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Flughafen BER:Mehdorn setzt auf Anti-Korruptions-Truppe

ILA 2014 Berlin

Ein Awacs-Aufklärer der türkischen Luftwaffe auf dem Vorfeld des zukünftigen BER-Flughafens - während der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA im Mai

(Foto: dpa)

Jetzt soll Transparenz von außen helfen: Interne und externe Kontrolleure sollen die Aufträge auf dem BER für Flughafenchef Mehdorn überprüfen.

Künftig soll eine Anti-Korruptions-Truppe den Auftragsvergaben an der Flughafenbaustelle BER nachgehen. Das Gremium werde sich aus Juristen und Kontrolleuren des Flughafens sowie externen Experten zusammensetzen, teilte die Flughafengesellschaft nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats mit. Auch ein Vertreter von Transparency International soll dabei sein.

Das geht dem Bund nicht weit genug: "Wir brauchen ein externes Controlling, und dieses Controlling muss direkt und ausschließlich an die Eigentümer berichten", sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Die Kontrolle müsse im Sinne einer schnellen Inbetriebnahme des Hausptadtflughafens Baufortschritt, Kosten und Zeitablauf umfassen. Vorher hatte Dobrindt auf externe Kontrolle gedrängt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen leitenden Angestellten: Dem Planer der Brandschutzanlage und bisherigen Technikchef, Jochen Großmann, wird Bestechlichkeit vorgeworfen. Die Anti-Korruptions-Truppe soll nun alle Auftragsvergaben Großmanns überprüfen. Sie werde bis Ende Juni einen Zwischenbericht vorlegen, über den der Aufsichtsrat beraten könne, hieß es nach der Sitzung.

Seine 15 Mitarbeiter am Flughafen sind vorerst freigestellt, er ist inzwischen beurlaubt. Großmann soll Firmen bei Aufträgen bevorzugt haben, mit denen er selbst Verbindungen hat. Die Entrauchungsanlage ist einer der Hauptgründe, warum der Flughafen nicht in Betrieb gehen kann und es auch keinen neuen Termin für die Eröffnung gibt.

"Eigentlich dürfte da nichts passieren"

Flughafenchef Hartmut Mehdorn betonte, die Gesellschaft toleriere keine Korruption. "Beim leisesten Verdacht werden wir wieder die Staatsanwaltschaft auf den Plan rufen", so Mehdorn. Er äußerte sich zurückhaltend, ob die Korruptionsaffäre das Projekt noch weiter verzögern wird. "Ich sage mal vorsichtig: Eigentlich dürfte da nichts passieren. Aber lassen Sie uns das noch überprüfen", sagte Mehdorn.

Die Kosten belaufen sich derzeit auf mindestens 4,5 Milliarden Euro. Gesellschafter des Flughafenprojekts sind die Länder Berlin und Brandenburg (je 37 Prozent) sowie der Bund (26 Prozent).

© SZ.de/dpa/Reuters/bbr

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