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Kultur in der Krise:Hoffnung der Hoffnungslosen

Nicole Tschaikin

Die Sopranistin Nicole Tschaikin nutzt ihr Fenster als Bühne.

(Foto: Stephan Rumpf)

Jenseits des Streams: Was planen Münchens Kulturleute, ohne zu wissen, ob sie dafür je ein Publikum einlassen dürfen?

Von Rita Argauer, Josef Grübl, Susanne Hermanski, Barbara Hordych, Yvonne Poppek, Evelyn Vogel, Antje Weber und Michael Zirnstein

Kulturveranstalter sind auch nur Menschen. Fragt man sie, wie sie in derart unwägbaren Zeiten planen, kommt die ganze Bandbreite der Antworten. Die allerwenigsten überwintern erstarrt und untätig. Die meisten haben viel vor für diesen Frühling und Sommer. Und das nicht nur in Open-Air-Programmen.

Gasteig

Im Herbst wird die Philharmonie nach Sendling, ins Interimsquartier des Gasteig umziehen. Was nicht mit dort hinziehen kann, ist die große Orgel. Sie wird für die langen Jahre der Sanierung eingelagert. Der bekannten Klais-Orgel - sowie den Fans ihrer Leuchtkraft und farbigen Klangmischung - soll im Sommer deswegen unbedingt noch ein würdevoller Abschied beschert werden. Der Termin steht noch nicht fest, doch Gasteig-Chef Max Wagner hat vor, daraus einen 24-Stunden-Event zu machen. Dabei sollen alle renommierten Münchner Organisten noch einmal darauf spielen können. Ebenfalls unabdingbar analog: die erstmalige große Tanz-Kooperation zwischen Gasteig und Gärtnerplatztheater-Ensemble; stattfinden soll sie im Rahmen der Tanzwerkstatt Europa (27. Juli - 6. August 2021). Und "Yester:Now", eine Tanzperformance des Münchner Choreografen Moritz Ostruschnjak, bei der das Publikum auf der Bühne sitzt, und die Tänzer verteilt über den gesamten Raum der Philharmonie agieren werden.

Resi, Kammer & Co

Die großen städtischen und staatlichen Theater wie die Kammerspiele und das Residenztheater haben schon viele fertig geprobte Neuinszenierungen im petto. Sollte wieder geöffnet werden, ist ein gigantischer Strudel an Premieren zu erwarten. Darunter ist alles, vom großen Mainstream-Hit wie Ferdinand von Schirachs "Gott" (in der Regie von Max Färberböck am Residenztheater) bis zum virtuosen Kunststück für Theaterfreaks - etwa Calixto Bieitos "Dekalog" oder die Achternbusch-Uraufführung von "Herz aus Glas" (im Marstall). Große Häuser wie Kammerspiele, Volkstheater und Schauburg haben im Juni und Juli in der Regel viele internationale Gastspiele und Festivals zu bieten. Auch da möchte man retten, was zu retten ist. Die Schauburg beispielsweise das an kleinere Kinder - die eben möglichst nicht noch mehr Zeit vor irgendwelchen Bildschirmen hocken sollen - gerichtete "Kuckuck"-Festival.

Metropoltheater

Mitte März haben "Die Wahrheiten" Premiere. Zumindest halten sie diese Behauptung in den Proben aufrecht, sagt Jochen Schölch, Intendant des Metropoltheaters, auch wenn sie das Gegenteil annehmen, nämlich: Die Premiere wird es erst einmal nicht geben. Frühestens im Mai rechne er mit einer Wiedereröffnung der Theater, sagt Schölch. Dass sie wieder vor voll belegten Plätzen spielen, davon geht der Intendant sogar erst für das Frühjahr 2022 aus. Für ein freies Theater - selbst eines, das von der Stadt gefördert wird - ist dies wirtschaftlich eine schwierige Situation. "Ein privates Theater braucht die Platzauslastung", sagt Schölch. Erst dann könnte das Haus beispielsweise Rücklagen bilden für schwierige Zeiten. Derzeit taste das Metropoltheater seine Rücklagen an, um die Schauspieler, die regelmäßig bei ihnen auftreten, finanziell zu unterstützen. Auch die Spenden aus dem Freundeskreis gingen dorthin. Existenzangst um den Betrieb habe er jedoch nicht, sagt Schölch. Eher befürchtet er, dass "geschätzte Mitarbeiter abspringen, weil sie Geld verdienen müssen".

Nils Mönkemeyer und Tse Hung Su bei Gartenkonzert in einer Klinik in München, 2020

Nils Mönkemeyer und sein Schüler Tse Hung Su treten in einem Klinikgarten auf.

(Foto: Stephan Rumpf)

Kunstverein

"Wenn der Drei-Stufen-Plan der Länder funktioniert, dann haben wir eine Perspektive", sagt Maurin Dietrich vom Kunstverein und meint das Ausstiegsszenario, das die Kulturminister der Länder vor wenigen Tagen vorgelegt haben. Wenn die Museen und damit auch die vereinsbasierten Kunsträume zusammen mit dem Einzelhandel öffnen dürften, wäre jetzt Endspurt für die Planung 2021 angesagt. Doch die steht eh längst. So sind im Kunstverein für Frühjahr und Sommer Einzelausstellungen von Patricia L. Boyd und Maximiliane Baumgartner geplant - nur die Startzeiten fehlen noch. Zum Galerie-Wochenende Open Art, dem traditionellen Saisonstart im September, ist die Schau von Bea Schlingelhoff hingegen schon fix terminiert. "Wir sagen keine Ausstellung ab, sondern schieben alle in der geplanten Reihenfolge weiter und zahlen die Honorare termingerecht, denn wir haben eine Verantwortung für die Künstlerinnen und Künstler", betont Dietrich. Allerdings wurden die Laufzeiten etwas gedehnt. "Die Pandemie bringt uns auch dazu, über Produktionszwänge nachzudenken", sagt Dietrich, "und nicht noch mehr und noch mehr zu machen".

DG Kunstraum

Ähnlich sieht es Benita Meißner vom DG-Kunstraum. "Wir planen in größeren Ausstellungsintervallen, um Puffer zu haben." Ende April soll "Paradise Lost #gender shift" starten, ein Ausstellungsprojekt an drei Orten in München, an dem auch noch ein Symposium und eine Performance hängen. Zum Saisonstart im Herbst steht die Gruppenausstellung "Der Körper vergisst nicht", die in Kooperation mit dem (ebenfalls vereinsbasierten) Kunstraum München in der Holzstraße stattfindet, auf der Agenda. Und im November ist in der Doppelpass-Reihe die Ausstellung "Anonymer Nachlass" von Christoph und Sebastian Mügge geplant. Parallel zu den analogen Ausstellungen wird jeden Freitag auf der digitalen Plattform "Kunst-Netz-Werk" ein Dialog-Beitrag veröffentlicht. Nicht zuletzt harrt eine schon seit Winter aufgebaute Ausstellung von Heike Kati Barath in den Räumen an der Finkenstraße ihrer Eröffnung und bringt die Haltung der Ausstellungsmacher bestens auf den Punkt. Der Titel: "Sei bereit".

Ein klassisches Trio spielt im Hofgarten.

(Foto: Sebastian Gabriel)

München Musik

Am meisten Freude macht Andreas Schessl von der Konzertagentur München Musik gerade die Planung für die Saison 2022/23 - da gehe er davon aus, dass es wieder normal laufen könne. Normal heißt vor vollbesetztem Haus spielen. Da Schessl schon Ende März 2020 damit gerechnet habe, dass er für mindestens 18 Monate nichts veranstalten wird, überrascht in die lange Zeit gerade wenigstens nicht. Finanziell ist es auch für eine so große Agentur schwierig, doch: "Wir haben, dass Glück, dass es uns nicht erst seit gestern gibt." Für Sommer 2021 habe er "in einem Anfall von Optimismus" ein paar Konzerte im Freien gebucht. Und von Ende Oktober 2021 an gibt es eine stehende Saison. "Ob die stattfindet, wird sich zeigen", sagt er. Versicherung gibt keine, die dieses Risiko gerade übernehmen würde. Doch er hofft auf die Idee des Bundesfinanzministers, dass der Bund in solchen Fällen mit absichert. Doch: "Ein Öffnungsszenario ist wichtig", sagt Schessl. Es brauche klare Konzepte, die bundesweit einheitlich gelten, sonst sei etwa eine Tourneeplanung völliger Irrsinn. Und: "Unter einer Schachbrettbesetzung der Säle sollte man gar nicht anfangen." Zudem wünscht sich Schessl, sollte es denn Entwarnung geben, eine solche auch von offizieller Seite wie dem RKI zu hören. "Gerade wird das potenzielle Publikum von institutioneller Seite gewarnt. Sollte es wieder sicher sein, Konzerte zu besuchen, wäre es gut, wenn dieses Wissen an die Bevölkerung weitergegeben wird."

Literaturhaus

Den Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro wird man am 6. Mai im Stream erleben können, für den Juni haben unter anderen Leïla Slimani und Bénédicte Savoy zugesagt - der Veranstaltungskalender des Literaturhauses füllt sich beständig. Man könne weiterhin flexibel reagieren, also streamen oder auch hybride Formate anbieten, so Sprecherin Marion Bösker von Paucker. Der verlängerte Lockdown ändert die Pläne daher kaum, nur die Ausstellung "Zeitlang" kann immer noch nicht öffnen, im Hintergrund arbeitet man vorerst an digitalen Einblicken und einem Audioguide. Im Juni soll dann eine Ausstellung über Hannah Arendt folgen. Auch die Planungen für ein Sommerfestival von 17. Juni an werden immer konkreter. Dabei soll es nicht nur um Neuerscheinungen und einen Schwerpunkt Québec gehen: Bei einem öffentlichen Symposion sollen außerdem Schriftsteller und Wissenschaftler über "Die Zeit nach der Pandemie" nachdenken.

Monacensia

"Wir haben viel ausprobiert", so die Leiterin der Monacensia, Anke Buettner. "Reine Streamingformate kosten viel Geld und Energie." Solche Stream-Abende soll es daher fürs Erste nicht mehr geben. Statt dessen setzt das Literaturarchiv in diesem Jahr verstärkt auf "forschende Vernetzung", insbesondere beim auf fünf Jahre angelegten Forschungsprojekt #femaleheritage. Was als Blogprojekt begann, soll ergänzt werden durch Dokumentarfilme über Münchner Autorinnen und ein Dossier über jüdische Schriftstellerinnen. Außerdem hofft man, Ende April eine neue Ausstellung eröffnen zu können: "Pop, Punk, Politik - Die 1980er Jahre in München". Und man freut sich auf den Sommer: Für Mitte Juli plant die Monacensia zusammen mit Münchner Autoren ein mehrtägiges "Atelier Monaco"-Festival mit zwei Freiluft-Bühnen im Garten.

Propeller Music & Event

Frank Bergmeyer, der schon die größten Pop-Ereignisse Münchens wie die Robbie-Williams-Konzerte veranstaltet hat, ist vorsichtig. "Selbst im Herbst wird noch nicht viel möglich sein", schätzt der Chef der Agentur Propeller Music. Dabei steht sogar noch für Ende Februar ein Konzert von Ella Minus in seinem Strom-Club im Verkauf, dies allerdings, weil das Management die Tour noch nicht abgesagt habe, erklärt er. Die Pop-Fans müssen noch eine ganze Weile den Terminkalender ständig aktualisieren. Noch hält Bergmeyer auch anderen Veranstalter für einige Konzerte wie das der britischen Hip-Hop-Punk-Stars Sleaford Mods (29.10.) in der Neuen Theaterfabrik offen, an der er beteiligt ist. Es stehe "wahnsinnig viel in der Pipeline", auch "ganz große Nummern", die er noch nicht nennen darf, "aber alle für '22, manches für '23".

