"Anne Will" zu Fridays For Future Theresa Kah heizt den Herren ein

Dabei tut sich der - vermutlich von der Redaktion erhoffte - Generationenkonflikt auf. Hier die 19-jährige Theresa Kah, die in Dortmund Friday-for-Future-Demos organisiert. Dort Wolfgang Kubicki, 67, stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP, und Reiner Haseloff, 65, CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Sie vertreten zwei Parteien, die nicht unbedingt Vorreiter in der Klimapolitik sind. Und was hält Kubicki vom Schulstreik? "Es ist kein Streik, sondern schlicht und ergreifend Schule schwänzen."

Die eloquente Theresa Kah, nun ja, heizt den Herren ganz schön ein. Warum Schulstreik? "Es braucht drastische Maßnahmen, um zu zeigen, wie drastisch die Kimakrise ist." Dazu der Vorwurf, der zuletzt häufiger von den Jungen kam und der für die Politik als Ganzes sehr bitter schmeckt: "Ich fühle mich nicht ernst genommen von der Politik."

Unterstützt wird Kah naturgemäß von Grünen-Chef Robert Habeck. Aber noch viel energischer von TV-Wissenschaftler Harald Lesch, Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Es müssten noch viel mehr Schüler freitags die Schule schwänzen, findet er. "Im Vergleich dazu, was die Klimakatastrophe darstellt, halte ich die Schulpflicht für unerheblich." Man wisse seit 1972, worum es gehe.

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Sein Nebenmann Kubicki atmet laut aus, er stöhnt fast. Lesch ist genervt. "Atmen Sie nicht durch, Herr Kubicki. Ich höre schon an Ihrem Atmen, dass hier wieder einer sitzt, der nur rumlamentiert." Doch die Wissenschaft habe die Aufgabe, der Gesellschaft mitzuteilen, welche Risiken es gebe. "Wir machen seit 40 Jahren nichts anderes als immer wieder zu sagen: Es wird schlimmer, es wird schlimmer, es wird noch schlimmer." Aber die Politik tue zu wenig.

Kubicki und Haseloff sind in der Runde in der Minderheit. Sie erkennen das Problem, wollen aber nicht in Alarmismus verfallen, wie Kubicki sagt. Erfreulicherweise haben die älteren Herren aber nicht nur Beschwichtigungen oder Polit-Talk-Phrasen dabei. Haseloff sagt etwa Richtung Kah: "Das können Sie uns wirklich abnehmen: Ich habe fünf Enkelkinder, ich mache doch nicht Politik für die restlichen Jahre, die ich noch lebe, sondern für diese jungen, nachwachsenden Menschen."

Und Kubicki erwidert auf den Vorwurf von Kah, es würde nur geredet und nichts getan: "Ja, wir reden, weil das der politische Diskurs beinhaltet. Wir können nichts anordnen. Wir können nicht morgen hingehen und alle Kraftwerke stilllegen. Das geht in einem Rechtsstaat nicht. Und wir brauchen Mitstreiter, ganz alleine auf der Welt werden wir das Problem nicht lösen."

Alle wollen offenbar das Gleiche, die einen allerdings schneller und energischer als die anderen. Professor Lesch hat noch einen Tipp dabei, wie man dem Klima helfen kann: "Sich überhaupt nicht bewegen." Anne Will heftet das als gute Nachricht ab.

Greta Thunberg nimmt noch etwas anderes mit aus ihrem Kampf gegen den Klimawandel. Sie sei heute viel fröhlicher als früher, sagen ihre Eltern. Warum? "Ich habe das Gefühl, dass ich etwas bewege. Ich denke, dass ich einen Sinn gefunden habe. Und das fehlt uns. Es geht uns nur um oberflächliche Sachen. Wir brauchen etwas, wofür wir kämpfen." Vielen ihrer Mitstreitenden dürfte es ähnlich gehen. Und das ist für eine junge Generation generell ein sehr gutes Zeichen.

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