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Kuriose Fakten:Neun Details über die Pyramiden von Gizeh

Pyramiden Gizeh Ägypten

Die Pyramiden von Gizeh.

(Foto: iStockphoto)

Wilde Theorien und Spekulationen ranken sich seit ihrer Erbauung vor mehr als 4500 Jahren um die Pyramiden von Gizeh. In der Antike zählten die monumentalen Grabmäler zu den Sieben Weltwundern, in der Neuzeit wurden sie zu einem der berühmtesten Reiseziele. Nach den politischen Unruhen der vergangenen Jahre beginnt sich der Tourismus in Ägypten wieder zu erholen. Und mehr Menschen wollen die Pyramiden, südwestlich der Metropole Kairo gelegen, wieder selbst sehen.

  • Wer Hieroglyphen lesen kann, dürfte sich wundern, was rechts über dem ursprünglichen Eingang der Cheops-Pyramide steht: "So sprechen die Diener des Königs, des Name Sonne und Fels Preußens ist ...". Preußen? Allerdings, und etwas weiter im Text gilt die Widmung übersetzt "dem Landesvater, dem Huldreichen, dem Lieblinge der Weisheit und der Geschichte, dem Hüter des Rheinstromes, den Deutschland erkoren, dem Lebensspender allezeit". Endlich ein Beweis für übernatürliche Verwicklungen über Zeit und Raum hinweg? Haben in Wahrheit die Preußen die Pyramiden errichtet? Nicht ganz. Es handelt sich vielmehr um das blumige Geburtstagsgeschenk des Forschers Carl Richard Lepsius an dessen Mäzen, Friedrich Wilhelm IV. Er ließ die Glückwünsche 1842 kurzerhand in den Stein meißeln. Mittlerweile gehen Wissenschaftler zurückhaltender mit den Pyramiden um.
  • Wer was darf oder nicht darf in Bezug auf die Pyramiden, hat dennoch auch in jüngerer Vergangenheit die Gemüter erhitzt. Längst fabriziert eine globalisierte Souvenir- und Unterhaltungsindustrie vom Nil bis nach China Nachbildungen der Denkmäler und ihrer Kunstschätze. Dank Verkauf beziehungsweise Eintrittsgebühren zu den Kopien ein einträgliches Geschäft. Im Jahr 2007 berichtete eine ägyptische Zeitung gar, dass jährlich mehr Touristen in das pyramidenförmige Hotel Luxor in Las Vegas - und zu dessen Ägypten-"Museum" voller Kopien - reisten als in das echte Luxor am Nil. Kurz darauf schlug der nationale Oberste Rat für Altertümer ein Gesetz vor, das ein streng gefasstes Copyright für historische Monumente, wie eben die Pyramiden von Gizeh, vorsah. Die Einnahmen sollten der Pflege der Originale zugutekommen. Von einer Umsetzung der Idee war dann aber nichts mehr zu hören.

Nachgebaute Sehenswürdigkeiten

Steinchen auf Steinchen

  • "Hauptsache extrem" könnte das Lebensmotto des Pharaos Khnum-Khufu (was "Gott beschützt mich" bedeutet) gewesen zu sein. Bekannt ist er hierzulande unter seinem griechischen Namen Cheops. Er kann einige Superlative beanspruchen: Nicht nur die größte der Pyramiden, sondern auch die kleinste bislang entdeckte Pharaonenstatue Ägyptens ist ihm zuzuschreiben. Erstere maß einst an die 147 Meter Höhe und war bis in das 14. Jahrhundert das höchste Bauwerk der Welt. Zweitere ist 7,5 Zentimeter klein.
  • Wie sagenhaft die Ausmaße der historischen Grabmäler wirklich sind, hat sich dank eines weiteren Höhepunkts des menschlichen Erfindergeistes eindrucksvoll gezeigt: Die Pyramiden von Gizeh sind sogar von Weltraumstationen aus bestens zu erkennen. Die Chinesischen Mauer etwa schafft das nicht.
  • Wo sich normalerweise Touristen an ihren Fotoapparaten die Finger wundknipsen, sollte am 31. Dezember 1999 eine der weltweit aufwändigsten Millenniumsfeiern stattfinden. Der Cheops-Pyramide würde mit Hilfe von Hubschraubern eine drei Tonnen schwere Goldspitze aufgesetzt werden, hieß es in Ankündigungen; zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang wolle der französische Musiker Jean Michel Jarre eine zwölfstündige Multimedia-Oper aufführen. Ob sich die Pharaonen bei derlei Spektakel im Sarkophag umgedreht hätten? Es kam nicht soweit. Proteststürme von einheimischen Gläubigen (wegen einer möglichen Störung des Fastenmonats Ramadan) sowie von Archäologen (wegen möglicher irreparabler Schäden durch die Installation der Goldspitze) brachten das damalige Kulturministerium in Kairo zum Einlenken. Jarres Oper wurde auf die bescheidene Länge von zweieinhalb Stunden gestutzt, vergoldet wurden höchstens die Konten der Eventveranstalter.

Bildstrecke

Bau der Cheops-Pyramide

  • Wie oft die Pyramiden bis heute in Film, Kunst und Literatur dargestellt worden sind, ist unmöglich zu beziffern. Tatsache ist, dass sie Kreative in allen Kulturen und zu allen Zeiten faszinieren. So können sich Fans zum Beispiel von so unterschiedlichen Werken wie dem Hollywood-Gruselkrawall "Die Mumie" oder dem japanischen Manga-Abenteuer "Yu-Gi-Oh!" zu den Pyramiden entführen lassen. Bezüglich der abgebrochenen Nase der Sphinx, die die Pyramiden bewacht, präsentierte der Comic "Asterix und Kleopatra" 1963 ein Missgeschick des vollschlanken Galliers Obelix beim Klettern als Erklärung. Historiker halten trotz dieser hübschen Geschichte eine andere Version für wahrscheinlicher: Demnach habe ein muslimischer Bilderstürmer namens Mohammed Saim el-Dar 1378 die Nase in voller Absicht zertrümmert.
  • So manchen haben die Rätsel des alten Ägypten schon um den Schlaf gebracht, oder aber zu den fantastischsten Erklärungsversuchen inspiriert. Aus der mehr oder minder faktenorientierten Vermessung und Interpretation der Bauwerke hat sich die sogenannte Pyramidologie entwickelt. Moderne Ägyptologen nennen deren Protagonisten auch gerne Pyramidioten oder Pyramidomanen. Das ist nicht sehr charmant, aber als Reaktion auf Thesen zu göttlichen Plänen, Baumeistern aus dem versunkenen Atlantis oder vorgeschichtlichen Besuchen Außerirdischer zu verstehen. Bis heute sind die verfeindeten Lager beim Rätseln um die Geheimnisse der Pyramiden in inniger Abneigung verbunden.
  • Andererseits: Es kann nicht verwundern, dass die Entschlüsselung der Pyramiden von Gizeh so komplex ist. Der älteste erhaltene Bericht über sie entstand ganze zwei Jahrtausende nach ihrem Bau. Der Grieche Herodot schrieb nach seiner Ägyptenreise um 450 v. Chr. Eindrücke und übersetztes Hörensagen nieder und kann damit nur bedingt als verlässliche Quelle gelten - trotz seines Titels "Vater der Geschichtsschreibung".
  • Auch heutzutage können Weltenbummler noch Teil der Geschichte der Pyramiden werden - wenn sie Spaß am Risiko und nichts gegen mehrjährige Haftstrafen haben. Die Russen Vitali Raskalow und Vadim Makhorow kletterten 2013 auf die Spitze der Großen Pyramide, obwohl das ägyptische Gesetz dies mit Gefängnis ahndet. Erwischt wurden die "Roofer", die mit ihren Kameras auch Wolkenkratzer wie den Shanghai Tower erklimmen, nicht. So konnten sie anschließend aufsehenerregende Fotos publizieren, die um die Welt gingen - und entschuldigten sich nachträglich für die gefährliche Aktion. So ganz nimmt man ihnen die Reue nicht ab.