bedeckt München 11°

Hauptstadtflughafen:Mehdorn fordert 24-Stunden-Betrieb für BER

Hartmut Mehdorn

Hartmut Mehdorn hat die Führung des BER vor einem Jahr übernommen. Er ist für seinen eigenwilligen und eher ruppigen Führungsstil bekannt.

(Foto: Ralf Hirschberger/dpa)

Wer ihm in die Quere kommt, sollte sich auf umgehende Kritik gefasst machen. Jetzt geißelt Hartmut Mehdorn die Anspruchshaltung der Anwohner des neuen Hauptstadtflughafens "BER". Deren Ruhebedürfnis hält er als Airport-Geschäftsführer für überzogen.

Als er noch Bahn-Chef war, legte sich Hartmut Mehdorn mit dem Fahrgastverband "Pro Bahn" an und qualifizierte diesen als "typisch deutschen Meckerverein" ab. Inzwischen ist Mehdorn Airport-Geschäftsführer des neuen Hauptstadtflughafens "BER" und wieder geht ihm die Anspruchshaltung deutscher Bürger an sein Unternehmen zu weit: Eine Ausweitung des Nachtflugverbots am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg würde seiner Ansicht nach das komplette Großprojekt ad absurdum führen. Sollte sich das Land Brandenburg mit seiner Forderung durchsetzen, "hätte man diesen Flughafen gar nicht bauen müssen", sagte Mehdorn in bekannt direkter Art der Bild am Sonntag.

Den Status als internationaler Umsteigeflughafen könne der "BER" so nicht erreichen, da sich andere Airports nicht nach einem Nachtflugverbot in Berlin richten könnten. "Wenn sie einen Slot haben, muss eine Landung in Berlin möglich sein", bekräftigte Mehdorn.

Überdies stellte der Manager den Sinn eines Nachtflugverbots für Berlin grundsätzlich infrage. "Ein Hauptstadt-Airport sollte nach meiner Überzeugung überhaupt keinerlei zeitlichen Einschränkungen unterliegen, 24 Stunden offen sein. So ist es auf der ganzen Welt."

Die Sorgen der Anwohner und deren Furcht vor Lärmbelästigung nehme er dennoch ernst. "Deswegen gibt es hier schon lange einen sorgsam austarierten und sehr anwohnerfreundlichen Kompromiss bei den Flugzeiten", sagte Mehdorn der Zeitung. "Und deswegen haben wir hier Lärmschutzmaßnahmen ergriffen, die es in diesem Ausmaß und dieser Qualität nirgendwo auf der Welt gibt."

"Wir wollen stets pünktlich nach Mallorca kommen"

Ohnehin mache jedes Büro-Gespräch mehr Lärm als der zulässige Pegel für Flugzeuglandungen im Hausinneren in der Flughafenumgebung. Zugleich kritisierte Mehdorn die Anspruchshaltung der Anwohner: "Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft und wollen stets pünktlich nach Mallorca kommen. Doch den Lärm sollen andere haben. Das geht nicht."

Das Land Brandenburg setzt sich derzeit für eine Änderung der Betriebsgenehmigung ein, um ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr durchzusetzen. Dies entspricht einem Volksbegehren, das der Landtag übernommen hatte. Das Land Berlin und der Bund lehnen das bislang ab.

Der Flughafen "BER" sollte ursprünglich im Juni 2012 in Betrieb genommen werden. Bis heute ist nach mehrfachen Verschiebungen und Terminabsagen ungewiss, wann er in Betrieb gehen kann.

© SZ.de/AFP/pak/odg

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite