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Reise-Knigge:Ohne Fettnäpfchen durch Frankreich

Sie bestellen in der Bäckerei "Baiser" und wundern sich über empörte Blicke? Sie grüßen mit einem knappen "Bonjour"? Oh, mon Dieu! Benimmtipps für den Frankreich-Urlaub.

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Die französische Sprache

Die Franzosen sind stolz auf ihr Land und auf ihre Sprache. Dank der vielen ehemaligen Kolonien wird weltweit Französisch gesprochen - wer vermisst da Englisch? Nein, sagen Sie an dieser Stelle nicht "Ich!". Lernen Sie vor der Reise die wichtigsten Redewendungen und machen Sie den Franzosen die Freude, sich mit ihrer Sprache beschäftigt zu haben. Zumindest die Begrüßung und die Frage, ob Ihr Gegenüber des Englischen mächtig ist, sollten Sie auf Französisch beherrschen.

Doch Vorsicht, nicht alles, was eingedeutscht wurde, bedeutet in Frankreich dasselbe: Beim Klavier ist das noch unverfänglich, es heißt beim Nachbarn schlicht "piano". Doch das Zuckergebäck "baiser" wird in Frankreich "meringue" genannt, während "baiser" im besten Fall mit "küssen" übersetzt wird. Im schlimmsten Fall haben Sie gerade die Bäckerin recht derb zu unzüchtigen Handlungen aufgefordert.

Im Bild: die Statue de la République in Paris

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Im Café (Salon de thé) und Restaurant

Warten Sie, Sie haben Zeit! Steuern Sie nicht auf den nächsten freien Tisch zu, der Kellner wird Sie an Ihren Platz geleiten. Denken Sie außerdem an Ihre Tischmanieren, sie werden in Frankreich recht streng ausgelegt: Hähnchenkeulen werden mit Messer und Gabel geschnitten, Obst zum Nachtisch auch. Baguette hingegen wird gebrochen, Salat gefaltet und Käse nicht an der Spitze angeschnitten.

Nach dem Essen müssen Sie die Übersetzung von "Wir zahlen getrennt" meist gar nicht aus dem Sprachführer heraussuchen: Wer im Restaurant als Freundesgruppe oder gar Familie auf centgenaue Einzelabrechnungen besteht, muss sich nicht über hochgezogene Augenbrauen wundern. Oft lädt einer ein - und wenn nicht, wird der Gesamtbetrag durch die Zahl der Personen geteilt, statt aufzurechnen, wer wieviel gegessen und getrunken hat.

Das Trinkgeld ist eigentlich schon in der Rechnung enthalten. Wer aber zufrieden war, lässt zusätzlich einige Münzen als "pourboire" auf dem Tellerchen zurück, wo zuvor die Rechnung lag.

Im Bild: Café in Saint-Germain-des-Prés, 1951

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Der Erstkontakt

Sie möchten besonders freundlich sein und wundern sich, weshalb der Ihnen unbekannte Franzose eher reserviert bleibt? SZ-Autor Stefan Ulrich weiß, warum: "Ein Pariser Fettnäpfchen ist es, fremde Menschen (Verkäuferinnen, Kellner, etc.) bei der ersten Begegnung breit anzulächeln. Das gilt als amerikanisch und damit pas du tout als chic." (Weitere Tipps für Ihren Paris-Besuch von Stefan Ulrich lesen Sie hier.)

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Die Begrüßung

Tagsüber ist ein freundliches "Bonjour, madame/monsieur", ab dem frühen Abend ein "Bonsoir, madame/monsieur" angebracht. Ohne das höfliche "meine Dame" und "mein Herr" wirkt der Gruß ein wenig kurz angebunden, ja unhöflich.

