bedeckt München 17°
vgwortpixel

Coronavirus und die Wirtschaft:Bund plant offenbar Milliardenhilfen für die Bahn

Corona-Krise - Bahn

Blick auf leere 2.-Klasse-Sitzplätze in einem am Bahnhof Wilhelmshöhe stehenden ICE

(Foto: dpa)

Einem Bericht zufolge soll unter anderem eine Eigenkapitalerhöhung geplant sein. Gleichzeitig solle bei Personal- und Sachkosten massiv gespart werden.

Hier finden Sie aktuelle Meldungen aus der Wirtschaft in chronologischer Reihenfolge, die neuesten Nachrichten stehen an erster Stelle.

Bericht: Bund vor milliardenschweren Stützungsmaßnahmen für die Bahn

Montag, 11. Mai, 3.25 Uhr: Der Bund plant einem Medienbericht zufolge milliardenschwere Hilfen für die Bahn, um die Schäden aus der Corona-Pandemie auszugleichen. Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf ein Konzept, das die Bahn mit dem Finanzministerium und dem Verkehrsministerium ausgearbeitet habe. Geplant sei eine Eigenkapitalerhöhung. Zudem solle die Verschuldungsgrenze des bundeseigenen Konzerns erhöht werden. Im Gegenzug sage die Bahn massive Einsparungen bei Personal- und Sachkosten zu. Bei der Bahn war auf Anfrage zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Die Einbußen für die Bahn einschließlich der Beteiligungen Arriva und Schenker würden für den Zeitraum 2020 bis 2024 in einem Basisszenario mit 11,0 Milliarden Euro und in einem "negativeren Szenario" mit 13,5 Milliarden Euro beziffert. Auf den Systemverbund Bahn würden dabei 8,2 beziehungsweise 10,2 Milliarden Euro entfallen. Die Hälfte davon solle die Bahn durch "Gegensteuerungsmaßnahmen" erbringen. So solle es etwa 2020 für den Vorstand keinen Bonus geben. Zudem würden kurz- und langfristige Sparmaßnahmen bei Mitarbeitern von Kurzarbeit bis hin zur Überprüfung der Personalplanung genannt. Reuters

Gericht lehnt Eilantrag gegen Westfleisch-Schließung ab

Sonntag, 10. Mai, 13.20 Uhr: Das Verwaltungsgericht Münster hat einen Eilantrag der Firma Westfleisch gegen die befristete Schließung ihres von einem Corona-Ausbruch betroffenen Betriebes in Coesfeld abgelehnt. Der Kreis hatte die Schließung des Schlacht- und Zerlegebetriebes von Samstag bis 18. Mai verfügt. Diese auf dem Infektionsschutzgesetz beruhende Verfügung sei "nach Aktenlage aller Voraussicht nach rechtmäßig", teilte das Gericht am Sonntag mit. Inzwischen seien mehr als 200 Beschäftigte des Betriebes positiv auf das Coronavirus getestet worden. Es sei davon auszugehen, dass es noch eine unbestimmte Anzahl von Corona-Verdachtsfällen oder Ansteckungen dort gebe. Gegen den Beschluss könne innerhalb von zwei Wochen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht NRW eingelegt werden.

Das Amt für Arbeitsschutz habe bei einer Überprüfung festgestellt, dass es sowohl im Bereich des Zerlegebandes als auch in den Umkleiden Probleme gebe, den Mindestabstand von 1,50 Metern einzuhalten, hieß es weiter. Die Mund-Nasen-Schutzmasken würden am Zerlegeband nicht korrekt getragen. Die Firma sei nicht in der Lage gewesen, Infektionsschwerpunkte zu benennen. Der Betrieb sei "aufgrund ersichtlich unzureichender Vorsichtsmaßnahmen" zu einer "erheblichen epidemiologischen Gefahrenquelle" nicht nur für die Belegschaft geworden. Das Argument der wirtschaftlichen Erwägungen der Antragstellerin griff nach Ansicht des Gerichts nicht durch. Die drohenden Nachteile seien rein finanzieller Natur und könnten sich gegenüber dem Lebens- und Gesundheitsschutz nicht durchsetzen. dpa

