Ölkatastrophe im Golf von Mexiko US-Justiz setzt BP unter Druck

Grobe Fahrlässigkeit und mutwilliges Fehlverhalten: Mit den Vorwürfen des US-Justizministeriums wird der Ton im Streit um die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko rauer. Sollten sich die Anschuldigungen erhärten, könnten sich die Schadenersatzforderungen an BP drastisch erhöhen.

Die größte Ölkatastrophe in der Geschichte Amerikas könnte BP nun noch teurer zu stehen kommen: Das US-Justizministerium wirft dem Mineralölkonzern vor, grob fahrlässig gehandelt und sich mutwillig fehlverhalten zu haben. Das berichtet die Financial Times, die sich auf Gerichtsunterlagen beruft. Sollten sich die Vorwürfe bei dem im Januar geplanten Prozess bestätigen, erhöhen sich die Schadensersatzzahlungen um das Vierfache auf mehr als 21 Milliarden Dollar.

Umweltaktivisten säubern die Strände, die durch die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko verschmutzt wurden.

(Foto: BP)

Experten sehen in dem Vorgehen der US-Justiz den Hinweis, dass das Ministerium die Geduld mit dem Unternehmen verliert. "Die Einstellung, die Äußerungen und das Verhalten der BP-Manager würden nicht einmal in einem mittelgroßen Unternehmen toleriert, das völlig ungefährliche Produkte für den Verkauf in einem Vorstadt-Einkaufszentrum herstellt", kritisiert die Justiz das Unternehmen in den eingereichten Gerichtspapieren.

Auch die Börse hat auf die rauen Töne im Streit um die Ölpest reagiert: Die BP-Aktie fiel am Morgen um drei Prozent. Das Unternehmen beteuert dennoch, es habe keine grobe Fahrlässigkeit gegeben.

Debakel kann BP bis zu 30 Milliarden Euro kosten

Die Regierung und das Unternehmen verhandeln nun schon lange um einen Vergleich, äußern sich aber nicht zum aktuellen Stand der Gespräche. Bereits im August hatte sich BP mit der Fischereibranche auf Entschädigungszahlungen im Wert von 7,8 Milliarden US-Dollar geeinigt. Die Regierung machte daraufhin klar, dass sie diese Zahlungen zwar nicht stoppen, andererseits aber auch nicht in die Bewertung weiterer Schadensersatzzahlungen mit einbeziehen werde.

Im April 2010 war die BP-Bohrplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko explodiert. Dabei waren elf Menschen ums Leben gekommen und zwischen vier und fünf Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl ins Meer gelaufen. Sollte das US-Justizministerium recht behalten, könnte die Ölkatastrophe dem Unternehmen insgesamt 30 Milliarden Dollar kosten.