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Nach der Ölpest:Selbstheilung im Golf von Mexiko

Tens of billions at stake in BP oil spill trial

Vor knapp drei Jahren löste der Untergang der Deepwater Horizon eine gewaltige Ölpest aus. Die Folgen werden noch immer untersucht.

(Foto: AFP)

Nach dem Untergang der Deepwater Horizon wurde hektisch Lösungsmittel im Golf von Mexiko ausgebracht. Dieser Versuch, die Ölpest einzudämmen, hat womöglich mehr geschadet als genutzt. Denn die beste Hilfe im Kampf gegen das Öl waren offenbar Bakterien.

Es ist fast drei Jahre her, dass im Golf von Mexico das Bohrschiff Deepwater Horizon explodierte, sank und damit eine gewaltige Ölpest auslöste. Wissenschaftler sind noch immer damit beschäftigt, die Folgen für das Meer und dessen Bewohner zu untersuchen. Viele der Experten sehen die seinerzeit hektischen Bemühungen zur Eindämmung der Katastrophe mittlerweile kritisch, insbesondere den großflächigen Einsatz von Lösungsmitteln gegen das Öl. "Der Golf von Mexico ist womöglich viel widerstandsfähiger und kann sich besser erholen als irgendjemand dachte", sagte Terry Hazen von der University of Tennessee am Montag auf der Tagung der amerikanischen Chemiker in New Orleans.

Die Bakterien in der Tiefsee hätten sich nach Beginn der Katastrophe rasend vermehrt und große Teile des auslaufenden Öls und freigesetzten Erdgases verzehrt, so Hazen. Als die neue Nahrungsquelle versiegte, weil die Ingenieure die lecke Bohrung endlich abgedichtet hatten, machten sich die Myriaden von Mikroorganismen über andere Verschmutzungen her. "Es war eine Art Tiefenreinigung", erklärte Hazen der BBC am Beispiel von Methan fressenden Bakterien. Mit seinem Team hat der Forscher die Vielfalt der Mikroben im Golf von Mexiko untersucht, indem er in Wasserproben nach Spuren von deren Erbgutmolekülen gesucht hat.

Statt auf die Reinigungskraft der Bakterien zu vertrauen, waren vor drei Jahren enorme Mengen des Lösungsmittels Corexit 9500 ins Wasser geschüttet worden. Es sollte Ölfilme in kleine Tröpfchen zerschlagen. Immer deutlicher zeigt sich, dass das Mittel enorme unerwünschte Wirkungen hat. Vermischt mit Öl war das Corexit zum Beispiel 52-mal so giftig für Rädertierchen wie Öl allein, ergab vor kurzem eine Studie mexikanischer und amerikanischer Wissenschaftler. Zudem habe das Lösungsmittel Teile des Öls tiefer in die Sedimente am Boden des Golfs getrieben und damit dem Zugriff der Bakterien entzogen, zeigten auf der Chemikertagung Forscher der Auburn University in Alabama.

© SZ vom 10.04.2013/cris/beu
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