Musk will Tesla-Sitz aus Kalifornien abziehen

Sonntag, 10. Mai, 0.02 Uhr: Tesla-Chef Elon Musk will den Firmensitz des Elektroauto-Herstellers wegen anhaltender Corona-Beschränkungen in Kalifornien in einen anderen US-Bundesstaat verlegen. Tesla werde die Zentrale und kommende Unternehmungen "sofort" nach Texas oder Nevada verlegen, schrieb Musk am Samstag (Ortszeit) auf Twitter. "Ehrlich, das ist das i-Tüpfelchen", schrieb er in Bezug auf Auflagen des Bezirks Alameda bei San Francisco, die eine Wiedereröffnung der dortigen Tesla-Fabrik vor Juni verhindern würden.

Er werde sofort gegen die Entscheidung des Bezirks klagen, so Musk weiter. Ein Fortbestand der Produktion am Standort Fremont hänge davon ab, wie die Firma dort künftig behandelt werde, schrieb er weiter. "Tesla ist der letzte verbliebene Autohersteller" in Kalifornien und sei zudem ein wichtiger Exporteur, schrieb er.

Musk ist dafür bekannt, mit skurrilen und meinungsstarken Auftritten bei Twitter für Aufsehen und Verwirrung zu sorgen. Erst vergangene Woche hatte er mit einer Serie eigenwilliger Tweets dafür gesorgt, dass Teslas Börsenwert um Milliarden Dollar absackte. 2018 hatte sich Musk mit seinen Tweets sogar Ärger von der US-Börsenaufsicht SEC eingebrockt. Eigentlich muss er sich einer Vereinbarung mit der SEC zufolge relevante Tweets vorab vom Unternehmen freigeben lassen.

USA melden 14,7 Prozent Arbeitslosigkeit

Freitag, 8. Mai, 14.30 Uhr: Die Arbeitslosigkeit in den USA ist erneut gestiegen. Am Freitag meldeten die Behörden eine Arbeitslosenquote von 14,7 Prozent im April. Laut der Mitteilung wurden in diesem Monat etwa 20,5 Millionen Stellen außerhalb der Landwirtschaft abgebaut. Die Arbeitslosenquote der größten Volkswirtschaft der Welt hatte im Februar noch bei 3,5 Prozent gelegen, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Im März stieg sie dann auf 4,4 Prozent - eine relativ geringe Veränderung, weil die Statistik zuletzt nicht mit der Geschwindigkeit der Jobverluste Schritt halten konnte. Auch die Werte für April können wegen verzögerter Datenerhebung nur die Lage bis Mitte des Monats erfassen.

Die USA sind besonders stark von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen. Viele Geschäfte sind geschlossen, Firmen haben ihre Produktion gedrosselt. Eine beispiellose Massenarbeitslosigkeit ist die Folge: Binnen weniger Wochen verzehnfachte sich die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger, jede Woche stellen Millionen weitere Menschen einen Erstantrag auf Unterstützung - allein in der vergangenen Woche waren es 3,16 Millionen.

