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Zeitreise durch Rom:Vom Wolf zum Ufo

Dass in Rom die Geschichte auf der Straße liegt, weiß jeder. Warum nicht versuchen, die Jahrtausende dort bewusst an einem Tag zu durchqueren? Eine kleine Zeitreise durch die Ewige Stadt.

Von Irene Helmes

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Rom, Italien, Palatin

Quelle: Pablo Debat - Fotolia

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Dass in Rom die Geschichte auf der Straße liegt, weiß jeder. Warum nicht versuchen, die Jahrtausende dort bewusst an einem Tag zu durchqueren? Eine kleine Zeitreise durch die Ewige Stadt.

Palatin - die Antike

Der Legende nach säugte hier vor etwa 2800 Jahren eine Wölfin die späteren Stadtgründer Romulus und Remus - wo ließe sich die Tour durch die Zeit also besser starten als in der "Wiege Roms"? Um 8.30 Uhr öffnen sich täglich die Tore zum Palatin. Er ist einer der sieben Hügel der Stadt und bietet neben Mythen auch sichtbare Geschichte. Zwischen den Ruinen der Villen römischer Kaiser und den Tempeln für deren Götter können sich Besucher in aller Ruhe in die Antike zurückträumen. Das Verkehrsgetöse der Gegenwart dringt dabei von unten nur als Summen durch die Bäume. Immer wieder gibt es schattige Plätzchen zum Ausruhen oder Lesen. Noch ein Blick hinunter auf das benachbarte Forum Romanum und das Kolosseum - und weiter geht der Spaziergang.

Rom, Italien, Trastevere

Quelle: Marco Desscouleurs - Fotolia

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Trastevere - das Mittelalter

Über die Palatinbrücke (Ponte Palatino) oder die Tiberinsel gelangt man, vom Palatin kommend, in das Viertel Trastevere ("jenseits des Tiber"). Auch hier lebten schon in der Antike Menschen. Heute sind es aber vor allem mittelalterliche Spuren, die die Gegend so interessant machen. Im versteckten Vicolo dell'Atleta finden sich Hinweise auf eine Synagoge, die dort um das Jahr 1000 n. Chr. errichtet worden sein soll. In den verwinkelten Gässchen fällt es leicht, sich das mittelalterliche Gewusel von einst vorzustellen. Durch sie geht es weiter zu einer der ältesten christlichen Kirchen Roms, der Basilika Santa Maria in Trastevere, die im Laufe der Zeit immer wieder verschönert wurde. Besonders berühmt ist sie für ihre Mosaiken aus dem zwölften Jahrhundert (im Bild).

Hunger nach dem Ausflug ins Mittelalter? Trastevere hat auch für eine Mittagspause einiges zu bieten - Tipps finden Sie hier. Danach ist es Zeit, die Via Garibaldi hinaufzusteigen.

Rom, Italien, Gianicolo

Quelle: marcovarro - Fotolia

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Fontana dell' Acqua Paola - Barock

So schön ist dieser Ort, dass ein japanischer Tourist vor Rührung einen Herzanfall bekommt und leblos zu Boden sinkt - zumindest im Oscar-gekrönten Bilderrausch "La Grande Bellezza" von Paolo Sorrentino. Der prächtige Barock-Brunnen am Hügel Gianicolo war ein Vorbild für die weltberühmte Fontana di Trevi und steht beispielhaft für die verschwenderische Gestaltung dieser Epoche. Zu verdanken ist der Fontanone, wie die Römer ihn auch nennen, einem Auftrag des Borghese-Papstes Paul V., der damit die Renovierung eines Aquädukts aus den Zeiten Kaiser Trajans feiern ließ.

Rom, Italien, Gianicolo, Giuseppe Garibaldi

Quelle: Matteo Gabrieli - Fotolia

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Gianicolo - das Risorgimento

An die Risorgimento-Bewegung, die aus einem politischen und kulturellen Flickenteppich im 19. Jahrhundert den Nationalstaat Italien machte, wird auf dem Hügel Gianicolo besonders intensiv erinnert. Giuseppe Garibaldi, Leitfigur der Einheitskämpfer (1807-1882), ist als Reiterstandbild zu sehen, der Sockel ist mit Allegorien zur italienischen Geschichte verziert. Darunter prangt das Motto "Roma o morte", Rom oder Tod, unter dem Garibaldi mit seinen Anhängern kämpfte. Ein seltener Anblick bietet sich etwa 100 Meter weiter: Garibaldis Ehefrau Anita, selbst Kämpferin der Bewegung, ist hoch zu Ross verewigt, in der einen Hand eine Pistole, im anderen Arm ein Neugeborenes.

Rom, Italien, Gianicolo

Quelle: zardo - Fotolia

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Panorama mit Nationalismus

Der Blick vom Gianicolo ist aus gutem Grund berühmt. Wendet man sich von den Risorgimento-Denkmälern ab und der Stadt zu, zeigt sich Rom am Nachmittag im besten Licht. Eine Pause auf dem Hügel mit einem Stadtplan auf dem Schoß gibt Gelegenheit zur Orientierung.

Außerdem kann von hier aus mit der sogenannten "Schreibmaschine" ein historischer Bau abgehakt werden, dem nach Ansicht vieler Römer mit einem Blick aus der Ferne genug Ehre erwiesen ist. Es handelt sich um das leuchtend weiße Etwas hinten rechts im Bild. Das "Vittoriano" wurde Ende des 19. Jahrhunderts zu Ehren des ersten gesamt-italienischen Königs Vittorio Emanuele II. errichtet. An den gigantischen Ausmaßen des Baus, der aus der Silhouette der Stadt geradezu hervorspringt, scheiden sich seither die Geister. Das Ziel, der Nation ein unübersehbares Denkmal zu setzen, ist aber fraglos erreicht.

Wer nun findet, er habe genug gesehen für heute, kann schummeln und sich ein schattiges Plätzchen suchen. Dort lässt er sich vom Panorama zu neuen Besichtigungen inspirieren und liest nur über die letzten beiden Stationen dieser Zeitreise durch Rom. Wer dagegen noch Zeit und Energie hat, ...

Rom, Foro Italico, Stadio dei Marmi

Quelle: Q_FOTO - Fotolia

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... macht mit Bus, Motorino oder Taxi einen großen Sprung Richtung nördliches Zentrum und lässt die Spuren einer finsteren Epoche Italiens auf sich wirken.

Stadio dei Marmi - der Faschismus

Benito Mussolini hatte viele Visionen für die faschistische Gesellschaft, ausdrücken ließ er sie unter anderem in monumentalen Bauprojekten, die Rom binnen zwei Jahrzehnten veränderten, etwa im Stadtviertel EUR. Wie der Diktator sich in seinem Größenwahn auf das imperiale Rom mit seinen weltberühmten Skulpturen zu beziehen versuchte, zeigt besonders anschaulich das Stadio dei Marmi neben dem Olympiastadion. Die 60 Kraftprotze, die hier auf ihren Podesten ausharren, wurden in den 1920er Jahren gefertigt, jeder steht für eine andere Sportart. Sie sollten Athletik und Überlegenheit ausstrahlen, heute wirken sie eher tragikomisch. Die Zeit hat aus der imposant geplanten Prestigeanlage eine Bühne für Jogger, Fußballer und Musikevents gemacht, während Smog und Alter den marmornen Riesen zusetzen.

Maxxi Museum in Rome; Rom

Quelle: iStock

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Das Museum Maxxi - 21. Jahrhundert

Die Zukunft Roms konnten weder Kaiser noch Päpste, weder Garibaldi noch Mussolini vorhersehen - sie sieht nun zum Beispiel so aus. Wer vom Sportkomplex um das Stadio dei Marmi auf die andere Tiberseite hinüberspaziert, findet mit dem Museum Maxxi ein Bauwerk, das auf frühere Generationen wie ein Ufo wirken muss. Das "Museo Nazionale delle Arti del XXI Secolo" nach einem Entwurf der in Bagdad geborenen britischen Architektin Zaha Hadid wurde 2010 eröffnet. "Das Museum selbst ist das erste Kunstwerk unserer Sammlung", sagte damals die Direktorin. In verschlungenen Räumen, die keine senkrechten Wände, dafür aber umso mehr visuelle Überraschungen bieten, wird Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart ausgestellt - eine Sammlung, die in Italien ihresgleichen sucht. Wer seine Zeitreise auf einen Samstag legen kann, hat für diese letzte Station besonders viel Zeit und kann zusehen, wie sich das letzte Abendlicht in der Glasfront spiegelt: An diesem Tag hat das Maxxi nicht nur bis 19 Uhr, sondern bis 22 Uhr geöffnet.

Da fehlt doch was? Natürlich sind die Stationen der eintägigen Zeitreise nur ein Bruchteil dessen, was die Ewige Stadt zu bieten hat. Als Inspiration für weitere Entdeckungstouren zwei Linktipps: Wofür selbst Römer Schlange stehen, erfahren Sie hier. Oder lesen Sie die Rom-Tipps unserer Italien-Korrespondentin.

© SZ.de/kaeb/leja
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