Freiluftkonzert während der Corona-Krise in München, 2020

Wiebke Michl und Ryan Inglis spielen in der Borstei.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Filmfestivals

Virtuell, hybrid oder live? Solche Fragen stellen sich Festivalveranstalter gerade. Wenn man nicht weiß, wann die Kinos wieder öffnen, müssen Alternativen besprochen werden. Ihre Arbeit macht das schwieriger, auch deshalb haben sich bayerische Festivals wie das Münchner Dok-Fest oder das Fünf-Seen-Filmfestival zusammengetan. Sie fordern mehr Planungssicherheit und zusätzliche Mittel zur Digitalisierung. Nur so könne eine lebendige Filmkultur erhalten werden. Währenddessen plant das größte bayerische Festival seine nächste Ausgabe: Diesen Sommer soll das Filmfest München auf alle Fälle wieder stattfinden. Dessen Organisatoren stellen sich dieselben Fragen wie alle Kulturveranstalter. Man wolle eine gute Balance zwischen Outdoor- und Indoor-Veranstaltungen hinbekommen, sagt eine Filmfestsprecherin. Festivalleiterin Diana Iljine ergänzt: "Dass wir auch über digitale Erweiterungen nachdenken, ist klar. Aber wir verstehen es ganz klar als Erweiterungen. Denn Begegnung halten wir für ein Festival für essenziell." Das Filmfest München soll am 24. Juni eröffnet werden.

Kunst im Quadrat

8500 Besucher, gut zwei Wochen lang mehrere Konzerte und Performances täglich, 54 Workshops - ohne Corona hätte es die Kultur-Oase "Kunst im Quadrat" auf der Theresienwiese nie gegeben, denn sonst hätte man dort das Oktoberfest aufgebaut. Da die Wiesn aber wieder wackelt, wollen Matthias Weinzierl und die Partner von Glockenbachwerkstatt, Luise und Köşk es wagen und viele weitere Institutionen dazu holen. "Wir haben gerade beim KVR eine Genehmigung für die ersten zwei Augustwochen beantragt", sagt der KiQ-Leiter, "es war eine so schöne Erfahrung, und die Leute sind ausgehungert."

Club2 Konzerte

Newsletter von Rock-Veranstaltern verbreiten derzeit selten gute Nachrichten. Im jüngsten Schreiben an die nach erlesener Independent-Musik dürstenden Freunde des Club2 musste Ivi Vukelic schon wieder zwei Konzerte absagen, die er zuvor schon zwei Mal verschobenen hatte. Unter anderem wegen "wachsender Unsicherheit bei internationalen Reisen" haben die Songwriterinnen Nadia Reid aus Neuseeland und Anna Burch aus den USA ihre Fans in Europa "leider enttäuschen" müssen. Solche kleinen Gigs sind sonst schon kaum lukrativ, momentan aber für niemanden tragbar. "Vor Sommer '21 wird nichts gehen", sagt Vukelic, danach kommt "ganz vorsichtig" mehr. Derweil trägt er für die Post Briefe aus und hält mit seinen Partnern Kontakt zu den Agenturen, um zu schauen, was wieder ins Angebot kommt, etwa die Postpunks Squid, die er sich für 21. Oktober im Heppel & Ettlich gesichert hat. Immerhin, die Spielstättenförderung und die Novemberhilfe seien angekommen, und das führt zur guten Nachricht: "Der Club2 lebt noch."

Tollwood

Es sei zwar der Blick in eine Glaskugel, aber da man auf dem "Markt der Ideen" mit Hellseherei offenbar gute Erfahrung gemacht hat, ist man sich im Tollwood-Büro doch schon recht sicher: "Stand Februar '21: Wir finden statt." Welche Form und Größe das Sommerfestival im Olympiapark Süd allerdings annehmen wird, ist noch unklar. So spielt man zum Beispiel weiter mit dem "Drei-Dörfer-Modell" vom dann doch abgesagten Winter-Tollwood, in dem sich die Besucherströme besser aus dem Weg gehen können. Separat von Handwerkern, Imbissbuden, politischen Aktionen, Kunst und Straßentheater behandeln die Festival-Planer die große Musikarena. Die meisten Konzerte für mehrere Tausend Gäste wurden schon 2020 auf 2021 umgebucht. Ob diese nur bestuhlt oder gar nicht stattfinden können, da gebe es noch "ein Fragezeichen".

"Kulturlieferdienst" mit Konzert in München während der Corona-Krise, 2020

Im Kultursommer 2020 nutzt der Kulturlieferdienst die Kapuzinerstraße als Bühne.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Schwere Reiter / Tanztendenz

"Dann weichen Sie doch ins Freie aus", diesen Satz hört Ingrid Kalka, Geschäftsführerin der Tanztendenz und beim Schwere Reiter für die Sparte Tanz zuständig, derzeit oft. Doch das sei eben auch nicht immer so einfach, allein der Boden draußen ist für Tänzer zu hart, vom Licht mal ganz abgesehen, und den künstlerischen Einfluss, den der Raum auf ein Bühnenstück hat, den muss man auch mitdenken. "Das 'geht doch dort hin, macht doch das' geht vielen Künstlern langsam auf den Wecker", sagt Kalka. Für die Open-Air-Saison plant sie also nicht. Vielmehr legt sie ihre jetzigen Planungen mehrgleisig an, so dass die Stücke entweder vor einem reduzierten Publikum oder auch ganz digital stattfinden können. Stau gibt es hier trotzdem: Im Herbst wurden alle Stücke ins Frühjahr geschoben, jetzt wird in den Sommer und den kommenden Herbst geschoben. Kalka hofft deshalb, dass es im September und Oktober möglich sein wird, den Schwere-Reiter-Neubau und den alten Raum gleichzeitig zu bespielen.

Eulenspiegel Kleinkunst

Till Hofmann setzt bei seinem Kleinkunst-Kosmos mit Lach- und Schießgesellschaft, Lustspielhaus, Vereinsheim und Milla weiter auf Improvisation. "Bis Ostern wird mit Publikum nichts gehen", vermutet der Chef. Von Mitte Mai an setzt Hofmann dann wieder auf Open Air. "Mit den Abstands- und Hygieneregeln hat es in den Sälen wirtschaftlich keinen Sinn." Deshalb wird das Lustspielhaus-Programm als "Flying Circus" im Innenhof des Deutschen Museums stattfinden und das der Lach- und Schießgesellschaft (einschließlich eines Blocks mit Siggi Zimmerschieds neuem Programm) im Innenhof der Seidlvilla. Den Lockdown hat er mit einer Sendereihe im bayerischen Regionalfernseh-Verbund überbrückt, wo in bislang zwölf Folgen an ungewöhnlichen Spielstätten in ganz Bayern jeweils eine Band und drei Kabarettisten auftraten. "Zumindest meine Büro-Crew ist gut beschäftigt," sagt Hofmann, "wir sind ganz gut durchgekommen." Er hofft, dass das so bleibt, bis "vielleicht im Herbst" das Publikum wieder in die Säle darf.

Jazzbar Vogler / Mister B.'s

Seit Ende Oktober ist die "Jazzbar Vogler" geschlossen. Betreiber Thomas Vogler rechnet auch nicht damit, vor April wieder öffnen zu können. Und selbst dann nur im kleinen Rahmen mit den gewohnten Abstandsregelungen. Wann es wieder ganz normal laufen könnte? "Vielleicht im Dezember, wenn wir alle durchgeimpft sind", mutmaßt Vogler. Immerhin hat er bisher durchgehalten, dank Spielstättenförderung und Überbrückungshilfe des Freistaats "und der Gutschein-Aktion, die meine Gäste großartig angenommen haben". Gar seit fast einem Jahr ist nun schon das "Mister B.'s" dicht. Münchens Jazz-Wohnzimmer ist einfach zu klein, um irgendetwas mit Einschränkungen machen zu können. Alex Best und seine Frau Barbara Borchert-Best planen vorerst auch nichts. Ihre Unkosten können sie durch die Hilfsprogramme tragen, leben tun sie vom Zweiteinkommen. "Wir sind ja in einem Alter, wo wir schon an Rente gedacht haben," sagt Borchert-Best, "aber so haben wir uns das nicht vorgestellt".

Komödie im Bayerischen Hof

Seit Freitag haben in der Komödie im Bayerischen Hof die "Konzeptionsproben" begonnen, sagt Intendant Thomas Pekny. Angedacht ist die Premiere von "Willkommen bei den Hartmanns" am 10. März. "Wir haben lange überlegt, ob das eine kluge Entscheidung ist, überhaupt zu beginnen." Schließlich wirkten acht Darsteller in dem Stück mit, allein die Einhaltung der Test-Vorschriften alle 48 Stunden unter der Aufsicht eines Arztes würden bis zur Premiere mehrere Tausend Euro verschlingen. Aber dann kam er zu dem Entschluss: "Wenn ich nicht anfange zu proben, habe ich nichts, was ich zeigen kann, wenn wir wieder spielen dürfen", so Pekny. Notfalls müsse halt wieder geschoben werden. Im Gegensatz zu städtischen oder staatlichen Häusern mit einem festen Ensemble sei für ihn die Lage heikler: Zum einen finanziell, da das Privattheater keine Subventionen bekomme. Dazu hätten die fernsehbekannten Schauspieler, die er jeweils für ein Stück und eine anschließende Tournee engagieren würde, häufig Drehverpflichtungen. Nachdem der Termin für die "Hartmanns" bereits zweimal verschoben wurde, habe Jutta Speidel zu ihm gesagt: "Zwei Filme habe ich schon für dich abgesagt. Bitte lass mich jetzt raus." Ihren Part übernimmt nun Saskia Vester.

Münchner Marionettentheater

Er rechne damit, dass er sein Haus erst wieder nach den Osterferien öffnen dürfe, sagt Siegfried Böhmke, Chef des Münchner Marionettentheaters. Am 24. April will er abends für Erwachsene sein Carl-Orff-Stück "Astutuli" spielen, am Tag darauf die "Abenteuer des kleinen Bären" für die Kinder. So bedauerlich, wie die "ewige Warteschleife" und der Einnahmeausfall für ihn auch seien, stecke er voller Tatendrang: Seine Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, bleiben seinem Haus erhalten. Und sein Figuren-Ensemble ist jederzeit einsatzbereit.

Comicfestival München

Das Schöne an den guten, alten Comic-Heften ist, dass man sie im Grunde überall und im Sommer auch im Freien lesen kann. Damit ist das Münchner Comicfestival schon mal im Vorteil. Nur lebt es wie alle Festivals auch vom Austausch, zudem gehören Ausstellungen und die Verlagsmesse zum Programm. Ob letztere in der bereits für den 3. bis 6. Juni gebuchten Alten Kongresshalle stattfinden kann, ist laut Festivalleiter Heiner Lündstedt noch fraglich. Mit Abstandsregeln, "nach denen jedem Besucher 20 Quadratmeter Fläche eingeräumt werden muss", sei das jedenfalls "nicht möglich". Und "problematisch" sei es auch, "den richtigen Zeitpunkt für die Entscheidung darüber zu finden". Von den Ausstellungen seien dagegen einige schon in Vorbereitung. Wie etwa die vom Comic-Salon Erlangen kuratierte Wanderausstellung "Vorbilder*innen - Feminismus in Comic und Illustration" und eine Schau zum 60. Geburtstag der "Fantastic Four". Außerdem denke man über Online-Gespräche mit "namhaften Marvel-Künstlern" und "Signieraktionen an der frischen Luft" nach. Dazu passt auch ein erster Entwurf von Thomas von Kummant für das Festivalplakat. Darauf sieht man drei junge Comic-Leser, die auf einem Münchner Dach sitzen.

© SZ vom 13.02.2021/infu
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