Regierung und Kongress haben seit Ende März gewaltige Konjunkturpakete auf den Weg gebracht, um die Folgen der Krise abzumildern. Sie stellten Hilfen von insgesamt etwa 2,7 Billionen US-Dollar zur Verfügung. Davon sollen rund 650 Milliarden Dollar bereitstehen für ein Programm, das kleinen und mittelgroßen Unternehmen für die kommenden Monate weitgehend die Lohnkosten ersetzt, um den Anstieg der Arbeitslosigkeit zu begrenzen. vd/dpa

Deutsche Exporte brechen ein

Freitag, 8. Mai, 8.00 Uhr: Die Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie haben im März den deutschen Außenhandel stark getroffen. Deutsche Unternehmen exportierten Waren im Wert von 108,9 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Damit waren die Exportzahlen kalender- und saisonbereinigt um 7,9 Prozent niedriger als im März 2019. Im Vergleich zum Vormonat Februar sanken die Exporte sogar um 11,8 Prozent. Das ist der größte Rückgang im Monatsvergleich seit Beginn der Zeitreihe im August 1990. Besonders stark betroffen waren Exporte die anderen EU-Staaten: Diese sanken Gegenüber März 2019 um elf Prozent.

Auch bei den Importen macht sich die Krise bemerkbar: Im März wurden Waren im Wert von 91,6 Milliarden Euro nach Deutschland importiert, 4,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Importe um 5,1 Prozent. Das ist der höchste Rückgang im Monatsvergleich seit Januar 2009 während der weltweiten Finanzkrise.

Uber mit Verlust von 2,9 Milliarden Dollar im ersten Quartal

Freitag, 8. Mai, 4.50 Uhr: Der US-Fahrdienst Uber ist im ersten Quartal tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich habe ein Minus von 2,9 Milliarden Dollar gestanden nach einem Fehlbetrag von etwa einer Milliarde Dollar im gleichen Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss mitteilte. Der Verlust gehe vor allem auf milliardenschwere Abschreibungen auf den Wert von Firmenbeteiligungen wegen der Corona-Pandemie zurück. Uber hält Anteile an diversen Fahrdiensten und Essenslieferplattformen weltweit wie Grab, Yandex oder Didi. Der Umsatz stieg dagegen um 14 Prozent auf 3,54 Milliarden Dollar. Hier profitierte die Firma vor allem von ihrer Essensliefersparte Uber Eats. Uber sei von frühen Anzeichen ermutigt, dass sich die Märkte nach dem Lockdown wieder öffneten.

Angesichts der Ausgangssperren, geschlossener Läden und Fabriken nutzen derzeit weniger Menschen rund um den Globus den Fahrdienst. In Deutschland konkurriert Uber mit dem Taxi- und Mietwagen-Vermittler Free Now (früher mytaxi), der bereits ein Sparprogramm wegen des Nachfrageeinbruchs angekündigt hat. Reuters

Umfrage: Mehrheit der Deutschen gegen Kaufprämie für Autos

Donnerstag, 7. Mai, 20.30 Uhr: Fast zwei Drittel der Deutschen lehnen einer Umfrage zufolge die von der Autoindustrie wegen der Corona-Krise geforderte Kaufprämie für Neufahrzeuge grundsätzlich ab. 63 Prozent sagen, sie seien gegen solche staatlichen Anreize beim Auto-Kauf. Unter den Gegner sind demnach Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien. Das geht aus einer Erhebung von Infratest-dimap für den ARD-"Deutschland-Trend" hervor. 22 Prozent sind demnach der Meinung, es sollte Kaufanreize nur für klimafreundliche Autos geben - lediglich zwölf Prozent befürworten eine Prämie für alle Neufahrzeuge.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in dieser Woche mit Vertretern der Autobranche über konjunkturbelebende Maßnahmen in der Corona-Krise gesprochen. Beschlüsse werden für Juni erwartet.

Rund 3,2 Millionen neue Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in USA

Donnerstag, 7. Mai, 14.41 Uhr: In der Coronavirus-Krise schwillt die Welle von Anträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA etwas ab. In der vergangenen Woche stellten 3,16 Millionen Bürger einen entsprechenden Erstantrag, wie das Arbeitsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Seit dem 21. März summierten sich diese Anträge auf staatliche Stütze auf rund 33 Millionen. Allerdings nimmt die Zahl der Anträge seit fünf Wochen kontinuierlich ab. Der Höhepunkt der Flutwelle wurde in der Woche bis zum 28. März mit 6,86 Millionen erreicht.

"Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe hat sich im Vergleich zur Vorwoche etwas reduziert. Anzumerken ist jedoch, dass die Zahl weiterhin hoch ist und die Belastungen durch die Corona-Pandemie weiterhin den Arbeitsmarkt belasten", so die Einschätzung von Ökonom Patrick Boldt von der Helaba. Die Rezessionssorgen blieben zunächst noch bestehen.

Die Virus-Krise hat dem jahrelangen Boom am US-Jobmarkt ein jähes Ende bereitet und Massenarbeitslosigkeit ausgelöst. Für den am Freitag anstehenden Jobmarktbericht der Regierung für April gehen von Reuters befragte Ökonomen von einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosenquote auf 16,0 Prozent von 4,4 Prozent im März aus. Zugleich beziffern sie den zu erwartenden Jobabbau im vorigen Monat auf die Rekordzahl von 22 Millionen. Reuters

Puma bekommt 900-Millionen-Kredit

Donnerstag, 7. Mai, 8.27 Uhr: Wie der größere Konkurrent Adidas braucht auch der fränkische Sportartikelkonzern Puma in der Corona-Krise finanzielle Unterstützung vom Staat. Puma habe sich einen Kredit über 900 Millionen Euro gesichert, um die Zeit mit niedrigeren Umsätzen und Erlösen zu überbrücken, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Herzogenaurach mit. Die staatliche Förderbank KfW übernimmt davon allein 625 Millionen Euro, der Rest kommt von einem Konsortium aus elf weiteren Banken. Im ersten Quartal 2020 ging der Umsatz um 1,3 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurück, das operative Ergebnis brach aber bereits um die Hälfte auf 71,2 Millionen Euro ein. Das zweite Quartal werde noch schlechter, hieß es in der Mitteilung. Puma erziele derzeit nur etwa 50 Prozent seiner normalen Einnahmen, weil noch mehr als die Hälfte der Sport- und Lifestyle-Läden wegen der Corona-Pandemie geschlossen seien.

Autovermieter Sixt braucht Milliardenkredit

Mittwoch, 6. Mai 2020, 18:53 Uhr: Deutschlands größter Autovermieter Sixt bekommt von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und weiteren Banken einen Kredit in Höhe von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Der Kapitalmarkt sei für den Familienkonzern ohne externes Rating gegenwärtig nicht zugänglich, sagte Vorstandschef Erich Sixt . Mit dem Kredit für die Vermietflotte wolle das Unternehmen nach der Krise "am Markt schnell wieder durchstarten können", betonte Vorstandsmitglied Alexander Sixt.

Der Autovermieter hat bereits im März einen Teil der Mitarbeiter für drei Monate in Kurzarbeit geschickt, weil der Umsatz infolge der Corona-Krise weggebrochen ist. Sixt macht den Großteil seines Geschäfts mit Mietautos für Touristen und Geschäftsreisen in Europa und den USA.

Von dem Bankenkonsortium bekommt Sixt jetzt "eine revolvierende Kreditlinie in Höhe von bis zu 1,5 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren und marktüblicher Verzinsung". Dafür darf das Unternehmen während der Laufzeit keine Dividende zahlen, mit Ausnahme der jährlichen Mindestdividende in Höhe von fünf Cent je Vorzugsaktie. Erich Sixt betonte, "dass es sich um einen Kredit mit marktüblichen Zinskonditionen handelt, der vollständig zurückzuzahlen ist, und nicht um einen unentgeltlichen Zuschuss". Das Konsortium besteht aus der KfW, Bayerischer Landesbank, Commerzbank, DZ- und UniCredit-Bank.

Im vergangenen Jahr hatte Sixt seinen Umsatz um 13 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro gesteigert und 247 Millionen Euro Gewinn gemacht.

