Konzern. Der Rücktritt des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn kommt nach nicht einmal eineinhalb Jahren im Amt überraschend. Mehdorn war im Herbst 2011 auf den Air-Berlin-Chef Joachim Hunold gefolgt. Mehdorns Einstellung war zwar ursprünglich nur als Übergangslösung gedacht, im Frühjahr vergangenen Jahres hatte es jedoch noch geheißen, Mehdorn bleibe bis Ende 2013 auf seinem Posten.

Sein Nachfolger tritt mit sofortiger Wirkung ins Amt: der bisherige Strategie-Vorstand Wolfgang Prock-Schauer. Das teilte das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit. Mehdorn wird auch künftig dem Verwaltungsrat des Unternehmens angehören.

Air Berlin bezeichnet Prock-Schauer als "anerkannten Airline-Experten". Er ist selbst relativ neu im Unternehmen. Erst im Herbst vergangenen Jahres war er von der Lufthansa-Tochter British Midland in den Air-Berlin-Vorstand gewechselt. Zuvor war er CEO der indischen Jet Airways. Bei Air Berlin war der Österreicher bisher zuständig für Netzwerkplanung und Allianzen.

Die Anleger waren nicht begeistert. An der Börse rutschte die Aktie von Air Berlin um fast drei Prozent ins Minus.

Sparen, sparen, sparen

Das Unternehmen steht wie die gesamte Branche enorm unter Druck. Wirtschaftsflaute und Kerosinpreise setzen Air Berlin seit Jahren zu. Dazu kommt die deutsche Flugsteuer, gegen die die Airlines Sturm laufen. Auch die immer wieder verzögerte Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens macht dem Unternehmen zu schaffen. Mehdorn hatte deshalb Schadenersatzklagen angekündigt. Die für Oktober geplante Inbetriebnahme des neuen Flughafens wurde vor just wegen Baumängeln erneut verschoben.

Viele Anleger hatten deswegen Hoffnung auf den nun 70-jährigen Mehdorn gesetzt, einen strikten Sparkurs umzusetzen. Und Mehdorn lieferte: Er startete gleich nach seinem Antritt das Sparprogramm "Shape & Size". Er strich unrentable Strecken. Die Flotte sollte um zehn Prozent verkleinert werden, gleichzeitig sollte sie produktiver werden. Auch bei Treibstoffverbrauch, Einkauf und Logistik wollte er sparen.

Der neue Chef Prock-Schauer muss noch einen noch härteren Sparkurs umsetzen, unter dem Projektnamen "Turbine 2013". Das Sparpaket sieht einem Bericht der Welt zufolge vor, die Flotte von 158 auf 138 Flugzeuge zu verkleinern. 500 Stellen seien gefährdet. Verringert werden sollten auch die Zeiten, die die Maschinen zwischen den Flügen am Boden verbringen. Die Zeitung zitierte aus einem Brief, den Mehdorn im Dezember an die Mitarbeiter schickte: "Ziel ist ein Kostenabbau von 15 Prozent über die nächsten zwei Jahre." Viel zu tun für Wolfgang Prock-Schauer.

© Süddeutsche.de/dpa/Reuters/jab/gba
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB