Es war eine der größten Umweltkatastrophen in der Geschichte der USA: Knapp zwei Jahre nach der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko hat der britische Ölmulti BP seinen damaligen US-Partner Halliburton erneut auf Schadenersatz verklagt. Es geht um Milliarden.
Als wäre nichts gewesen: BP hat die Ölpest im Golf von Mexiko nicht nur als Unternehmen überlebt, der britische Ölkonzern macht auch wieder ordentlich Gewinn. 2011 verdiente das Unternehmen fast 24 Milliarden Dollar.
Die Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon am 20. April 2010 war das "schlimmste Umweltdesaster" aller Zeiten in den USA. Auf den ersten Blick scheint es fast glimpflich verlaufen zu sein. Doch der Eindruck täuscht.
Von
Reymer Klüver, Washington
Verhängnisvolle Schlamperei: Sieben Monate vor der Explosion der "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko waren Hunderte Wartungsarbeiten an der Ölplattform überfällig.
Sicherheitssysteme mit bis zu 30 Knöpfen, widersprüchliche Anweisungen an die Mitarbeiter: Die Besatzung der Ölplattform Deepwater Horizon war nach einem Zeitungsbericht denkbar schlecht auf kritische Zwischenfälle vorbereitet.
Sehenden Auges ins Unglück: Schon vor der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" haben Tests auf Probleme mit dem Zement hingewiesen. Aber niemand zog Konsequenzen.
Durch eine spektakuläre Aktion im Senat hat Aktivistin Diane Wilson auf den Irrsinn eines US-Gesetzes hingewiesen: Ölfirmen müssen für ihre Fehler nur mit bis zu 75 Millionen Dollar haften - ein lächerlicher Betrag im Vergleich zu ihren Gewinnen.
Von
Barbara Vorsamer
Ein Jahr nach der Ölkatastrophe sind Floridas Strände gesäubert und das Baden laut US-Behörden unbedenklich. Doch Umweltschützer sorgen sich nicht nur um die Küsten des "Sunshine-State".
Wenn Statistik auf Wirklichkeit trifft: Für Transocean war 2010 das sicherste Jahr der Geschichte - die Manager bekommen Boni. Dummerweise war der Konzern für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko mitverantwortlich.
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Ein Abgang mit Ansage: BP-Chef Tony Hayward tritt wegen der Ölpest im Golf von Mexiko zurück. Aber nicht sofort, sondern im Oktober. Und ein krisenerprobter Nachfolger für den PR-Täuscher, der die US-Regierung wütend machte, steht bereits fest.
Ob das Experiment die Lage verbessert ist völlig unklar: Im Golf von Mexiko hat BP ein neues Leck abgedichtet - die nächsten Tage zeigen, ob der Kampf gegen die Ölpest nun eine wichtige Wendung nimmt.
Von
Reymer Klüver, Washington
BP muss für die Ölschäden im Golf von Mexiko viele Milliarden Dollar Entschädigung zahlen. Und der Kampf gegen die Katastrophe hat nochmal knapp zehn Milliarden Dollar gekostet. Ausgestanden ist er aber noch lange nicht.
Fischer, Krabbenzüchter, Hoteliers: Lang ist die Liste der von der Ölpest im Golf vom Mexiko Geschädigten. Neben den Hunderten privaten Klagen werfen US-Behörden BP Verstöße gegen den Wasser- und Vogelschutz vor. Der britische Energiekonzern kämpft mit den finanziellen Folgen der Katastrophe - und versucht, sie auf Partnerunternehmen abzuwälzen.
Von
Andreas Oldag, London
Es ist noch unklar, ob aus dem lecken Bohrloch im Atlantik weiterhin Öl austritt - da hat die brasilianische Regierung bereits eine Strafe von 28 Millionen Dollar gegen den US-Mineralölkonzern Chevron verhängt. Es dürfte nicht die letzte Strafe sein.
Wieder verursacht eine Tiefseebohrung einen riesigen Ölteppich. Er ist so groß wie 16.000 Fußballfelder und treibt vor Rio de Janeiro. Es scheint, als hätten die Verantwortlichen aus der Verseuchung des Golfes von Mexiko nichts gelernt.
Von
Peter Burghardt
Wer trägt die Verantwortung für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko? Eine US-Behörde hat den BP-Konzern und seine Partner Halliburton und Transocean für schuldig erklärt, vor der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" massiv gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen zu haben. Dabei sind die Konzerne bereits damit beschäftigt, sich gegenseitig zu verklagen.
Bilder
Es war das größte Fiasko in der Geschichte der USA: Vor einem Jahr explodierte die Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko. Monatelang strömten Millionen Liter Öl ins Meer. Wie groß die Schäden sind, ist bis heute unklar. Die Ölpest in Bildern.
Manche Katastrophen brennen sich tief ins kollektive Gedächtnis ein - so wie der Reaktorunfall von Tschernobyl. Ein Unglück aber wie die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon gerät nach nur einem Jahr schon in Vergessenheit. Sobald es keine Bilder von verseuchten Vögeln mehr gibt, setzt der Prozess der Verdrängung ein.
Ein Kommentar von
Jeanne Rubner
Anlagen wie die explodierte Deepwater Horizon verfügen über extreme Sicherheitsvorkehrungen. Doch die Risiken nehmen mit der Bohrtiefe zu.
Von
Markus C. Schulte von Drach
Amerikanische Strafermittler ahnen Schlimmes: Wurde die Explosion der "Deepwater Horizon" durch geschmierte Aufsichtsbehörden begünstigt? Sollte sich der Verdacht bestätigen, hätte der Skandal um die Ölpest im Golf von Mexiko eine neue Dimension.
Ganz nach oben mit dem Passfoto-Gesicht: Wie viel Lächeln ist gesund für die Karriere? In Deutschland schaden nach unten gezogene Mundwinkel dem Aufstieg jedenfalls nicht.
Von
Alexandra Borchardt
Rosneft sichert sich umfangreiche Förderrechte an der US-Küste und profitiert von amerikanischen Technologien. Der Deal ist hochpolitisch, denn Rosneft ist ein quasi-staatliches Unternehmen aus einem Land, das mit den USA eine spannungsreiche Rivalität pflegt.
Von
Nikolaus Piper
Ewiges Eis? Von wegen. Das Tauwetter in der arktischen Region hat einen gigantischen Wettlauf um die Rohstoffe rund um den Nordpol ausgelöst. Ganz vorn dabei sind jetzt die Energiegiganten Rosneft und Exxon - bei Umweltschützern weckt der Ölrausch neue Ängste.
Von
Hans von der Hagen und Markus C .Schulte von Drach
Bislang leiden vor allem die Tiere unter dem Öl im Golf vo Mexiko. Welche Auswirkungen die Umweltkatastrophe auf die Menschen haben wird, ist noch unklar.
Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wird als eine der schlimmsten in die Geschichte eingehen. Aber irgendjemand verdient dann doch wieder daran. In Bildern.
Von
Steffen Heinzelmann
Die Ölpest ist eine große Gefahr für das Ökosystem des Mississippi-Deltas mit seinen Fischen, Krabben, Reptilien, Säugern und Vögeln - darunter das Wappentier Louisianas.
Erfolg im Kampf gegen die Ölpest: Eine Stahlbetonglocke wurde auf das größte Leck in 1.500 Metern Tiefe abgesenkt. Auch die Ursache des Unglücks scheint geklärt.
Von
Die Bilder.