EU-Prognose: Wirtschaft in Euro-Zone bricht um 7,7 Prozent ein

Mittwoch, 6. Mai 2020, 11.00 Uhr: Die Wirtschaft der Euro-Zone könnte laut der EU-Frühjahrsprognose wegen der Corona-Krise dieses Jahr um 7,7 Prozent schrumpfen und sich auch im nächsten Jahr nicht vollständig erholen. Die EU-Kommission sprach am Mittwoch in Brüssel bei der Vorlage ihrer Prognose von einer Rezession historischen Ausmaßes. "Europa erlebt einen ökonomischen Schock, wie es ihn seit der Weltwirtschaftskrise nicht mehr gegeben hat", sagte Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. Im Einzelnen erwartet die Kommission nach dem drastischen Einbruch in den 19 Ländern der Euro-Zone dieses Jahr für 2021 neues Wachstum um 6,25 Prozent. Für die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union insgesamt sagt die Prognose für 2020 ein Minus von 7,5 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt voraus und für 2021 ein Wachstum von etwa 6 Prozent.

Der Schock der Pandemie treffe zwar alle EU-Staaten, aber das Minus bei der Wirtschaftsleistung sei unterschiedlich - von 4,25 Prozent in Polen bis zu 9,75 Prozent in Griechenland. Die Erholung 2021 werde ebenfalls verschieden ausfallen und die Verluste unterm Strich nicht wettmachen, erklärte Gentiloni. Wichtige Faktoren seien das Tempo bei der Aufhebung der Corona-Auflagen, die Abhängigkeit der Volkswirtschaften vom Tourismus und die finanziellen Spielräume im Haushalt. Diese Ungleichheit bedrohe die Einheit des Binnenmarkts und der Euro-Zone. "Wir müssen diese Herausforderung bewältigen", meinte Gentiloni.

Die Arbeitslosenrate in der Euro-Zone wird der Prognose zufolge von 7,5 Prozent 2019 auf 9,5 Prozent in diesem Jahr steigen. Für nächstes Jahr wird ein Rückgang auf 8,5 Prozent erwartet. Für die gesamte EU wird ein Anstieg von 6,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 9 Prozent in diesem vorhergesagt. 2021 soll die Rate bei 8 Prozent liegen. Vor allem junge Leute dürften es viel schwerer haben, einen ersten Job zu finden, erklärt die Kommission. Die Inflation wird dieser Prognose zufolge stark zurückgehen. Die Teuerungsrate in der Euro-Zone, die mit dem sogenannten Harmonisierten Index der Verbraucherpreise gemessen wird, wird für 2020 mit 0,2 Prozent angesetzt und für 2021 dann mit 1,1 Prozent. Für die EU insgesamt sind die entsprechenden Werte 0,6 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im nächsten Jahr.

Weil die Mitgliedsstaaten zur Krisenbewältigung Milliarden ausgeben, werden die Defizite nach Erwartung der EU-Kommission stark steigen. Der aggregierte Wert für das Staatsdefizit aller Mitgliedsstaaten, das 2019 nur noch bei 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts lag, wird demnach 2020 auf 8,5 Prozent in die Höhe schnellen. Für 2021 wird dann ein Wert von 3,5 Prozent erwartet. Der Schuldenstand der Staaten der Euro-Zone insgesamt wird damit laut Prognose von 86 Prozent 2019 auf 102,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Erlaubt sind in der EU eigentlich nur 60 Prozent des BIP, doch wurden die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts quasi außer Kraft gesetzt.

Die EU-Kommission weist darauf hin, dass die Prognose mit außergewöhnlich großen Unsicherheiten behaftet ist. Grundlage sei die Erwartung, dass die Corona-Beschränkungen ab Mai schrittweise gelockert werden. Falle die Pandemie schwerwiegender und länger aus, könnte dies zu einem noch größeren Einbruch der Wirtschaftsleistung führen, heißt es weiter. dpa

Deutscher Industrie brechen Aufträge weg - minus 15,6 Prozent im März

Mittwoch, 6. Mai 2020, 8.35 Uhr: Der deutschen Industrie ist das Neugeschäft wegen der Corona-Krise in einem nie dagewesenen Tempo weggebrochen. Sie sammelte im März 15,6 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik 1991.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Minus von 10,0 Prozent gerechnet. "Im Zuge des weltweiten Konjunkturschocks durch die Corona-Pandemie sowie der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung sind die industriellen Auftragseingänge im März drastisch eingebrochen", erklärte das Ministerium. "Es ist von kräftigen Produktionsrückgängen ab März wegen Corona auszugehen." Ökonomen befürchten, dass es sogar noch schlimmer kommt. "Der März ist der Tragödie erster Teil", sagte DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle. "Der Einbruch der Auftragseingänge zeigt die Wucht, mit der Corona auf die deutsche Industrie trifft. Und dennoch ist das erst die eine Hälfte der Wahrheit, denn zu dem Kollaps der Neuaufträge wird auch eine Welle von Auftragsstornierungen kommen."

Die Bestellungen bei Investitionsgütern - zu denen Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen gehören - brachen im März mit 22,6 Prozent überdurchschnittlich ein. "Das Epizentrum der Auftragsschwäche war die Automobilindustrie", sagte Scheuerle. "Keine andere Industrie-Branche war von den Produktionsstopps stärker betroffen." Bei Vorleistungen gab es nur einen Rückgang um 7,5 Prozent, bei Konsumgütern sogar nur von 1,3 Prozent. "Das Tief kommt dann möglicherweise im April, dann dürfte auch die Konsumgüterindustrie den Einbruch zu spüren bekommen", erwartet LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. "Eine Besserung ist nicht vor Mai zu erwarten, vorausgesetzt dass wir Lockerungen ohne erneutes Aufflammen der Pandemie sehen. Die Aufräumarbeiten werden die Wirtschaft noch Jahre beschäftigen." Die Aufträge aus dem Inland sanken im März um 14,8 Prozent zum Vormonat. Die Bestellungen aus dem Ausland gingen sogar um 16,1 Prozent zurück.

Aktuelle Umfragen unter Industriebetrieben lassen nicht auf eine baldige Trendwende hoffen. Das Geschäftsklima in der deutschen Industrie fiel im April auf den niedrigsten Wert seit März 2009, wie das Ifo-Institut ermittelte. Die Ausbreitung des Virus und die Maßnahmen zur Eindämmung haben zuletzt Teile der Wirtschaft weitgehend lahmgelegt - auch weil Lieferketten unterbrochen wurden. Reuters

Mittwoch, 6. Mai 2020, 2.29 Uhr: Die Bundesregierung rechnet infolge der Corona-Krise mit einem starken Anstieg beim Bezug von Hartz IV-Leistungen. Aufgrund der Pandemie geht das Bundesarbeitsministerium davon aus, dass es in den kommenden sechs Monaten bis zu 1,2 Millionen zusätzliche Bedarfsgemeinschaften geben wird, wie das Ministerium auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Bundestag mitteilt. Die Antwort der Regierung liegt den Zeitungen der Funke Mediengruppe vor. Bei einem sechsmonatigen Bezug der Leistungen rechnet das Ministerium nach eigenen Angaben mit staatlichen Mehrausgaben in Höhe von 9,6 Milliarden Euro.

In ihrer Antwort erklärt die Bundesregierung den gestiegenen Leistungsbezug in der Corona-Krise unter anderem mit den erleichterten Bewilligungen während der Pandemie. Demnach fände in den Monaten März bis einschließlich Juni keine Vermögensprüfungen mehr statt. Auch das persönliche Erscheinen im Jobcenter sei keine zwingende Voraussetzung mehr für den Erhalt der finanziellen Unterstützung.