Auch Sie werden vielleicht in die Situation kommen, die landesweit üblichen Küsse auszutauschen, bei Begrüßung und Abschied von neu gewonnenen Bekannten und Freunden. "Faire des bisous" heißt das Spiel, bei dem sich die Beteiligten zwar näherkommen, aber nicht berühren. Das umgangssprachliche "Bisou" kommt vom französischen Wort "la bise", was "Küsschen" ebenso wie "Nordwind" bedeutet, etwas Flüchtiges also und keinesfalls "aneinandergedrückte Wangen".

In der Regel haucht man zwei Luftküsse über die Schulter des Gegenübers, je nach Region können es auch drei oder vier sein. Wer unsicher ist, bleibt ruhig stehen und lässt das französische Gegenüber die Zahl der Küsse bestimmen. Falls Ihnen das zu viel körperliche Nähe ist: Hände werden in Frankreich gedrückt und nicht geschüttelt.

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Die Anrede

Man muss es ja mit den Umgangsformen nicht gleich so weit treiben wie Bernadette und Jacques Chirac, das ehemalige Präsidentenpaar Frankreichs. Die beiden siezen sich nach großbürgerlicher Tradition immer noch. Heute sind zwar Ehepartner schneller beim "Du", der Rest sollte aber darauf warten, bis es ihm angetragen wird. Vor allem ältere Franzosen nehmen vorwitziges Duzen schnell übel.

Im täglichen Umgang wird großen Wert auf Höflichkeit gelegt, die zusätzlichen Anreden "Monsieur" oder "Madame" sind üblich bei Begrüßungen, Verabschiedungen, eigentlich immer. Selbst einfache Antworten sind erst mit ihrem Anhängsel formvollendet: "Oui, Madame."

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Die Kleidung

Pariser lieben es dezent, statt greller Kleidung bevorzugen sie grau und schwarz.

Im Bild: die französische Modedesignerin Coco Chanel, 1929

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Auf der Straße

Machen Sie sich zumindest in den Großstädten auf chaotische Verkehrsverhältnisse mit zum Teil zehnspurigen Blechlawinen gefasst und wundern Sie sich nicht, wenn ein Polizist (!) Sie als Fußgänger bei Rot über die Straße winkt.

Falschparken gilt den Franzosen als Kavaliersdelikt und besonders vor Wahlen bezahlen viele ihre Strafzettel nur verspätet oder überhaupt nicht: Nach alter "republikanischer" Tradition hoffen sie auf eine Amnestie für Bagatelldelikte.

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Im Taxi

Steigen Sie im Taxi stets hinten ein. Der Fahrer wäre sehr erstaunt, wenn Sie neben ihm auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, obwohl die Rückbank leer ist. Trinkgeld ist üblich, allerdings reicht es, den Betrag ein wenig aufzurunden.

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In der Bahn

Bahn-Reisende sollten sich nicht gedankenlos in den Zug setzen: Alle Gepäckstücke müssen mit Adressanhängern versehen sein, sonst werden sie vom Bahnpersonal konfisziert.

Im Bild: Reisende vor dem Bahnhof Gare de Lyon in Paris

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In der Metro

In den Waggons gibt es zwar Klappsitze. Diese sollten Sie aber nur benutzen, wenn die U-Bahn weitgehend leer ist. Im Rushhour-Gedränge wird es nicht gerne gesehen, wenn sich jemand mithilfe der Klappsitze breitmacht.

Passen Sie in der Pariser Metro gut auf Ihre Wertsachen auf, gerade tagsüber werden im Gedränge oft Touristen beklaut. Wertsachen also am besten direkt am Körper tragen, denn Taschen und Rucksäcke sind schnell aufgeschlitzt.

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Am Strand

Andeuten ist besser als zeigen. Oben ohne ist zwar an den meisten französischen Stränden erlaubt (auf Korsika nicht, da droht eine Geldbuße), FKK aber nur an extra ausgewiesenen Stränden. Im Zweifelsfall ziehen die Franzosen einen sexy Bikini unverhüllten Rundungen vor.

Im Bild: Sonnenbad am "Paris Plage" mitten in der Metropole.

© Süddeutsche.de/kaeb/dd/cag/rus

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