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Welttag der Pressefreiheit:In Sichtweite zum Gefängnistor

Weltweit haben sich die Bedingungen für die freie Berichterstattung verschlechtert. "Reporter ohne Grenzen" erinnert daran am Welttag der Pressefreiheit mit bewegenden Fotos.

Von Paul Katzenberger

10 Bilder

Internationaler Tag der Pressefreiheit

Quelle: dpa

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Die Situation von Journalisten in aller Welt hat sich nach Einschätzung der internationalen Hilfsorganisation "Reporter ohne Grenzen" in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich verschlechtert. "Journalisten geraten in immer mehr Ländern unter Druck und werden bedroht - zum Beispiel von autoritären Regimen wie in Russland oder Ägypten", sagte Vorstandsmitglied Michael Rediske am Welttag der Pressefreiheit an diesem Dienstag.

Seit sich "Reporter ohne Grenzen" vor 22 Jahren in Deutschland gegründet habe, sei dieser Tag noch nie ein Anlass zur Freude gewesen, so Rediske. In Europa sei die Pressefreiheit im vergangenen Jahr vor allem in der Türkei und in Polen eingeschränkt worden.

Eine Frau demonstriert in Südafrika gegen Geheimhaltungsbefugnisse des Staates.

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Quelle: Reporter ohne Grenzen

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"Reporter ohne Grenzen" finanziert sich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, sowie durch den Verkauf des Bildbandes "Fotos für die Pressefreiheit", der traditionell am entsprechenden Welttag veröffentlicht wird.

Cover des Bildbandes "Fotos für die Pressefreiheit".

General view of Polish Television studios and headquarters in Warsaw

Quelle: Slawomir Kaminski / Agencja Gazeta / Reuters

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In dem Buch wird unter anderem dargestellt, wie sich in Polen der Sieg der nationalkonservativen PiS-Partei bei den Wahlen im Oktober 2015 unmittelbar negativ auf die Medienlandschaft auswirkte. Die neue Regierung war erst wenige Tage im Amt, da wurden bereits unliebsame Fernsehredakteure ins Abseits gedrängt.

Zum Jahresende 2015 beschloss das Parlament im Eiltempo eine umstrittene Reform des Mediensystems, die zum Beispiel beinhaltet, dass die Chefs der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender künftig direkt von der Regierung ernannt werden. Auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit rutschte Polen von Position 18 auf Rang 47 ab.

So setzt "Fotos für die Pressefreiheit 2016" finstere Zeiten für Journalisten in Polen ins Bild: die Zentrale des öffentlich-rechtlichen Fernsehens TVP in Warschau bei Nacht. Chefredakteure und Intendanten ernennt künftig die nationalkonservative Regierung.

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Quelle: AFP

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Mit Rang 149 von 180 erfassten Ländern rangierte die Türkei bereits 2015 auf den hinteren Plätzen der ROG-Rangliste der Pressefreiheit - nun rutschte sie um zwei weitere Positionen ab.

Mit Strafverfahren, Razzien und Steuerprüfungen setze die islamisch-konservative Regierung kritische Journalisten und Medien immer stärker unter Druck, heißt es in "Fotos zur Pressefreiheit": "Oft stößt Staatspräsident Erdoğan solche Verfahren persönlich an. Heikle Themen werden mit Nachrichtensperren belegt."

Journalisten der Tageszeitung Cumhuriyet halten ihre Redaktionssitzung im Dezember 2015 vor dem Silivri-Gefängnis bei Istanbul ab, um gegen die Verhaftung des Chefredakteurs Can Dündar und seines Hauptstadt-Büroleiters Erdem Gül zu protestieren. Die zwei Journalisten sind inzwischen frei, müssen sich aber vor Gericht verantworten.

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Quelle: Omar Imam

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Den Autoren des Buchs geht es nicht nur darum, die Gefährdung von Journalisten aufzuzeigen. Sie wollen selbst Eindrücke von der Welt vermitteln, die Klischees überwinden, zu Herzen gehen und neue Aspekte aufzeigen.