Dienstag, 5. Mai 2020, 23:13 Uhr: Der Apartment-Vermittler Airbnb will wegen der Corona-Pandemie US-Medien zufolge in großem Stil Stellen streichen. Die Mitarbeiterzahl sinke um etwa ein Viertel, etwa 1900 Jobs weltweit seien betroffen, zitierten The Information, Bloomberg, CNBC und Wall Street Journal übereinstimmend aus einer E-Mail von Airbnb-Chef Brian Chesky an die Beschäftigten. Die Krise habe den Tourismus zum Stillstand gebracht, Airbnb sei stark getroffen, der Umsatz dürfte dieses Jahr um mehr als die Hälfte sinken, führte Chesky demnach aus. Airbnb hat für 2020 einen Börsengang angekündigt, doch angesichts der Schwierigkeiten sind die Zweifel inzwischen groß.

Die Betroffenen erhalten der Nachrichtenagentur Reuters zufolge eine Abfindung in Höhe von vier Monatslöhnen, bekommen ein Jahr Krankenversicherung bezahlt und dürfen ihre Computer behalten. Das Unternehmen äußerte sich dazu zunächst nicht. Reuters/dpa

Dienstag, 5. Mai 2020, 12.00 Uhr: Die Lufthansa plant, von Juni an wieder mehr Flüge anzubieten. Das Unternehmen bereite "eine spürbare Erweiterung unseres Flugplanes" vor, so Vorstandschef Carsten Spohr bei der Hauptversammlung des Unternehmens. Der Aufbau werde aber sehr langsam durchgeführt - Lufthansa rechne nicht damit, dass sie vor 2023 das alte Verkehrsniveau von 2019 erreichen könne. Selbst wenn sich der Luftverkehr bis 2023 einigermaßen erholt, hat die Fluggesellschaft laut Spohr jedoch etwa 10 000 Mitarbeiter zu viel an Bord. Er will Entlassungen vor allem durch neue Teilzeitmodelle unter anderem bei den Piloten vermeiden.

Zu dem ab Juni vorgesehenen Flugplan nannte Spohr zunächst keine Details, einem Sprecher zufolge wird daran derzeit noch gearbeitet. Aktuell transportiert Lufthansa weniger als ein Prozent der normalerweise üblichen Passagierzahl, etwa 3000 Gäste pro Tag. Die Konzerntöchter Austrian, Brussels Airlines und Air Dolomiti haben den Flugbetrieb seit März ganz eingestellt. Konzernweit sind derzeit von den rund 760 Flugzeugen nur etwa 60 im Einsatz, viele davon als Frachter.

Auch zu den Verhandlungen mit der Bundesregierung über staatliche Hilfen in Höhe von rund neun Milliarden Euro äußerte sich der Lufthansa-Chef. Er rechne damit, dass die Gespräche mit der Bundesregierung "zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden". Niemand im Unternehmen habe "ein Interesse daran, dass die Gespräche scheitern". Der Staat wird voraussichtlich mit einer Sperrminorität, also einem Anteil von mehr als 25 Prozent, als Anteilseigner bei Lufthansa einsteigen und zwei Mandate im Aufsichtsrat reklamieren. Spohr will verhindern, dass die Politik zu viel Einfluss nimmt. Daher müssten die Kredite und die Beteiligung "so schnell wie möglich" zurückgeführt werden.

