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BP: Ölkatastrophe verhagelt Ergebnis:Rote Zahlen im schwarzen Jahr

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko kommt BP teuer zu stehen. Der Ölmulti verzeichnete erstmals seit 1992 einen Verlust. Doch die Geschäfte laufen schon wieder prächtig und die Aktionäre streichen eine Dividende ein.

Nachwehen eines Fiaskos: Der britische Energiekonzern BP hat wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko erstmals seit 19 Jahren in einem vollen Geschäftsjahr Verlust gemacht.

File photo of storm clouds forming near a BP station in Alexandria, Virginia

Dunkle Wolken über BP: "2010 wird zu Recht als Jahr des tragischen Unfalls und des ausgelaufenen Öls in Erinnerung bleiben", sagte Konzernchef Bob Dudley.

(Foto: REUTERS)

Unter dem Strich stand für 2010 ein Minus von 4,9 Milliarden US-Dollar (3,6 Milliarden Euro), teilte der Öl-Konzern mit. Zuletzt hatte der Londoner Energieriese 1992 rote Zahlen geschrieben.

2009 war der zweitgrößte Ölkonzern Europas noch auf einen satten Gewinn von 13,96 Milliarden Dollar gekommen. "2010 wird zu Recht als Jahr des tragischen Unfalls und des ausgelaufenen Öls in Erinnerung bleiben", sagte Konzernchef Bob Dudley.

BP sei deshalb ein Unternehmen im Wandel. Er kündigte für 2011 "ein Jahr der Erholung und der Konsolidierung" an. "Der BP-Konzern der Zukunt wird ein kleineres Unternehmen sein", schrieb Dudley in einer E-Mail an die Beschäftigten. Doch es wird auch ein sichereres BP, ein beweglicheres BP und ein stärkeres BP sein.

Rückkehr zu Dividendenzahlungen

Im vierten Quartal konnte der britische Öl-Multi den Gewinn dank des höheren Ölpreises aber wieder steigern. Die Öl- und Gasproduktion sei allerdings um neun Prozent zum Vorjahr gefallen, teilte BP mit.

Erstmals seit der Explosion und dem Untergang der Bohr-Plattform Deepwater Horizon will BP für das abgelaufene Vierteljahr wieder eine Dividende an die Aktionäre ausschütten - in Höhe von sieben Cent je Papier.

Wegen der zunächst unabsehbaren Kosten des Desasters im Golf von Mexiko hatte BP die Zahlung vergangenen Sommer ausgesetzt. Der sogenannte Nettogewinn vor Bestandswertveränderungen stieg auf 4,61 Milliarden Dollar von 3,44 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal, wie BP weiter mitteilte.

Berücksichtigt wurden dabei noch einmal Kosten für die Ölkatastrophe in Höhe von einer Milliarde Dollar. Berichtigt um Einmalposten ergab sich ein Gewinn vor Bestandswertveränderungen von 4,36 Milliarden Dollar. Das lag unter den Erwartungen der Analysten, die bei dieser Kenngröße im Schnitt mit 4,99 Milliarden Dollar gerechnet hatten.

Entsprechend geriet die BP-Aktie an den Börsen unter Druck. In Frankfurt notierte das Papier am Morgen mit einem Abschlag von drei Prozent bei 5,62 Euro.

Konkurrent ExxonMobil verdiente dagegen allein im Schlussquartal 9,3 Milliarden Dollar. Unterm Strich präsentierte der weltgrößte Ölkonzern jüngst für 2010 sagenhafte 30,5 Milliarden Dollar Gewinn.

Öldesaster kostet 41 Milliarden Dollar

Im dritten Quartal musste BP zwar noch einen kräftigen Gewinnrückgang verzeichnen. Doch trotz der Milliardenkosten für das Unglück im Golf von Mexiko war BP bereits im dritten Vierteljahr auf einen Gewinn gekommen.

BP sagte, die Kosten für das Öldesaster im Golf von Mexiko werden sich insgesamt auf 41 Milliarden Dollar belaufen. Im April vergangenen Jahres waren bei der Explosion der Deepwater Horizon elf Menschen ums Leben gekommen und nach dem Untergang der Plattform bis zu eine Million Tonnen Öl ins Meer gelaufen.

Das Unternehmen wolle nun dafür sorgen, ein Höchstmaß an Sicherheit in alle Prozesse einzubauen, kündigte der Vorstand an. BP versicherte erneut, "alle Verpflichtungen aus dem Öl-Leck im Golf von Mexiko" zu erfüllen. BP will die Hälfte seiner Raffinerie-Kapazitäten in den USA verkaufen. Dazu gehört auch die Texas-City-Raffinerie, wo 2005 bei einem Unglück 15 Menschen umgekommen waren. Zudem soll mehr in die Gas- und Ölproduktion investiert werden.

Krisenkonzern BP

Ein Haufen Arbeit

© sueddeutsche.de/dpa/Reuters/pak/mel
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