Der syrische Fotograf Omar Iman etwa hat Flüchtlinge nicht nur zum Thema seiner Aufnahmen gemacht - er ist selbst einer. Seine Bilder in Zeltlagern im Libanon sind aufwändig inszeniert, um Flüchtlinge nicht nur als Opfer zu zeigen, sondern als Persönlichkeiten mit Wünschen, Träumen und Ängsten. "Seit die Frauen hier im Lager das Essen nach Hause bringen, hören sie nicht mehr auf uns", sagt der 45-jährige Hael (links, mit Frau Suha) aus Homs. Denn die Mitarbeiter des UN-Flüchtlingshilfswerkes geben die Kisten mit ihren Nahrungsmittelhilfen lieber Frauen als Männern. Hael befürchtet: "Unsere Männlichkeit ist in Gefahr."

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Quelle: Jonas Wresch

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Der deutsche Fotograf Jonas Wresch wagte sich in den Bürgerkrieg Kolumbiens und gesellte sich zu den Nasa-Indios, deren gewaltfreier Widerstand gegen Milizionäre und wirtschaftliche Großprojekte schon lange ein Vorbild für die kolumbianische Friedensbewegung ist.

In Toribio, im Südwesten des Landes, rollen Nasa-Männer einen Stein auf die Straße, um Polizei und Militär den Zugang zu einer besetzten Zuckerrohrplantage zu versperren. Sie fordern Ackerland, das ihnen die Regierung versprochen, aber nie zugeteilt hat.

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Quelle: Tina Remiz

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Collagen, die einen neuen Eindruck vermitteln: Die lettische Fotokünstlerin Tina Remiz hatte die Nachrichtenbilder über den Konflikt in der Ukraine satt. Sie bat Fotografen beider Seiten um Szenen aus deren Alltag und komponiert ihre Bilder neu: Ein brennendes Haus im südukrainischen Mariupol (Foto: Alexej Furman) bildet hier zum Beispiel den Hintergrund einer Familienszene am Strand im russischen Sotschi (Foto: Lesya Polyakova).

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Quelle: Yannis Behrakis

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Vor der Griechenlandkrise erholte sich der preisgekrönte Kriegsfotograf Jannis Behrakis in der Beschaulichkeit seiner Heimat von der Arbeit .

Seit Griechenland selbst in die Misere geschlittert ist, sieht er sich auch dort mit Problemsituationen konfrontiert, die er in seinen Fotos sichtbar machen will: Der 42-jährige Alexandros etwa hat keine Wohnung mehr, er schläft in einem verlassenen Auto in der Nähe von Athen. Schon zu Beginn der Wirtschaftskrise 2010 verlor er seine Arbeit. Das Bild ist Teil einer Serie über obdachlose Griechen.

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Quelle: Thomas Soki

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Der Fotograf Tamas Soki stammt aus jenem südlichsten Bezirk Ungarns, den im Sommer 2015 Zehntausende Flüchtlinge in Richtung Deutschland passierten - bis Ministerpräsident Viktor Orbán die Grenze zu Serbien schließen ließ. Im Auftrag der Nachrichtenagentur MTI, die dem ungarischen Staat gehört, dokumentierte Soki den Bau des 175 Kilometer langen Grenzzauns in einer Fotoserie. Weil die Zeit nicht ausreichte, um überall ein Fundament zu errichten, wurde an vielen Stellen messerscharfer Klingendraht in mehreren Lagen übereinander geschichtet. Das Signal an die aus Serbien kommenden Flüchtlinge war deutlich: Hier findet ihr keine Zuflucht.

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Quelle: Enri Canaj

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In "Fotos für die Pressefreiheit 2016" widmet sich der albanische Fotograf Enri Canaj seiner alten Heimat, die er als Elfjähriger verließ, als der Kommunismus zusammenbrach. Nun kehrte er zurück - auf der Suche nach Erinnerungen seiner Kindheit. Deswegen zeigt er das Land bewusst in Schwarzweißbildern, denn in seiner Kindheit gab es in Albanien noch keine Farbfotos: "Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, dann immer in Schwarzweiß." Die feinsinnigen Porträts, die Canaj aufnahm, zeigen auch dieses Brautpaar, das bei aller Festlichkeit nicht froh dreinblickt: Nach der Hochzeit in Tirana muss die Braut ihre Heimat verlassen und ihrem Mann nach Italien folgen.

"Fotos für die Pressefreiheit 2016", lieferbar ab 3. Mai 2016, Softcover, 104 S., 4-farbig, Format 21 x 28 cm, 16 Euro.

© SZ.de/jobr
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