Spohr machte jedoch deutlich, dass Lufthansa "nur als Gruppe" wettbewerbsfähig sei gegenüber den jeweils drei großen Konkurrenten in China, den USA und dem Persischen Golf. Damit bestätigte er, dass sich der Konzern von keiner der Tochtergesellschaften trennen will, obwohl einige von ihnen wie Brussels Airlines und Austrian schon vor der Corona-Krise in Schwierigkeiten steckten. Auch an der Zweitmarke Eurowings will er festhalten, allerdings soll der Billig-Ableger deutlich weniger komplex organisiert werden als in der Vergangenheit. Jens Flottau

Lufthansa vor ungewöhnlicher Hauptversammlung

Dienstag, 5. Mai 2020, 08.45 Uhr: Die Lufthansa hat ihre Aktionäre zur wohl ungewöhnlichsten Hauptversammlung der Geschichte eingeladen. Statt in der Frankfurter Jahrhunderthalle findet die Veranstaltung an diesem Dienstag im Internet statt. Grund sind die Vorkehrungen gegen die Corona-Pandemie, die zudem das Geschäft des größten Luftverkehrskonzerns Europas mit Ausnahme der Fracht nahezu zum Erliegen gebracht hat.

Lufthansa hat ihren Passagierbetrieb auf ein Minimum reduziert und fliegt nur noch knapp 1 Prozent der Passagiere. Ihre tägliche Zahl der Gäste sank von durchschnittlich 350 000 pro Tag auf noch rund 3000. Trotz massiver Kurzarbeit laufen viele Fixkosten weiter, sodass das Unternehmen nach den Worten von Vorstandschef Carsten Spohr stündlich eine Million Euro Cash verliert. Belastend sind neben den Zinsen unter anderem die Kerosin-Verträge, die noch von einem viel höheren Ölpreis ausgegangen waren als dem aktuellen. Aktuell seien noch mehr als vier Milliarden Bar-Reserven vorhanden, betont der Vorstandschef in seiner vorab veröffentlichten Rede.

Kompliziert ist die Lage in den Gesprächen um Staatshilfen auch durch die Multi-Nationalität. Mit Austrian, Swiss und Brussels Airlines hat der Dax-Konzern gleich drei ehemalige Staatsgesellschaften von Nachbarstaaten im Portfolio. Einzig die Schweiz hat bislang eine zum größten Teil vom Staat besicherte Kreditlinie über 1,4 Milliarden Euro zugesagt. Österreich wie Belgien pochen für ihre Hilfen auf Standortgarantien.

In Deutschland wartet das Unternehmen weiterhin auf die präzise Ausgestaltung der Staatshilfen zwischen stillen Einlagen und direkter Beteiligung. Fondsgesellschaften wie die Deka und die genossenschaftliche Union Investment stützten vor der Versammlung den Kurs von Konzernchef Spohr gegen eine zu starke staatliche Lenkung. In den Verhandlungen mit der Bundesregierung dürfe Spohr den Bogen aber nicht überspannen, warnte Portfolio-Manager Michael Gierse. Die Corona-Krise biete einer verkleinerten Lufthansa auch Chancen, eine modernere Flotte zu betreiben und den Ausstoß klimaschädlicher Abgase deutlich zu senken.

Spohr hat Aktionäre und Mitarbeiter bereits auf Einschnitte eingestimmt. Während die Eigentümer auf eine Dividende für das eigentlich erfolgreiche Geschäftsjahr 2019 verzichten sollen, droht den 130 000 Mitarbeitern der Gruppe ein Abbau von rund 10 000 Stellen. Noch ist unklar, ob dies über Teilzeitmodelle erreicht werden kann oder betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden müssen. Die Catering-Tochter LSG Sky Chefs mit rund 35 000 Beschäftigten weltweit stand schon vor der Krise zum Verkauf. Sie steht ebenso still wie der Airline-Betrieb. Die Flotte soll um 100 Flugzeuge schrumpfen. dpa

© SZ.de/mxh/vit/mkoh/jsa/mane
Ralf Fleischer, Stadtsparkasse München, Vorstand

SZ Plus
Montagsinterview
:"Negativzinsen passen nicht mehr in diese Zeit"

Ralf Fleischer, Chef der Stadtsparkasse München, über die Zinspolitik der Notenbank, zu viel Geld auf Girokonten und das Aus für Prämiensparverträge.

Von Harald Freiberger und Thomas Öchsner

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite